Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 227 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite % DIE NEUE WELT Die A. V. Kadimah zu Wien gibt hiemit bekannt, daß ihr lieber A. H. INGENIEUR OSKAR LÖWY in New York am 21. Dezember 1931 verschieden ist. Er war uns ein treuer Bundesbruder; wir werden sein Angedenken stets in Ehren hatten. Fidaclt! Für die Activttas: Für den A-H.-Verband: abs. für. Edmund SchäctttQr Dr. Jakob Welner dzt* x x dzt Präses Hausbesorger einer Schule der Btidapester israelitischen Religionsgemeinde, Heinrich Neurohr, gegen die Hausbesitzerin eine Klage um seine restlichen Gebühren vor dem Bezirksgericht angestrengt hatte, machte Beklagtenvertreter Dr. Johann Holczer die Einwendung geltend, daß die Klage vor das israelitische Sondergericht gehöre. Das Statut spreche zwar nur von „Beamten" der Religionsgemeinde, doch sei der Begriff extensiv auf alle Angestellten auszulegen; weil zu jener Zeit — 1869 — die Gemeinden noch keine anderen Angestellten als Rabbiner und Funktionäre hatten. Der Bezirksrichter wies die Kompetenzeinwendung ab, worauf die Parteien in der meritorischen Verhandlung einen Vergleich schlössen. Die Frage ist noch immer strittig, denn die Obergerichte haben in Ähnlichen Prozessen ihre Kompetenz abgelehnt. •"• ' " •" " Nr. 227 - tnage furchtet, d'< mit diesem Freispriieh zusammenhängt. Erst jetzt wird bekannt, daß der erste Gendarmtfiebericht, der die Version des Ritualblutes in die Angelegenheit brachte, das Landesamt passiert hat Und auf angeblich inoffizielle Weisung dann zum Gegenstand der staatsanwaltlichen Anklage gemacht wurde. Union der Zioni'$(en*Revisi'om'sfen Oesterreichs In der vor kurzem abgehaltenen Sitzung des Parteirates wurde die Wahl der Parteileitung, deren Zusammensetzung unten bekanntgegeben wird, und die Konstituierung verschiedener Kommissionen vorgenommen. In eingehender Weise wurden die organisatorischen und politischen Verhältnisse im österreichischen Zionismus besprochen und die Stellung der Union zu den anderen Verbänden in einer Entschließung festgelegt. Vor allem wurde festgestellt, daß der „Landesverband der Zionisten Oesterreichs" und seine Leitung, das Landeskomitee, ihre Titel ohne jede innere Berechtigung fähren. Der Landesverband, ehemals die Vertretung der österreichischen Zionisten, repräsentiert heute nur mehr die Gruppe der „Allgemeinen Zionisten*4, welche bei den letzten Kongreßwahlen nur etwa 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten, gegenüber einer weitaus größeren Zahl revisionistischer Stimmen (Revisionisten 2 Mandate, Allgemeine Zionisten 1 Mandate) Auf dem Delegiertentage des sogenannten „Landesverbandes" waren nur „allgemeine"' Zionisten. Es fehlten: Revisionisten, Misrachi, radikale Zionisten, Poale Zion und die Vereinigung Hitachduth trat aus. Unter solchen Umständen ist es eine Irreführung der Öffentlichkeit, wenn diese Körperschaft und ihre Leitung Titel beibehalten, die den Anschein einer Zionistischen G e 's a m t v e r t r e t u n g zu erwecken geeignet sind. Dementsprechend fördert die Union, daß die Gruppe der „Aligemeinen Zionisten" einen ihrem wirklichen Inhalt entsprechenden Titel annehme. Die Union lehnt es ab, vom „Landesverband" und „Landeskdmitee" auch hur nominell nach außen vertreten zu werden und wird unbedingt auf Klärung dringen. Ebenso lehnt es die Union ab, für die zionistischen und; innerpolitischen Tendenzen Handlungen des Landeskor|iit:ees,: des.. Landesverbandes, und seiner M a n d at ar % irgendweiche Verantwortung-.' zu : übernehmen* da.; ,dies,ev in den wesentlichsten Punkten grundsätzlich vom alten . politisch-zionistischen und jüdisch-nationalen Programm, an j dem die Union unverbrüchlich festhält, abweichen. Die|se Preisgabe ist bei den verschiedensten Anlässen unzweideutig in die Erscheinung getreten. Bei politischen Wählen hat das Landeskomitee gegen die nationale Kandidatur für die Assimilation, für getaufte und ausge-. tretene Juden Stellung genommen. Die auch mit den. Stimmen der Revisionisten gewählten Mandatare in der Kuitusgemeinde haben den Kampf gegen die Assimilation mir! für die Volksgeme inde, für das jüdisch-, nationale, demokratische G em e i n d e p r o g r amm, für das' allgemeine Wahlrecht usw. preisgegeben. Eine solche. Vertretung und Führung lehnt die Union ab. Sie wird den Weg gehen, den ihr nationales Programm ihr vorschreibt. Unter Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit in der Verfechtung ihrer zionistischen und innerpolitischen Grundsätze ist die Union bereit, an einer Vereinigung aller zionistischen Gruppen (Territorialverband) teilzunehmen, wenn dieser die Erledigung gewisser allgemein-zionistischer und allgemein-jüdischer Aufgaben zum Inhalte hat und in ihrer Konstitution das Recht aller Gruppen auf selbständige Vertretung «Ua eigenen Programms wahrt. . . Mandatare dar Union: Präsidium: Oberbaurat In*. Robert Stricker. Dr. David Buksoan. Leopold Sitzmann, Fritz Richter. Leitung: Dr. Heinrich Glucker. Dr. Salomon Wolf. Paul Haller. Dr. Leo Köppel .M. A. Tenenbiatt. Iiik. Eugen Buchbinder. Dr. Gottfried Weidenfeld. David Nebenz'ahl. Theodor Grubner. Hans Kandl. Dr. Nähurn Samonsky, Paul Alter, Dr. Huso Benedikt. Dr. David Bergstein, Josef.Feldhorn. Josef Frankel, Salomon Gelmer. Kastel Glasberx. Isidor Goldstein. Siesfried Graubart Mendel Haser. Dr. Josef Hecht. Georg Helwtng, Josef- Höchberg. Samuel Kantor. Mosche Kerzner. Erich Kohn. Hans Kolb. P. M. Geller, Simon Hellozer. Pelsach Wühl. Salomdn Körner. Berthold Kornmehl, Hivire Kraus. Eugenie Kreitler Benjamin Lubotzky, Moses Lutzky, Dr. I. Mann Ezechiel Nußbaum. Charlotte Oopenheim. Erna Hatak. Hans Pe-rutz. Dr. Karl Pollack, Josef ine Salznmnn. Moritz Reisner, Fini Schaechter. Abraham Schaechter. Max Schatther , Benzion Schiffmann. Max Schi ff mann. Noftall Scherzer. Bernard Steinklein. Paula Stricker. Berta Taubes. Michael Topf. D. Z. Weinstein. Gustav Wilder. Revisoren: Dr. Max Bard. Oskar Laufer. Julius Katz. Partolsr e r i c Ii t: Ihr. Fedor Ackermann. Michael Gourary, Dr. Norbert Hoffmann, M. Racker, (ng. Rakowicky. Dr. Isidor Rubinstein. Dr. Bruno Sinuermann. Dr. David1 Taubes . - Sudie für meine 25jährige hübsche, intelligente Tochter aus. gutem jüdischem Hause, mit S 10.000 Barmitgift, Wohnung und S 300 sicherem monatl. Einkommen, passenden Bewerber* Ausfahrt Zuschriften unter „Anonym zwecklos4* an die Redaktion des Blattes Graf Keyserlings Antwort an die „Neue Welt" Dae „Schule der Weisheil" unterm Hakenkreuz — Ein Brief desOralen Keyserling als Antwort an die „Neue Welt" „Der Fall des Grafen Keyserling stellt die Weisheit der Assimilationsjuden wieder vor die Mauer. In Abwehrversammlungen läßt es sich so schön an, wenn man in den Saal schreit, daß nur Ungeistigkeit und Unbildung den Antisemitismus dulden können. Graf Keyserling ist weder ungeistig noch ungebildet. Die Judenfrage ist eben keine Frage der Geistigkeit und Bildung, sondern eine nationale Frage, die erfolgreich nur so behandelt werden kann» wie man andere nationale Fragen behandelt. Durch Organisierung aller jüdischen Kräfte auf nationaler Basis eine Macht schaffen. Dann erst kann die Auseinandersetzung mit den anderen zu einem Erfolg führen. Die Geister der Bildung und Kultur pathetisch anrufen, ist nutzlos. Das lehrt die zionistische Erkenntnis, und der Fall des Grafen Keyserling ist eine Probe aufs Exempel." Diese Sätze habe ich in der vorletzten Nummer der „Neuen Welt" mit Bezug auf die -Stellungnahme des Grafen Hermann Keyserling, des Gründers der „Schule der Weisheit" in Darmstadt, geschrieben. Vor mir lag ein Artikel des gräflichen Philosophen, der auch und vielleicht gerade von der literaturbeflissenen Judeuschaft im Reiche als Erwecker Deutschlands aus dumpfen, grobmaterialistischen Träumen gepriesen wird. In diesem Artikel lehnt Graf Keyserling das soziale Programm wohl ab, bekennt sich aber sonst rückhaltlos zum G e i s t e Hitlers. Er preist sich glücklich, daß sein, des Grafen, elfjähriger Sohn: glühender Nationalsozialist ist In einem Gespräch, das Graf Keyserling dem Vertreter der „Jüdischen Pressezentrale" in Zürich gewährte, wirft er mir vor, daß ich in der „Neuen Welt" seine Stellung zum Judentume ungerecht und engherzig beurteilt hätte. Man dürfe nicht eine große nationale Erhebung auf „ihre Stellung zum Judentume zuspitzen" . . . „Wie ich selber zu aller Engherzigkeit stehe, hätte auch der Urheber des Artikels in der „Neuen Welt" wissen müssen.", Es liegt aber noch eine zweite, viel eingehendere Stellungnahme des Grafen Keyserling zu meinem Artikel vor. Sie ist in einem Briefe an den Professor Dr. Jakob Nacht vom1 Jüdisch-wissenschaftlichen Institut in Straßburg enthalten. Herr Professor Dr. -Nacht schreibt mir: „Straßburg, 11. Jänner 1932. Sehr geehrter Herr Stricker! Ihr Keyserling-Artikel hat in Straßburg ganz besonderes Aufsehen erregt, da der Graf hier viele Jünger seiner „Schule der Weisheit" zählt,, die ihn bisher von seiner Hitler-Seite nicht kannten. Noch vor einigen Monaten hielt Graf Keyserling hier vor großem Publikum einen Vortrag „La nouvelle Europe", in welchem er ausführte, daß die „Freundschaft aller Europäer" höher zu werten ist als der Nationalismus. Unter Hinweis auf Ihren Artikel richtete ich an Grafen Keyserling ein Schreiben, in welchem ich ihn an seine Straßburger Reden erinnerte und auf den scharfen Gegensatz, in welchem sie zum Hitlerismus stehen. Ich erhielt vom Grafen eine Antwort, welche ganz unbefriedigend ist und die ich Ihnen zur Verfügung stelle. Insbesondere der Passus, in welchem er von den Juden als Urheber der rumänischen Greuel spricht, verdient schärfste Zurückweisung. Ihr ergebener Prof. Dr. S. Nacht." Der Brief des Grafen Keyserling an Professor Dr. Nacht lautet: „Darrastudt, 6. Jünner 1932. Prinz-Christians- Weg 8. Geehrter Herr Professor 1 Sie dürfen die Hitler-Bewegung nicht nach dem beurteilen, was sie zur Zeit gegen die Juden vorhat, sondern was sie für Deutsche bedeutet Sie ist unzweifelhaft der Kristallisationspunkt einer gewaltigen nationalen Bewegung, der selbstverständlichen Reaktion eines starken Volkes gegen zuviel Ausbeutung uifd Verunglimpfu*g...Es gehen allgemach al l ö - 'b es t e ii Kräfte h i n e i n/ tinff das bietet die Gewähr); daß» nach einigen-Monaten die unmöglichen Ideen des Rassenfan a tismus in den Hintergrund treten werden, piev|D!ett.fechen sind kein revolutionäres Volk, so wird hier*'nie so heiß gegessen wie gekocht. Die nationalsozialistische Bewegung ist .als verstärkter;, WiderhaUfroder Wiedergeburt d er Frei h e i i's b e weg u n g von 1815 zu verstehen. Einem SJtraflburgev sagte, ich, voriges Jahr, lange bevor die' hatiöhkfsoziatistisdhe Welle" so' hocJt wie heute anschwoll: Wäre Frankreich ebenso gedjemütigt wie Deutschland heute,' nh^v wär^n )ra B. P'oincare und Millerand jung, so wären sie heute Nazi- F tth'r e t.V O a"si: i s i ß te; ' W,a fr r h e i t. Das Antisemitische; das -tcrl, wie* getagt,''durchaus verurteile, das, aberan^sich eine Kleinigkeit bedeutet im 'Ve^^Ieicliizum großen Ganzen, erklärt sich zum Teil daraus, daß.t die r u s s i,s c h e n,. Greuel zu m großenlTeflialfcf «luden^tfrü.c'!;geh en. ™ ' "t¥ÄMWHlft^alleB Fortan ist die Idee, Umständen harmlos sind, historisch erledigt. Aber ich glaube nicht, daß Sie zu fürchten brauchen- Bis. die Nazi..afl^.der. Macht sind, .wird so. vieles weniger virulent geworden seih. Hochachtend - Graf Keyserling, a i" ■- Dieser Brief schließt jefren "Zweifel aus. Er ist ein rückhaltloses Bekenntnis?\i Hitler. Die Feststellung, daß die,russischen Greuel auf Juden zurückzuführen sind und die . G e.f ä h r 1 i c h k e i t der Juden „historisch" bewiesen erscheint, zeigt ein weitgehendes Einverständnis mit .Hitler, auch in der Juden frage. Die gnädige.. Bemerkung, daß „nie so heiß gegessen wie gekocht wird", ist wohl, nicht geeignet, die Juden Deutschlands zu beruhigen. Es tut mir nicht leid, Herrn Grafen Keyserling zu größerer Deutlichkeit veranlaßt zu haben. Jedenfalls ist klar, daß, ich mich keiner Ungerechtigkeit und keiner Engherzigkeit befleißigt habe, wenn ich die Juden davor warnte, von der Geistigkeit und B i 1 d u n g in Deutschland, deren berufener Vertreter Graf Keyserling gewiß ist, Rettung vor dem Antisemitismus zu erhoffen. 1 Robert Stricker. ' Die tschechoslowakische Regierung für hebräisches i Schulwerk Prag, 18. Janner. Das Unterrichtsministerium hat in den letzten Tagen auf wiederholte Interventionen der Jüdischen Partei hin dem hebräischen S,chulwerk in Karpathorußland eine Subvention von Kc 5 0.000 bewilligt und zur Auszahlung gebracht. Dagegen hat die karpathorussische Landesbehörde, die in ihr Budget für den gleichen Zweck Kc 25.000 eingestellt und von diesen Kc 15.000 bereits ausgezahlt hatte, die Restsubvention unter Hinweis auf die Budgetknappheit auf Kc 2500 herabgesetzt. Amtliche Ritualmordlüge Prag, 18. Jänner. Auf 'eine Anfrage erfährt der JTA.-Vertreter von informierter karpathorussischer Seite, daß die Verhandlung in dem Ritualblutprozeß, die für den 24. Dezember angesetzt war und wieder vertagt wurde, in der nächsten Zeit ni ch t w i eder au f gen o mraen wir d. Nach dem Gutachten des neben dem ukrainischen Amtsarzte nunmehr hinzugezogenen neuen ärztlichen Sachverständigen "hat sich eine vollständige Ablehnung der Kombination des geringfügigen Blutverlustes der beiden Kinder Helene B o g d a n und Vasil Kosta mit irgend einer Tendenz der .Blutentnahme zu rituellen Zwecken ergeben. Der Prozeß, der nach der Ansicht informierter Persönlichkeiten mit einem freisprechenden Urteil enden muß, wird auf Betreiben des karpathorussischen Landesamtes, das als sein „geistiger V a t e r14 angesprochen werden kann, nosh hinausgeschoben, da man die internationale Bla-