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Die neue Welt · 1932-01-15 · Heft 226 (15.1.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 226 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 226 DIE NEUE WELT 6e!f* 9 k 1 einern oder ganz au liquidieren und den Stadtbehörden den Besitz der jüdischen Gemeinden auszuliefern, die sich in den Nachkriegsjahfen infolge Auswanderung nach Deutschland verkleinert haben. Die aus nur wenigen Familien bestehende jüdische Gemeinde von Grodzisk ist durchaus nicht in der Lage, kostenreiche Renovierungen vorzunehmen, da sie vom Staate nieiit die geringste materielle Hilfe erhält. I n Wirklichkeit bedarf die Synagoge gär nicht der Renovierung. Der Nationalst spficht die Hoffnung aus, daß der Minister die jüdischen religiösen Institutionen in den früher preußischen Gebieten vor dem Zugriff der Magistratsverwaltungen schützen wird. Wiederum wurden vielen hunderten Juden Konzessionen entzogen Bekanntlich hat die polnische Regierung in den letzten Jahren sehr vielen Juden die von ihnen oft Jährzehnte hindurch innegehabten Konzessionen zum Verkauf Von Monopolwaren, wie Spirituosen, Tabak usw., entzogen. Vor kurzem hieß es, daß der Prozeß der Konzessionsentziehung, zum Abschluß gelangt ist Und daß die jetzigen Konzessionsinhaber ihre Konzessionen behalten werden. Diese Mitteilung hat sich als irrig erwiesen. Anfang Jänner 1932 haben 1500 jüdische Konzessiönsinhaber die Mitteilung erhalten, daß sie ihre Konzession abzugeben haben. 700 Konzessionsinhabern gelang es, eine Prolöft» gation bis 1» Juli 1932 zu erhalten, 600 mußten difc Konzessiöneofdtt abgeben. Das Vöfgehen des Finanzministeriums hat die in dieser kritischen Zeit täglich zunehmende Verelendung der jüdischen Bevölkerung, die nicht zuletzt auf den rücksichtslosen Steuerdruck zurückzüfürhen ist, nöfth utn ein bedeutendes gesteigert. Nun heißt es von Regierungsseite wieder, daß näch Liquidierung der 1300 Konzessionen weitere KöhzesSiofiSefttzie.huögen ttiöht Mehr Stattfinden Sollen. Wer däs glaubt! Martyrium jüdischer Kinder in den Volksschulen Der jüdische Pärlamentsklub sandte ein Schreiben an den Unterrichtsminister, in welchem auf das Martyrium jüdischer Schüler in polnischen Volksschulen und insbesondere auf die Läge in der staatlichen Volksschule des Städtchens B a r a n o w hingewiesen wird, wo der Schulleiter K r y k auf dem Kopfhaar eines jüdischen Schülers mit der Schere ein Kreuz ausgeschnitten hat. Auf diese Weise lieferte er den Schüler dem Spott seiner Kameraden aus. Der jüdische Pärlamentsklub ersuchte den Richter, gegen solche moralische .Perversitäten an den polnischen Schulen einzusehreiten. Dem Brief, .war eine Photographie des jüdischen Schülers, auf der das Kreuz im Köpf haar deutlich zu sehen ist, sowie andere Dokumente beigelegt. (Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlags „Die Neue Welt" gestattet) Vater und Sohn Erinnerungen ah Hans Merz! von Joseph Leftwich (London) X. drei Täge gekommen Wäf, Und bemerkte, däß sie sich (Schluß) nut* durch konstante Injektionen am Leben erhalte, aber er schien durchaus nicht ihren Tod zu erwarten und war an diesem Nachmittag ein sehr angenehmer Gesell« Schäften Er spazierte dann mit Louis Zangwill zum Bahnhof und sandte einige Tage später an Louis Zange Im letzten Kapitel seiner Erinnerungen Versucht Leftwich das Verhältnis von Hans Herzl zü seinem Väter aus kleinen, in« timen Details zu zeichnen. Verehrung Und Bewunderung für den großen Mann, nicht illein die kindliche Liebe zürn Vater, kommen hier zürn Ausdruck. Es ist mehr äls psychölö« gische Deütelei, wenn sogar in der H ä n d* schrift des Sohnes sich charakteristische Schriftzüge des Vaters aufspüren lassen, wie ja der Söhn, was die Erinnerungen bezeugt haben, in vielem grundlegende Wesenszüge des Vaters aufweist. Iii seiner Gesamtheit gibt sich nun Hans Herzls Porträt als däs eitles Menschen, dem bei allen seelischen und geistigen Fähigkeiten die Harmonie des Les' benS und Händeins versägt blieb. Für seinen Vater hatte Hähs eine ungeheure Bes wunderung. Mein Vater war der Lassalle des jüdi* echen National ismu s", pflegte er zu sagen. Zangwills Gedicht anläßlich Herzls Tod „FareweÜ, o Prince, färewell", schrieb er mit 'eigener Hand ab und trüg es immer bei sich. Eine große Photographie seines Väters stand stets äuf seinem Kamin. Ich erinnere mich an eitlem Fäll in diesem Zimmer, dä eine dritte Person, die anwesend war, mit einem Blick auf die Photographie sagte: „Mir kommt vor, Sie wären verharrt iti Ihren Vater, Hans." „Ich liebte ihn," platzte Hans leiden« schaftlich heraus, sein Gesicht übergoß sich mit Glut und seine Augen sprühten während seiner Worte. Er pflegte mir von seines Vaters Plan betreffs einer Jewish Chartered Company für Palästina zu erzählen, die die Finanzoperationen für die Restauration des Lan* des unter der Garantie eines Charter zü führen hätte und besser für die Entwicklung Palästinas geeignet wäre als das gegenwärtige System. Er übersetzte seines Vaters Tagebücher ins Englische und kannte sie und Seines Vaters andere Schriften fast bis auf den Grund. Er be« wahrte irgend eine Bemerkung seines Väters, die er anderswo fand, wie einen Schatz. Nach seinem Tod fand ich selbst, schön geglättet und sorgfältig aufbewahrt, unter seinen Papieren Kopien von J. T. A.*Bulletins, die ich ihm zu verschiedenen Zeiten gegeben hätte, denn sie enthielten Berichte, die seinen Väter betrafen, wie er sie auch in dem Brief, der im Artikel des Jacob de Haas wiedergegeben ist, erwähnt, nämlich bezüglich der Ueberführung von Seines Väters sterblichen Resten nach Palästina. Es war seine Gewohnheit, alle Arten von Dingen, die ihm etwas bedeuteten, aufzubewahren, ütld es freute mich, als ich fand, daß die Einladung zu meiner Hochzeit bei ihm ebenso aufbewahrt blieb wie alles andere. Er erschien bei der Trauung in der Syn« agoge, dann bei mir im Hause und setzte die besuche häufig bis an sein Ende fort. Manche sahen in ihm Aehnlichkeit mit seinem Vater; in Stirn und Nase, in der Handschrift, die auf den ersten Blick in der Tat sehr ähnlich erscheint, aber er lehnte Vergleiche heftig ab mit der Erklärung, daß er seinem Vater nicht gleiche. In der letzten Zeit fanden Hans, Prof. Roback, Louis Zangwill und ich uns zu einem Quartett im Garten zusammen, und irgendwer sagte, vier Schriftsteller hätten sich zusammengefunden. Er lehnte heftig ab und schrie: „Ich bin kein Schriftsteller, sondern nür ein literarischer Tag« löhne r." Er erwähnte im Lauf des Gesprächs, daß seine Schwester Pauline in Bordeaux sehr krank sei. Er hatte Sie vor ungefähr einem Monate gesehen, als sie für fcU tiftt einzige &$itd)ttf $ünbhot$*r ¥ vftei^onniti Sie eint guttue $0od)£ lang Kathreiner trin&tu £*W%tJter/ will einige ergänzende Informationen über Theodor Herzls Theaterstücke, über die sie gesprochen hatten und über die Zangwill einen Vortrag vorbereitet hatte. Vierzehn Tage später, an meinem Geburtstag, wären Prof. Roback und Louis Zahgwill mit anderen Freunden wieder bei mir im Hause und beide, PauÜhe und Hans, wären tot. Ich häbe bereits der Aehnlichkeit zwischen Hans' und seines Vaters Handschrift Erwähnung getan. Unter den Anwesenden befand sich auch Dr. Robert Saüdek, der berühmte Experte der Handschriftendeutung, und es ist vielleicht von einigem Interesse, sein Urteil über Hans Herzls Händschrift zu vermerken (er wußte nicht, um wessen Handschrift es sich handle, denn es war ein Manuskript ohne Signatur und ohne Hinweis auf des Schreibers Identität). „Absolut ernst, ehrenhaft, zuver« lässig," schreibt Dr. Saüdek Über ihn. „Bescheiden und objektiv," fährt er fort, „Wiewohl sich seiner großen geistigen Gaben bewüßt; eher sensitiv; empfindlich, aber mit Selbstkontrolle; ambitiös, aber für seine Sache und nicht für sich selbst; verfeinert, kultiviert fast bis zur Künstlichkeit; starke Beobachtungsgabe und Kombinat tionsfähigkeit — seine Kombinationsfähigkeit ist manch« mal sogar von schöpferischer Originalität." Das trifft in vielem mit meiner Meinung zu« samen, die ich mir von Hans' Charakter im Laufe der sieben Jahre, die ich ihn kannte, gebildet habe, bis. zur letzten Beobachtung Über eine Sache, über die seine Schwester Pauline in dem von mir früher erwähnten Brief folgendes zu sagen hatte: „Händlertum — dieser Terminüs kann schwer bei einem Mann Von so hohem \ Ständard angewendet werden." Kaufmännische!' Sinn war bestimmt nicht die Gabe, die Hans besaß oder deren er sich häte rühmen können. Er paradierte nicht mit seinen Gaben; schrak vielmehr davor zurück, sie zu proklamieren, ja bemühte sich eher, sie zu verbergen oder sie zu leugnen. Er erwähnte nur sehr selten seine Kriegsdienstleistung, und wenn sich irgend einmal davon etwas seinen Lippen entrang, so machte er sich Sofort darüber Vorwürfe. „Ich habe da mit meinem Militärdienst kokettiert, bes stimmt eifte sehr Unbedeutende Leistung." Aber es ist evident, daß er ättch in seinem Kriegsdienst de« Durchschnittssoldaten übertraf, denen er war es, an den steh der Feldräbbiher seiner Formation wandte und schrieb, wenn er eine Botschaft an Hans" Kameraden weitergeben wollte. Wenn er Unter Menschen kam, machte er Häufig den Eindruck der Kälte, sehleft ganz von Seiften Gea danken absorbiert und sichtbar von ihnen niedergedrückt. Er konnte aber häufig Seine Sehwermut nicht ablegen, bedrückt Von dem Gefühl» daß er kein Recht habe, glück* lieh zu sein, bevor er sich nicht selbst gefunden habe und geistig frei sei, fürchtete aber gleichzeitig, daß man ihn unfreundlich finden würde und daß er die ange* botene Freundschaft verachte. Er mied stets günstige Gelegenheiten, denn er glaubte, auf sie kein Recht zu haben, fürchtete aber dennoch, man würde glauben, er verachte solche Gelegenheiten, während er sie doch aus« schlug, Weil er sie nicht verdiene. Das Leben hatte ihn auch gelehrt, Abweisungen gewärtig zu sein, und er selbst fürchtete Angebote zu machen oder sich um jemandes Freundschaft zu bemühen. Aber er brauchte Güte, und ein gütiges Wort, oder wenn Interesse für Dinge aufgebracht wurde, die ihn beschäftigten, machte sein Gesicht leuchten, ihn höflich lächelnd und angeregt erzählen. In solchen Momenten, von seiner Versunkene, heit in sich befreit, war er ein wahrhaft entzückendes Gefährte. # Es gibt viel mehr* was man über Hans Herzl sägetf könnte und Über die Probleme, die bei der Betrachtung seines Lebens aufscheinen. Aber es ist vielleicht wahr, was mein Freund Leo König in einem Artikel nach dem; Tode Hans* äußerte, daß ihm wirkliche Gerechtigkeit nur in Form einer freigestalteten Novelle werden könne. Vielleicht entsteht diese Novelle, denn es schrieb mir jüngst einer von Hans' Freunden, Marcell Stern« b e r g e r äus Paris, daß er sich bereits an die Arbeit einer solchen Novelle gemacht habe und bei mir anfrage, ob ich »äls einer der intimsten Freunde Hans Herzls seit vielen Jahren" mitarbeiten möchte. Der Gegenstand ist gewiß einer solchen Sache wert. ' Etwas anderes möchte ich aber hier sagen, das die vielen Bewunderer Theodor Herzls vielleicht be« ruhigen wird. Nach dem Tod Paulines, Herzls ältesten Kindes, und Hans', seines einzigen Sohnes, lebt däs Blüt Herzls hoch in seiner jüngsten Tochter Trud6, die an einen jüdischen Kaufmann in der Tschechoslowakei vert heiratet und Mutter eines kräftigen, normalen 13jährigen Jungens ist, Herzls Enkels, eines fähigen Burschen, der in der Schule seinen Mann stellt. Hans liebte ihn Sehr, die Photographie hing immer an seiner Wand und er pflegte mit Stolz über Seinen Neffen zu sprechen. Nicht dem Namen nach, obwohl d"er Junge Theodor heißt, aber dem Blut nach werden Linie und Nachfolgeschaft Herzls bewahrt bleiben. Ch. N. Bialik-Woche in Wien In den nächsten Tagen trifft in Wien -— über Einladung der „Histadruth ivrit" — der größte jüdische Dichter der Gegenwart, Ch. N. B i a 1 i k, ein. Anläßlich dieses Besuches wird in Oesterreich in den Tagen zwischen den 23. und 30. Jänner eine „Bialik-Woche des hebräischen Buches" proklamiert, in der eine intensive, alle jüdischen Kreise umfassende Aktion zugunsten des hebräischen Buches im allgemeinen und zugunsten der jüdisch-kulturellen Arbeit in Oesterreich durchgeführt wird. Am 26. Jänner tritt Bialik zum ersten Male vor das Wiener Publikum mit einem Vortrag im Großen Konzert« haussaal. Außerdem finden noch unter Beteiligung Bialiks eine Reihe von Konferenzen statt, von denen als die wichtigste die Konferenz der Freunde des hebräischen Buches in Oesterreich zu erwähnen ist. Auch ein großes Konzert zu Ehren Bialiks wird veranstaltet. Als Ehrenpräsident des hebräischen Pe^kluba Ist Bialik ipso jure Ehrenmitglied des internationalen Penklubs und wird daher als solcher statutengemäß auch Gast des Wiener deutschen Penklubs sein. LevantesMesse TelsA\viw und Gesellschafts* reise nach Palästina. Die diesjährige Levante-Messe in Tel-Awlv* findet in der Zeit vom 7. bis 30. April 1932 statt. Ali einzige Ausstellung im Vorderen Orient bietet sie auch den Österreich!sehen Interessenten eine günstige Gelegenheit zur Anknüpfung vöh Handelsbeziehungen mit Palästina Und den Nachbarländern. Das Levanto* Messe-Komitee veranstaltet eine Gesellschaftsreise nach Palästina, und zwar vom 15. März bis 19. April 1932 und hat die Durchführung dieser Reise dem Palestine Tourlng Club übertragen* Die Gesellschaftsreise Soll den Reiseteilnehmern nicht nür ermöglichen, die Messe zu besuchen, sondern aüch das Land, seine Schönheiten und Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. In die Zeit des Palästina-Aufenthaltes fällt Purim, der in Tel-Awiw verbracht wird, und die „M a k k a b i a h". Die letzten zehn Tage des Palästina-Aufenthaltes sind ausschließlich der Messe gewidmet. — Pauschalpreis von Wien bis Wien zirka S 1000. Auskunft und Prospekte erteilt die Reiseleitung und das Levante*Messe-Komitee täglich zwischen H$ und J^S Uhr in den Büros der Firma Caro & Jellinek, Wien, I., Deutschnieisterplätz 4, Tel. A-18-5-80 Serie.

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