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Die neue Welt · 1932-01-15 · Heft 226 (15.1.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 226 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile % DIE NEUE WELT Nr. 226 H |c m ■ MMMlttM, MS« Tamt nnviign das Juden und Arabern in Gegenden tu leben ermöglicht hat, die einige Jahre vorher Pest- und Malariazentren waren. Bin sehr großer Prozentsatz der zionistischen Siedlungen befindet sich auf Plätzen, wo niemand leben konnte oder gelebt hat, wo man sieh Tod und Krankheit gegenüberfand, wenn man dort das Nötige bauen wollte; und die britische Regierung sollte bestimmt wissen, daß alle Erklärungen von der Depossedierung der Araber nur Ausfluß sind einer Haltung, den Plänen der Araber einseitig gefällig zu sein. Ich war in Palästina im Jahre 1923, Und als ich die Bestimmungen des Landkaufs kennenlernte, sah Der Dritte ladt! Als der Großmufti von Palästina seinen frommen Lügenfeldzug gegen die Juden und den Zionismus im Namen des „bedrohten mohammedanischen Glaubens" begann, fand er bei den geistlichen Kollegen von der katholischen Kirche wohlwollendes Verständnis, freundlichste Unterstützung. Die christliche Fresse im Orient und in Europa billigte sein Vorgehen gegen die gefährlichen Juden, welche die Heiligtümer anderer Glaubensgemeinschaften respektlos angreifen. Auch als die Propaganda des Mufti in Abschlachtung wehrloser jüdischer Schüler und Greise ausartete, blieb dem geist* liehen Mordhetzer und Brandstifter das Wohlwollen des christlichen Klerus erhalten. Auch als der Mufti daran« ging, durch Einberufung eines allgemeinen Moslem» kongresses nach Jerusalem der Judenverfolgung im Orient ein stabiles Zentrum zu geben, fand die katholische Fresse nichts auszusetzen. Nun aber, da der Kongreß des von kirchlicher Seite begönnerten Mufti getagt und seine Beschlüsse ver* öffentlicht hat, ist große Bestürzung und Angst über die Gönner von gestern gekommen. Wider alles Er* warten hat sich der Kongreß nicht auf den Kampf gegen die Juden beschränkt, sondern hat auch die Christ* liehe Kirche in den Bereich seiner Aktionen gc* zogen. Wie aufregend der Verlauf des Kongresses auf katholische Kreise gewirkt hat, das beweist der B;r-cht des Jerusalemer Korrespondenten der Wiener „Reichspost" an sein Blatt. Die katholische „Reichs* post" steht dem Vatikan sehr nahe und ihr Bericht* erstatter Dr. M. ist ein geistlicher Herr. Er schreibt: „Der offiziell« Abschluß, des Kongresses hat am 17. d. stattgefunden, und zwar nach etnjr allgemeinen Sitzung, die die ganze Nacht hindurch andauerte. Die Debatte in dieser Nacht war fast ausschließlich den Fragen der Propaganda gewidmet, um die Delegierten von der Notwend-gke't zu über« zeugen, in die islamitische Welt, eine allgemeine Be* wegung hineinzutragen, die sich in erster Linie gegen die Mandats« und Kolonialmächte im Orient rieh* ten soll." „Es ist damit zu rechnen, daß die erste Folge dieses Wiedererwachens der Mohammedaner eine Kampagne gegen die christlichen Mis» sionen im M orgenlan de sein wird." „Man braucht kein Prophet zu sein, um das vor« auszusehen, es genügt, einige Beschlüsse zu betrachten, die von der ganzen Versammlung gebilligt wurden. Unter anderem haben die Delegierten beschlossen, die Aufstellung einer Armee von mohammedani* sehen Missionären vorzubereiten, die die Kultur Diese Geschichte wird gleichfalls von Paris com firmiret, und lautet also: Ein renomierter Rabbi aus dem Stamm L e y i Nahmens Abraham, der schon vorlängst gestorben, und vor einen grossen Propheten gehalten worden, dessen Schriften auch noch die jetzigen Hebräer annoch sehr hoch halten, hat eine P r o p h e* zeyung hinterlassen, daß 3333 Jahr nach der Geburt des Patriarchen.Abraham (welches nach ihrer Rechnung auf gegenwärtiges Jahr trift) der von ihnen erwartete Meßias von einer Jungfrau solle ge« bohren werden, durch sein Blut das Jüdische Volck aus der Sclaverey, worin es seit der Zerstöhrung Jerusalems lebet, zu erlösen; daß am Tage seiner Geburt, welcher zugleich der Tag seines Todes seyn müste, ein berühmter und durch Inspiration bestimmter König werde erkohren werden, unter seinem Gebiet die zerstreuete Nation zu versammlen, sie an den Ort seiner künftigen Herrschaft zu führen, und sie durch Zerstöhrung der Christenheit berühmt zu machen. Da nun den Juden zu Ferrara in den Kopf gekom* tnen war, diese Prophezeyung erfüllet zu sehen, so prä* parirten sie vor einiger Zeit in ihrer Synagoge alles vor» geschriebener massen zur Salbung des künftigen Königs, welchen der Geist verkündigen solte. Was den Meßiam betrift, so gab ein gewisser Zufall ihrer Hoff« nung eine scheinbare Gelegenheit, indem die Soldaten von der Garnison an einem Morgen sehr früh auf der Strasse ich, daß Besitzer des Bodens ein Syrer war, der in Beirut lebte, und die meisten anderen Eigentümer zu jener Zeit ebenfalls keine Einheimischen waren. Die Leute, die jenes Land kultivierten, waren ebenso landlos vor dem Kauf wie sie es nachher waren, und besaßen keinerlei Sicherheit, dort auch weiterhin bleiben zu können. Die Hindernisse, denen sich die Zionisten gegenübergestellt sehen, waren für jeden anderen fatal. Kein Anderer würde sie überwinden, der nicht den patriotischen Impuls hat, der das Rückgrat der zionistischen Bewegung ist. Und die Schwierigkeiten würden unter solchen Umständen die Finanzierung des Werkes überaus gefährden." Eine schlageitdere Widerlegung des palästinensischen Regierungsmärchens von dem durch die Juden „verdrängten" und „bedrohten" Araber kann es nicht geben . . . Aber den Herrn Feron wird das schwerlich Umstimmen. Wir müssen auf der Hut sein und jeder „Nachricht" des Herrn Feron durch Proklamierung der Wahrheit begegnen. nicht mehr ♦ ♦ ♦ des Korans nicht nur unter den orientalischen Völkern, ' sondern auch in Europa verbreiten sollen. Weiters wurde die Entschließung angenommen, daß in allen islamitischen Landern grundsätz» lieh ein systematischer Kampf gegen jedwede Form einer religiösen Tätig* keit ausländischr Missionäre zu füh« r e n s e i." „Wer die Psychologie des Orientalen auch nur einigermaßen kennt, .kann sich ohne Mühe vor* stellen, welche Wirkung es auf die fanatischen und unwissenden Mohammedaner haben muß, wenn ihre Führer ihnen im Auftrage des Jerusa* lemer Kongresses befehlen werden, die Werke der Prediger des Evangeliums zu bekämpfen. Auch wird das Bureau des Exekutivausschusses der panislamitischen Kongresse, das seinen Sitz in Jeru» sa 1 em hat, ein ständiger Herd der politU sehen Xenophobie sein. Beispiele dafür hat man zur Genüge erlebt." „Der nächste panislamitische Kongreß soll' in zwei Jahren einberufen werden. Die Leitung der neuen Be* wegung des Islams Wird der. Großmufti Von Jerusalem mit den Mitgliedern des Exekutivaus* Schusses innehaben. Die Haltung Englands gegen* über der neuen religiösen und politischen Reaktion des Islams gegen den' christlichen 1 Westen i s t n o c h u n< bestimmt. In der Erlaubnis, daß die Leitung des Exekutivausschusses ihren Sitz in Jerusalem aufschlägt, scheint eine Begünstigung der B e w egung zu liegen." Ja, jetzt dämmert den katholischen Herren die Er* kenntnis auf, daß die „fanatischen und u n w i s s e m den" Mörder der frommen Juden in Hebron gewiß nicht zaudern werden, wenn die Hand des Mufti auf die „Pre* diger des christlichen Evangeliums" weisen wird. Fanden sie es früher selbstverständlich, daß die englische Palästina*Regierung das Treiben des Mufti — solange es eben nur dem Zionismus galt — nachsichtig duldete, so sprechen jetzt die katholischen Herren im Tone ängstlicher Verärgerung von der offen* sichtlichen „Begünstigung'der Bewegung" durch diese englische Palästina*Regierung. Vielleicht kommen die katholischen Herren doch noch zur Einsicht, daß ein jüdisches Gemeinwesen im Orient kein gar so arges Uebel ist, daß dieses Gemein* wesen, als Träger von Zivilisation und Gesittung, allen Völkern und Glaubensgemeinschaften im Orient wertvolle Dienste leisten könnte. ein neugebohrenes sauber eingewickeltes Kind in einem Korb fanden, welches sie nach dem Palast des Cardinais Legaten trugen, der solches taufen und ins Waisenhauß bringen ließ. Sobald die Obersten der Synagoge hiervon Nachricht erhielten, ernannten sie 4. verständige Hebammen, alle Mädgefts ihres Volcks zu besichtigen, um zu entdecken, ob unter denen* selben etwa eine so glücklich wäre, die Mutter dieses erwünschten Kindes zu seyn. Nun ward eine mit allen erforderten Merckzeichen gefunden, daher die vor» nehmsten Juden nach dem Hospital gingen, und dieses Kind abfoderten, welches man ihnen aber auf Anzeigung von dergleichen Merckzeichen nicht ausliefern wolte. Als dieses ihnen hier fehl schlug, suchten sie ein ander und zwar folgendes Mittel: Ein armer Sbirro oder Häscher, dessen Frau bald niederkommen solte, verkaufte vor 40 Dukaten an Gold das noch unge* bohrene Kind, im fall es ein Knabe seyn würde. Nun selten die Juden zufolge der Prophezeyung Meister der* jenigen Stadt seyn, worin der pretendirte Meßias würde gebohren werden, oder wenigstens solten sie daselbst einige Zeichen der Herrschaft besitzen. Der Gouverneur der Stadt, Obrister Medici, und der Adjutant Nicolai, die aber gar nichts von ihrem Vor« haben vermutheten, waren ihnen wiewohl unwissend zu ihrer Schwermerey behülflich, und überlieferten ihnen gegen Erlegung 5000 Thlr. baar nur auf einige Bombenwürfe in Palästina Jerusalem, 8. Jänner. Die palästinensische Polizei ist jetzt mit der Fahndung nach den Urhebern von drei Bombenwürfen beschäftigt. Eine Bombe wurde in eine Kolonie der deutschen Guttempler, edne zweite in eine Arbeiterhütte in Jad Jor in der Nähe von Haifa, dem Schauplatz des verlustreichen Ueberfalles auf jüdische Arbeiter während der Pessaehzeit des letzten Jahres, die dritte in ,4tf Haifaer jüdische Vonstadt Hadar Hakarmel geworfen. Tote sind nicht zu beklagen, der angerichtete Schaden ist gering. Bis jetzt ist es der Polizei nicht gelungen, auch nur die leiseste Spnr zu entdecken. Anfijüdischer Boykottbeschluß der moslemitischen Jugendkonferenz Jerusalem, 10. Jänner. (J. T. A.) Die soeben in Jaffa beendete Konferenz des moslemitischen Jugendverbandes in Palästina nahm eine Resolution an, in der erklärt wird, der Boden Palästinas sei heiliger arabischer Boden, und jeder Araber, der solchen Boden an Juden verkauft oder an einem solchen Verkauf beteiligt Ist, mache sich eines Verbrechens schuldig, für das es keine Vergebung gibt. In einer weiteren Resolution werden Boykott ausländischer und jüdischer Waren und von Ausländem geleiteter Kinos, Appelle an arabische Zeitungen, Inserate auswärtiger Firmen nicht aufzunehmen, sowie Nlchtzusammenarbeit mit Juden auf politischem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiete ausgesprochen. Aus Polen Sonderbare Rechtsprechung Die Prozesse wegen der Pogrome in Wilna werden jetzt abgeführt. Einige hundert jüdische Geschäfte wurden devastiert, mehrere hundert Juden verletzt. Die Prozesse haben aber bisnun ein sonderbares Resultat gezeitigt. Vier Juden wurden wegen Beteiligung an der Selbstwehr zu je eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt Dagegen nur ein polnischer .Teilnehmer an den Pogromen zu sieben Tagen Arrest. Damit aber neben dem Schaden der Hohn nicht fehlt, schreibt die nationaldemokratische „Gazetta Warszawska", dieses Ergebnis sei der Beweis dafür, daß die Juden an allem schuld sind. Es war ein Pogrom gegen die Christen. Todesurteil gegen einen Juden In die zahlreichen polnischen Spionageprozesse der letzten Zeit wurden auch zwei Juden verwickelt. Das Kreisgericht in Grodno als Standgericht verurteilte den Schneidermeister Moses Dawidowycz zum Tode und einen zweiten Juden, Feiwel Karp, zu 15 Jahren schweren Kerkers unter der Beschuldigung, Spionage zugunsten Polens getrieben zu haben. Die Angeklagten leugneten jede Schuld. Wie die polnischen Behörden jüdische Gemeinden enteignen Der Magistrat von Grodzisk im Posenseben forderte die Verwaltung der jüdischen Gemeinde dieser Stadt kategorisch auf, die Synagoge und das Gemeindehaus bis spätestens 15. Jänner gründlich renovieren zu lassen, andernfalls werde die Stadt gemein de ungesäumt auf Rechnung der jüdischen Gemeinde die Synagoge niederreißen lassen. Diese Episode, schreibt der Jüdische Nationalrat an den Minister, stellt nicht einen isolierten Fall dar, sondern ist charakteristisch für die Beziehung der Staats* und Stadtbehörden in den früher preußischen Provinzen zur jüdischen Bevölkerung. Auf alle mögliche Weise wird danach gestrebt, den Besitzstand der jüdischen Gemeinden zu verstunden die Schlüssel von dem Thor der Ge* g e n d, wo die Juden daselbst wohnen, doch mit der Com» dition, selbiges nicht zu eröfnen. Am angesetzten Tage begab sich der Rabbi mit 12 der vornehmsten seines Volcks an angemeldtes Thor, und hielt alda eine Rede von der vorhabenden Sache, worin er diesen Beweiß der Oberherrschaft an« zuführen nicht vergaß. Zwey Stunden darauf verfügete sich die ganze Gesellschaft nach der Synagoge, wohin das Kind des Sbirro gebracht war, und welches da» selbst, nachdem die Thüren verschlossen, geopfert ward, da sie demselben die Adern öfneten, das Blut auffiengen, und damit ihr ungesäuert tes Brod kneteten, welches den Umstehenden auss getheilet, der Cörper aber darauf verbrannt ward. Nach* dem diese grausame Ceremonie vollbracht, ward einer Nahmens Felix Coen von dem Rabbi a 1 s König gegrüsset, gesalbet und geordnet, auch von den übrigen der Versammlung davor erkennet. Dieses war alles sehr geheim zugegangen, und der Oberste von der Inquisition hatte nicht eher als am Tage dieses "abscheulichen Opfers davon Nachricht bekommen, da er sich dann nach der Synagoge begab, alwo er noch den Thron gantz aufgerichtet fand; Er ließ aber den neuen König Felix Coen, den Rabbi und die vornehmsten Juden gefangen nehmen, schließen, und nach Rom ins Gefängniß der Inquisition bringen, woselbst ihnen jetzo würcklich der Prozeß gemachet wird.

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