Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 226 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DtE NEUE WELT Nr. '226 Volksführer und Volksfreunde als Geächtete in den rauhen Bergen. Die jüdischen Gricchlinge und Röralinge aber scherwenzelten in Jerusalem vor den fremden Statthaltern und verfluchten laut und aufdringlich die jüdischen Freiheitskämpfer in den Bergen als „schreckliche Räuber", mit denen das „loyale" Judentum nichts gemein hat. Das schien ihnen das beste Mittel, Gunst in den Augen der Fremden zu finden. Darüber ist dann das jüdische Reich zugrunde gegangen. Nichts Neues, dieser hysterische Angstschrei der Londoner Herren. Die Herren haben Vorgänger in der jüdischen Geschichte — und Jabotinsky auch« r. st. Erklärung der Weltunvon der ZionisftensRevisioiHSten Ueber die Rede Jabotinsky» in Warschau Die „Times" bra»chten am 30. Dezember .einen ungenauen Bericht über die Rede des Herrn Jabotinsky auf der ajlpolnischen revisionistischen Konferenz in Warschau. Unter anderem veröffentlichten sie folgende Stelle; „Er .... sagte, daß die Juden das Dynamit werden könnten, welches das britische Imperium in die Luf t blasen würde." Diese Stelle wurde von den Herren Dr. Brodetsky und d'Avigdor Goldsmidt, Präsident des Rates der Jewish Agency, - sofort aufgegriffen. Sie veröffentlichten in den „Times" eine Erklärung, in welcher sie sich von der Aeußerüng, die Herr Jabotinsky gemacht haben sollte, lossagten-und den Eindruck zuschaffen versuchten, als ab der Revisionismus keine politische Bedeutung habe. Außer den genannten Herren sandte Dr. Eder in seiner Eigenschaft als Präsident der englischen zionistischen Föderation einen Brief an die ...JHimes."*. in, dem sich die Federation ebenfalls von dem angeblichen Wortlaut der Attacke lossagte und erklärte, daß Herr Jabotinsky in der Zionistischen Organisation keine amtlicheSt eilung einnehme. Die Absicht all dieser Erklärungen war, den Eindruck zu erwecken, als ob der englische Zionismus die allgemeine jüdische Mißstimmung England gegenüber nicht, teile, Jabotinsky kein veran t wo r 11 i c h e r jüdischer Politiker sei und der Revisionismus wenig zü 'sagen habe. 1 ' ".*',.. j ... . ■„ ■ „ Am folgenden Tage erfuhren wir, daß-'Herrn J'abotinskys. Rede sehr bedeutend entstellt" worden war. Dajdur^jj wurde r eine offizielle Berichtigung notwendig. Gleichzeitig sollte dem" britiscneh''■'•%KK'k\ini'-'''eitte: "wahre" Schätzung des Revisionismus und der relativen-'-Uöwich-- tigkeit des offiziellen englischen Zionismus als Maßstab - für die Meinung "und Gefühle der jüdischen Massen ermöglicht werdenl Am'"4. Jähnef "erschien in^d'en „Times"' der folgende' Brief des Exekutiv-Komitees def-Weltünioh: „.Sir!. "Vor mir liejjt eirie Ausgabe der führenden polnischen zionistischen Tageszeitung „Hajht'Y in der die von. Ihnen am 50. Dezember wiedergegebene Rede des Herrn Jabotinsky erschien. Die von Ihnen angeführte Stelle hat laut dem „Hajnt" einen anderen Wortlaut und ist als Ausdruck der Tatsachen und Gefühle, d i e sicherlich bei den jüdischen Massen existieren, zu werten, wie sehr auch gewisse englische Juden versuchen, dies zu verhehlen: „England hat im Laufe seiner dreizehnjährigen Regierung in Palästina unsere Aspirationen : zunichte gemacht Es hat dadurch 17 Millionen /. jüdische Herzen entzündet-und die Gefahr von 0 Millionen brennenden Zündhölzchen ist sehr groß." Es ist auch wichtig, einen falschen Eindruck zu zerstreuen, der durch Herrn Dr. Eders Brief an die „Times" geschaffen wurde und wonach er im Namen der englischen zionistischen Federation spricht. Wir können seine Erklärung, in der Herr Jabotinsky als nicht verantwortlicher Politiker und als Person ohne offizielle Stellung in der Zionistischen Organisation bezeichnet wird, nidit ohne Erwiderung lassen. Die englische z i o n i s t i s c h e F e dexa11 ern, die den englischen Zionismus nur zum. Teif. vertritt,, ist ,d|e Befifrworterin einer Politik, die" am ietiten Kongreß, eine ettt* s c h e i d e n d e N i e d e r 1 ä:g e glitten hat. Herr Jabotinsky ist dagegen der P r ä s i d "e!n fei riß. r. 0 r g a n/ia.ati on, die den Sturz Dr, Wdzraanns herbeiführte, pei den letzten Kongreßhallen ia,ß i im m.e n e r. h i el t als jede andere Gruppierung untf "im Aktionskomifee iler Zionistischen Weltorganisation »ehr Vertreter Äat als irgend eine andere zionistisi^e%Parte.i.'r Israel Zangwi'II Zum bevorstehenden 5. Todestag Die fünf Jahre, die* seit dehi' Tode \I s r a?e 1 Z a n g w i 11 s verflossen sHnd, Iraben -die jüdische Welt und ihre geistigen und sozialen Tendenzen''nicht unwesentlich verändeft. Die letzten Lebensjahre des großen . jüdischen .Patrioten fallen bereits in die Anfänge jener krisenhaften Zerrüttung,; deren Auswirkung heute noch nicht liquidi'ert ist, ZangwilJs Persönlichkeit umreißt in den Jahren ihres Wirkens eine Epoche, die charakterisiert est durch die politische Tat Theodor Herzle und die Rer 'naissance der jüdischen Welt k u 11 u r. Vom ersten Augenblick an, da Herzl das Wort von der jüd iechen Politik in die Welt warf, war es Zangwill beschieden, sich die Herzische Analyse der Judenfrage zu eigen zu machen und deren konsequentester Verfechter bis zu seinem, letzten- Atemzug zu sein. Als scharfer kritischer Denker, glänzender Stilist, tiefer Renner der jüdischen Geschichte und im Besitz eines ungewöhnlich reichen jüdischen Wissen?, war dieser Mann mit der Gabe eines großen jüdischen Herzens Bei fahler, graugelber Häutfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung, schweren "Traumen ist es ratsam, einige Tage-hindurch Früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef "-Bittenweisser zu trinken. In, Apotheken u. Drog. erhältlich. ■■HHMMMMriMMan^ begnadet, das,sich im enthusiastischen Willen verzehrte, das jüdische Volk zu retten. Sein Fanatismus, seine schier grenzenlose "Wahrheitsliebe brachten esmit sich, daß er fastzwangsläufig das Schicksal mit :-jenen, großen jüdischen;,;]^üh^M;n „teilt die einsam und tibeffbör.Mbßen^;W ,v I ., Es. zienjt. sich,, auch sheuie^seiner großartigen dichtejischem Gebilde»a,us:.,dem ^iidischen Leben z^'.ged'e^en,' jener. Schriften-, $g da$;. frülj&re jttnd..s^|ere. ^r^jc» des;,jüdischen;-Volkes^ü\,.^ Humor,, mit 'der ganzen .-Liebe und dem ^rtUehen ^e^s*|ändri}S." s^VgprV $ie Tniir einem vgroßegrtj K^hf^jren .g^ro^elp^V^ier/eigen .sein kann. , |,K ö n ig d-e r. ..J&c.kn^^-je r^. jax$,uttXj f ujffi e'r. 'd e s G h e 11 o"-sind die. bekanntesten^ in. all^e .Sprächen ttbersetzten literarischen We^ke.^ängwiils... x . .': Die prophetische.Qabev>politische- Zusjamjpeullänge in ihrem ganzen Umfang., zu erkennen und,sie in, das., unerbittliche Gesetz-geschichtlicher Logik z.U. stellen, tritt in Zangwills klassischen Aufsätzen zutage, die. im Buch „Die Stimme von, Jerusale.ni" auch in. .deutscher Spräche vorliegen. Diese Aufsätze «eigen Zangwills geistiges und politisches Weltbild alsVermächtnis gerade für unsere Zeit} als Warnung, und Mahnung, als. ewig gültige Definitionj als das-. ■„Vf..* s-.-w i.-r : w..p 11 e.n'\,, Der; ..Offizielle Zionismus liebte es, - Zarigwill als Territorialisten, daher-für den Zionismus nicht autoritativen Außenseiter, hinzustellenv: in den Winkel, zu .schieben und ihn so der impulsiven Jüdischen ■,Jugend zu entziehen; Die ...sp: geübte Diskreditierung Zangwills hat unsere. Jugend -um die; seelische Bereicherung durch das Vorbild dieses Herzl-Zionisten, dieses markanten jüdischen Patrioten,;; gebracht. . Aber/die Zeit1, ist. vorbei; wo es noch möglich sein sollte, die aus dem Werk desi Toten ■ mahnende Stimme zu überlärmen, so zu tun, als wäre sein Blick auf die* Union der Zionisten-Revisionisten '. Mittwoch, d«n 20. Jftnner 1932* V,9 Uht abends im H«rsloaal des Vtrbandt» heims, II., Untere Augartenstraße 38 Gegenstand: Faschismus und Revisionismus Referent Dr. S. Wolf Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache! Judenfrage unzeitgemäß.' von der Wirklichkeit überholt. Die Jugend möge sich sagen lassen, daß dem nicht so Ist. Mehr denn je verlangt die Judenfrage nach, jener Lösung, die Herz) zu verwirklichen unternahm und Zangwill mit reinem, unerschrockenem Herzen Überwachte. IJünf Jahre, nach dem Tode Zangwills taucht am-, Horizont die Besinnung auf. ihn. und sein Streben wieder auf........ . Aus Italien Als vor etwa zwei Jahren die „Accad^mia d'It al i a"" von Mussolini geschaffen wurde, erregte es Aufsehen, daß unter den zu Mitgliedern der Akademie ernannten Gelehrten sich k e i n e i n z i g e r J ü d ebefand, obwohl did italienischen Juden in verschiedenen Zweigen de/'Wissenschaft;' insbesondere in der Mathematik; der Rechtswissenschaft, der Medizin und der Geschichtsforschung, einen b e d e u t e n d e n P I atz einnehmen und einige von ihnen Weltruf genießen. Im Zusämmenhätig' mit der '•bevorstehenden Ernennung neuer Mitglieder der italienischen'Akademie wandte sich der Vertreter der J ü d i s ch e n T e 1 e gr a p h e n-A g e ntüf an den berühmten Akademiker Francesco Ma-ritt etti, einen intimen Freund Mussolinis, mit der Frage, ob unter den neu.: zu berufenden Gelehrten sich auch Juden -befinden werden. Prof. Marinetti erwiderte: „Ich kann schon heute mit Sicherheit sagen, daß . demnächst j ü d.i'sc.he v-.Qre•l^'lv^te----.^/ die. Akadetnie,. einziehen werden,-, so; z. j.pw-ödet^Prof^es^pr^an .4er,' Universität. ,Äom;.Gesar.e.:,V i v a^n t i, eine , der größten. Autoritäten;.au| .'dem gebiete, .des o.Han^lsre'c),itS;;|3ie,/Tatsache,)"^^/^ £pnfy.$et...,f^de]^o, jüdische, Gelehrte. nicht" in,...afj.eselbe berufen wurden, ist nicht etwa auf a n t \'s e mitiß.ch. e G rü.n;d..e z.utüc.kzuführ.en,. sondern, ,-t.eUs, /aüiT^nfJaV "teils auch darauf,- daß 'beX'den B.erufüngpn äiif. die ..politische Üeb.erzeugung». der ' ICandidaten iind "ihr V e r h a'U.n i s zum g e.g.e n.w.ä r.t.i g e.nf a's c h i s t i s c h'e-h " He- , . i -t •. - ';" . ..- , . . . - -, -. girae. Bedacht genommen >vi r d. •■• , In Pavia starb im Alter von 71 Jahren Professor Camilk)..Supin,o^ Inhaber des Lehrstuhls für po 1 itis che O.ekon o m i e ander Universität Pavia. Er veröffentlichte, mehrere namhafte Schriften über politische Oekonomie, war .,.31919 ...Vorsitzender.;der. %qm» mission zur. Regelung der ATbeitsbfidingungen .und . zur Schlichtung von Streitigkeiten in. der italieuis.chen F-lbtte und erhielt nach 'erfolgreicher Beendigung . dieser Arbeit den Königspreis (Premie Rieale) der Akademie. Dei Lincei. . ,. '. .. .. ........ .. Der Oberrabbiner von ...Rom Prof. Ajng.elo Sacerdoti wendet sich mit einem Aufruf an' alle jüdischen Gemeinden .. Italiens, genaue Ziffern über den A.nteil. deritalienischen Juden an den Front kämpfen zu sammeln. Es ist bekannt, daß die •italienischen Juden in einem verhältnismäßig sehr hohen Maße zum Frontdienst und zu anderen Kriegsleis'tüngen Jüdisches Emigrantenleben in Paris Szenen vor der jüdischen Arbeitsbörse Von O. Warscb.awsky (Paris) '■ Das jüdische „B e 11 e v il 1 e*\ wie sieh das Pariser Emigrähtenviertel nennt» ist groß geworden. Es hat knappe 10 Jahre gedauert, bis die von zerstreuten Läden und kleinen Werkshütten ausgefüllte Gegend in eine dicht besiedelte, bis an den Rand gefüllte lärmvolle jüdische Stadt umgewandelt wurde. Ein großer, breiter, baumbepflanzter Boulevard ist das Zentrum des Viertels. Um ihn herum ranken 'sich: Höfe, Gassen und Gäßchen, in denen gearbeitet und gehandeltwird, wo man koscher ißt und zum ^üdisehen Gott betet. Die Hast nach Erwerb ist groß, man darf keine Minute verlieren. Juden mit Barten "und Schirmen tummeln sich eilig, nehmen jöde Weile die harten Hüte von den Stirnen und wischen sich den Schweiß von der Stirn. Junges Volk in Arbeitsröcken und Mützen nimmt die Gehsteige ein, die Garküchen, die Werkstätten der Gegend, in der Hauptsache junge Emigranten aus Polen, Rumänien und Litauen, die in Beileville Wohnsitz genommen haben. Belleville ist der proletarischeste Winkel von •Paris. Die paar hundert ..Gäßchen,-die da bergauf-bergab -laufen, und ihr „Bruder", .der benachbarte Pere Lachaise,-haben noch immer nicht die Heldentaten und das Agoniegestöhn der .^Pariser .Kommune vor 60. Jahren vergessen. Der Boulevard von BeÜeviUe besitzt einige Dutzend.. Kaffeehäuser> vvpin/ denen eines von Handwerkern besucht.- wird«; Nack:.der/;•,Ärbe^, ist hier der Treffpunkt .Wer arbeitslos^&t, kann bof/en, hier, "eine Arbeitsadresse zu finden.^ Der geräumige Saal drinnen ist voll von jüdischen;Menschen,, .die sitzen, stehen, eifrig debattieren, bald auch schon die Terrasse besetzen, bis weit hinaus aufJ die Gasse. Hier ist die freie jüdische Ar b e i t ab ö r's e von iParis. Hierher kommen aus allen Gegenden jüdische Unternehmer, um Arbeitshände zu finden.. Man sieht bärtige und bartlose.. Juden, sogar einige MtitteiHn „Scheitel"; mit Ihren er-, wachsenen Töchtern, <fie zur Börse gekommen v waren, weißen Kaffee trinken.- \Dfe Frauen in „Scheiter knüpfen mit den jungen Lünten Gespräche Über die alte Heimat an, „wo 'so jühge -Leute, kein bös Auge, .bereits ein eigenes Heim und eine eigene Frau haben und nicht bewahre in einer christlichen Spelunke sitzen müssen". Und gleicht erfahrenen Heiratsvermittlerinnen lenken sie die Blicke der jungen Leute auf die gegenübersitzenden erwachsenen Mädchen, Diese sitzen mit gesenkten Blicken da, und wenn sie so ganz von ungefähr die Augen erheben, begreift man, daß sie. die Diplomatie ihrer Mütter zu würdigen, wissen.' Das Haar dey. Mädchenist nach Pariser Art onduliert, die Kleider der. anmutig schwarzen jüdischen Töchter in den schreiendsteh Farben gehalten, die Wangen stark gepudert, die Brauen nachgezogen, und trotzdem erkennt ntan, daß auchV.sie gleich den jungen Burschen soeben die Werkstatt verlasseh haben, wo sie den ganzen Tag mit Nähen verbrachten. Im koscheren Restaurant von Belleville. Alle Tische yon jurigeil jüdischen Arbeitern besetzt,;die ein echtes jüdisches Nachtmahl essen. Ein alter, kleiner Jude in schwarzem Hütchen, den grauen Bart zugestutzt, die Hände in den Taschen seines Mantels, betritt das Lokal. Was wül. .dieser Typ. der sonst zu Hause sitzt, Tee scfelttr'ft und. in einem, jüdischen Buch blättert? L)er alte Jude bleibt an der Schwelle stehen, sagt gemächlich „Güten Abend" und knop" ft den Mantel auf, zieht eine Geige hervor und beginnt ein „Chaasen e-Lied". Ein paar junge Leute, Kenner anscheinend,' klopfen zum Takt mit den Fingern auf den Tisch. Des Alten Finger zittern mehr als sein Bogen, zwischen zwei Fingern, die erhoben sind wie die Hand eines Könen beim „Duchenen" (zum Segen gespreitete