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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE NEUE WELT Seit« Ii Kann eine Frau zu schön seinl Kttith man sagen, daß eine Ware zu billi* ist? Wohl ihnen unsere Preisangebote verdächtig niedrig sind! verstehen sie minderwertige — Waten, zum Verkauf Interesse tthd in dem des konsumierenden Publikums fachsten bis zum feinsten Genre» aus billigen und führung, jedem Geschmack und Verwendungszweck günstig in Iliesenmengen gepen Kassa ein — und gegen uns! Mit prunkvollen. Verkaufsräumen ist niedrigen Preisen aber doch. Üebefxeugen Sie sich nichts ~~ ton de* ftlühtigkeit des Gesagten: Morgen katlm und doch kaufen viele nicht bei uns, weil Sie nehfnen an, daß wir nur billige — und darunter bringen. Diesem "Vorurteil müssen wir im eigenen, entgegentreten* Wir führen alles für alle, voitt einteilten Rohstoffen, in einfacher und eleganter Ausentsprechend. Wir erzeugen vieles selbst, kaufen verkaufen besonders billig. Das spricht für und nicht Ihnen ja nicht gedient, mit guter Ware zu besondere einmal aus eigener Wahrnehmung — Ansdhätien koätet beginnt unsere große „S i IDIN-W Ö C H E" mit einer PREIS-REVOLUTION "50 J.3Ö J.98 50 Reinseiden - Georgette » Ziertaschefttücher für Damen und Herren, entzückende handgemalte Dessins, 45X49 dm, pfö Stück 8 dasselbe, 30X30 cm . . . . ,. . pro Stück S Retnseiden»Taffet fleur-faconne, schöne Modefarben, 80 cm breit....... . . S K.-S.-Talfet, schwere Qualität, herrl. Ballfarben (reguläre? Preis S 190), Jetzt nur . . , . 8 Reinseiden-Foulard, 93 cm breit, Fallle eclfiir. brokatiert, 86 cm breit . . . . S K.-S.'Crefle-Satin, 90 am breit, alle Farben, Roin8e}den-Cr6pe-de-Chine, 100 cm breits Reinseiden-Georgette, 100 cm breit. tf.-Sciden-Marocaiiie und Mongöl, alles in Resten von 2 bis 7 Meter, pro Meter . S Reinseiden-Crene de Chine-Crepe-Geöfgette» Gaze mousselihe, herrl. 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Dryander. „Es stehen andere Wege offen, es gibt andere Mittel, verletzte Reditc wiederherzustellen, als den Krieg," Papst Benedikt XV. * Das Jahr 1932 bringt schwere Entscheidungen. Gottes Wille ist Liebe, Gerechtigkeit, Friede! Zwischen den Volkern und Im eigenes Volk! Sein Wille sei unser Wille! Darum fort mit allem Klassen- und Rassenhaß! Seid Brüder! Dienet einer dem andern in Liebe!" Dieser Aufruf ist von einem Präsidium gezeichnet, dem die. drei in Deutschland vertretenen Hauptkonfes* sionen angehören, Für die Protestanten zeichnet Superintendent Ungnfid, für die Katholiken Domkapitular MonSlgiiore B. Lichtenberg, päpstlicher Geheim« kämmerer, also befugte, legitime Vertreter ihrer Konfessionen. Für die jüdische Religion zeichnet keift Rabbiner, kein Vorsteher einer religiösen Lehranstalt oder ein Mann, der sonst mit jüdisch-religiösen Dingen in Verbindung zu bringen ist, sondern ein Vertreter der deutsehen FinanzWelti der Direktorder Deutsehen Bank und Dlaeonto-Gesellschaft Oskar Wassermann, Wir sind davon überzeugt, daß* Herr Wassermann ein Mann ist, der den Frieden liebt und ihm gewiß auch aus vollem Heiden dienen will. Aber däfl just der „Direktor der Deutschen Bank und Disöonto-Gesellschaft" auserseheft sein soll, Schulter an Schulter mit geeichten, geprüften, approbierten Konfessiohsrepräsentanten als Truger der jüdisctafeligiösen Friedensidee zu marschieren,- ist etwas eigentümlich. Bekanntlich besteht das Wesen der jüdischen Religion nicht in Soll und Haben uild der Prophet Sacharja hat Von deutscher finaiizWirtschäft bestimmt nichts verstanden. Wenn die Vertreter der Konfessionen sich auch an. die jüdisch-religiösen Massen mit ihrem Friedensappell wenden wollen, die söidiei! Botschaft gewifl zugänglich Sind, dann Werden pich .sitheriidi in ihrem Lager Männer mi* religiöser Autorität fiMdgnria^seh.,;,/, ... ,.... ._. :Wir- 'sind auch davon Überzeugt, dafl die Herren Ungnad ünd Liditenberg die richtigen Ansichten über dä» Wesfün des Friedens haben, Vödtii Wesen des religiösen Judentums aber trennt sie der — Glaube, dftfl aUSgeredlnet ein Bankdiffektor der Repräsentant und Sprecher jüdisch-religiöser Weltanschauung sein muß. Sellatof Bofah desavouiert Hitler Der t'ülirer der deutschen Nationalsozialisten Adolf Hitler hat in seinem vor kurzem den ausländischen Pressevertretern in Bärlih gegebenen Interview erklärt, Senator Börah Sei der einzige Politikerin den Vereinigten Staaten, der sein Pro^ramm versteht; tn e.inöm Gespräch mit Herrn Karl Schwager, amerikanischem Korrespondenten linksstehender deutscher Zeitungen, erklärte Senator William Borah, der Vor* sitzende de» außenpolitischen Komitees des Senats der Vereinigten Staaten! Ich habe von Herrn Hitler nie« m a 1 a, «ei es direkt öder. 1 n d i r e k t, irgendeine Mit* teilung erhalten. Ich -hege.'keinerlei ' Sympathie-, für irgendetwas in der Welt, das den Charakter der Intolerant gegen eine Nation oder Rasse oder den. Charakter der Verfolgung einer. Minderheit trägt, Hitlers Internationale Tätigkeit Der ..Vöklsöhe Beobachter''' i«llt atrs Amsterdam mit: Nachdem in Schweden die . „N&tionäl&ozialistische Sohwed'teche Arbeiterpartei" (N. S. S. A. P.) bereite #eit längerer Zeit mit Erfolg arbeitet und in diesem Jahre verwandte Gruppen auch in Norwegen und Flan> dem gegründet worden sind, wurde in diesen Tagen eine natioivalsozialistiflohe Partei aüoh in Holland errichtet. Die Gründung dieser neuen Partei, dor „Na* tionalsoaialistischen Niederländischen Arbeiterpartei,' (N. S. N; A. P.), erfolgte auf Kaateel Binokhorst" bed Den Haag. Der Führer der Partei iit Adalbert S m i t, der bereite früher in der faschistischen Gruppe um die Zeitschrift „De Beiern" ein« führende Holle gespielt hat. Zum 1. Schriftführer Wurde Dr. E. Rldder van Bappard ernannt. Die N. S. N. A. P. lehnt »Ich in Programm und Organisation weitgehend an die N. & D. A. P. (Deitteohland) und die N. S. S. A. P, (Schweden) an. Da* Programm der 29 Punkte stimmt größtenteils überein mit dem Programm der N. S. D. A. K in Deutschland, es ist ausgesprochen antisemitieeh und bekämpft den internationalen Kapitallemu* und seine OrganU eationsformen, die TrüstÄ, die Groflbaiike«, die Börsen and die WArenhäuser, Die Partei arbeitet im engsten Einvernehmen mit der verwandten Bewegung in Flandern, dem „Verbond van Diotsehe National Solidarf. | «•.."n■' (V. D. N. S.). der von Jo r 1<d va n Se v eren und V. : . ü Müiiüb getithrt wird und heute schon über: das .. g<uue flämigohe Land Terbreitet iei, - >Mieeieeee>i<ie»M*^^ ........ . M - tt Aus Polen Schwere Ausschreitungen in Posen Die intijüdischett Exzesse, die kürzlich in Wilna stattfanden und wonach über die Ahgriffe empörte Juden verurteilt, antiseniitis^i'e ÄxzMehten äber freigesprochen wurden, häbei^ nunmehr iii^JJJos'äil ihre Föttsetzung ge*" funden. Öarüber liegen' .',fo}|enda Meinungen .ä^r J. T. Ä. vor:; ... .' '.'.'^. '.' V. Peinische Nationalisten, leiteten einen Terror gegen die jüdische Bevölkerung Posens ein anläßlich eines Reaitationsuibends, den der bekannte jüdische Schauspieler Jakob W e i s 1 i t x im Evangelischen Haus in der Wiaadowegaase i'u Posen angesagt hatte. Ali ein Teil des Publikums bereits im Saale versammelt war, drangen einige hundert politische nationalistische Studenten mit ungeheurem Radau in den Saal und schlugen unbarmherzig auf die "Versammelten ein. Sie schönten auch («reise, Frauen und Kinder nicht. Etwa 30 jüdische Besucher wurden erheblich ' verletzt. Die Veranstaltung könnte nicht stattfinden. Die Exzedenten verbreiteten Flugblätter,1 in denen erklfc'H wfrd, die nationalen Polen werden es nicht dulden, daß* im polnischen Posen jüdische Kultur verbreitet wird» Die Lügen der Antisemitischen Presse Der antisemitische „Cur j er Poananski" sucht die Angelegenheit zu bagatellisieren und teilt mit, eine Gesellschaft? „Jüdische Kultur" wollte im Evangelischen tyaus ein Referat über das Thema „Die Geschichte der jüdischen Kultur* veranstalten, und das könnten nationale Polen nicht zulassen. Die Zeitung meldet weiter, daß mehrere tausend Personen gegen die „jüdische Aktion im polnischen Posen" protestiert ■ haben, wobei im ganzen 10 bis 15 Juden mehr oder weniger schwer, verletzt wurden. < Die randalierenden Studentenhuligan« begaben sich« nachdem sie durch ihren Ueberfäll die Veranstaltung im Evangelischen Hause verhindert hatten, in kleineren. Gruppen in verschiedene Stadtviertel, wo sie jüdische Passanten überfielen und schwer mißhandelten, wobei wiederum mehrere Juden Verletzt wurden. Die Polizei, verhaftete 22 Exzedenteh, setzte sie aber gleich wieder auf freien Fuß. Die terrorisierte Stadt Der .jüdische Rezitationsabend, der Anlaß zur Terrorisierung der jüdisdien, Bevölkerung durch die polnischen Studenten gegeben hat, war von den Veranstaltern auf Ersuchen der Polizei abgesagt gewesen, aber mehrere Personen, die Mevon keine Kenntnis hatten und Besuchen Sie unsere Enslischkurse für Anfänger uni Vofgesdirlttene, Mon«Ub«>trae Iii* J« 3 UroChanetunden! / f»roHeje!un«Hi anveirblnclllch. PfIv«t»tMn«l«n;tii RfHRIgein Pralten. Zuschriften unter »Sicherer Erfolg" an die Administration dieses Blattes in den Saal kämen, wurden Opfer des Huligan*Ueberfalls. Zwölf von ihnen wurden schwer verletzt. Während die Studenten mörderisch auf die jüdischen Männer und Frauen einschlugen, schrien sie: „Juden morden christliche Polen! Wir wollen jfidisches Blüt sehenl Nieder mit der jüdischen Kultur 1" Eine 31jährige judische Frau wurde 4um- Denkmal „Her» Jesu" geschleppt; und' dort' so lange mit Stöcken mißhandelt, bis Sie ohnmäditig liegen blieb.- Auch ein zeWjähriges^ia^ geschlagen. Am nächsten Tag wiederholten sich die Exzesse; Studenten* mißhandelten Passanten im jüdischen Viertel«: Ünter der jüdischen Bevölkerung herrscht Panik, niemand wagt sich abends auf die Straße. Boykötiagitätöreft. , Durch grüne Streifen ■ gekennzeichnete; antlsemi-, tische Boyköttagitatoren blockieren die jüdischen Geschäfte. Vereinzelte Ueberfälle auf Juden kommenJmme* nodi vor, audi werden zeitweilig an einzelnen jüdischen Läden die Scheiben eingeschlagen. Will ein christlicher Käufer ein jüdisches Geschäft betreten, wird er schwer mißhandelt. Intervention des Jüdischen Pariamertt&fchibs Abg. J. Grünbaum sandte im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs an den Innenminister ein Schrei-* ben, in welchem die in Posen am 13. Dezember statt* gefundenen pogromartigen antisemitischen Ausschreitungen eingehend geschildert werden. Die Behörden duldenjede antisemitische Straßendemonstration und die antisemitische Boykottpropaganda. Grünbaum forderte den Minister auf, eine Untersuchung dieser Haltung^ der Posener Sicherheitsorgane einzuleiten, die Schuldigen zur Verantwortung ztu ziehen und der jüdischen Bevölkerung in Posen die Möglichkeit zu kultureller jüdischer Arbeit zu geben. Auch in anderen Städten ... In St anislau (Ostgalizien) haben christliche' Hochschüler, die aus Anlaß der Feiertage zum Besuch ihrer Eltern nach Stanislau gekommen sind, schwere antisemitische Exzesse veranstaltet. Geschmückt mit grünen Bändern, dem Zeichen für Judenboykott, marschierten sie in Gruppen durch die Straflen, vertrieben Käufer aus den jüdischen Läden und belästigten jüdische Passanten. Am Abend postierten sich Gruppen dieser Studenten vor den Kinos und mißhandelten alle jüdischen Passanten, deren sie habhaft werden konnten, In der Miokiewiczgasse, wo sich die angegriffenen Juden zur Wehr setzten, kam es zu einer großen Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Juden verletzt wurden. Die Ahndung der Pogrome Die ersten Prozesse in Wilna im Zusammenhang mit den schweren antisemitischen Unruhen am 10. November „endeten! wie eohon mitgeteilt, mit der Verurteilung von Juden, denen man nachsagte, sie hätten am Tage des Pogroms Vergeltungsmaßnahmen gegen Hüll» tfans angekündigt, während ein Huligan, dem man nachgewiesen hat, daß er die Fensterscheiben in einem jttdii sehen Laden eingeschlagen hatte, freigesprochen wurde. Am vergangenen Freitag verhandelte das Wilnaer Kreisgericht gegen den 17jährigen Juden Israel Dwot-

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