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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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He 6 DIE NEUE WELT Nl< 225 mmmmmm* Aus Deutschland Beilage der »Neuen Well« llllfflWIWIÄfllWffWflflflWIffl' für Deutschland Filialredaklion und Administration t »Neue Well«, Berlin C% BurgstfraRe 291V, Nr* 07 Aus dem dcutsdi-assimilatorisdicn Tollhaus Die vetwftteitdc Rolle des »Abwehrvereines« — Atmer Georg Bernhard l und Wisfensdhne — Zwei Gesdu'difen mit Moral Teulomanen Der .Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Deutschland, ein interkonfessioneller Verein, macht schwere Zeiten durch. Nich nur, daß der Hitlerismus ihm täglich zu schaffen gibt — er scheint in letzter Zeit auch mit seinen Weggenossen und Gesinnungsbrüdern auf schlechtem Fuß zu stehen. Die „Jüdisch*liberale Z c\? t u n g" ist mit dem Abwehrvercin unzufrieden gewor* den, weil er, der ehemals streng antizionistische, mit ihr in Reih und Glied marschierende Verein, sich doch nicht ganz dem wildesten Antizionismus anschließen will. Das Organ des Abwehryereins, „Abwehrblätter", brachte kürz« lieh einen Aufsatz über Konstantin Brunners Buch „Höre, Israel! undHöre, N i c h t I s r a e 11" Konstantin Brunner ist jener Mann, dessen Anschauungen über das; Wes*n des Judentums schon viel Heiterkeit erregt haben,. aush schon wegen seiner an Tobsucht ges mahnenden Zionistenfresserei. Das begeisterte Referat über Brunners Buch wurde von der Redaktion der „Abwehrblätter" mit einer Vorbemerkung versehen, die die antizionistische Ekstase des BrunnersVerehrers dämpft «nd mit; der-„Diffamierung des Zionismus" nicht einverstanden ist. Welche. Zwiespaltswogen durch den jüdisch^Hberalen Blätterwald gehen! Der „Jüdischsliberalen Zeitung" ist der Antizionismus des Abwehrvercines viel zu schwach. Sie weist entrüstet das* Gerede von,einer, jüdischen' Eigenart, von einem jüdischen Mens c h eri zurück, sieht in dieser Auffassung verderbe liehen latenten Zionismus und meint: „Wer dem Antisemitismus wehren will, muß auch dem Juden Separatismus wehren, wie er im Zion i 's m u s sich darstellt, und letztlich ist auch der Zionis* müs nicht eine nur jüdische, sondern eine deutsche Frage. Der Abwehrverein, selber interkonfessionell, aber doch auch speziell den Juden dienend, fordert die Unter* Stützung der Juden. Diese sollen deshalb auf die gefahr* drohend schwankende Haltungdes Abwehrvereines hingewiesen sein und ihm deutlich zeigen, daß sie nur dann ihn ferner unterstützen werden, wenn er in ihnen Denis c h t; sieht." ,' *' * Während hief eine Kampagne gegen einen anonymeti Gegner mit „latentem Zionismus" vor sich geht, schießt dieselbe „Jüdisch»liberale Zeitung" in ihrer Be* richterstattung.über den kürzlich abgehaltenen „Kultur» tag" des Zentralvereins deutscher Staats? bürger jüdisch e n Glaubens" gegen ein Einzel* individuüm lös, gegen solch einen „latenten Zionisten": „Leider war es ein schwerer Mißgriff des Zentral« rereins, als zweiten Redner Herrn Professor Georg Bern b a, r d herauszustellen, vor dessen wirtschafts» politischer Sachkunde man die größte Achtung haben muß, der aber in jüdischen Dingen ein übler Dilettant ist. Ohne daß die Z.*V.*Leitung vorher eine Ahnung davon hätte, benützte er eine der vorangegan* genen künstlerischen Darbietungen als Anlaß, namens des Zentralvereins für die j ü d i s c h e Schule einzu« treten, was, als derartig einseitige Festlegung, bestimmt weder. ira SlnWe noch zum Nutzen des Zentralvereins ist. Auf demselben Niveau stand seine Bemerkung, daß ein Ander s s ein der Juden zugegeben werden m ü s s e, eine Behauptung, die er im selben Atemzuge, freilich ohne es selbst zu bemerken, denn er sprach ins Unreine, durch die andere Behauptung paralysierte: ,Es gibt keine jüdischen Eigenschaften.4 Herr Bernhard leistet auf seinem engeren Fachgebiet Hervorragendes, aber auf jüdischem Gebiet wünschen wir ihn nicht wieder zu sehen. Begreiflicherweise sucht die Z.sV,*Zeitung den sehlechten Eindruck der Rede von Georg Bernhard zu .verwischen. Aber selbst das Wenige, was blieb, ist;ccimg; so z. B. wenn Bernhards Ausführungen vom ■ ,■Anderssein'der Juden wiedergegeben werden: ,Was wir iür Deutschland leisten, leisten wir als Juden.' Wir Ii ä 11 e n niemals erwartet, solches — noch dü.:;u mit «olchen Spannungen — in der Z.«V.sZcitung zu lesen. Was wir für Deutschland leisten, leisten wir — selbstverständlich auch getrieben von jüdisch« religiösem Kthos — als Deutsche." Anner Georg Bernhard! Das hat er sich wohl nicht träumen lassen, daß sein gutes israelitisches Deutsch» tum van noch besseren israelitischen Deutschen in Zweifel .t:;e':<ogtn werden kann; daß er sich auf „jüdischem Gebiet" betätigt hat und man ihn dort nicht mehr sehen will, weil er vom „Anderssein" der Juden spricht und darunter doch nur „andersgeartetes Deutschtum" meint. Armer Georg Bernhard! * Wenn es in diesem Delirium eines deulschlümeln» den Israelitentums einem so waschechten Germanojuden wie Georg Bernhard schlecht ergeht, dann kann es uns nicht wundern, wenn die Herren bei einer abfälligen Äeußerung Prof. Theodor Lessin gs über den bri« tischen Polizeibüttel und bei einer Würdigung der zio* nistischszivilisatorischen Leistung in Palästina Schaum vor dem Mund bekommen. Die Herren Teutomanen von der „Jüdisch*liberalen Zeitung" empfinden es als persönliehe Beleidigung, wenn Prof. Lessing die Physiognomien der englischen, also der germanischen Rasse angehören* den Polizisten in Palästina, nicht schön findet. Sie haben aber auch ein Herz für die von Prof. Lessing charakteri« sierten Araber, mit denen sie in Sachen antizionistischer Betätigung gern Hand in Hand gehen, sie, die Herren Teutomanen mit den hamitisch.cn Wüstensöhnen! Wer nicht fühlt, daß er sich hier in einem reinen Tollhaus befindet, hat kein Verstehen und kein mitleidiges Verzeihen für unseren neudeutschen Judenassimilanten. * Ja, das „Anderssein!" Der von seinen Gesinnungs* brüdern ermahnte „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" will es ja auch _ nicht — das jüdische Anderssein.. Er verlangt unbedingtes Eingliedern und restloses Aufgehen in d er d e u t s c h e n G es mein s c h a f t als die einzige iCtiance,des Aufstieges und der antisemitischen Nachsicht und führt abschreckende Beispiele von Zuwiderhandelnden vor. In, einer Enquete seines Organs unter dem - Schlagwort „Wie sehen wir Lehrer das jüdische Kind?" läßt der Zentralverein diese rührende Geschichte erzählen: „Ich hatte einen Fall,, bei dem eine Schülerin von der Klasse gröblichst beleidigt worden war, als Jüdin, mit richtigen ...Hetzworten... Gr^Ynd: Das Mädchen: hatte als zionistische Neophytin" ihrer ..Begeisterung' für die .Heimat* Palästina recht ungeschickten Ausdruck gegeben, der alle anderen Kinder verletzte. Eine andere jüdische Schülerin derselben . Klasse ist besonders beliebt, sogar mit als nationalsozialistisch angesehenen Schülerinnen nahe befreundet.'' Recht geschieht's dem kecken. zionistischen Mädchen, das von Palästina begeistert ist, und ein Bravo einem anderen jüdischen Kind, <jas den schönsten Anlauf nimmt, sich sogar an seine ^nationalsozialistischen Käme* radinnen zu assimilieren! Das ist die Moral und der Kate» chismus der Zentralvereinsgeschichte — in HitIer«Deutsch* land. Ein tiefe Moral, ein ethischer Katechismus! Aber, wie Gott schon will, haben auch wir eine Geschichte auf Lager mit ebenso tiefer Moral: „Der Führer der hitleristischen Studentendelegation, die aus Deutschland zu einer in Sibiu stattgefundenen r.umä* nischen Studentenkonferenz erschienen war, Herr Karl Motz, hatte mit dem Unterstaatssekretär vom Ministes rium für nationale Minoritäten in Rumänien, dem ehe* maligen Führer der deutschen Minorität, Dr. Rudolf Brand sch, eine Unterredung, in deren Verlauf die jüdische Frage in Rumänien diskutiert wurde. Einer autorisierten Erklärung über die Unterredung in der in Cluj erscheinenden jüdischen Tageszeitung „Uj Kelet" zufolge erkundigte sich Karl Motz nach der Lage der Juden in Rumänien. Dr. Brandsch erklärte: „Die Juden Rumäniens sind national gestimmt. Sie haben ihre eigene Kultur, ihre eigenen Zeitungen und ihr eigenes Schulwerk, für das sie staatlich^, Erhaltung beanspruchen. Sie suchen keinen Einfluß auf die Minoritäten des Landes oder auf das Majoritätsvolk auszuüben. Sie wünschen sich nicht zu assimilieren, aber wünschen an dem Kulturfort« schritt und dem Leben des Staates als Minorität mit vollen Staatsbürgerrechten teilzunehmen." Hiezu bemerkte Herr Motz: „Ich, habe allen. Re* spekt vor Juden, die solche Ansichten hegen, und. ziehe meinen Hut vor ihnen. Der Nationalsozialismus (Hitleris* mus) ist nicht gegen solche Juden gerichtet, und sie sind es nicht, gegen die wir unseren Feldzug unternehmen.*' , So spricht Hitlers Dolmetsch in Rumänien. Er sym* pathisiert mit dem „Anderssein", er will den national* sozialistischen Feldzug nicht gegen Nationaljuden geführt wissen. Uns allerdings erscheint die Moral aus 4«r Mot<« Geschichte nicht weniger stichhältig als die Moral aus der Erzählung der Zentralvereins?Lejirerin. VfL Reiebskonferenz des Verbandes oetjüdi&cher Organisationen in Deutschland Am Sonntag, den 17. Jänner 1932, findet in Berlin die VII, Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland mit nachstehender Tagef» j Ordnung statt: 1. Eröffnung und Begrüßung; 2. Wahl des ■ Konferenzpräsidiums und Permanenzausscbusset; 5. Rediensdiaftsberidit (Haarpuder); 4. Lage des Reichsverbandes (Benzion Fett); 5. Lage der Ostjuden in Deutschland (Dr. Koretz); 6. Allgemeine Aussprache; 7. Beridit des Permanenzausschusses; 8. Neuwahlen; 9. Eventualis. Die Konferenz beginnt um 10 Uhr vormittags in den Sälen des Eier-Importvercins, Neue Promenadestraße 3 (in.der Nähe des Bahnhofes Börse). Zutritt haben nur Delegierte. Der Richter von Rotenburg Der Einzelrichter beim Amtsgericht Rotenburg an der Fulda, Amtsgerichtsrat Sunkel, hat in einer..Beleidigungsklage des Geschäftsführers der „Vorwärts"* Verlags G. m. b. H., Theodor Glocke, und des Chef* redakteurs des „Vorwärts", Stampfer, gegen den Land* wirt Claus aus Asmushausen, der in einer Versammlung erklärt hat, der „Vorwärts" sei von der Danat*Bank und ihrem Direktor Jakob Goldschmidt mit Geld unterstützt worden und habe sich dafür verpflichtet, nichts gegen die juden zu schreiben, den Angeklagten mit der Begründung freigesprochen, es könne für den „Vorwärts" keine Beleidigung sein, wenn man ihm nach* weise, daß er für sein Blatt von irgend einer Seite eine Unterstützung annehme. Aber auch die Redaktion, und besonders der klagende Chefredakteur könnten nicht beleidigt sein, denn die Redaktcure handeln auf Befehl des Verlagsleiters, selbst wenn das wider ihre Ueber» zeugung ginge. In der Urteilsbegründung heißt es dann wörtlich: „So aber war der Angeklagte wegen der an* geblichen Behauptung dem Kläger Stampfe«* gegenüber ohne weiteres freizusprech en, wobei noch dahingestellt bleiben kann, ob Stampfer gegenüber nicht auch schon deshalb auf Freisprechung zu erkennen ge* wesen wäre, weil S t a m p f e r j ü d i s c h e r Abs^am* mu ng ist, und es vielleicht für ihn schon deshalb etwas Selbstverständliches bedeutet, in seinen Zeitungsartikeln nicht in einem gegen seine Volksgenossen gegnerischen Sinn zu schreiben, zumal noch hinzukommt, daß seine Zeitung das Leitorgan gerade der Partei ist, in deren Reihen die Juden von ihrem geistigen Begründer Marx an eine besonders hervorragende Rolle gespielt haben." Schon am 19. Juli v. J. richtete AmtsgerichtSBat Sunkel an den Vertreter der Kläger die Aufforderung, ihm binnen zwei Wochen mitzuteilen, „ob die Privat* klägerjüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung sind und ob sich unter den übrige» Redakteuren des „Vorwärts" solche befinden, die jüdi». sehen Glaubens, bzw. jüdischer Abstammung sind". Bei einer Wiederholung der Frage fügte er hinzu: „Es kann bei dem Inhalt der angeblichen beleidigenden Aeußerüng für die Straf*, aber auch für die Schuldfrage von Be« deutung, sein, ob die betreffenden Redakteure Juden sin d." „Vorwärts" weist Herrn Sunkel auf Artikel 136 der Reichsyerfassung hin, der besagt: „Niemand ist ver« pflichtet, seine religiöse Ueberzeugung zu offenbaren. Die Behörden haben nur soweit das Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft zu fragen, als davon Rechte und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung dies er« fordert." „Vorwärts" teilt mit, daß das freisprechende Urteil Sunkels einstweilen der Nachprüfung durch die zweite Instanz unterliegt, und richtet an die Justiz* behörden die Frage, welshe Maßnahmen gegen einen „unabsetzbaren" Richter getroffen werden, der durch solche Fragen und durch solche Urteilsgründe so'offen* kundig gegen die Grundsätze der Reichsverfassung und damit gegen das geltende Recht verstößt. Friedensstifter Nicht wie bei anderen Völkern Ein Berliner Leser sdireibt: Es ist sehr sdiön, wenn Vertreter von Konzessionen im Namen ihres Glaubens für den Frieden der Völker plädieren. Es ist auch zu verstehen, daß sie sich organi- satorisch zusammenzuschließen versuchen wie andere , Ligen ähnlidier Tendenzen. Vor nicht langer. Zeit gab es j einen allgemeinen Kongreß der Religionen für den Weltfrieden und unter, den Zeidiuern detj Attf« rufes zu dieser Tagung gab es Repräsentanten enropäisdier und asiatisdier Glaubensbekenntnisse. Wieder ertönt, zum Jahre 1932, eine Friedensbotschaft der Konfessionen. Die Berliner „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den. Frieden" erläßt, eiue Friedensbotschaft, einen Aufruf, der am 1..Jänner an den / Anschlagsäulen zu lesen war. Der Text, zusammengestellt ■> aus 'den Frieden betreffenden Aussprüchen des Alten , Testaments, des Neuen Testaments, des pro- testantischen Theologen D. von Dryander und des / Papstes B e n e d i k t XV., lautet so: „Friede! 1 1932. Im Alten Testament verkündet der Prophet Sacharja (8, 16 und 17):

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