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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. J89 DIE NEUE WELT Diu Wolf gang Wessi in Wien Der bekannte Führer der palästinensischen Revisionisten und hervorragende Kenner des Orients Dr. Wolfgang Weisl weilt in seiner Vaterstadt Wien und wird am Mittwoch, den 13. Jänner, im Verbandsheim, IL, Untere Augartenstraße 38, um halb 9 Uhr abends einen Vortrag „Die jüdische Not in Europa Amerika — Unsere Antwort" halten. und Volksbildungshaus Wiener Urania, L, Uraniastraße i Donnerstag, 7. und 14. Jänner, halb 8 Uhr, Kleiner Saal: Dr. Wolf gang Weisl: . Abenteuer in Kurdistan und Persien Als englischer Oberst in Persien gefangen. I. Zu Pferd durch Kurdistan. II. Im Reiche des Riza Schah. (Zwei Vorträge mit Lichtbildern.) Kurdistan gilt noch immer als eines der gefährlichsten Länder des Orients. Der Vortragende, seit vielen Jahren Orientberichterstatter großer mitteleuropäischer Blätter, besuchte dieses Land, während gerade wieder ein erbitterter Aufstand gegen die Türkei tobte. Von Kurden und Assyrern herzlich aufgenommen, wird er von persischen Behörden verhaftet, von Gefängnis zu Gefängnis transportiert, endlich aber freigelassen. Der Vortragende berichtet über seine bisher unveröffentlichten Erlebnisse in Kurdistan und Persien, schildert das Kurdistan von heute, Teheran, die Hauptstadt des Reiches des Silbernen Löwen, den Schah, der sich vom Kosakenunteroffizier zum Kaiser emporgeschwungen hatte, und das eigenartige Gemisch von ältester Kultur und modernen Reformen. — Preise der Sitzplätze für Mitglieder S 1.10 bis 1.80, für Nichtmitglieder S 1.40 bis 2.40 für jeden Vortrag. Kartenverkauf an der Tageskassa im Uraniagebäude von halb 9 bis 1 und von 2 bis 5 Uhr sowie vor Beginn der Vorträge. * Äm 12. JSnner um halb 8 Uhr im Handetemuseum, $3C Berggasse, spricht Dr. Wolfgang Weisl im Rahmen SÜer Gesellschaft für psychologische Forschung über „Heilige, Zauberer und Magier**. Bagdebeirrag S 2> Verband der zfomstisdi« revisionistischen Frauen Ortsgruppe Wien Aul dem letzten Zionistenkongrefl wurde eine Weltorganisation zionistisch-re visioni- tiicher Frauen gegründet. Die Tätigkeit der Frauen für Erez-Israel wurde genau festgelegt und beschlossen, Ortsgruppen in allen Ländern und Städten, wo Revisionisten leben, zu schaffen. Auch in Wien soll eine solche Ortsgruppe in« Leben gerufen werden. Es ergeht die Aufforderung an alle zionistisch-revisionistischen Frauen, sich zwecke Bildung dieser Ortsgruppe zu melden^ Anmeldungsadresees Paula Stricker, Wien* IL, Hollandstraße 10, Telephon A-48-1-89. wenn sie auch diesmal aus Schamhaftigkeit nicht da« Wort „Jude", sondern bloß das Wort „Ahnenschnüffler, Durchwühler der Tauf- und Geburtsscheine" in den Mund nimmt. Sie regt sich bloß über die — Kulturwidrigkeit auf, ebenso wie ihre radikaleren Schwestern, die am Montag erscheinen. Was bleibt da der armen „Reichspost", dem schwergeplagten christlichsozialen Regierungsorgan, anderes übrig, als die Vorwürfe gegen die antisemitische Maßnahme der Regierung mit den antisemitischen Worten zu verteidigen: „Die Linkspresse schlägt einen Lärm, als gelte es. die Mauern Jerichos zum Einstürze zu bringen." Aber es geht fürwahr nicht darum, die Mauern Jerichos zum Einsturz zu bringen, sondern vielmehr um die Bitte, doch endlich wenigstens einen getauften Juden, der den Willen zur völligen AssiTnilie.rung an das arische Wesen gezeigt hat, in Gnaden aufzunehmen. Und das ist der Wirbel, den sie alle, ob die bourgeoise „Neue Freie Presse" oder die sozialistische „Arbeiter- Zeitung", seit der aktuell gewordenen Frage der Studentennation machen und mit allerlei scliamnsohlftgerischen Mitteln das wirkliche Wesen der Judenfrage zu verwischen, zu vertuschen, zu verwirren trachten, um es schließlich aus der Welt wegzulügen. Und nichts hat dies zu deutlich gemacht, wie die Stellungnahme zum Fall Halban — ein getaufter Jude, den sie nicht klinischen Professor werden lassen wollen, die Herren Kollegen, die mit ihm seit Jahr und Tag arbeiten, ja mit ihm den christlichen Glauben gemeinsam haben. „Denn Halban ist Jude." Plötzlich als Jude erkannt, nachdem man ihn so lange Jahre danach nicht gefragt hat; nicht gefragt auch jetzt, aber wohl vorgemerkt, um es ihn in der entscheidenden Stunde seiner Karriere wissen zu lassen, daß das Taufwasser nationale Herkunft nicht wegwaschen kann. Das Lärmschlagen und das Jammern darob kann den Fall Halban nicht interessanter machen, höchstens um die eine Pikanterie bereichern, daß die österreichische Sozialdemokratie, die in ihren Reihen bereits eine erkleckliche . Anzahl solcher Weihwasserjuden und Kulturverbreiter hat, sich nun auch um die bourgeoisen Judentäuflinge bemühen muß. iÜÜ. Vor einem neuen Justizskandal? Aus dem Reiche des Präsidenten Masaryk — Der Geis! von Polna feiert Auferstehung Ein Dokument der „Neuen Welt" In den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erwarb sich das tschechische Volk einen üblen Ruf in der jüdischen Welt. Der Justizmord von Polna, der zu Ehren des Ritualmordmärchens den Juden Hilsner unter den Galgen und dann in lebenslängliche Haft brachte, die schändliche Haltung der Justizbehörden, der Geschwornen und beamteten Richter, die nachfolgenden Judenhetzen ließen die Meinung entstehen, daß das tschechische Volk ein von dunklen Mächten geleitetes und von bösen Geistern beseeltes ist. E i n Mann rettete damals die Ehre der tschechischen Nation, Masaryk, der sich diesen dunklen Mächten heldenhaft entgegenstellte und ihnen die Maske vom Gesichte riß. Als es nach dem Weltkriege gerade diesem Manne bestimmt war, das selbständige tschechoslowakisch e R e i c h aufzurichten, beglückwünschten die Juden sich und das tschechische Volk. Es ist eine merkwürdige, bizarr anmutende Laune der Geschichte, daß gerade unter der Regierung dieses Mannes die durch ihn gebannten bösen Geister von Polna wieder aufstehen. Wieder gibt es einen Ritualprözeß in der Tschechoslowakei, wieder arbeiten Staatsanwälte, Gendarmen, Untersuchungsrichter und andere Mächte daran, die Lüge vom jüdischen Menschenblutritus aufzurichten . . . Unter der Regierung dieses Mannes wurde der des Mordes Gewidmet den Frauen in aller Welt ist der wiederholt preisgekrönte große deutschsprachige Tonfilm der Universal ,..0nd der Tan kam.: dessen Ur* und Alleinaufführung ab heute im Rotenturnt ff Ksno I, Flefsdimarkt 1, stattfindet undRaubes an sieben Juden geständige Legionär Horak unter dem Juibel des Volkes von den Geschworenen einstimmig freigesprochen. Unter der Regierung dieses Mannes hat man gerade jetzt den Juden Weißbergdr ins Gefängnis geworfen, unter der Anklage, slowakische Bauern aus der Kirche in Zbinec geholt und erschossen zu haben. Warum? Um den Fall Horak, der in der jüdischen Welt Entsetzen hervorrief, zu paralysieren, dem christlichen Mörder einen jüdischen entgegenzustellen und bei dieser Gelegenheit dos glimmende Feuer des Judenhasses anzufachen. Die „Neue Welt" hat über den Fall Weißberger berichtet und erhielt folgendes Schreiben: wMichalovce, am 29. Dezember 1931. Geehrte Redaktion! Zu Ihrem Berichte „Ein jüdisches Gegens tück zum Falle Horak" teile ich Ihnen mit: Ich war vom 1. September 1917 bis zum 1. April 1920 in der Eisenhandlung der Finna Weißberger in Michalovce als Angestellter tätig. Schon damals leitete der jetzt verhaftete Weißberger das Geschäft. Während des Krieges war er der Gendarmeriestation Strazske (örmczö) als Feldgendarm zugeteilt. Am 3. November 1918 rüstete Weißberger ab und war von da an mit mir zusammen im Geschäft tätig. Am 10. November 1918 kam aus Satoraljujhely ein mit Gendarmen besetztes Lastauto des Fliegerdepartements in Zbinec an. Der Bauer Nikolaus K u c i k wurde von den Gendarmen aus seiner Wohnung geholt und erschossen. Dann holten sie den Johann Jurca, der sich beim Sonntagsgottesdienst befand, aus der Kirche und schössen ihn nieder. Dies geschah am 10. November, und an diesem Tage bediente in dem zehn Kilometer entfernten Michalovce iJIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIg |JÜDISCHE KÜNSTLERSPIELE | s PraterstraQ* 34 S ■MMMMHMWHMBWMMHHMHHM^M« S I Sensationsgastspiel I Paul Baratoff I in Schalom Asch' „Gott der Rache" | s Ab Freitag, den 8., bis inklusive Donner«- s tag, den 14* Jttnner £ | Kaplan Im Vorverkaul an der Tageskassa, telephonische Bestellungen R«« O-o. 94 s iiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Weißberger in Zivdlkl»idung in seinem Geschäfte seine Kunden! Dies bestätigten a/tn 17. Dezember 1931 zehn Zeugen vor dem Unief*- suchungsrichtar Dt. Szanto. Fünf christliche Zeugend ein Obernotar, ein Rechtsanualt, ein Polizeioberst, ein Polizeiinspektor, ein Friseur. Die anderen fünf Zeugen, unter diesen ich, sind Jtiden. Trotz dieser Zeugnisse befindet sich Weißberger noch immer in Haft. Ich bitte Sie, geehrte Redaktion, im Interesse der Wahr* heit und des Judentums, dieses mein Zeugnis in Ihrem Blatte zu veröffentlichen. HochachtungsvoH Bernat Hecht, Eisemhändler fax Michalovce." * Die Jüdische Telegrafenagentur meldet: Wae | ärztliche Kommission hat die Exhuinierung der Leichen der beiden Bauern Kucik und Jurca vorgenommen, die angeblich von dem jüdischen Gendaarmerieassistenten Weißberger Im Jahre 1918 erschossen worden sein sollen. Dazu wird von amvorlassiger Seifte folgendes mitgeteilte Weißberger waaö s t e r r e 1 c!h i e c .h «u ng*arischer Gendarm. Beim Uanetur« wurde in das Dorf Zbinec und Umgebung eine Gruppe von Gendarmen entsandt, um die Ordnung, die durch Plünderungen gestört worden war, wiederherzustellen. In dieser Truppe befand »ich Weißberger nicht, denn er hatte zu dieser Zeit bereits seinen Dienet quittiert. Die Zeugen gegen Weißberger haben kein makelloses Vorleben. Die Bauern wurden durch die Gendarmen eingeschüchtert, die innen sagten, daß sie es mit ihrem Vermögen werden bezahlen müssen, wenn sich die Unschuld Weißbergers herausstellen sollte. Man will also unbedingt einen „jüdischeil H orak" konstruieren. Die Verteidigung Weißbergers hat Beweise dafür, daß keiner der zwei Gendarmen, die die <?,■■ Exekution an Kucik und Jurca vollzogen haben, mai Weißberger identisch ist. Die ehemaligen Gendarmen wurden ermittelt; sie " befinden sich gegenwärtig in Ungarn. -_ Die französische Judenheit in der Wirtschaftskrise Paris, 2. Jänner. Die Tageszeitung „Pariser Hajnt" führt in einem Leitartikel aus: Die Pariser Judenheit wird sich allmählich über den Ernst dos Wirtschaftskrise und ihr« Wirkung auf da» speziell jüdfc sehe Element klar. Die wirtschaftliche Existenz der jüdl* sehen Massen ist bedroht und auch die hauptsächlich vott Juden besetzten Zweige von Industrie und Handel gehen zugrunde, was wiederum zur Folge hat, daß jüdische Arbeiter ihren Lebensunterhalt ve« Heren. Die geplante Einführung neuer einschränkender Gesetze gegen Ausländer wird speziell für die judi» sehe Einwandererbevölkerung in Frankreich einen schweren Schlag bedeuten. Die jüdische Öffentlichkeit in Frankreich muß sich über die Situation Rechenschaft abgeben und auf Abhilfe sinnen. Der erste Appell xttt Hilfe an die Opfer der Krise hat einen starken Wide** hall gefunden. Privatpersonen und Organisationen steuern zu den Hilfsfonds bei. Aber damit ist das Uebet kaum richtig angepackt worden. Jeder Jude in Paris muß sich klar darüber werden, daß das gesamte jüdische Leben, in Frankreich im Begriff Ist, aus dem Gleichgewicht « kommen. _, Antisemitismus in Argentinien Buenos Aires, 50. Dezember. (J. TL Ai) *i Argentinien nutzten Agitatoren die im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl herrschende bewegte politische Atmosphäre zu einer antijüdischen Hetze aus. In Städten und Dörfern wurde in einer bedrohlichen Weise gegen die Juden gehetzt. Besonders tat sich darin der Militärgeistliche Goniales Fan hervor, der zahlreiche Distrikte bereiste und m den Wahlversammlungen die Juden als die Urheber des Bolschewismus bezeichnete, auch frischte er die Legende von den Protokollen der Weisen von Zion auf. In Cordova und San Diego kam es nach Reden von Gonzales Fan zu antisemitischen Straßendemonstrationen, die in Pogrome auszuarten drohten. Die jüdische Bevölkerung traf bereits Vor* bereitungen zum Verlassen dieser Städte. Die Magistrats* leitung von Cordova weigerte sich, eine jüdische Ab" Ordnung, die sich über die Duldung der antisemitischen Hetze beschweren wollte, zu empfangen. Regierungs* Vertreter, die den Gonzales*Versammlungen bei» wohnten, taten nichts zur Abwehr der gefährlichen Hetze. Die Judenheit Argentiniens hofft, daß der demokratische Führer Dr. de la Tore zum Präsidenten von Argen« tinien gewählt werden wird, was nicht allein das Ende der für die jüdische Bevölkerung drückenden Militär? diktätur, sondern auch das Ende der politischen Propa* ganda, die von der Militärdiktatur geduldet wir-*, be* deuten würde. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. IX., Türkenstraße 9. Samstag, den .9. cL f;>tdet im Rahmen unseres Konventes ein Vortrag dos Obei'bauates Ing. Robert Stricker über das Thema: „Die gegenwärtige politische Lage des jüdischen Volkes" statt. Beginn 20.15 Uhr. Akademische Gäste willkommen.

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