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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 DIE NETTE WETT Nr. V» mitäxmamä<.?&m: ea i sSSttttlliLriLta&f*---- t*stiwitsMiWsit«siil f,«j»HOIIA<< I., DtfifltAlkali«.BifUif «8 'idftl Klft f«. «44*4««' «aart» niufl, ist völlige Einheitlichkeit möglieh. Bei uns, wo m.sefe Führer *ait Mensehen bei einem Bankett zu* sammefl Jtft*eft, die 32 Zertifikate füf die „freie" Einw inderung zur Verfügung stelletij kann Ittaft nicht ein- V. ritlich srehen« Mit Menschen, die sich rttit einem i' iiomas zusammensetzen, der Bentwich enthob, weil er ihm sW jüdisch Mrät, gibt es keine Einiheitlicbjkeit. Weder tor, noöh auf, noch nach dem Kongreß I' «bofi wir itetle Worte gehört. Üiese Aufgabe iifberhiflt man ätifi. Jetzt heißt die Päföle; Keifte Angst haben, immer vorwärts streben, das Judentum vor" Übertriebenem Optimismus und vör Übertriebenem Pessimismus bewahren, Die Exekutlte schläft, ist hilflos, Diese Exaktste kann dag jüdische Volk nicht führen, Wir abermüssen wachen ufl-d die Führung auf uns nehmen. Wir müssen die Methöden ändern und der Zionismus v.iiid Wiedellebendig werden. Überbetont! Jerusalem, 3. Jänner. Zu Ehren des aus London hier eingetroffenen ehemaligen Vizekönigs und Ministers d'.:s AeuP^rn, Lord Reading, fand ein Empfang statt. Dr. Chaim Arlosoroff, im Naifien der Zionistischen Exekutive, M. Ussischkin im Namen des Kereh Kajetiieth, Utid ß e n Zwl, im Namen des Waad L e ti ni 1, hielten Ansprachen än Lörd Reädlng, In denen s'e darüber Kläge führten, dä.ß der Aufbau des i idi<~Hcn Nätlöttälheittis infolge der N o tt i C o 0 p e t ä* t!on seitens der britischen Administrativ» b^mndci1;J. i.-.vi Reading erwiderte lttit einer Ai spräche, In der er ungefähr ausführte: „tdh kenne genau die Schwierigkeiten, unter denen Sie zu arbeitenhaben Ich will diese Schwierigkeiten nicht verkleinern, weuti sie auch in einem gewissen Maße;über* betont werden. Was heute in Palästina erreicht ist ist das Ergebnis gfoß gedachter Aktioheti, Ungeheurer Energie und vielfacher Anstrengungen. Entwicklung und Fortschritt Palästinas sind In einem hohen Maße dä9 Ergebnis jüdischer Arbelt. Es ist Währ, daß auth die Araber Fortschritte gemacht haben, aber auch diese Föft* schritte haben ihren Anstoß durch däs jüdische Werk er* halten; die einheimische Bevölkerung folgte dem Beispiel der eingewanderten Juden und arbeitete auch Ihrerseits an der Entwicklung de9 Landes mit. Der zukünftige Fort* schritt wird vielleicht nicht so rapid vor sich gehen, wie der In den ersten Jahren erzielte, aber das eine ist sicher; Das "Werk wird weitet fortschreiten. „Die von den Juden geschaffenen Werte und die von den Juden in Palästina erworbenen Rechte", schloß Lord Reading, „sind zu sehr gefestigt, als daß sie noch fehlschlagen könnten, Was aber die Rechte der Araber betrifft, so wer« den diese Von niemand bedroht, und es besteht deshalb kein Gruhd, daß nicht Juden und Araber harmonisch zu* sammenärbeiten." * Die zionistischen Vertreter hatten Lord Reading zu berichten, daß die britische Palästina*Regierung die jüdische Arbeitereinwanderung gesperrt hat, daß 9ie es duldet, daß arabische Räuber jüdische Arbeiter Vertreiben und jüdisches Eigentum einfach wegnehmen. Sie hatten zu berichten, daß Juden von Aemtern entfernt werden, weil sie Juden sind. Sie haben das beklagt. Lord Readihg nennt das „überbetont". Dürfen die Juden erst klagen, wenn man sie ins Meer wirft? (Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlags „Die Neue Welt" gestattet) Die rionistisdte Fürsorge für Herzls Kmder Erinnerungen an Halls Hev%t von Joseph Lefttotelt (London) Dr. E d e r (einen jeder Zionisten, die, ebenso wie Jacobus Kahn und Jacob Haas, Hans mit besonderer Aufmerk* samkeit entgegenkamen) und bestanden in 10 Pfund monatlich. Bis zu dieser, Zeit, Herbst 1929, hatte Hans ins* gesamt a1^ Jahre hindurch diese Vergünstigung genossen, also 280 Pfund erhalten. Das^ar die^Summe, die er aus dem Erlös seiner österreichischen Effekten zurückgezahlt wissen wollte. > IX. Die Von Mä* Nordau in seiner Kongreßrede 1905 bemängelte Vernachlässig gung der Kinder Herzls seitens der Zionisten bekommt im nachstehenden Teil der Etinne* füngen Leftwichs eine nähere Erklärung. Man ersieht daraus-, daß die Zuwendungen, die Hans, Trude Und Pauline erhielten, ihnen ein auskömmliches,, L e b e,n ermöglichten, daß erst die B es etilagnahni e von Hans* Effekten durch die Österreichische Regierung bei Kriegsausbruch dieäeU in eine prekäre Situation brachte, und ferrter, daß Hans 28 Monate hindurch je 10 Pfund an Züwens düngen erhielt. Man erfährt aber auch die nicht sehr fühmenSWerte Tätääche, daß zahlreiche Verlegef und Ze'itungsher* aüßgeber Herzls Werke exploi« tiertön, ohne seinen Erben die ihnen zu* kommenden Tantiemen ■ aus den Copyright« Rechten zu bezahlen. Die Behutsamkeit, mit der Hans für sich und seine Schwestern seine berechtigten Forderungen stellte, Ist ein wei* teres Zeugnis für Seine Weltfremdheit, aus der ihn auch die zahlreichen schriftlichen Er» mahnungen seiner Schwester Pauline nicht wecken konnten. Die gleiche Zurückhältung bekundete Hans auch den Frauen gegenüber. Um dem jüdischen Volk Und den zionistischen Nachfolgern Dr. Herzls Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß gesagt werden: Wenn auch die Fondssumme, die für Herzls Kinder zustande gebfacht wurde, gegen* über dem Geld und der Arbeit — wie Nordau es beklagt —, die Herzl der zionistischen Sache gewidmet hat, unzu* reichend war, ebenso wie gegenüber jener Summe, die Herzl für seine Kinder hätte erwerben können, so war die aufgebrachte Summe nichtsdestoweniger an sehn« lieh und, zwischen Hans und den zwei Schwestern ver* teilt, verbürgte sie ein komfortables Auskorn« men. Aber der Krieg brach herein, und wie es die fran« zöslsche Regierung mit Nordau tat, weil er ein feindlicher Ausländer war, bö konfiszierte die Östenreichische Regie* rung gewisse Österreichische Obligationen, die Hans Herzl hatte (da er als österreichischer Untertan geboren, nun In England naturalisiert und britischer Soldat, also aktiver Feind war) mit einem Realisation«* wert von ungefähr 900 Pfund. Nach dem Krieg versuchte Hans bei der österreichischen Verwaltung ausländischer Guthaben durchzusetzen, ihm eine rund« Summe an Stelle der Obligationen auszuzahlen. Er erhielt die Antwort, daß die Rückerstattung des Kapitalswertes nicht in Frage komme, daß vielmehr die Obligationen zwecks Ausstel* lung neuer Scheine zurückbehalten wurden. In seinem Testament vom Jahre 1939 bemerkte Hans zu dieser Sache, als er über seine Hinterlassenschaft verfügte, daß ungefähr der dritte Teil d?s Realisierungs» wertes, gegen 300 Pfund also, herauskäme. „'Wenn meine Vermutung richtig ist", bemerkt Hans in seinem Tes*«\ment weiter, „so wünsche ich, daß die Summe zur Rückzahlung der mir ge* machten Vergünstigungen verwendet werde". Die in Frage stehenden Vergünstigungen be« zogen sich auf die Zionistische Organisation durch das damalige Mitglied der zionistischen Exekutive, Jacob de Haas wußte von Zeit zu Zelt viel von Verlegern und Herausgebern,, vielen guten Ziöhisten darunter, zu erzählen, die zwar gerne über Hans* Tragik jammerten und über die Vernachlässigung von Herzls Kindern trauerten, mit denen aber Jacob de Haas erst auf gerichtlichem Wege die Schädigung erweisen mußte, die durch Nichteinhaltung des CopyrightsGesetzes Herzls Kindern zugefügt wurde. In der Jüdischen Teles graphenagentur (J. T. A.) stieß Ich konstant auf nach* gedruckte Artikel und Feuilletons Herzls in jüdischen Zeitungen, und ich pflegte Haiia darauf aufmerksam zu machen, der dann die Zeitungen um ein ihm zukommen« des kleines Honorar für seine Schwestern Und sich er# innerte. Seine Bitten wurden im allgemeinen gänzlich ignoriert und nicht einmal der Empfang seiner Briefe bestätigt. Hans war kein Mensch mit kaufmännischem Sinn, er stand davon ab, seine Forderung zu erzwingen, und so fiel die Sache Sehr oft ins Wasser. Wenrt irgend einer der Herausgeber versuchte; sich mit ihm in Sachen des Nachdruckshonorars ZU verständigen, war er nur allzu bereit, ihre Angebote anzunehmen, mögen sie noch so gering gewesen sein, und manchmal waren ihm seine Schwestern für seine Nachgiebigkeit nicht sehr dankbar. Das geht klar aus einem Brief hervor, den ihm Pauline schickte, die er über von ihm angenommene Bedingungen bezüglich der englischen Ausgabe von „Altneu 1 and" informiert hatte. (Nebenbei erwähnt, hatten die Heraus« geber alles, selbst den Druck und die Ankündigung der Publikation, arrangiert, ohne mit Herzls Erben in Verbindung zu treten, und nur weil ich Hans die Anküti« digung zeigte, geschah es, daß dieser den Herausgebern schrieb, indem er ihnen In seinem und seiner Schwestern Namen vorhielt, daß sie ihre Zustimmung nicht eingeholt hätten. „Solange das Copyright von meines Vaters Werken nicht abgelaufen ist, gehören alle Hechte einer Uebersetzungsausgabe dieses Werkes und aller anderen uns, seinen Erben.") Pauline schrieb; „Man muß so. weit vom praktischen Leben entfernt sein, wie Du es bist, um ein solches Arrangement zu treffen. Vaters Werke sind eine Quelle des Einkommens, aus der wir gewiß mehr als andere zu schöpfen berechtigt sind. Das ist keine Frage von Almosen oder Dividenden« sondern des rechtmäßigen und legal anerkannten Gewinnes. Ich kann nicht glauben, daß irgendwer, der die Tatsachen kennt» aus freien Stücken versuchen Sollte, hauptsächlich in diesem Herzl*Gedenkjahr, seine Kinder zu exploitieren, da der Vater sein Leben, sein Glück, seinen Idealismus hingab. Ich bin nicht geldgieriger als der normale Durch« schnittsmensch, aber ich weiß, was Kampf um die Exi* Stenz heißt, wenn ich auch gegenwärtig, Gott sei Dank, frei von Sorge bin. Ich denke in dieser Sache mehr an i STiST? ESNLAD -*?3R^W^4-»iH^%»^^r * ■» * V» des FräOleirtft Gisela Deutscher Bettln Die Trauung fttit Herrn Ösiät HorowitM Wien findet Sonntag, den 10. Jflttnef 1933, um 6 Uhr abends itti Saale des Cafe Reklame, II, Pfatefstfaße 34, statt Dich selbst, aber Du hast ja däs Arrangement getroffen und die Sache ist gemacht." Pauline wußte sehr wohl um die Armut Hans', als sie diesen Brief sehrieb. „Ich biß sehr betrübt, daß Du nicht wohl bist", hatte sie ihm kurz Vorher geschrieben. „Deine Nahrung ist wahrscheinlich nicht krähig genug." Und in einem anderen Brief schrieb sie; „Ich träumt« letzte Nacht, mein lieber Hans, daß Du Dich mit einem reichen Mädchen verheiratet hast.u Paulines Erwähnung einer Heirat erinnert mich daran, daß zur Zeit, da Hans1 Taufe die jüdische Welt in Aufruhr versetzte, eine jüdische Zeitung den Bericht brachte, daß sich Hans getauft habe, um ein Christ« liches Mädchen, in das er verliebt sei, zu heiraten, und ich habe einen Brief von ihm, In dem et diSSStt Bericht erwähnt und erklärt: „Die Erwähnung einet Liebesaffäre kann nur eine Lüge sein." Soweit ich weiß* hatte Hans nie irgend eine Liebesaffäre, und wiewohl •* immer zu Frauen sehr liebenswürdig war, so blieb et ihuesi gegenüber doch immer voller Scheu und mied sie, (Ein Schlußartikel folgt) Denn er ist Jude ♦ ♦ ♦ Bemerkungen zum Fall Halban. Im Zuge der großen Debatte, die die Wiener Linkspresse mit den Wiener B.echtskf eisen seit etlichen WocheÄ über den ,Judöüpuflkt" führt, hat sich Min edn neuer Fäll herauskristallisiert, nach der Studentenechtsfrage» abermals auf akademischem Boden. Es geht um die Besetzung einer Wiener Frauenklinik mit einem Manne, der zü den populären Frauenürzten Oesterreichs gehört, dem Wiener Professor Halban. Man konüle anfangs itt dien Zeitungen lesen, daß Halban, bisher Ordinarius am Wiedener Spital, die Ernennung zum Leiter der I. Wiener Frauenklinik zu erwarten habe, zusammen mit dem Prager Ordinarius Prof. Weibel, dem die II. Wiener Frauenklinik zugedacht sei. Während nun in der Tat dier Präger Professor die Ernennung erhielt, ging Pröf. Halban leer atis ~ und dieses Leerausgehen hat Ungewöhnliche Aufregung in der Wiener liberalen und linken Fresse hervorgerufen. Von Prof. Halban wußte die weite Oeffentlichkeit, daß er in der Vorkriegsära, in der Zeit der großen Jttdentaufmode, sich in den Schoß der katholischen Kirche aufnähmen ließ, um dann einer der beliebtesten Frauenärzte der feudalen Aristokratie und der fetten Bourgeoisie zu werden, kurz, der Liebling der „hohen Kreise'', die Wunschtraumerfiillung einer bestimmten Israelitenschicht, die er sich zur Stütze seiner sozialen und wirtschaftlichen Existenz auserwählt hat. Der angesehene und wohlhabende Frauenspezialist, der Taufjude, ließ sich von jener Schicht tragen und diente ihnen gleichzeitig als Dekorationsstück, das man gegebenenfalls im gesellschaftlichen Leben sehr gut verwerten konnte. Und dieser Halban — nicht ernannt, Übefgangon, ein zu starkes Stück für die Wiener „Judenpresse", die ein Herz im Leib hat! Ja, Sögt Sie, die Reaktion zieht in Oesterreich ein, die Verdorfung ist am Marsch, der hakenkreuzkrische rlassenstandpunkt obsiegt. Sogar das Blatt der österteiohlflohen Sozialdemokratie, „A r b e i t e r - Z e i t u n g", die sonst wahrlich nloht gerne klagt über Anwendung des Antisemitismus, im Gegenteil fröhlich höhnt, wenn ein Jud Leib aus Tarnopol bei etwas ertappt wird, sogar sie ist außer sich und schämt sich als Österreichischpatriotisches Blatt schwer — über die eingerissene „Kulturreaktion". Sie liest der liberalen Bourgeoisie die Leviten, indem sie ihr vorhält, daß sie „mit ihrem Geld, mit ihrem Einfluß auf die öffentliche Meinung, mit ihren Stimmen die Herrschaft der i^ntieemitischen'4 Parteien unterstützt. Ja, mehr noch. Sie sagt rund heraus, warum der großbourgeoise Liebling nicht ernannt wurde, „unzweifelhaft ein Gelehrter allerersten Ranges, dessen Lehrbuch der Gynäkologie wohl das verbreitetste Und bedeutendste unter den modernen Lehrbüchern des Faches ist; Aber Halban ist Jude". Wir müssen die Erleuchtung, die da plötzlich über die Sozialdemokratie gekommen ist, nämlich die, daß es eine Judenfrage gibt, anerkennen. Aber diese Anerkennung ist mit Verwunderung gemischt. Warum springt sie gerade dem bourgeoisen Halban belf Warum nicht dem jüdischen Lumpenproletarier, dem verelendeten jüdischen Kleinbürger, dem bettelarmen Hausierer, allen jenen, die ihre Rathausherrschaft zu spüren bekommen habenf Warum schweigt sie, wenn die Juden öffentlich maßlos beschimpft, Studenten ob ihres Judentums aus der Aula geprügelt, Boykottdrohungen in Stadt und Land gegen jüdische Gewerbetreibende ausgestoßen werden? Vielleicht deshalb, weil das alles ungetaufte Juden sind, bei denen man eich auf Gefahrdung bourgeoiser Kultur nicht berufen kann? „Denn Halban ist Jude." Das weiß auch die »Neue Freie Presse",

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