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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 225 DIE NEUE WELT Seite f Union der Zio nisten-Revisionisten Mittwoch, den 13. Janner 1932, 7,9 Uhr abends im Hershsaal des Verbands* heims, II., Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Die Judennot in Europa und Amerika / Unsere Antwort Referent: Dr. Wolfeang Weis! (Jerusalem) Regiebeitrag 50 g Freie Aussprache! in großem Maße verwirklicht worden. Die große Aufgabe, ein jüdisches Nationalheim zu schaffen, ist so weit nach vorwärts gebracht, daß man das Ziel als erreicht betrachten kann/' Dies sagt der beste Vertreter des Jewish-Agency- Typs. Alle Menschen um ihn her halten das bisher Erreichte für das Maximum des Erreichbaren. Alles, was jetzt noch geschehen kann, wäre: Noch paar Juden rtach Palästina zu bekommen. Die zweite Richtung, betrachtete die Lage in Erez- Israel nicht als gut, aber als erträglich. Wenn man die Erklärungen in der zionistischen Presse und die Tätigkeit der zionistischen Exekutive verfolgt, so findet man: Diesen Menschen ist alles recht. Gibt mau 1000 Einwanderungs-Zertifikate, so nimmt man sie, gibt wn 32 für ein halbes Jahr, so ist man mit 32 zufri«d«n. Dieses System, mit allem zufrieden zu sein, «A'ns mnn bekommt, hat die Illusionen des jüdischen Volko« zerstört Die Politik der zionistischen Ex»K.utive ist es a.uqh jetzt, den Status quo zu erhalten. Und dieses System, alles hinzunehmen, hat in Erez-Israel eine antieuropäische und antijüdische Welt geschaffen, hat das Interesse der jüdischen Welt abgetötet, hat aus dem Zionismus ein kleines Kolonisationsexperiment gemacht. Die Politik des Status quo hat den Zionismus bankrott gemacht und die zionistische Bewegung auf der ganzen Welt zerstört. Die dritte Richtung ist die revisionistische. Jahrelang sind wir mit Eag/land gegangen. Wir haben aufrichtig daran geglaubt:. V) daß die Interessen der englischen Regierung parallel mit denen des jüdischen Volkes gehen; 2.) daß eine starke jüdische Siedlung für die englische Regierung von größter Wichtigkeit ist. Wir haben versucht, diese Idee zu konkretisieren. Wir haben der englischen Regierung die Form des siebenten Dominions vorgeschlagen. Der Versuch ist gescheitert. Wir sind bis zur letzten Etappe der Kooperation mit England gegangen. Noch in Prag haben wir gehofft, daß eine revisionistische Exekutive die Möglichkeit hätte, mit der englischen Regierung von einem neuen Gesichtspunkt aus zu verhandeln und so den letzten Versuch einer englisch-jüdischen Kooperation zu unternehmen. Zu dieser Exekutive ist es nicht gekommen, dafür dazu, daß wir das Vertrauen zu England verloren haben. Bis vor kurzer Zeit war die englische Politik dem Zionismus durch ihre Neutralität schädlich, durch die Passivität gegenüber der Mandatspflicht. Mittlerweile ist die englische Regierung weitergegangen. Sie ist zum aktiven Angriff übergegangen, das Weißbuch ist der erste aktive Eingriff ins zionistische Recht. Der Sinn des Weißbuches ist: den Zionismus zu zerstören. Die englische Politik bestand bis jetzt darin, der freien Kräfteentwicklung zwischen Arabern und Juden keine Hindernisse in den Weg zu legen. Jetzt aber will sie Hüter arabischer Interessen sein. Auf schändliche Weise deklariert sie, daß das jüdische Volk mit seinen Rothschilds, Warburgs usw. ohnedies reich sei, und England müsse den armen Araber gegen den Reichtum des Judentums schützen. Diese Aenderung haben wir in Prag nicht vorausgesehen und diese Aenderung hat unser Vertrauen zu England zerstört. Die Araberpolitik Englands besteht heute darin, den Araibern das zu geben, was man uns nimmt. England hat sich jetzt vollkommen auf die arabische Politik eingestellt. Shaukat Ali, der Rebell, der Revolutionen gegen England inszenierte, ließ auf Der elegante Heir — der erfolgre'che Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle lasieren 8 ch nur mit Der einzigen schwedischen Weltmarke dem moslemitischen Kongreß eine antienglische Resolution nicht zu. — Gibt es einen sinnfälligeren Beweis? Palästina wird entweder eine arabische oder ■eine jüdische Mehrheit haben, hat es eine arabische Mehrheit, wird es eiÜ'Arabfes-Staat sein oder umgekehrt. Ein arabischer Staat wird zum Panislamismus führen. England hat die Wahl zwischen Arabern und Juden, und es wird sehr bald wählen müssen. Eines steht fest, das, was wir heute von England bekommen (32 Zertifikate), das könnten wir von Arabern zwei- oder dreifach haben. Um 32 Zertifikate von England zu erhalten, c**£$& ^H<s c,H dafür brauchen wir keinen Kampf mit den Arabern. Heute stört Englands Anwesenheit in Palästin» unsere Entwicklung. Bis heute waren wir parlamentarische Kämpfer. Wir haben eine stärkere Sprache gefordert, Proteste verlangt und wollten gewisse Konzessionen zurückweisen. Wir sahen bisher , die Front in der Galuth, die Basis in Erez-Israel. Jeder Rückschlag in Palästina hat zu einem Vorstoß in der Galuth geführt. Heute ist die Situation geändert: Proklamationen und Resolutionen helfen heute nicht mehr, sie wirken nicht mehr und machen uns lächerlich. Wir müssen unseren Kampfplatz nach Palästina verlegen, die Offensive muß in Palästina erfolgen, dt3r Stützpunkt ist die Galuth. Der Kampf muß direkt geführt werden. Sind wir in Erez- Israel stark, dann können wir gewisse Sachen verhindern. Und darin bestehen die neuen Methoden. Der Fall der Volkszählung war der erste Fall der Non-Corporation mit England. Jeder Zionist fühlt heute eine gewisse Leere in sich. Früher war unser aller Leben mit Zionismus und Nationalismus ausgefüllt, alle haben mitgewirkt. Dies hat sich geändert, die zionistische Organisation ist ein Mechanismus geworden, die Fonds sind organisierte Maschinen. Der Zionismus hat einen Versuch des frontalen Angriffes auf Erez-Israel gemacht. Damals dachten wir, daß in 10 bis 15 Jahren die Grundlage des jüdischen Nationalheims geschaffen sein wird. Diese Hoffnung war falsch und darum müssen wir neue Reserven schaffen und dies erfordert Gegenwartsarbeit. Eine frontale Attacke ist momentan unmöglich. Aendern wir die Kampfmethoden, so werden wir vielleicht die Verhältnisse bessern. In ökonomischer Beziehung schaffen wir ebenfalls eine ganz neue Idee: die Uefaerwanclerungs-Kooperati ven. Sie sind eine neue starke Position in der Frage der Auswanderung jüdischer Massen. Unsere neuen Richtlinien werden auf Widerstand stoßen, aufregen und abstoßen. Man wird wieder von der Einheit der Front reden und unseren Kampfgeist wiederum durch die Phrase der Einheitlichkeit zu paralysieren suchen. Dies wäre ein Verbrechen! Ich bin ein Freund vereinigter zionistischer Arbeit, aber nicht immer kann die mechanische Einheitlichkeit von Nutzen sein, wir werden weiter in gewissen Fragen gemeinsam vorgehen, aber in der Methode gibt es. keine Einheitlichkeit. Bei anderen Völkern, die von geführt wurden, die verstehen, daß man Methoden ändern könnt, wieviel euer Herz 'nur will, und daß der Schwur bleibe und ihr euch nicht versündigen braucht?'* In der Schenke wurde es lebhaft wie in einem Bienenstock. Die Bauern Begannen mit den schwarzen Fingernägeln sich hinter dem Ohr zu kratzen, die Stirnen zu runzeln, um herauszufinden, was dieser Mordko ineine. Denn sie wußten seit langem, daß Mordko nicht in den Wind bellt, daß, wenn Mordko spricht, es gesprochen ist. Dimitro und Petro sprangen erfreut auf, neues Leben war in sie gekommen. „Wenn du uns das, Mordko lieber, beweisen könntest, wir würden dich vergolden." „Ich will nicht, daß ihr mich vergoldet, ich will nur, daß ihr dafür fürs ga,nze Dorf so ein Fest machen sollt bei mir in der Schenke, daß sich Kinder and Kindeskinder noch daran erinnern." Und er überlegte mit ihnen, wieviel Schopapafässe, wieviel Met, wieviel Flaschen Saft, wieviel Weißbrot und koschere Wurst sie da brauchen werden. „Gesegneter Mordko, wer kann das ergründen, was sein jüdisches Köpfchen wieder ausgedacht hat." * Das ganze Dorf konnte kaum den nächsten Sonntag erwarten, für den das Fest angesetzt war. Alle brannten vor Neugierde, zu erfahren, wa« Mordko aasgedacht hebe, um den Schwur zu umgehen. Nach dem Gottesdienst in der Kirche versammelten sich alle Dorfleute die mit den Hahnenfedern- und die mit den Pfauenfedernkappen, die erst zum Militär gehen und die schon gedient haben, rasch in der Schenke. Ihnen nach die jungen Bauernweiber und Bauernmädel. Das erste, was auffiel, als sie die Schenke betraten, war —, genau gegenüber der Tür —■ ein neues Bild, ein schreckliches Bild, das auf schwarzem Hintergrund das furchtbare weiße Skelett mit einer Sense zeigte. Sie erkannten sofort den Sensenmann, den Tod, den Todesemgel. „Joj, wie schrecklich", schrien vor allem die Weiber, und die Männer staunten ruhiger. .Mordko, wozu hast du eine so häßliche Todfigur aufgehängt?" „Setzt euch nur schön hin, ihr werdet schon sehen." Alle vornehmeren Bauern setzten sich hin, nahmen Dimitro Werkaletz und Petro Klementjew in die Mitte. Mordko stellte Flaschen mit Schnaps und allerlei Eßware auf, goß ein Glas mit Schnaps voll vor Petro und Dimitro, stellte einen tiefen weißen Porzellanteller und einen Zinnlöffel bereit, zerbröckelte ein großes Weißbrot und tat es in deu Teller, goß diesen dann voll mit Schnaps, füllte auch für sich ein Glas und sagte: „Na, hört zu, ihr Bauern, und vor allem ihr, Dimitro und Petro! Du, Dimitro hast geschworen, keinen Schnaps zu trinken, aber ihn essen aus einem Teller mit Brot, mit einem Löffel wie Suppe, das darfst du doch. Du aber, Petro, trink zum Wohl mir und allen Gefährteu zu, aber zum Tod sollst du nicht trinken. Denn du hast ausdrücklich geschworen, nicht mehr zum Tod zu trinken." Nicht möglich, das Gelächter und den Lärm und die Freude zu beschreiben, was allda entstand. „Saljomon selbst hätte nicht so entschieden!" „Bravo!" Dimitro und Petro weinten fast vor Freude. Es begann ein Tafeln, das bis spät in die bestirnte Nacht dauerte. Man trank und aß wie noch nie. Und trunkene junge Bauernweiber und Bauernmädel sangen, daß der Wald von den starken Tönen widerhallte. Man brachte Musik und tanzte im Haus der Schenke. Und lange noch sprach man im Dorf und in der Umgebung von Mordkos kluger Tat. Seit damals trinken Bauern allen Brüdern zu, aber nicht zum Tod. Auch könnt ihr seit damals Bauern Schnaps mit Weißbrot essen sehen, aus einem Teller mit einem Löffel. Wenn ihr einem solchen begegnet, dann müßt ihr wissen, daß das ein „Beschworener" ist«

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