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Die neue Welt · 1932-01-08 · Heft 225 (8.1.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 225 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Nr. m Bei stockendem Stuhlgang und Überschüssiger Magensäure leitet das «ehr mjlde, natürliche ,<FraiMK« Josef-Bitterwasser die im Magen und Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab und verhtltetln vielen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzttnduagen. mit beiden Füßen im Lager des „vaterländischen Judentums", welches die „C. V. Zeitung" liest, Freiwillige in den Krieg schickt und jeden deutschen Feldwebel als Uebermenschen betrachtet, stehen. Diese Juden wären schon sicher des Ministerportefeuilles würdig, sogar der Ansicht des strengen lettländischen Patrioten nach. Was aber tut der Herr der Welten? Er versorgt Deutschend mit einer antisemitischen Plage, wie seihst Rußland sie nicht gesehen hat, weil in Rußland dar Haß von oben kultiviert wurde, während es sich' in" Deutschland um. eine demokratische Volksbewegung handelt, die dem Juden die Luft zum Atmen raubt undihn durch Friedhofsscliändungen bis ins Grab verfolgt. Und wenn einmal ein Jude, wie Rathenau, für eine Weile Minister zu weiden versucht, macht'' sofort die Ä&tftejfhitische Bestie „im Interesse Deutschlands" seinem Leben ein Ende und der Pöbel marschiert durch die Gassen und sdjfigt; „Schlaget tot den Rathenau, Die gottverdammte Judensaul * * Auch die ungarischen Juden haben mit ihrem Antizionismus, ihrer vaterländischen Innigkeit, ihren 10.000 jüdischen Kriegsopfern und ihrer glänzenden magyarischen Aussprache noch keinen Ministerposten erhalten ... Nein, nicht das ist es, nicht die Verleugnung des eigenen Volkstums ist es, die zur Gleichberechtigung und Achtung der Juden führt. Nicht sie schafft die gegenseitige Verständigung, nicht sie hat den Eintritt von drei Juden in das englische Kabinett herbeigeführt. Der englische Jude ist bedeutend weniger assimiliert wie der deutsche oderfranzösische. Man soll ihn hiebei, Gott behüte, nicht „verdächtigen": auch hier in England existiert der süße Typus des israeltischen Ueberpatrioten. Das ist. jener Judentypus, der in 1915/16 mit der untertäniger Bitte zur Regierung kroch, sie solle sich um Gottes willen der blutigen Interessen „unseres britischen Reiches" erbarmen und aufhören, mit dem Zionismus und den Zdondsten zu kokettieren; jene jüdische Schicht, die sich jetzt an dem königlichen Direktor des Immigration&departements, Herrn Chaimsohn, so sehr erfreut. Diese Schicht lebt noch heute, und wenn man auch in letzter Zeit weniger von ihr hört, sp bedeutet dies, nicht, daß sie von der. . Buhne abgetreten, ist. Sie wartet, einfach auf ihre'Zeit. '. Aber sie. repräsentiert "nicht den durchschnittlicnen englischen Juden. Der Massen jude hat hier, im Gegensatz zu Deütschlancfaund F^m^reich, sein* jüdisches Gesicht noch nicht verloren. Der Grund hiefür mag. der sein: die Juden kamen viel später nach England als nach Deutschland. Säe konnten noch keine starke asairndlatorische Bewegung schaffen, mit der Deutschland stolzieren kann. Und doch verspürt man hierzulande nicht das an'tisemitasche Fieber des Kontinents. * Natürlich ist auch England keiu Judenparadies. Die „Abneigung" gegen die Juden, die man früher „Asemitismus" nannte, ist auch hier da, ganz besondere in der höheren Gesellschaftsschacht. Sogar die Literatur kennt entsprechende Schilderungen (J. Galsworthy: „Die Gesellschaft"). Aber diese „Abneigung" ist keine Massenseuche. Sie hat Formen und Grenzen, sie bleibt in den Salons stecken und hat mit der Gasse und ihren Instinkten nichts zu tun. Pessimisten glauben, daß der Sturm, der über den Kontinent hinfegt, auch England erreichen wird. Das ist möglich, heutzutage ist es ja schwer, zu prophezeien. Heute wird jedenfalls das Land von einem anderen Gesetze beherrscht Das Gesetz heißt: Abwesenheit eines jeden Interesses an der Veröohiedenartigkeit des jüdischen Typus. Der Jude ist ein Mensch, der hier nicht nur menschliche und bürgerliche Rechte hat, sondern auch das Recht auf eigenes national e s E m p f i n d e n. Als z. B. die Juden in Whiteohapel anläßlich der Parlamentewahlen demonstrativ gegen den Labour- Kandidaten stimmten» um ihrem Unmut gegen Lord Passfields Antizionismus Ausdruck zu verleiben, beschuldigte keine einzige Zeitung und kein einzigerMensch in England die Whitechapeler Juden, daß sie sieh in der englischen Innenpolitik nicht von englischen, sondern von jüdischen und z i o n isiischen Ccfünfen leiten ließen. Man hielt ihren Schritt , für , b e.'g r e i II i c h und normal. Und die Ernennung von" zwei jüdischen Ministern -— einer der beiden [ ist unterdessen kurtickgetreten — und eines jüdischen Vizeminfs'ters hat nur den Herrn Hütler und clie. europäischen „Demokraten", die von allen Vorurteilen ihrer mittelalterlichen Großväter beherrscht sind, aufgeregt. Es ist möglich, daß man sich auch in manchen aristokratischen Klubs Londons diesbezüglich mit einigen Worten aufgehalten hat. Aber in England, im L a n d e, im Volk e, ist keinem eingefallen, die Tatsache, daß Lord Reading,. der gewesene Außenminister, ein warmer Freund des Zionismus und Präsident der ElektriiizierungsgeaeJlsqhaft, in Palästina ist, zu einem Problem zu gestalten Herbert Samuel, der Innenminister, proklamierte sich seinerzeit öffentlich als Zdonist (ob sein Zionismus sehr wertvoll ist, hat mit dieser Sache nichts zu tun). James Rothschild, der seinerzeit so aussichtsreiche Kandidat für den Poäten des'Vtzemduisier^-im Kriegsoffice,: ist jüdisch und zionistisch ebenfalls; stark „belastet" (einen Vater zu haben, wie er, ist keine Empfehlung ffjflf g$ta „EngHschtum"). In gewissen Kreisen wurde er sogar einer längere Zeit hinduroh als auesicJi tareich« Prätendent auf den Posten das Präsidenten der Ziqnjßtiichen Organisation betrachtet. Endlich steht auch Sassoon, der gegenwärtige Vlzemindster des LuftBohiffverkehrt, dem Judentum sehr nahe und soll vor nicht lange? Zeit in einer Bagdader Synagoge sogar eine warme iionjistische Rede gehalten haben. Touristen, dje, nach London kommen, wundern sich über die Qualität des englischen Grases, In den europäischen Ländern ist es bekanntlich verboten, auf öffentlichen Plätzen das Gras zu betteten. Trotzdem ist es dort gewöhnlich zertreten. In England ist es umgekehrt: Es ist erlaubt, auf den schönen grünen Wiesen in den Parke zu gehen, und trotzdem ist das Gras dicht qnd frisch. Die Sache ist einfach die: Das Gras wird in England schon seit 400 Jahren gedüngt und gezüchtet; es hat deshalb andere Wurzeln als auf dem Kontinent Vielleicht sind die Wurzeln des endljschen öffentlichen Lebens ebenfalls anders geartet als auf dem Kontinent. Tausend Jahre Parlamentarismus und Demokratie bedeuten viel mehr als sechzig oder gar zehn Jahre. Auch der brave lettländische Patriot hätte -viel.-! leicht anders geschrieben, wenn sein hochverehrter Herr Großvater sich bereits mit Parlamentarismus und öffentlicher Politik statt mit änderen Dingen beschäftigt hätte. Im Wendepunkte Von Meiw Großmann (London) Wir bringen nachstehend die einleitende . Hede, welche de* Vizepräsident der Exekutive der Welt-Union der Zionisten-Revisjio- nisten auf d.erizionist.-rev.- Landeskonferenz in.Warsohaufgehalten hat. Sie kündigt Neuorient i e r u'ng zionistischer "Politik an. Diö Geschehnisse de|-: letzten Zeiterfordern richtunggebende Entscheidungen in politischer, Ökonomischer und organisatorischer "Beziehung. Wir. haben die polnische' Konferenz als;. Tyy.i.b ü n e für. die ganze z i o n i s t i sehe- *u n-d ~r-e^fi s i o-n is t i s eh e W e 11 gewählt. Mit ihrem. Beschluß. -vfirdAsich die. ganze zionistische." Öffentlichkeit •aiiseinanderzusetzen haben. Auf der letzten Konferenz Polens, vor 2 Jahren,, befanden wir uns. nach im Stadiuutjrter- K riti k,, der, Warnungen und,der.; Aufklärung/;DieK.WÄndlVjö.g i»:.'der: aiqmsti.sch.en . ^Situatipn;eHpi^9rt;nu^ J. . li-^-Schon aufn deiu - zionistische Welt-- einzuse^eitt..b^gounen, daß dje bisherige Politik der englischen - Reg. ie.ru Jig,. unmöglich weiter geduldetwerden, könne .und, man ., tat den ersten Schritt" und beseitigte Wei.zmann,; des Führer, -dqr die Richtung des y-erhängnisvoll^en Defaitismus reprä- J^EmO-ÖOOTWVN-JylA«EB. BRINÖr; ab 12. Jänner MIT PAUL MOßöAM, MARION LESUNG, EGON v. JORDAN. Jp> ■ -ß»*" ' LACHEN/ ■VACH BN/ tACHEN/ V? C H B M f Xtixtxrrentierte, aber die zionistische Welt beginnif den Glau* b e n an die Verwirklichung des Zionismus zu verlieren, und heute ist die Krise der Zionistischen Organisation nicht nur eiue politische oder finanzielle Krise, sie ist eine Krise des Vertrauens, des Vertrauens, zur Idee, des Vertrauens zur englischen M a n d a t a *- macht. Diese Krise kann weder durch Deklarationen oder Erklärungen, noch durch Bankette beseitigt werden. Schon auf der Prager Weltkonferenz habe ich darauf hingewiesen, daß die .Geschehnisse, daß die politische und ökonomische Lage und die schlechten Beziehungen zur Mandatarmacht zu einer Verlangsamung der Aufbauarbeit in Erez-Isyael ' führen miisseu: und ..eine P a u s e, in dieser Arbeit , entstehen werden Die Stärke 'des;-|^jbioni|mujs of feuerte;sic\hdamals; darin, daß; wir zur rechten Zeit, dafc rechte Wort zu sprechen'.. wagten und keine. Angst vor . den Wehrufen der anderen hatten. Und so peinlich und beschämend es klingen mag, wir sprechen es heute aus: Wir befinden uns, durch äußere und innere Zustände gezwungen, im Zustände der Pause der Arbeit in Palästina. ' Tiefer Pessimismus in der ganzen zionistischen Welt ist die Folge dieser Pause. Die Aufgäbe des Revisionismus ist es, diesen Pessimismus in Optimismus zu verwandeln, denn wenn wir auf das warten, was von seiten der zionistischen Exekutive getan wird, stirbt der Zionismus. (Beifall.) Wenn es uns gelingt, das Vertrauen in den Zionismus wieder zu erwecken, wenn wir die politischen, ökonomischen und organisatorischen Reserven des Judentums in Bewegung setzen werden, dann wird diese Pause eine gesegnete sein und die zionistische Bewegung wird neu aufleben. Der Sturm auf Erez- Irael wird uns neue Menschen bring.en Die zionistische politische Situation wird von drei Richtungen her verschieden abgeschätzt. Die eine Betrachtungsweise spiegelt sich in der Bankettrede Sir Herbert Samuels wider. Herbert Samuel glaubt, daß der Zionismus bereits verwirklicht sei. Man darf seine Erklärungen nicht als bloße spontane Aeußerung werten. Sie klingt klar abgewogen und durchdacht. Er sagte: „Die Bestrebungen des jüdischen Herzens sind Eine kluge Entscheidung Jüdisch-ukrainische Geschichte Von Ber Horowitz „Kannst gegen die Geltiste nicht ankämpfen, denn sie sind die Kräfte <}er Welt. Kann man den Wind einfangen, der im Wald saust? Kann man den Wolken befehlen: geht daherum und dorther um wie die Schäflein? Dem Regen: hör' auf? Dem Meer sagen: beruhig' dich? Und wie in der großen Welt, so bei. uns in der kleinen. Gott hat dem Menschen das Gelüst nach dem Essen, nach dem Trinken, nach dem Weibe gegeben, denn sie erhalten unser Lehen und geben es weiter. Man kann zwar ein Vieh oder einen Menschen unfruchtbar machen, daß er sein Leben den . Generationen weitergebe, aber den Trieb, sich selbst zu erhalten, kannst du nicht töten. Denn mit ihm zusammen endet das Leben, Den Magen und die Gedärme und den Gaumen kann man nicht straflos vom Leib trennen. Deshalb, Brüder, eßt und trinkt, laßt euch's Wohlergehen. Denn so hat Gott den Menschen geschaffen. Nicht umsonst 9&gt man: Aus vollem Töpfchen in das Kröpfchen raffen macht für den Teufel reif das Nönnchen und den Pfaffen!" So sprach Mordechai Madaner eines Sonntags zu dep Bauern dm,Wirtshaus;,ijnd die wackelten stauuend mit. den Köpfen »Ja'\ ,, :. - Da, da, so predigt in. der Kirche der Pfarrer nicht, so Kluges hat er noch, nie .gesagt. Er' erinnert uns nur immer wieder an ..die-, sieben Todsünden. Zu fasten befiehlt er uns und selbst frißt er sich fett und läßt sich's zutragen, leihst'-trinkt -er-uh'd sauft er, wieviel es ihm behagtrund uns heißt-er, dem Schnaps abschwören." Und frohgemuter, aufgeräumter gössen sie die Gläser mit reinem Schnapsan und tranken einander zu, „In eure Hände, Freund!" „Gebe Gott Gesundheit!" Chljaps, hineingegossen, den Köpf zurückwerfend, die Augen schummerig geschlossen, . .den Speichel zwischen den Zähnen hinauswerfend, steckten sie etwas in den Mund, jeder nach, seiner Art, Zucker der eine, eine saure Gurke der andere, der dritte taucht Weißbrot in saurem Rübensaft — jeder, wie's steine.Natur ist. Nur auf zwei Gesichtern malten.ßioh Trauer und Aerger, Vergeblich trank man ihnen zu: „Und in eure Hand, Freund Dimitri!" „Und in eure, Freund Petrl" Dimitro Werkaletz und Petro Klementjew antworteten einstimmig melancholisch: „Dahin, Brüderchen, wir sind Beschworene. Beim Pfarrer in der Kirche geschworen, hat uns übertölpelt, der Pfarrer, mit samt unseren Weibern, am Feldweg sollen sie umkommen.. Und Dimitro rühmte sich: „Balh, ich wenigstens hab* nur für drei Jahre geschworen, nicht zu trinken, er'aber — zum Tod." Und er lachte fröhlich, daß dieser den größeren Sehaden habe. „Und ein Schwur, das ist eine große Sache. Gott soll behüten, sich zu versündigen, die Seele zu verlieren", murmelten die Bauernkerle.; Und Petro Klementjew bemerkte: „Leicht für euch zu sagen: Befolge den Schwur! Mir aber, Brüderchen, geht's im Herzen so um, daß ich fast verrückt werde. So ein Nagen befällt mich nach einem Gläschen. Ich hab* große Angst, zu brechen den Schwur und zu verlieren die Seele für ewig." Und Dimitro Werkäleta fügte hinzu: „Eine Kuh würde ich hergeben, wieder so trinken zu dürfen, wie ihr, Freunde und Nachbarn." Und er kaute gemächlich seinen Saft mit Zwiebel und da« Mohnküchel dazu. Reb Mordechai, der beim Ofen unter dem großen, auf Glas gemalten Bild „Die Opferung Isaaks" saß, piepte seine Pfeife, streichelte gemächlich den Bart und lächelte hinter dem Schnurrbart. Ihm war etwas Feines eingefallen. „Hört nur, ihr beiden, Dimitro und Petro, was wird sein, wenn ich so etwas anstelle, daß ihr trinken

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