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Die neue Welt · 1932-01-01 · Heft 224 (1.1.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 224 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr» 231 DIE NEUE WELT Seite I rung, das arabische Element wichst unerhört rasch, rascher als alle Rassen der Erde, Juden hineinbringen bedeute, den noch ungeborenen arabischen Kindern das Brot vom Mund wegnehmen usw. — und die Sanktionierung all dessen haben die Juden, hat der Jischuw selbst besorgt. Eines muß man lernen: wenn man an einer Sache teilnimmt, gibt man ihr die Sanktionierung. Wenn man nicht will, daß die Sache später auf diese Sank« tionierung gestützt werde, so beteilige man sich nicht. Unter den Argumenten, durch die man den jüdischen Jischuw in Palästina sich der Volkszählung zu unter» werfen antrieb, lautete das eine so: Die Regierung wird jedesfalls die Volkszählung durchführen. Was also wird es helfen, wenn die Juden sich enthalten? Das ist erstens ein falsches Argument, zweitens vom Stand* punkt der bürgerlichen Ethik ein unsauberes. Wenn die jüdischen Institutionen mit dem Waad L'umi und dem Rabbinat an der Spitze alle Juden des Landes auf' gerufen hätten, sich nicht „zählen'1 zu lassen, wenn jüdische Massenversammlungen an jedem Ort verkündet hätten, sie würden die Zähler hin aus treiben, hätte die Regierung keine Volkszählung gemacht. Man hätte es ihr einfach von London aus verboten. Denn eine arme Regierung kann nicht Geld für eine Statistik hinauswerfen, von der sie genau weiß, daß gerade in einem der wichtigsten Dinge ein Loch bleiben werde. Man hätte die Operation verschoben und unterdessen mit den Juden zu verhandeln begonnen, hätte Mittel gegen Fälschung seitens der arabischen Zähler, der arabi« sehen Dorfaufseher und des „Wachstums" an Beduinen vorgeschlagen. Und die verschobene Sache wäre sachte hingestorben, zusammen mit dem Landentwick» lungsplan und dem Parlamentsplan, die beide auf dem Volkszählungstriok aufgebaut sind. Blind hätte man sein müssen, um das nicht zu verstehen. Und weiters: Was ist das für bürgerliche Ethik, die sagt, daß man einem Unrecht zur Geburt verhelfen soll, wenn man es nicht verhindern kann? Wenn man ein Verbrechen nicht abwenden kann, so soll man es wenig« stens nicht mitmachen. Das ist die einzige gesunde Ethik im gesellschaftlichen Leben. Die Hauptsache aber ist eine andere Frage. Der Jischuw in Palästina muß sich jetzt zu einer anderen Methode des politischen Kampfes vorbereiten: Zur Gehorsamsverweigerung. Jeder weiß und jeder sieht, daß wir in der nächsten Zeit nichts Gutes erwarten können, wohl aber im Gegen« teil, wenn kein Wunder geschieht, viel Schlimmes. Neben vielen anderen Gründen muß man auch noch mit dem n e g a t i v e n Ausgang der britisch»indischen Round T a b 1 e * K ö n f e r e n z rechnen. Negativ ist eigentlich ein leeres Wort. Für die Engländer war der Ausgang positiv. Für sie ist es klar, daß im Augenblick, wo zwischen Hindus und Muselmanen Friede geschlossen wird, beide Parteien sein Verschwinden aus Indien ver* langen werden. Nur die Hartnäckigkeit der Muselmanen hat vorläufig Englands Lage in Indien gerettet. Jetzt werden die Muselmanen „Chabar" (Trinkgeld) verlangen und unter anderem auch zu unseren, zu jüdischen Lasten. Füt> England besteht eigentlich keine Notwendigkeit, Chabar an die indischen Muselmanen zu zahlen. Diese müssen so oder so die englische Herrschaft unterstützen, denn mehr als den Tod fürchten sie das Alieinbleiben mit der Hindus>Mehrheit ... Die Juden Palästinas müssen jetzt schlechter Zeiten gewärtig sein. Die Hauptfrage wird die sein, wie sich der Jischuw zu einer Regierung verhalten wird, die die Ab« sieht hat, mit legalen oder pseudolegalen Mitteln die Entwicklung zu behindern. Wird der Jischuw sich jedem neuen Anschlag unter* werfen? Wird er helfen und mitarbeiten? Oder im Gegen* teil mit jedem möglichen Mittel auf Schritt und Tritt Hindernisse aufrichten? Der Regierung das Leben bitter machen, wie sie es uns tut? loh kenne den feigen Refrain; Wie können wir stören, wir Sehwache, wir usw.? Es klingt, als ob es eine unerhörte Sache wäre, das erstemal in der Weltgeschichte, daß eine unterdrückte Bevölkerung sich das Ziel setzt, . einer schlechten Regierung das Leben sauer zu machen. Das ist schon oft vorgekommen, besonders tn Fällen, Ähnlich dem unsrigen. Der Jischuw wird es noch gar sehr bereuen, da& er nicht den Mut hatte, dem Ruf iu folgen, die Gelegen* holt der Volkszählung, gegen die im Herzen alle waren, «auszunützen; der Regierung das erste Beispiel offenen Widerstands gegen ihre Anschläge zu zeigen. Das Dümmste ist, daß man sich bereits heute auf die Boykottbewegung berufen muß, indem man den Arabern, die sich ihrer angeschwollenen Mehrheit rühmen, tagt: „Wisset ihr denn nicht, daß sich viele Tausende luden der Zählung enthalten haben?" Aber unsere englischen „Freunde" werden nooh andere Gelegenheiten schaffen. Die britische Administration in Palästina ist unser Feind. Jeder ihrer Erfolge — unser Ruin, jede ihrer Niederlagen — unser Vorteil. Jede ihrer Handlungen strebt direkt oder indirekt dahin, unsere Existenz zu untergraben, unsere Hoffnungen zu zerstören. In einer solchen Situation gibt es nur eine Antwort« Gehorsams* Verweigerung. Prof« Di% Alfred Engel Zum 50. Geburtstag Eine der wertvollsten Erinnerungen für die Wiener Zionisten bildet die an die Zusammenarbeit mit Dr. Alfred Engel vor dem Umstürze. Wir lassen hier die Würdigung folgen, welche die Brünner „Volksstimme" dem Wirken dieses hervorragenden zionistischen Arbeiters und Führers angedeihen läßt. Sie schreibt u. a.i Der Umsturz sieht Alfred Engel als Schulreferenten, als Vorsitzenden der Schulkommissdon des Jüdischen Nfttionalrates unermüdlich bemüht, die Grundlagen des jüdischen Schulwerkes zu legen, das bestehende jüdische Schulwerk zu konsolidieren nnd in solche Bahnen zu lenken, die der jüdischen Renaissancebewegung entsprechen. Engel ist der feistige Gründer des neuen jüdischen ehulwerkes überhaupt. Als engster Mitarbeiter des verstorbenen Abgeordneten Dr. Ludwig Singer war er im Jüdischen Nationalrate in vorderster Front. Unzählige Inspektionsreisen führten ihn in die entlegensten Orte unseres Staates. In zahlreichen Referaten bei Zionistentagen und Sitzungen der zionistischen Zentralbehörden, wo natürlich Dr. Alfred Engel nie fehlen durfte, fand Engel stets Mittel und Wege, um dieses finanziell schwache Werk zu sichern. Dr. Alfred Engel ist Organisator. Ihn freut das Werk. Wir finden ihn als Organisator der Flüchtlingsfürsorge — wie viele Ostjuden kennen den Namen Dr. Engel noch —, der Lehrerseminare, die Engel in Brünn einrichtete, als Organisntor von Lehrerverbänden, Tagungen, Studentenorganisationen, als Organisator in Radautz, Prag, Mahr.-Weiflkkchen, Brümi. Dr. Alfred Engel kennt keine Ruhepausen. Und ebei. o wie er, unermüdlich, unerschrocken, Optimist, zu jedem Opfer bereit, fordert er es von anderen. Als Historiker, Wissenschaftler, Lehrer ist Engel ein Name von ausgezeichnetem Klang. Die Zionistische Organisation ist stolz darauf, Engel zu den Ihren zählen zu können. reise mit einem gerichtlichen Nachspiel nach „Causa Kaiser" von Ludwig Stärk und Adolf Eisler In den Hauptrollen: Charlotte Susa, Hans Moser, Georg Alexander, Paul Morgan, Werner Puetterer, Rosa Valettl, Triide Brlonne. Ab heute i Von morgen an außerdem: Mi, II. fliwf-iö, II. Von den Juden Südafrikas In Berlin fand dieser Tage ein Empfang zu Ehren des Bevollmächtigten des Verbandes für jüdische Geaundheitshilfe „OSE", Dipl.-Ing. S. Jacobi, der von einer Südafrikareise nach Berlin zurückgekehrt ist, statt.; S. Jacobi gab eine interessante Schilderung der Verhältnisse der jüdischen Geineinschaf/ Südafrikas und der Wandlungen, die sdoh im ihr In den letzten Jahrzehnten vollzogen haben. Die ersten Juden erscheinen in Südafrika schon zur Zeit der ereteoEntdeckungsfahrten. Ein Jude befand sich bereits im Gefolge Vasco de Gamas bei seiner ersten Umsegiung des Kaps der Guten Hoffnung. Unter den ersten Pionieren, die die Kapkolonie erschlossen haben, befanden sich einige englische Juden, die sowohl an der Entdeckung und Ausbeutung der. Gold- und Diamantengruben als auch am Ein- und Ausfuhrhandel einen bedeutenden Anteil hatten, Untear den ersten Einwanderern überwog das deutschjüdische Element, zu dem sich eine Anzahl englischer Juden gesellte. Erst in, den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts setzte eine kontinuierliche Einwanderung von Juden ein, und zwar waren es osteuropäische Juden, die infolge der in Rußland ausgekrochenen Pogrome zum Wanderstab griffen. 1931 schon weist die jüdische Bevölkerung Südafrikas die ansehnliche Zahl von über 80.000 Seelen auf und bildet 4,3 Prozent der gesamten weißen Bevölkerung des Landes. 90 Prozent sind in den Städten ansässig* Die Überwiegende Mehrheit i Uli., Kaiserstraße 123 IX., Alserstraße 6 (zirka 70 Prozent) ist im Handel, 16 Prozent in Industrie und Handwerk und zirka 4 Prozent in freien Ben rufen tätig. Der Zustrom der nichtjüdischen Bevölkerung zu den städtischen, namentlich zu den Handels- und freien Berufen und die so entstanden«! Konkurrenz zum jüdisohen Element ließ gewisse ant& semitische Tendenzen in Erscheinung treten, die int öffentlichen Leben bereits spürbar sind. Jacobi schilderte die wirtschaftliche; Krise in Südafrika, insbesondere die Krise des jüdL schen Handele, die zu einem gewissen Tedl auf da« von der Regierung erlassene Verbot des Ahn zahlungsgeschäfte*s zurückzuführen Ist Dieses Verbot und die Krise in der Landwirtschaft nnd de* Diamantenindiustrie (letztere besonders im Oranje* Freistaat) haben zahlreiche jüdische .Geschäftszweige; lahmgelegt. Dessenungeachtet fand der Appell des OSE in allen Kreisen der südafrikanischen Judenheit starken; Widerhall. An die Spitze des in Johamnisburg in« Leben gerufenen Aktionskomitees stellten sich Sir George: Albu, Morris Alexander, Rev. Bender, Richter L. Green* berg, H. L. Karnowsky, Oberrahbiner Dr. J. L. Landauf Alexander Lipworth. Bezeichnend für die Verhältnisse: innerhalb der südafrikanischen Judenheit ist die Tat* sache, daß der Appell bei der Generation, in dec noch die Verbundenheit mit der altem Heimat stank ausgeprägt ist, des» stärksten Widerhall gefunden hat Jüdische Telegtaphenagenlut <J*T*A<) „Havas" fibernimmt den jüdischen Nachrichtendienst < Frankreichs Nachrichtenagentur „Havas" (übrigenl das älteste Nachrichtenbüro der Welt) hat in diesenl Tagen ein Jahresabonnement auf den Nachrichtendienst der J. T. A. vereinbart Zufolge dieses Abkommens wird die Agence „Havas" die Nachrichten und Meldungen! der J. T. A. an die Tages presse Frankreich« und an die gesamte französische Sprachenzone abgebend Agence „Havas" folgt hlemit dem Beispiel deti „Associated Press", welche schon seit zehn» Jahren den JTA*Dienst an 1430 Tageszeitungen iif Amerika abgibt, dem Beispiel des Deutschet« Wolffbüros, der „Transozeanischen Radios agentur" und des Reuterschen Büros, die alltf auf Grund eines speziellen Abkommens den gesamte^ Nachrichtendienst der Jüdischen Telegraphen»Agenttt« weitergeben. Revisionistischer Studentenklub. Dienstag, deö 5. Jänner 1932, um iiS Uhr abends im Heim, II., Untere Augartenstraße 38, Sitzung der Leitung und der Vertrauensleute. Erscheinen der Ausschuß« mitglieder und der Vertrauensleute Pflichtll *— Don* n e r s t a g, den 7. I. 1932, um %& Uhr abends, IL, Untere; Augartenstraße 38, findet Versammlung statt*- Thema: Die politischen und ökonomischen Richtlinien der Revisionisten (Bericht über die Landeskonferenz der Revision nisten in Polen). Referent Fritz Rlohter. Er* scheinen aller Mitglieder Pflicht. — Gäste willkommene Von der jüdischen Presse Brüssel, 22. Dezember. Seit kurzem erscheint ht Brüssel eine Tageszeitung in jiddischen Sprache nnter dem Titel „Letzte Neies", deren Chef* redakteur der russisch-jüdische Publizist Vladimir Großmann ist Eine Jiddischisten-Gruppe in Anfe werpen plant die Herausgabe einer jiddischen Tages« ieitung auch für Antwerpen. * London, 24. Dezember. Herr J. M. Rieh, IHsHeU Sekretär des Jewish Board 0! Deputies und des Joint Foreign Committee, hat diese Aemter zurückgelegt, umt dieLeitungderRedaktiondes„JewishChroH nicle" an Stelle des vor einigen Wochen verstorbenen Herrn Leopold Greenberg zu übernehmen. SIEGM. KORNMEHL aROSIPLIISCHHAUBRIl Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u. A-16-9-34 Lieferant tttr Heilanstalten JtbteHunger^^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kol« tusgemeinde Wien Autosuatalluna kostenlos IX., Bcrgsau« 13 ✓ XVIII., Wührlngsritr. W ■HilKBili^^

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