Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 224 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seile I »»-——,—....................- ......... ............ ■ ■■ n A 1 Sehalf platte», iuohTiirtoh Mioifiiptaiisig. Wenn sich Ihre Sache, so Gott will, erfolgreich anlegt, sich Ihre und meine Hoffnungen erfüllen, werde ich diesen Vorwurf immer wieder zu hören bekommen. Kurz, ich akzeptiere Ihr Angebot.'1 Aber als es an die Festsetzung der Bedingungen für die Annahme ging, dachte Herzl sehr bald wieder an die Finanzierung der zionistischen Bewe* g u n g, indem er eine Option auf den Jewish Colonial Trust zwecks Akquirierung von Reitlingers Shares in dieser Unternehmung in der Höhe von x Million Francs forderte. Und „wenn diese Option für die Bank erlangt ist", sagte er, „so werde ich natürlich nicht partizi« pieren, da Ich als Präsident des Aufslchtsratea unsere Bank nicht für Privatgeschäfte verwenden darf. Da* durch wird es auch keinen Grund für Vorwürfe geben mit dem Hinweis, ich sei ein unmenschlicher Vater, da es, wie die Juristen sagen, eine turpis causa ist'\ Und Herzl bemerkt in einer Stelle, die in den publizierten Tagebüchern zu finden ist: Das würde mit einem Schlag den Jewish Colonial Trust etablieren. Die Shares würden ao einem Tag gezeichnet werden. Der Zionismus wird auf einmal alle Fonds haben, die er braucht (Weitere Artikel folgen.) Aus der Türkei Konstantinopel, 22. Dezember. Da« Kultusministerium hat den Leitungen aller Minderhei tage h u 1 e n, auch der jüdischen, mitgeteilt, daß von jetzt ab die Schulen nicht mehr zwei Tage in der Woche geschlossen bleiben dürfen. Nur am Freitag, dem mohammedanischen Wochenfeiertag, dürfen Schulen geschlossen sein, an anderen Tagen müsse der Unterricht normal vor sich gehen. Dieser Verordnung gemäß wird in den jüdischen Schulen, die bis jetzt an den Sabbattagen geschlossen waren, nunmehr auch am Sabbat der Unterricht erteilt werden müssen. Ebenso werden die christlichen Schulen am Sonntag geöffnet sein. Die Fraktion der Volkspartei* (Regierungspartei) im türkischen Parlament brachte einen Antrag ein, daß nun auch an den Minderheitenschulen die türkische Sprache als Unterrichtssprache eingeführt werden solle. Eonstantinopel, 23. Dezember. Die vor einigen Tagen erschienene Regierungsverordnung, wonach die Minderheiten schulen und so auch die jüdischen Schulen in der Türkei nur am Freitag, dem mohammedanischen Wochenfeiertag, freihaben, aber an Sabbattagen und Sonntagen normalen Unterricht haben müssen, hat besonders unter den Juden Bestürzung hervorgerufen. Nunmehr erklärt der Unterrichtsminister, daß er die Verordnung, die ohne sein Wissen ausgegeben wurde, aufhebt. Die Juden in Bra§iHeii Die „Neue Welt" erhielt folgendes Schreiben: „Sehr geehrte Redaktionl. Gestatten Sie, daß ich dem in Ihrer letzten Ausgabe erschienenen Artikel des Herrn Doktor Nachbin über die Entwicklung des Zi on i s mu s in Brasilien einige tatsächliche Bemerkungen hinzufüge. Im Jahre 1913 kam Schreiber dieser Zeilen nach Rio de Janeiro. Vom damaligen Berliner Büro wurden ihm die Adressen zweier Zionisten in Brasilien — der Fa. Klabin I r a n o s und Herrn Adolfo I n g b e r in Rio — die die Bezieher der „Welt" waren, aufgegeben. In Rio setzte ich mich mit Herrn Ingber ins Einvernehmen. Dieser war wohl Zionist, aber für praktische Arbeit nicht zu haben. Nach Monaten gelang es mir, Herrn Jacopo Schneider, der damals ein kleiner IVLobeihändler war und sein Haus „Casa Sion" nannte, aufzustöbern. Dieser Herr ist heute der Präsident der brasi* lianischen Federacao Sioriista. Mit Hilfe dieses Herrn und seiner jüdischen Bekannten, die zumeist kleine Händler usw. waren, aus Rumänien, Palästina und Rußland stammend, gründete ich November 1913 den ersten zionistischen Verein in Brasilien, den wir „T i p h e r e t h Z i o n" nannten. Die offizielle Sprache dieses Vereins war Hebräisch. Chanuka 1913 fand bereits eine sehr zahlreich besuchte Makkabäer« f e i e r statt, an der nicht nur die damals in Rio lebenden Ostjuden, sondern auch viele „deutsche Juden" teilnahmen. Diese Mitteilungen dienen nur der historischen Vervoll» kommnung des obgenannten Berichtes. Bruno R a b i n o* witz (Wien). ________ Eine Fusion Vereinigung Poale Zion-Hituchduth in Oesterreich vollsogen Die Jüdische Telegraphenagentur meldet: Der organisatorische Zusammenschluß der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei P o a 1 e Z i o n und der zionistischen Arbeitspartei Hitachduth (Hapoel Hazair) in Oesterreich ist soeben vollzogen worden» Die vereinigte Partei führt den Namen „Z ionist isöh -Sozialistische Arbeiterorganisation Poale- Zion-Hitachduth". In der Vereinigungskonferenz wurde beschlossen: 1. Die vereinigte. Partei tritt für die sofortige Sdiaffung eines zionistischen Territorialverbandes ein, der alle zionistischen Gruppen Oesterreichs zusammenschließt, wobei für sämtliche Fragen der zionistische Kongreß und dessen Organe zuständig sind. 2. Die vereinigte Organisation schafft sich ein umfassendes jüdisches Kulturprogramm mit Einschluß einer hebräischen Erziehungsarbeit. 3. Auf dem Boden der allgemeinen Landespolitik wird die vereinigte Organi- DflS NEUE WELT sation im Prinzip die österreichische Sozialdemokratie unterstützen. 4 Die vereinigt« Organisation wirkt für den Beitritt ihrer Mitglieder zur freien Gewerkschaft und zur österreichischen Sozialdemokratie; ein Beitritt9zwang besteht aber nicht. 3. Die vereinigte Organisation stellt sich u. a. folgende Aufgaben: Wahrung der wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der arbeitenden jüdischen Massen durch ihre Mitglieder und Vertreter in verschiedenen Institutionen sowie durch den Einfluß ihrer Mitglieder in der Sozialdemokratischen Partei; ferner tatkräftigstes Eintreten für den Zionismus und das arbeitende Erez Israel. 6. Die offizielleKundgebung der Vereinigung findet Ende Janner 1932 statt * Ueber diese Erklärung, welche für die zionistische Arbeit in Oesterreich von einer gewissen Bedeutung ist, wird gewiß noch manches zu sagen sein. Die Unterwerfung einer zionistisdien Gruppe unter das politische Diktat der österreichischen Sozialdemokratie verdient besondere Beachtung, weil diese Partei der Judenfrage und dem Zionismus gegenüber eben eine ganz besondere, von den sozialdemokratischen Parteien anderer Länder versdriedene Haltung einnimmt. Unter dem mächtigen Einfluß von Tauf- und Abfalljuden stehend, ist sie durchaus assimilatorisch eingestellt, erkennt weder den Bestand einer jüdischen Nation noch auch den Zionismus an. In ihrer Praxis ist sie vielfach antisemitisch. Sie fördert mit allen Machtmitteln den Austritt aus dem Judentum. Jedenfalls ist es aber zu begrüßen, daß der Konferenzbeschluß das Verhältnis der neuen Partei zur österreichischen Sozialdemokratie: off en darlegt. Da die Poale Zion und Hitachduth sehr stark unter der jüdischen Jugend werben — und das mit wohlwollender Unterstützung seitens der allgemeinen Zionisten — ist es wichtig, klar zu sehen, wohin die jüdische Jugend unter einer zionistischen Parole geführt .wird. Aus Rußland Bildung einer autonomen jüdischen Einheit in Biro- Bidschan (sibirisch-chinesische Grenze) Das Zentral-Exekutivkomitee der Sowjetunion, das höchste gesetzgeberische Organ Sowjetrußlands, hat den am 30. September, 1931 von der Sowjetregieruug und dem Präsidium des Zentralexekutivkomitees gefaßten Beschluß über Gründung einer jüdischen n a t io n a 1 -1 e r r it o r i a 1 en autonomen Einheit in Biro-Bidschan, die-^spätestens Ende 1933 erfolgen soll, ratifiziert. Mit „dieser..-Ratifizierung ist das Gesetz* in Kraft getreten. " ■ '■ - Dazu schreibt die Moskauer jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Emes": Während in den dichter bewohnten Gebieten Sowjetrußlands 64, in Jap an 114 Mensch auf einen Quadratkilometer kommen, zählt man in Biro-Bidschan l1/* Menschen per Quadratkilometer. Keinerlei Hindernisse und keinerlei nationale Widerstände stehen der Schaffung eines autonomen jüdischen Territoriums entgegen. Heute leben in Biro-Bidschan 5500 jüdische Seelen; diese Zahl muß 1932 auf 17.500, 1933 auf 37.000 gebracht werden. 1932 werden in Landk.pllektiven 5550 Familien und 300 Einzelpersonen, in Industriekollektiven 550 Familien und 2100 Einzelpersonen, in der Handwerks-Kooperation 650 Familien und 450 Einzelne, im Transportgewerbe u. a. m. 1000 Familien und 500 Einzelpersonen untergebracht werden. Die Rückwanderung der Neusiedler aus der Krim Die Regierungsgesellschaft Komzet, deren Aufgabe es ist, die jüdischen Massen in Rußland der Landwirtschaft und der. Industrie zuzuführen, veröffent- Man hat also in Palästina eine Bevölkerung von 1,035.154 Seelen entdeckt. Nicht einmal Herr Simpson, der folgsame „Experte" Englands, hat solches erwartet. Er schätzt in seinem Bericht auf S. 160 für den Juli 1930 die Gesamtbevölkerung auf nicht mehr als 946.000 ein. Er zeigt auch dort, wie die Gesamtbevölkerung durch natürlichen Zuwachs (die Einwanderung nicht eingereoh» net) ansteigt: Von 1928 auf 1929 betrug er 20.000; ein Jahr vorher 18.000; noch ein Jahr früher 20.000 und ein weiteres Jahr früher 19.500. Wie ist also die Bevölkerung in den letzten IM Jahren von 946.000 auf 1,035.154 ge* stiegen, im ganzen um 89.000 anstatt der normalen 30.000? Woher sind die unerwarteten 59.000 gekommen? Von einer Einwanderung in den letzten 1H Jahren kann ja kaum die Rede sein — und Juden wurden doch insgesamt nicht mehr als 172.000 gezahltl Der unerwartete Zuwachs von.59.000 fällt so dem nicht* Jüdischen Nachbarn iu.'Woher? Sogar der Korrespondent der Berliner „Jüdischen Rundschau" beginnt tu rufen; Verfälschung! Das bedeutet uieht, daß die gangen 99.000 neuen _fft. m licht jetzt einen Bericht über die Lage der jttdisehen Kolonisation in der Krim. Die jüdische Landwirtschaft in der Krim hat in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen. Der Umfang der von Juden bebauten Landfläche stieg von 4530 ha im Jahre 1925 auf 100.000 ha im Jahre 1931. Ungeachtet dieses Anwachsens der Landwirtschaft und der Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Siedler -rheißt es in dem Bericht — setzt sich die Rückwanderung der Neusiedler fort. Von den diesjährigen Neusiedlern sind 40 Prozent in die Städte zurückgewandert. Die Städte bieten heute gute Möglichkeiten für Arbeitswillige. Auch die nach Bildung und Arbeitsqualifikation strebende Dorfjugend strömt in die Städte. Der Mangel an Wohnungen, rücksichtsloses Vorgehen der Steuerorgane und andere Momente wirken dem Zustrom von Neusiedlern entgegen. Komzet hat einen Plan aufgestellt, der darauf hinausgeht, die bisherigen jüdischen Kolonien in der Krim zu konsolidieren und sie auf eine feste wirtschaftliche Grundlage zu stellen, damit sie die ihnen zugewiesenen 270.000 ha Boden ratio-' nell bebauen können. Hingegen werden 70.000 ha, die der jüdischen Kolonisation zur Verfügung gestellt, aber noch nicht an Siedler verteilt worden sind, dem Staate zurückgegeben werden. Antisemitismus in sowjetrussisehen Fabriken Moskau, 25. Dezember. Ein Arbeiter in der Bobruisker Fabrik für Holzbearbeitung namens Wassilew hat seinen jüdischen Arbeitskollegen P a 1 a i e s in eine Trockenkammer eingesperrt, in der eine Tem-i peratur von 65 Grad Wärme herrscht Als Palaies die Hand zur Oeffnung herausstreckte und einen Befreiungsversuch machte, hieb ihm Wassilew mit einer Hacke einige Finger ab. Erst fünf Stunden später wurde Palaies, der inzwischen das Bewußtsein verloren hatte, aufgefunden und befreit. Die Parteikammer der Fabrik' hat eine Versammlung abgehalten und den Beschluß gefaßt, von dem Gericht eine schwere Bestrafung Wassilews zu fordern. Die Minsker jiddische Zeitung „Oktiabr" teilt mit, daß in der Minsker Maschinenbaufabrik „K o m m u n a r", in der neben 565 Weißrussen 304 Juden beschäftigt sind, eine antisemitische Stimmung herrscht. An der antisemitischen Hetze beteiligten sich auch Mitglieder der kommunistischen Partei Das Stadtkomitee der kommunistischen Partei hat ,eine Untersuchung eingeleitet, wobei die antisemitischen Hetzer Schtschegolow-Mitkewitsch erklärten, daß jüdische Arbeiter auf verantwortliche Posten gestellt werden, wo sie weniger physisch zu arbeiten brauchenals die Weißrussen. Die Kommission stellte fest, daß in der Fabrik Chauvinismus und Antisemitismus herrschen, und verwarnte diejenigen, die die Hetze weiter treiben sollten. Beschluß über Latinisierung des jüdischen Alphabets Moskau, 25. Dezember. Die von der philologischen Sektion des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts in Kiew einberufene Konferenz jüdischer Kulturfunktionäre hat beschlossen, eine Aktion für £ r s e t z u n g d e s h e b r ä i s c h e n A1 p h a b e t s in der jiddischen Schrift durch das lateinische Alphabet einzuleiten und 1. sofort an die theoretische Bearbeitung der Latinisierungsprobleme heranzugehen, 2. die Propaganda für das lateinische Alphabet im Jiddischen zu verstärken, 3. die Frage der Latinisierung in das Arbeitsprogramm der Jiddischen Wissenschaftlichen Institute in Kiew, Minsk und Moskau aufzunehmen, 4. dahin zu wirken, daß die jiddischen linguistischen Publikationen schon jetzt in lateinischer Schrift herausgegeben werden sollen. Die Konferenz bezeichnete in einer Entschließung das Wilnaer Wissenschaftliche Institut und seine Abteilung in Berlin als „ausgesprochen r e a k t i o n ä r". im Weststrich Palästinas für die Zeit der Volks* Zählung „niederzulassen", was möglich wurde, da ja die Araber ohne wirkliche Kontrolle über den Jordan gehen können. Vor dieser beduinischen „Einwanderung" haben wir Ja auch gewarnt. Wenn man will, gibt es noch einen anderen, „Indirekten", aber sehr klaren Hinweis auf einen so beschaffenen beduinisch en Zuwachs. Die Pariser Zeitung „Le Temps", die vom Raub* Überfall auf die zwölf Automobile der Engländer zwischen Jerusalem und Jericho erzählt, macht die kurze Bemerkung: „Das ist bereits der zwölfte Fall seit den letzten paar Monaten." Just jene paar Monate, die für die Volkszählung in Betracht kommen. So ein armer Beduine ist ja auch ein Mensch, der ein bißchen „Parnosse" brauoht. ♦ Welche Konsequenzen nun aus der „Volkszählung" •rfließen werden, weiß jeder von uns im vorhinein: Das Land ist von Menschen Überfüllt, es gibt um Gottes» und des Himmel« willen keinen Platz für Einwände* Gehorsamsverweigerung Von Vladimir 1 »b o I i n a k y Die Zionisten-Revtsionisten in Palästina hatten die Parole ausgegeben, die Volks* Zählung in Palästina zu boykottieren. Nun liegen die Resultate der Volkszählung vor. Araber ausgedacht, d. h. daß nichtexistente eingetragen wurden. Ein großer Teil wurde gewiß so geschaffen,' aber alle 59.000? Gottbewahre! Nein! Das sind Beduinen aus Transiordanien. die eingeladen wurden, sich