Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 224 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SeUe ft DIE NEUE WfcLT Union de* Zionitfen*RevMonfctea N^sA/S/VVVvyVSA/VVVVVVVNA/VVV^i/^^ Mittwoch, 6. Jänner 1932, 81/, Uhr abds., im Heim, II, Untere Augartenstraße Nr. 38 Nr, 224 A«tffthrendes Dr« Mayer Pflg«r, Otkar Teller RegUbeitng 8 1.- und andere führender britischer Staatsmänner und Organe zitieren, die uns beiden zu einem korrekten Verständnis der jüdischen Sache zu gelangen helfen sollen, insofern sie die nationalen Aspirationen berühren. Lord Robert Cecil; der aktiv an der Balfour-Deklaration mitwirkte, erklärte auf einem öffentlichen Meeting zwei Monate nach dem Erscheinen der Deklaration folgendes: „Unser Wunsch war, daß die arabischen Länder den Arabern gehören, Armenien den Armeniern, Judäa den Juden... Eine der grundlegendsten Dinge, für die wir in diesem Kriege standen, war, allen Völkern das Recht 2m sichern, sich selbst zu regieren und für ihre eigene Bestimmun« zu arbeiten, ohne Rücksicht auf Hemmnisse und Bedrohungen seitens ihrer mächtigen Nachbarn. Der wichtigste SAritt,. den wir in dieser Richtung unternommen habein, war wahrscheinlich die Anerkennung des Zionismus;" Und die Londoner „Times", die darüber berichteten, sagten im Leitartikel: „Die Rede Lord Robert Cecils gab ' dem in der Tat die o f f i z i e 11 e S a n k t i 0 n." Der verstorbene Präsident Wilson sprach in gleichem Sinne. Er machte in seinem Memorandum an Dr. 'Stephen S.' W i s e reichlich klar, daß die Balfour- Deklaration den Sinn der Bürgschaft beinhalte, die Errichtung eines Gemeinwesens mit jüdischer Majorität und einer jüdischen Re-. gierung zu fördern, und das, was nach dem Geist des Gesetzgebers die wirkliche Bedeutung des wahren Terminus ,„N a \ i 0 n a 1 Horn e". Ale die Balfour-Deklaration später dem Mandat einverleibt würde, wurde nicht ein einziges Wort in diesem internatio nalen Akt aufgenommen, das auch nur entfernt die ßchlieflliohe Bildung eines jüdischen Gemeinwesens ausschließt, im Gegenteil, es findet sioh darin das verräterische Wort „R e k 0 n s t i t u i e r u n'g" Das oben Erwähnte ist nur ein kleines Zitat, das ich Ihnen au Ihrer Prüfung übermittle, und Sie werden ohne Zweifel zu würdigen vermögen, was wjr bezwecken, und est steht nicht "im Gegensatz zu den Versprechungen, die uns gemacht würden bereits in einem "Zeitpunkt, d a den Arabern e b e n f a 11 s für ihre Sä c he Gehör geschenkt wurd e, mit dem einen .Unterschied, daß diese (die Araber) im Verlauf von weniger Jals einem Jahrzehnt vier Reiche errichtet haben, während das jüdische Volk zufrieden ist, auf Zeit "arbeiten und der Feindschaft jener widerstehen itt können, die vornehmlichst als <Iie ersten ■ hätten sein sollen, .ihnen, den Juden, zo ijhrem Recht zu verhelfen und. die Feierlichkeit des mit ihnen ge- -slfnlössenen Paktes zu-verteidigen. •......• - :. Ich will nacht lange-bei dieser Sache verweilen, sondern nur sagen: Wenir Sie glauben, daß Großbritannien und seine führenden Staatsmänner unrecht hatten, für unsere nationalen Aspirationen so offen und aufrichtig zu bürgen, so ist es besser, das zu sägen und demgemäß zu verfahren, als klare, aus der Geschichte nicht auszumerzende- Tatsachen zu leugnen. . Vielleicht mag es hotwendig sein; abschließend hinzuzufügen, daß der jüdische Nationalismus keine ' neue Phase in unserer modernen Geschichte ist, die mit der Promulgierung der Balfour-Deklaration vor vierzehn Jahren anhub. Im Gegenteil . ist es unser Vermächtnis seit dem Fall des jüdischen Staates und bleibt Teil und Inhalt d es J ud en t ü ms ' bis auf den heutigen Tag. Im letzten Grunde will das Weltjudentum sein zukünftiges Schicksal sich selbst formen und von ■unseren unzerstörbaren Hoffnungen und Idealen jenen Gebrauch machen, der unsere Schritte im Lichte wandeln und unsere Inspiration für noch ungeborene Generationen bewahren lassen soll. Mit erneutem Dank für die mir bewiesene Höflichkeit, Sie meiner Bereitwilligkeit versichernd und Ihnen das Recht, bezüglich unserer Ziele anderer Meinung zu sein, zubilligend, bin ich in freundlichen Empfehlungen Ihr aufrichtiger N. E. B. Ezra, Simpson wünscht eine Befragung des Völkerbundes Die Argumentation Ezras gegenüber dem Ignoranz vorschützenden und sioh hinter ihr versteckenden „naiven" Herrn Simpson stützt sich, wie ersichtlich, auf nicht aus der Welt zu schaffende historische Hinweis, deren Reichhaltigkeit im Rahmen «ine« Briefes natürlich nicht su eMohtifpfen war.' v : In Verlegenheit gebracht, tut Herr Simpson so, als verstehe er immer noch nicht, was Großbritannien versprochen habe, ist abef1 gerissen genug, seine Naivität zur Verleumdung zu steigern, indem er den antisemitischen Refrain von der Vertreibung der Araber zum Besten-gibt; Die Antwort Simpsons, lautet: National-Flood Relief Gomanission : 10 Kiukiang Road Shanghai Shanghai, 27. November 1931. , N; E. B; Ezra, Esq.; Israel's Messenger 74 Szechuen Road -; Shanghai Werter Herr! Dank für Ihren Brief vom 27. November und die Nummer von „Israel's Meesenger". Was die Frage ' der Errichtung eines jüdischen Staates mit einer jüdischen Majorität in Palästirta betrifft, kann ich nur wiederholen, was; ich in unserem Interview, sagte, nämlich, daß ich nicht sehe,; wie. eine solche Politik in) Mandattext Blut-, Haut- und Nervenkranke erreichen durch den Gebrauch des natürlichen ^Franz-Josefu-Bitter-' wassers geordnete Verdauungsverhältnisse. In Apoth. erh. seine Rechtfertigung .finden kann, wo sehr Idar niedergelegt ist, daß die Position der Araber n i c h t a n «et ä« t e t werden darf. Obwohl das eine Sache-sein mag, über die die Meinungen auseinandergehen, so scheint es mir, daß, wenn-der Gegenstand der zionistischen Unternehmung darin besteht, die Araber au-s Palästina über den Jordan z u. b r i n ge n zum Zwecke der Raumsohaf f ung für einen jüdischen, Staat, dies klar und autoritativ erklärt, werden sollte, damit gleicherweise eine klare und - autoritative RechtsTegelung darüber vom Völkerbund, der dem. britischen Volk das Mandat gab,, erlangt werde. ■ . .. Ihr aufrichtiger . Sit John. Hope Simpson Ihre ^.bürgerlichen und religiösen Rechte** ist die Mandatarjnacht verpflichtet, solche politische, ökonomische und administrative Maßnahmen zu treffen, die die Entwicklung Palästinas zu einem jüdischen Gemeinwesen sicherstellen. Umfangreiche Literatur ist Uber diese Sache geschrieben worden, und es ist klar, daß ich, wenn auch die Mandatarmacht ihre feierlichen Verpflichtungen abzuleugnen wünscht, nicht einsehe, wie der Aufbau des jüdischen Nationalheims verhindert .werden kann, wenn das Wesentliche der Balfour-Deklaration nicht geopfert wird. .....Es ist nicht die Rede davon, die Araber aus ihrer gegenwärtigen: Position oder Recht zum Zwecke der Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens zu verdrängen. Die Araber sind gut durch die Klausel von den bürgerlichen und religiösen Rechten f;eschützt, und solange die oben erwähnte deutiche und .kategorische Deklaration des Mandats vom Völkerbund nicht ■ offizieil widerrufen ist, wird das jüdische Volk fortfahren, sein Heimatland in solcher Weise zu bauen, daß „die Entwicklung Palästinas zu einem jüdischen Gemeinwesen gesichert" sei, eine Politik, mit der die britischen Regierungskreise in Jahre 1919 . in vollkommener Uebereinstimmung waren. Wie ich schon in meinem vorhergehenden Schreiben sagte, die Frage der Sicherung der nationalen Befreiung des jüdischen Volkes hängt in großem Maße nicht von außenliegenden Momenten oder von offiziellen Erklärungen ab, sondern von der ihm innewohnenden eigenen Kraft, Schwierigkeiten ins Auge zu fassen und Hindernisse zu überwanden. Ein Staatsmann sagte einst: „Eine Nation war nie groß, solange sie nicht zum Bewußtsein kam, daß sie von nirgendwo in der Welt Hilfe zu erwarten hat** Daß wir diese Wahrheit heute zu verwirklichen befinnen, ist ein unleugbares und unmißverständliches eichen unseres fortschreitenden Weges, von dem das Haus Israel nicht nach rechts und nicht nach links abweichen wird.;. Mit wiederholtem Dank für die mir gegebene Gelegenheit, meine Ansichten zu' entwickeln, und mit freundlichem Gruß Ihr aufrichtiger N. E. B. Ezra. Eine dokun . iura zeigt. nun. * L der Preamjiel . des;mtarische Antwort im, britischen Biedermann,, was Mandat steht, und" "weist die Verle'umd u.ng ...von", d'er arabischen Vertreibung ruhig, , aber entschieden zurück. Die würdige Antwort Ezras, die sich auf Dokumente stützt und entschiedenst den Willen des jüdischen Volkes be-» tont, hat folgenden Wortlaut: Sir John Hope Simpson 10 Kiukiang Road ..Shanghai.... , ...... ........ Shanghai, 30. November 1931 "* : Wetter Sir John, ■-ff ich bitte zur ßenntttus zu •nehmet, daß ich:■ Ihre werten wichtigen Aeußerungen imit Dank . empfangen /habe, mit denen Sie. mein Schreiben vom gleichen Datum beantworteten, und ich will mit "Ihrer gütigen Erlaubnis zum letzten Male festhalten, daß im Mandatstext bezüglich der Errichtung eines*jüdischen Gemeinwesensi es niemals exakter zum Ausdruck kommen konnte als in der folgenden Preambel des Mandats: „Da die führenden Alliierten Mächte auch zu* gestimmt haben, daß dfc*; .Mandatarmacht verantwortlich ist für die Verwirklichung der Deklaration, ursprünglich erlassen am 2. November 1917, durch Regierung Seiner Majestät von Großbritannien und angenommen von den erwähnten Mächten . . ., da hiebei die historische Verknüpfung des; jüdischen Volkes mit Palästina und die Rekons t i t u ie r u n g (Wieder herstellung) ihresnatioh,jiälen Heims im Lautje|t.;" / ... '. ■ .:> . Die Lage d e r. A r a b e r, auf die Sie hinweisen, war, zur Zeit, als die Alliierten Mächte die zionistische. Sache in Erwägung zogen, wohl bekannt, und für Die Sache ist Simpson zu kompliziert Wie, man sieht, hat der^ jüdische Herausgeber dem britischen Experten die Antwort nicht leicht gemacht Sie sieht allerdings darnach aus. Herr Simpson hat folgendes zu sagen: " National Flood Relief Commissiön 10 Kiukiang Road Shanghai * Shanghai, 30 November 1951 Mr,N. E. B. Ezra Israel's Messenger 7:4 Szechuen Road Shanghai Werter Herr Ezral Dank für Ihren Brief vom 30. November, in Sachen des jüdischen Nationalheims, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Die Sache ist sehr k o m p 1 i z i e r t und , mehr als e i n e Interpretation kann der Balfour-Deklaration und dem Mandat des Völkerbundes gegeben werden. Ihr aufrichtiger John Hope Simpson Also ein voller Rückzug des vorher so sicheren Sir Simpson. Man unterschätze die Leistung des jüdischen Zeitungmännes in Shanghai nicht Dieses Stefligmachen eines Mannes, der als britischer Experte in der zionistischen Geschichte bleibende Spuren hinterlassen hat, ist mitunter mehr wert als tuschelndes Ddplomatisieren. Diese Methode der offenen Frage, die eine offene Antwort provoziert, ist geeignet, Früchte «u tragen, zumindest in dem Sinne, daß man weiß, wie die Dinge ■stehen. Simpsons Antworten sind hier sehr •charakteristisch. Ein amerikanisches Pro-Pttlästina-Komitee New York, 27. Dezember; (J. T A.) Mehrere den verschiedenen Parteien angehörende führende Senatoren und Mitglieder' des Kongresses der Vereinigten Staaten haben sich zu einer Gruppe m* sammengeschlossen, deren Ziel es ist, den AVf-bau des jüdischen Nationalheims in Palästina zu fördern. In diesen Tagen hielten die Mitglieder dieser Sdialom Alejdiem für die „lebendige Sprache des lebendigen Volkes" Von J. D. Berkowitsch. J. D. Berkowitsch erzäjblt liier, auf welche Weise sein Schwiegervater Schalom Alejchem ihn dazu brachte, auch Jiddisch zu schreiben. Schalom Alejchems Beziehung zu meine; literarischen Zukunft oder — einfach gesagt — zu meiner Karriere war mir, seitdem wir nahe Verwandte geworden sind, eine hübsche Zeit hinduroh Rettung. Einerseits fühlte ich, es sei damit zufrieden» daß ich Hebräisch schreibe, und ich hörte auch von vornherein, daß er in jüdisch-väterlicher Art hinter meinem Rücken mit meinem jungen Erfolg in der hebräischen Literatur stolr ziere. Anderseits gab er mir oft anzuhören, daß es für einen jungen jüdischen Schriftsteller keinen Wert habe, im versteckten Winkel der hebräischen Literatur zu liegen, deren Publikum aus einem Häuflein von Maskilim und Lehrern bestehe, und auch dies Häuflein schrumpfe von Jahr zu Jahr zusammen... Ich muß hier gleich bemerken, daß mit dem Begriff „Wert" Schalom Alejchem bei Gott nicht materiellen Wert gemeint' hat. Er sah auch keine materielle Möglichkeit in der jiddischen Lite- ' raturi und als fürsorglicher Vater, der für das Wohlergehen seiner Töchter söjjgt, mag er wohl zufrieden ge- > wesen sein, wenn - ich. rieben den zwei Sprachen ein drittes ausgewählt hätte — die Möglichkeit, an irgend einer Schweizer Universität Medizin zu studieren. Er meinte hier nur litera>iVehen Wert — den natürlichen Weg eines jüdischen Schriftstellers, der „in der lebendigen Sprache des febendigen Volkes" zu schrei* ben hat. ' Daß es keinen Wert für einen Schriftsteller hat, gar für einen solchen, dessen Fach Belletristik ist; abgesondert vom lebendigen Volk mit seiner lebendigen Sprache zu stehen — dieser Gedanke beschäftigte mich öfter, noch bevor ich in nahe Berührung mit Schalom Alejchem gekommen war. Nicht nur mich allein ließ dies nicht ruhen, sondern fast unsere ganze junge hebräische Gruppe in Wilna* wie S.h § c fc n e u r, Perez H i r s c.hb ern, S. J. Onauchi und der verstorbene Romancier Berschadsky. Wir hatten. darüber Sommersende 1905 einige, intime Besprechungen, wobei sehr heiß debattiert wurde, daß wir a u cfc. Jiddisch schreiben müßten. Bersobadsky, ein Mann mit. praktischen Ideen, hatte diesbezüglich einen grandiosen praktischen Plan vorgelegt, auf welche Welse wir unsere in Jiddisch geschriebenen Werke unter dem Volkverbreiten könnten. Der Plan bestand darin, unsere Schriften in kleinen Heftchen zu drucken, auf ganz billigem Papier, in der Form wie die populären Volksbüchelchen auf Gebets* und Ritualjiddisch, des „Iwri-paitsch, wie beispielsweise ,3chewödhe Bai Schein Tow", „Nifloojs Zadikim" zusammen mit. dieser 4rt Armeleutliteratur in die Massen hineinzuschmuggeln, durch clie herumziehenden Bücherhändler, die „Packträger" auch unsere modernen Schöpfungen zu verbredten. Er' hatte bereits dessentwegen mit einer Druckerei solcher Literatur linterhandelt, die mit den Schriftstellern eine Art Kooperative bilden sollte. Ich wußte nicht, wie der IPlan Berschadskys ausgegangen war, da ich mitten "drin von Wilna abreiste. Ich sah und hörte aber von ferne, wie meine Freunde nach und nach darangingen, ihre Sachen ganz normal auf Jiddisch zu schreiben. Das zusammen mit Schalom Alejchems tiefgehendem Einfluß braphte mich: dazu, meine Kräfte auch im Jiddischen zu prüfen, und meine erste jiddische Erzählung, die ich Schalom Alejchem in Lemberg unterbreitete, wurde von ihm mit besonderer Zufriedenheit aufgenommen. Ich erkannte das daran, daß er, nachdem er die Erzählung für sich gelesen hatte, sie auch den älteren Familienmitgliedern in seiner guten, künstlerischen Art vorlas, so daß die Angelegenheit auch la