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Die neue Welt · 1931-12-25 · Heft 223 (25.12.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 223 (25.12.1931)
Date
1931-12-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr.» Aus Deutschland Beilage der »Neuen Weh« ffir Deuttdilaml fflialrcilaklten umi AdmMrtratirat »Neae Welt«. BerHn CS. BurgKrafte »IV, Nr. 97 Gesamtverantwortung Vom brudermörderischen Kampf der deutschen Assimilationspresse Die Wogen des politischen Kampfes in Deutschland und der Wirtschaftsnot weiter Schichten dieses großen Volkes haben Erscheinungen ans Ufer gespült, in die auch die in Deutschland wohnenden Juden einbezogen sind. Diese Erscheinungen finden ihren Reflex in nicht geringem Maß in der weitverzweigten Presse des Deutschen Reiches. Und wenn im reindeutschen Pressewald politische Interessenkämpfc ausgetragen werden in einer Form, die sich bis zur Weißglut erhitzt zeigt, und wenn die von Juden geleitete linksschillernde Presse mit in diesen Chor einfällt, so erschallt jetzt in den sogenannten „jüdischen Interessen" dienenden Zeitschriftchen assimilatorischer Richtung ein eigenartiger Widerhall; eine neue Note, eine Melodie. Diese mosaische Konfessionspressc, im Dienst« von Organisationen, die nichts anderes anstreben und propagieren als die Assimilation an die Deutschen, das Aufgeben des jüdischen Elements in ihnen, hatte bisjnin ihrer Aufgabe im erbitterten Kampf gegen den Zionismus gesehen, in einem Kampf verschiedenen Grades: vom beschwörenden Werben für ihr deutsches „Ideal" bis zum verleumderischen Denunziantentum. Die Front erstreckte sich von unzähligen Gemeindebtäftchen, die ihre autodrthonen Mitglieder von der „Ostjudehgefähr! zu bewahren ins Feld zogen, bis zu jenen, die dem Weltjudentum die „Augen öffnen" wollen. Die Abwehr des Antisemitismus war der einzige jüdische Inhalt, den die sogcartetc Konfessionspressc als Positivus zur Schau zu tragen hatte. Nun seheint sich diese Front etwas erweitert zu Haben — in der Richtung eines brudermörderischen Kampfes. Dem Schoß der gemäßigten Elemente nämlich entrang sich eines Tages eine Gruppe, die sich d e u i s c h n a t i o n a 1 e Juden nannte und ihren assimilatorischen Brüdern freisinniger und sozialistischer Couleur mit dem Ruf „Schlechte Deutsche!" arg zusetzte. Nun sind, die gemäßigten Väter der radikalen Söhne bereits selbst so weit, einander auf deutsches Herz und deutsche Nieren zu prüfen. In den Blattern des G V. (Centraiverein deutscher Staatsbürger jiddischen Glaubens) und verwandten Organen .geht jetzt eine Diskussion vor sich, in der lebhafte Klage über angeblich antideutsches Wirken verschiedener von Juden geschriebener Zeitungen und- Zeitschriften geführt wird. Diesen wird vorgeworfen, -daß sie mit Frankreich liebäugeln, Deutschland herabsetzen, und so deutschen Patriotismus vermissen lassen; daß sie zwischen den Zeilen ihre Sympathie für den B o 1 s c,h-e ,w i s m u s durchschimmern lassen und gegen , den deutschen Nationalsozialismus in einem Ton polemisieren, der eines deutschen Menschen nicht würdig sei. Die Herren vom Central verein sind der Ansicht, daß dieser Mangel an deutschem Patriotismus an und für sich schon fjnchwürdig sei, daß er aber überdies noch Antisemitismus erzeuge. Aber, meint das Centralvereinso'rgan, wir. Deutsohe jüdischer Konfession können die G,es am t vera n two r t u n g für solches Tun nicht tragen. Andere'Blätter, wie z. B. „Der Schild", die Zeitschrift des .Reichsburides jüdischer Frontsoldaten, geht über dieses Dogma hinaus und verlangt unter dem Titel „M ü s s e n wir abrücken?" eine energische Stellungnahme, ja Kampf gegen solche „deutschfeindliche" Elemente, die Frankreich idealisieren, das deutsche Wesen herabsetzen und falsche pazifistische Demagogie betreiben. Die, deutsche „Judenpresse" ist bestimmt eiue üble Sache. Keinesfalls aber sollte es dem Centraiverein Hegen, gegen sie Front zu machen,- obendrein noch mit dem bestimmt verleumderischen und denunziatorischen Vorwurf, sie sei antideutsch. Denn das ist Brudermord. Sind doch dje .Herren, die er d«n Deutschen als unpatriotisch und antideutsch vorführt, Mitglieder ihres deutschpatriotischen Vereins, Geist von ihrem Geist, von ihrem jüdischen Weltbild, denn sonst wären ja nicht die von ihnen jetzt Angegriffenen — deutsche Kulturupd Pressetnach^r, Leute, die ungebeten und mit aller Gewalt gerade aus dem Gefühl ihres „Deutschtums" den Deutschen ihre Ideale interpretieren, den Deutschen ihren Weg vorzeichnen. Die von den Judeu dn Deutschland geführte deutsche Presse ist eine üble Sache. Sie kprrumprert die Juden, wirkt entjudend, bekämpft hämisch das jüdische Renaissance-Ideal, kurz tut das, wofür der Ceutralverelii wohl gerne die Gesamtver* antwortung übernimmt Die deutsche „Judenpiesse" erzeugt Antisemitismus?1 Nicht minder und nicht mehr a)s die AuimjtatjonsDoIitik des Central verein» deutscher Staat*Lürger jüdischen Glaubens, als jede Politik, die keine rein jüdische ist, als jede Presse, die keine rein jtfditebe ist Geaamtverantwortung? Was soll dieses Wort im Hnnde von Leuten, die eich beleidigt fühUo, wrun man ßie in die jüdische Gesamtheit der Welt einreiht, wenn man von ihnen jüdisches Solidaritätsbewußtsein verlangt: von Leuten, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, daß der Antisemitismus anders bekämpft wird als durch fruchtlose Anbiederung an ein fremdes Volk, daß die Judenfrage auf internationaler Grundlage gelöst wird? Die Herren vom „Ccntralverein" und vom „Sdiild" haben zwar keine Berechtigung, mit der Judenpresse unzufrieden zu sein, dennoch «her recht. Und der brudcrraörderische Kampf, in den sie sich eingelassen haben, für dessen Auswüchse sie eine Gesamtverantwortung ablehnen, ist ebenso charakteristisch für die heutige Geistesverfassung der Assimilationsjuden Deutschlunds wie beweiskräftig für unsere längst vertretene zionistische Erkenntnis. Nationalsozialistische .Rassengesetze BerHn, 20. Dezember. Auf der am 5. und 6. Dezember in Leipzig abgehaltenen Rcichstagung des Nationalsozias listischen Acrzte verband es hat Prof. Stacmms ler in seinem Referat „Rassenhygiene im Dritten Reich" die Stcrilisierung des drii:_n Teils des deutschen Volkes als rassisch verdorben vorgeschlagen. Gleichzeitig schlug er ein Gesetz zur Scheidung der Rassen und ein Gesetz zur Rcinerhaltung der Rasse vor. Gemäß dem Gesetz zur Scheidung der Rassen gilt als fremd« rassig derjenige, von dessen Vorfahren einer der Eltern oder zwei der Großeltern fremdrassig gewesen sind. Als freindrassig gelten dabei alle farbigen Rassen, vorderasiatische und orientalische Rasse, c i n s e h 1 i e ß* lieh der Juden. Falsche Angaben über Rasse* abstammung werden mit Zuchthaus und Ein« Ziehung des Vermögens bestraft. In dem Gesetz zur Reinevhaltung der Rasse sind Ehen zwischen Deutschen und fremden Rassen verboten. Außerehelicher j Geschlechtsverkehr zwischen Deutschen und Fremd* rassigen wird mit Zuchthaus des fremdrassigen, mit Ge* fängnis des deutschen Teiles bestraft. Prostituierte fallen nicht unter das Gesetz. In dem Referat des Apothekers B r u g c r wurde gefordert, daß Apotheker* konzessionen nur an Staatsbürger im nationalsozialistischen Sinne, nicht aber an Juden, vergeben werden dürfen. Das Breslauer Landgericht erläßt eine Verfügung gegen Boykott jüdischer Geschäfte Breslau, 20, Dezember. (J. T. A.) Die Breslauer Nationalsozialisten haben ihre antijüdische B o y k o, t-U Propaganda im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft verstärkt. Der „S c h 1 e s i s c h e Beobachter" wies-. a\jf: dem Titelblatt drei Zeichnungen auf, die unmittelbar nebeneinandergestellt sind. Auf der ersten sieht man ein Bild mit der Ueberschrift „So haben Juden Jesus ans Kreuz genagelt", nebenan sieht man „Die Christen zur Weihnachtsmesse jüdischer Warenhäuser strömen", schließlich sieht man noch eine Gestalt am Strick baumeln mit der Ueberschrift: „Konkurs, der letzte Schritt eines kleinen Geschäftsmannes als Folge groß*, jüdischer Warenhauspolitik.'' Auch in den anderen Teilen; dpr Zeltung, insbesondere im Inseratenteil, sind Boykott*' parolen enthalten. Nunmehr hat das Breslauor;Lahd* gericht im Auftrage von 15 jüdischen Finnen, ent« sprechend einem von Rechtsanwalt F o c r d e r gestellten Antrage, eine einstweilige Verfügung gegen die Redakteure, den Verlag und den Drucker des „Schlc* slschen Beobachters" erlassen, Anzeigen und Veröffent* Iichungcn zu unterlassen, die den wirtschaftlichen B oy* k o 11 jüdischer Geschäftsleute unter Hinweis, auf ihre Zugehörigkeit zum Judentum bezwecken. jn de* Begründüng sagt das Gericht, daß dieser Boykott als den guten Sitten widersprechend anzusehen ist und daß die Darstellung in den auf der ersten Seite ah«' gebrachten Bildern den im politischen Leben ge» botenen Anstand verletzt. Ungesühnte Leichenschändung Berlin, 20. Dezember. Der Vorfall in der B e rliner Anatomie, wo von unbekannten Tätern' in einen zu präparierenden Leichenteil ein Hakenkreuz hineingeschnitten worden war, ist ungeklärt geblieben. Nach dem bisher geltenden Disziplinarrecht hat der Minister nicht das Recht gehabt, ein förmliches Disziplinarverfahren gegen Unbekannte eröffnen zu lassen, bei dem unter Umständen auch eitjliebe Vernehmungen hätten angeordnet werden können. Diese Möglichkeit ist dem Minister erst in dem künftigen Disziplinarrecht gegeben. Ueber das Sehulweseu der Berliner Judengemeindc Im Rahmen des vor kurzem veranstalteten „Genieiudeabends" berichtete Dir. Dr. Alexander, Mitglied des Gemeindevorstandes und Vorsitzender des Schulvorstandes: Im Sehulweseu der Gemeinde wird der Kampf zwischen Freunden und Gegnern der jüdischen Schule zurückgedrängt durch die Sorge um die Erhaltung des mit viel Arbeit und Liebe aufgebauten Schulwerkes, das, wenn es einmal besteht, ganz ßeeonderes leisten muß. Die jetzt verwaltungismäßig und rifumlifh vereinigte Knaben- und Mäd'che.o- Hse ßenefer R.'A. Dr. Ludwig ColJwasser Verlobte Ltlpzig Frankfurt ». M. mittclschule hat erst jüngst bei einer gründlichen Revision durch die Behörden Lob und Anerkennung gefunden, ebenso die vorbildlichen Volksschulen, deren eine das wohl modernste Ber« lincrSckulhuus zu eigen hat Die Volksschulen der Gemeinde betreuen mehr als 1 400 Kinder. Referent äußert sich begeistert über die tiefen Eindrücke« die er bei seinen Besuchen in diesen Schulen von. Lehrenden und Leinenden und ihrer Zusammenarbeit empfangen hat. Der S c h u 1 e t a t betrug 19 30 1,6, 19 3 1 1.2 Millionen Mar k. Die Waisenhäuser Ixitreuen mehrerehun dort Kinder. Der Religionsunterricht wird an allen einschlagigen Schulen in Zusammenarbeit mit der Stadt erteilt und mit ihm werden auch kranke, s c h u 1 u u f a h i g e Kinder in Krankenhäusern verborgt. Subventionen der Gemeinde gehen an zahlreiche Kultureinrichtungen und werden zwar e i u g t * c h r ä n k t, aber nicht aufgehob e n werden. Kunstsammlung, Bibliothek und Lesehalleu sind immer noch»zu wenig bekannt, obgleich ste Wahrzeichen jüdischen Geisteslebens und gut organisiert sind. Das jüdische Reform-Realgymnasium in Breslau öffentlich anerkannt Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Jüdischen Schulverein in Breslau mitgeteilt, daß er nach Benehmen mit dem Herrn Finanzminister genehmigt hat, daß zu Ostern 1932 vom Jüdischen Schulverein in Breslau ein privates Reform «Realgymnasium der Regelform mit Ge* meinschaftsunterricht errichtet wird und daß die zurzeit bestehenden drei untersten Klassen der privaten mittleren jüdischen Schule in Breslau als Sexta, Quinta und Quarta des neuen Reforrn«Realgymnasiums anerkannt werden. Die Anerkennung der Höheren jüdischen Schule als ReformsRealgymnasium beseitigt für die Zukunft de» wesentlichsten Grund, der jüdische Eltern, trotz der bisher zweifellos guten Erfolge der Schule, davon abgehalten hat, ihre Kinder dem jüdischen Schulwerk anzuvertrauen. ' Ein Makkabäer-Oratorium Am Sonntag, den 13. Dezember, fand, inj vollbesetzten Saale des Gürzenich zu Köln dip westdeutsche Erstaufführung der Lehrkantate.„Licb t und Volk" statt. Das Werk gestaltet die Taten der Makkabäer iii der Form einer an den Lehrstücken Wei 11 s und Hindemiths geschulten Kantiate für Männer-, Frauen- und Kinderchöre, Sprecbcboi und Solisten sowie für Streichorchester und Orgel: Der lext, von dem Mannheimer Rabbiner D r. G r ü n e w a I d, ist in' sieben--Teile gegliedert, die Musik/ vom ßrn*?t-Tocb> Schüler Hugo Adler, versucht, die Kräfte' des Besinnens auf jüdisches Volkstum und jü d i s e he Selbstbesinnung zu wecken und zu eiuer Aktivierung der Jugend, nicht nur in der Erfüllung der durch die Kantate gestellten Aufgabe, aufzurufen. Die Köluer Aufführung stand auf beachtlichem Niveau. Die Chöre und das Orchester, bis auf wenige Ausnahmen aus jugendlichen Gemeindemitglie'dern bestehend, erfüllten durch disziplinierte' und saubere Wiedergabe die schweren musikalischen Erfordernisse des Werkes und verhalfen ihm zu starker Wirkung. Die Leitung der Aufführung lag in den Händen des jagend- / liehen Dirigenten Gold borg, die Sprechchöre, die von besonders eindringlicher Wirkung waren, hatte Dr. Esther Frank einstudiert, beide Lehrkräfte der 'jüdischen höheren Schure! Jawne. Die Aufführung liihterllefl nachhaltigen Eindruck und hat auch in der nichtjüdischen Presse starke Beachtung gefunden. Vom revisionistischen Landesvörstand.DeV Landes* vorstand der Union der Zionisten*Rey;isio'nisten. in Deutschland hat an die revisionistischen Ortsgruppen ein Rundschreiben versandt, in welchem es u. a. heißt: Die zionistische Exekutive in London hat an die Mitglieder > des A. C. und an die Presse ein Rundschreiben erTassen, in welchem sie gegen die Vorschläge des revisionistischen Exekutivkomitees von Calais, sowie gegen den. Austritt einiger revisionistischer Landesorganisationen aus' ihren Landesverbänden Stellung nimmt. Wir .hatten-bisnun noch keine Möglichkeit, mit unserem Exekutivkomitee die in diesem Zusammenhange erforderlichen Schritte.und Maß«' nahmen zu beraten.* Wir senden Ihnen' aber' zu Ihrer ersten Information dieses Rundschreiben,, unv zu; erklären; Die Enunziation der Exekutive enthält -einige Unklar* Helten und Unrichtigkeiten, die .erst■Gegenstand, der Be* ratung sein müssen, um als endgültige Entscheidung gelten zu können. Für uns ist die Stellungnahme der -Exekutive von keiner Bedeutung, weil laut Statut der Z O. auch Schekelzahler Mitglieder der zionistischen Organisation sind, die einem Landesverbände nicht angehören. Was weiter die Formel von Galais betrifft, , sq stellt diese lediglich einen Vorschlag des revisionistischen Exekutiv« kpmjtees an die revisionistische l'nion dür, welcher der demnächst zusammentretenden Sitzung des rpvisianjsti« sehen Parteirates erst zur Beratung wird vorgelegt v raen.

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