Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1931-12-25 · Heft 223 (25.12.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 223 (25.12.1931)
Date
1931-12-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2711790-2711842--2889-2716219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 2« DAß NEUE WELT Seitel BERNHARD LUWISCH UND FRAU LADEN FREUNDE, BEKANNTE UND VERWANDTE zur nna i 2 IHRES SOHNES ADOLF WELCHE SAMSTAO, DEN 26. DEZEMBER 1931, UM V.» UHR VORM., IM TEMPEL, XX, KLUCKYOASSE, STATTFINDET, HÖFUCHST EIN. WIEN, IM DEZEMBER 1931. QRATULATION UND JAUSEl SONNTAG, DEN 27. DEZEMBER 1931, UM 4 UHR NACHM., IM CAFE NEPTUN, XX OAUSSPLATZ Nr. 7. Beamten des Mufti antijüdisches Hetzmate« r i a 1 unter den Kongreßdelegierten verteilt, darunter auch jene Misr^sh«Bilder und zur Kinderbelustigung hergestellten Simchath*Thora*Fähnchen, die, wie erinnerlich, von Muf ti*Anhängern bereits der Shaw* Kommission und später der Klagemauerkommission als Beweis jüdischer Absichten auf die Omar* Moschee vorgelegt wurden, bei den Mitgliedern dieser Kommissionen aber nur ein Lächeln gefunden haben. Die Muf ^Anhänger erklären, daß die auf den Misrach* Bildern und den Fähnchen aufgemalten Gebäude die Omars Moschee darstellen sollen, deren sich die Juden bemächtigen wollen. In Wirklichkeit besteht zwischen diesen plumpen Phantasiebildern und der Omar*Moschee nicht die geringste Aehnlichkeit. Während die zu Beginn des Kongresses verteilten gefälschten Bilder, auf denen gezeigt wurde, wie englische Offiziere judische .Arbeiter in der Hand* habung von Maschinengewehren unterweisen, von auswärts importiert worden waren, ist es nach* gewiesen, daß die Reproduktionen der Misrach*Bilder und Simchas«Thora«Fähnchen nebst den dazugehörigen Pam« phleten in der Druckerei des M o s 1 e m AV a i s e n* h a u s e s in Jerusalem hergestellt wurden. ♦ Der Kongreß hat die folgende Resolution an* genommen: Der Zionismus bedeutet ipso facto einen Angriff auf das moslemitische Wohl und hat sich als den mosLemitischen Interessen schädlich er* wiesen. Direkt oder indirekt verdrängt er die Moslems aus der Kontrolle ihres Landes und ihrer heiligen Stätten. Schließlich proklamierte die Konferenz den Boy* kott aller Waren palästinensisch*jüdi* scher Provenienz in allen moslemitischen Ländern. Dieser Boykott soll „ein Mittel sein, die Omar*Moschee vor jüdischem Zugriff zu schützen". „Wenn es den Juden in Palästina gelingt", heißt es in der betreffendend Resolu* tion weiter, „ihre Industrie zu entwickeln, so werden sie in der Lage sein, immer mehr Boden zu erwerben; es j könnte dann so weit kommen, daß auch die Moschee ihrem Zugriff nicht sicher ist." Der elegante Herr — der erfolgreiche Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle rasleren s'ch nur mit Oer einzigen schwedischen Weltmarke Bei rheumatfsdien Leiden, Sdimerxen in den Gelenken und Gliedern sowie bei Kopfweh wirken Togal-Tabletten rasch und sicher. Absolut unschädlich. Ein Versuch Uberzeugt. In allen Apotheken V2.40, ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^5?"" Union der Zionisten-Revisionisten Mittwoch, 30. Oesember 1931, 7,9 Uhi abends im Herxl«Saal des Verbands« helmt, IL, Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Aussprache über die politische Lage, Sperre der Einwanderung nach Palästina etc._ Referent: Dr. N. Samonskv Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache (Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlaga „Die Neue Welt" gestattet) Hans Herzls gutiges und extravagantes Herz Erinnerungen an Hans Herzl* von Joseph Leftwich (London) Je mehr Einzelheiten Leftwich von der persönlichen Lebensweise seines Freundes Hans erzählt, desto tiefer können wir in das Herz dieses außerordentlich feinfühligen Menschen blicken, dessen äußerste Armut ihn nicht hindern konnte, im Stillen Wohltaten zu üben und Menschen zu beschenken. Dieses Ueberströmen des Mitleids mit Menschen, die hilflos und verwaist dem Leben gegenüber* stehen, erscheint hier als . seelische Erbschaft nach dem Vater, Nir^t minder erschütternd wirkt die Art, wie Hans seinen Mitmenschen entgegentritt, wie er ohne Pose und 'voll Opfermut seinen letzten Penny hergibt. Hans Herzl dachte daran, für uns (für die Jüdische Telegraphenagentur) viel zu arbeiten. Er war ein sorgfältiger und exakter Berichterstatter und legte mir einmal nahe, ihm auf Rechnung künftiger Arbeit einen kleinen Betrag vorzuschießen, zum Zweck einer kurzen Kur. Ich und andere verschafften ihm auch anderweitig Uebersetzungsarbeiten, Er übersetzte ein englisches Buch einiger meiner Freunde ins Deutsche, und das Lon« doner Poale ZionsBüro übergab ihm eine Ueber* Setzungsarbeit, worüber er mir in einem Schreiben an* deutete, wie sehr er das Honorar benötige, das ihm aus ihr zukommen werde. Auch der Revisionisten« führ er Meir Großmann war sehr freundlich zu ihm und gab ihm eine Reihe von Uebersetzungsaufträgen für das revisionistische Büro. Als im Jahre 1927 Dr. Lion Feuchtwanger in der Blüte des Erfolges seines „Jud Süß" nach London kam, begegnete ihm Hans Herzl, und er fragte bei mir an, ob die Jüdische Telegraphenagentur ein Interview mit Feuchtwanger über die Judenfrage nehmen würde. Er brachte uns ein schönes Interview, Feuchtwangers erste öffentliche Aeußerung über seine Einstellung zum Juden« tum. Feuchtwanger war damals so sehr Gegenstand des Interesses, daß ich Hans durch einen Freund einen Auf« ftag auf ein allgemeines Interview mit Feuchtwanger für die inzwischen eingegangene Tageszeitung „West* minster Gazette" übermittelte, und ich erinnere mich, wie schwer ich und mein Freund es hatten, ihm aus« zureden, daß er, wenn wir ihm auch den Auftrag ver* schafften, das Honorar mit uns teile. Als „New Palestine" in New York im Jahre 1939 eine Herzl*Gedächniss.chrift herausgab, forderte mich Hans auf, eine von seines Vaters Märchengeschichten, die er für seine Kinder geschrieben hatte, zu übersetzen — die Uebersetzung erschien auch tatsächlich in der Schrift auf Seite 124 — und in der für ihn charakteristischen Weise fühlte er sich gedrängt, mir eine Aufstellung über die finanzielle Gebarung der Schrift zu geben, und zwar in einem für ihn typischen Brief: „Ich empfing als Nachtrag zu einem vornehm ausgestatteten Exemplar der Herzl» Festnummer (Auflage 350 Stück) zur Ablöse des Verlags» rechtes für meinen Vater 100 Dollar oder 20,11,5 Pfund, wovon ich die Shillings behielt, die Pfund selbst an meine Schwestern sandte." — „Die Ausgabe", fügte Hans hinzu, „ist wunderschön, die Beiträge sind hervorragend." (Mit vielen anderen seiner Bücher ging die Schrift an die Biblio» thek der Hebräischen Universität als Widmung seiner Schwester Trade für Herrn Jacobus H. Kann und den Jewish Colonial Trust zum Zeichen der Dankbarkeit für deren Hans bewiesenes Wohlwollen.) Er war einer der gütigsten Menschen, die ich kenne, und so arm er selbst auch war, so war er bemüht, anderen ruhelfen. Wenn er irgendwie Geld erhalten hatte, so war er in der generösesten Weise erpicht, es jemandem zu leihen, von dem er annahm, daß er es benötige. Es war gefährlich, ihm gegenüber für irgend ein Buch oder Bild, das er besaß, Begeisterung zu zeigen, denn er erlaubte in einem solchen Fall niemand, sein Zimmer ohne diesen Gegenstand zu verlassen. Bevor ich diesen Wesenszug entdeckt hatte, kam auch ich so dazu, mir mehrere seiner Bücher anzueignen, und ein Bild, von dem ich sagte, daß es mir ans Herz gewachsen sei, das einst in seinem Zimmer auf dem Cambridger St. Johns «*■ f-yjr.** <$> mit Otto Wallburg Produktion: Günther Stapenhorst / Buch: E Preßburger u. R. Schünzel / Liedertexte: Schanzer und Wellisch Musik: Emmerich K&lm&n Regie: Reinhold Schünzel AD HEUTE: Gartenbau~Kino,I. Ufa-Ton~Kino,II Stafa-Kino,VIL Kolosseum~Kino,IX College hing, überreichte er mir als Gabe zu meinem Hochzeitstag, hauptsächlich deshalb, wie er mir sagte, weil er sich damals etwas Neues zu kaufen nicht leisten konnte. Er hatte nicht häufig Geld, um es seinen notdürf* tigen Bekannten borgen zu können. So pflegte er seine Freunde zu bestürmen und borgte häufig bei ihnen, nicht für sich, sondern für andere. Ein Freund, den er stürmisch anging, konnte sich zu guter Letzt der Aeußerung nicht ent* halten: „Es tut mir sehr leid, aber ich muß Ihre Bitte ab« schlagen. Ich kann Ihren Freunden, die ich nicht kenne und für die ich keine Mittel habe, nicht helfen." Sein Herz wurde sehr leicht von Mitleid gefangengenommen, und er hatte eine Anzahl regulärer Schützlinge, für die er um Kleider, Schuhe und Geld zu bitten pflegte, wenn er selbst nichts hatte, um es ihnen zu geben. In seinem Quartier empfing er unausgesetzt' altersschwache Berufsmenschen und unglückliche Intellektuelle, derentwegen er oft mit seinen Freunden in Streit geriet. Ein typischer Fall war der eines Kongregationsgeistlichen, ehe« maligen Feldkaplans, der seine Gesundheit verloren hatte und den Schwindler um seine Ersparnisse gebracht hatten, so daß er in die Hände skrupelloser Geldverleiher geriet. Für diesen bemühte sich Hans unter seinen eigenen Freun* den außerordentlich. Es gab junge Schriftsteller, für die er Arbeit auftrieb, die er selbst wohl vertragen hätte, unter dem Vorwand, er habe mehr Arbeit, als er zur Zeit bewältigen könne. Wiewohl er eine Maschinschreibkraft hatte, die ihm hinlänglich genügen konnte, zahlte er doch manchmal fast die Hälfte seines Uebersetzungshonorars an jemand anderen, der für ihn die Abschrift des Manu« skripts besorgte, weil er glaubte, daß dieser das Geld nötiger habe. So konnte er ja auch ohne Essen bleiben, um bei einem Buchhändler, der über schlechte Geschäfte klagte, ein Buch zu kaufen; und um ja nicht von diesem Opfer etwas zu genießen, kaufte er ein Buch, das für ihn von gar keinem Interesse war und an dessen Leka türe er sich nicht einmal heranmachte. Meine Frau und ich waren eines Tages erschüttert, als wir ihm auf der Straße begegneten und er darauf bestand, für unseren Kaffee, den wir in einem Lokal ein* nahmen, zu bezahlen, für sich eine kleinere, um 1 Penny billigere Portion Kaffee bestellte, damit er den so gewon« nenen Penny dem am Türeingang stehenden Bettler in die Hand drücken könne. Ich vermute, daß er sich selbst ver» wehrte, Nahrung zu kaufen, nur um meiner Frau Blumen zu bringen, die zurückzuweisen wir nicht das Herz hatten. Er besaß jene gute alte Höflichkeit und jenes Auftreten, das mit der geschilderten Extravaganz wunder« bar gemischt war. Ich bewahre einen Brief auf, den meine Frau knapp vor seiner Abreise nach Bordeaux (wo ihn der Tod Paulinens und sein eigenes Schicksal traf) von ihm empfing. Er kam, uns zu besuchen, ohne sich anzus kündigen, und fand uns nicht zu Hause. Er hatte eine Düte Bonbons mitgebracht, die er im Gartenhäuschen zurück« ließ, und da er befürchtete, wir würden die Bonbons nicht sogleich bemerken und sie könnten an einem Regen Schaden nehmen, setzte er sich hin, schrieb einen Brief, um uns auf die Düte aufmerksam zu machen. (Weitere Artikel folgen.) Stamme werden gesprächig Zur Frage der jüdischen Studentennation. Von Ben Hug. Nun, da es darum gehen soll, die Juden . als Nationalität, zumindest in einem kleinen Teil der Verwaltung, anzuerkennen, erwacht die „Neue Freie Presse" aus ihrem Schlafe, der süßer Träume von Theaterpolitik, englischen, französischen und reichsdeutschen Angelegenheiten voll war, reibt, sich die Augen und entdeck t die J ud enf ra ge. Seit fünfzehn Jahren wird kein Jude zum Richter ernannt. Während vor* dem Kriege Juden in einigen Ressorts des Staatsdienstes aufgenommen wurden (z. B. Finanz, Postdienst, Bahn, Unterricht) und dort normal avancieren konnten, ist seit Kriegsende kein Jude Staatsdiener geworden. Universität und Technik weigern sich seit Jahrzehnten, einem Juden eine ordent* liehe Professur zu erteilen. In unserem Volksheer ist kein Jude. Aber auch in den Magistraten der großen Städte, in den Büros der Landesämter kommt kein Jude unter. Kein Kondukteur, Schaffner, Gasarbeiter, Straßeu- und Eisenbahner ist Jude! Kein Lehrer, Professor oder Kindergärtner, wenn er nicht aus alter Zeit stammt. Hat man je in der „Neuen Freien Presse" die staatsbürgerlichen Rechte der „deutschen Bevölkerung jüdischer Konfession" reklamiert? Aber weiter. Die jüdische Bevölkerung' Oesterreichs ist sehr betriebsam. Mindestens ein Drittel der Industrie, die Hälfte des Handels liegt in den Händen der Juden, sie sind nicht nur Unternehmer, sondern auch Angestellte. Von vielen jüdischen Industriellen werden Hunderte arischer Arbeiter und Angestellten erhalten. Viele Aerzte, Architekten und Juristen sind Juden. Sie zahlen mindestens ein Drittel aller Steuern,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.