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Die neue Welt · 1931-12-25 · Heft 223 (25.12.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 223 (25.12.1931)
Date
1931-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 9 DAS NEUE WfiLT Nr.- Bei Erkältungen, Grippe, Halsentzündung, Mandel« Schwellung, sowie Nervenschmerzen und Gliederreißen tut., man gut, mit einem halben Glae natürlichen „FMnz-JoseP-Bitterwaeeer für tägliche Darmentleerung zur!' igen. In Apotheken und Drogerien erhältlich. nistJPTSes, antinationales Kommando nach kaum zweijäh* rigem Bestände zu einem moralischen und materiellen Debakel geführt hat. Aber er lehnte den revisionistischen Antrag, diese Frage ehrlich zu klären, ab. Die Wunde frißt weiter. Wohl hat der Kongreß Professor Weizmann gestürzt, aber — statt bei der Bildung der neuen Leitung die logische Konsequenz zu ziehen — willfährige Ex* ponenten der Weizmann-Politik in die neue Leitung gewählt und mit den wichtigsten Posten betraut Angesichts dieser Entwicklung kam . eine Gruppe der Zionisten«Revisionisten zur Ansicht, daß eine Arbeit im Sinne des Herzischen Zionismus in dieser Organisation, auf diesem Kongreß unmöglich geworden sei. Und von dieser Seite her wurde der Plan erwogen: Austritt der ZionistensRevisionisten aus der Zionistischen Weltorganis satiön und Gründung einer unab.härxgigen zionistischen Organisation. Ein großer Teil der revisionistischen Organisation erklärte, diesen Plan nicht billigen zu können. Er begründete seine Ablehnung, wie folgt: Wohl'sind'die Zustände innerhalb der Weltorganisation nahezu trostlos geworden. Aber die Weltorganisation ist die geniale Schöpfung Herzls und sein kostbares Vermächtnis. Zertrümmerung der Weltorganisation, des Kongresses, hieße, den Zionis* mus eines wertvollen Machtmittels berauben. , Schließlich wird in der Herzischen Organisation def Genius Herzls siegen. Die Herzl«Zionisten, die ZionistenoRevisionisten, sind vor fünf Jahren mit zwei Mann auf dem Kongreß erschienen. Heuer waren es 52. Die Jugend strömt der Fahne Herzls zu. Wir wollen bleiben, kämpfen und siegen. So lagen die Dinge im revisionistischen Lager nach dem Baseler Kongreß. Eine tiefgehende Differenz der Anschauungen. Es ist ein Zeugnis für den zionistischen Patriotismus und die zionistische Vera bundenheit, die im revisionistischen Lager herrscht, daß diese Differenz zu keiner Eruption führte, die — weniger dem Revisionismus als der zionistischen Sache — schweren Schaden gebracht hätte. Mit dem Willen zur Einigung unter Voranstelluttg der zionisti» sehen Sache kamen die revisionistischen Führer in Calais zusammen und vereinbarten die Lösung: Die Revi* sionisten, welche gegen den Austritt sind, verbleiben in der Zionistischen Weltorganisation und bilden dort eine Kon* greßfraktion, welche ihr Verhältnis zur Weltorganisation /selbst regelt Sie bleiben in der Union mit den Revisio* nisten, welche der Weltorganisation nicht mehr angehören können und wollen, zum"Zwecke gemeinsamer, positiver " politischer Aufklärungsarbeit und ökonomischer Arbeit im Sinne des HerzlsProgramms. N ich t zMm Zwecke des Kampfes gegen die We 11organisati0n, sondern zum Zwecke positiver zionisti* scher Arbeit. Dieser in Calais entworfene Plan, welcher der kommenden revisionistischen Parteikonferenz zur Genehmigung vorgelegt werden soll, hat die Welt* Organisation vor dem Austritt' einer gewal« tigen zionistischen Masse und vor allem' der heranwachsenden Jugend, hat sie vor der Bildung einer unabhängigen zionistischen Weltorgani* sation, die notgedrungen gegen die altehätte kämpfen müssen, bewahrt. Jeder seiner Verantwortung bewußte Zionist hätte dieses Resultat als eine Abwendung großer Gefahr vom Zio* nismus freudig begrüßen müssen, vor allem aber hätte das die Leitung der Weltorganisation tun müssen, die Exekutive in London. Was aber tut diese Exekutive? S i e schleu* dert eine Kampfansage an den Revisionist raus, an eine der stärksten zionistischen Gruppen, d e r a 11 e s, w a s j u n g u n d zionistisch ist, zuströmt, in die Welt Die Organisation liegt ärger darnieder als je, materiell und politisch ohn» , mächtig, noch zittert der letzte Schlag nach: Sperre der PalästinasEinwanderung. Aber diese Exe* kutive kennt in dieser tragischen Lage keine andere Sorge als: Kampf gegen die Her zl*Zionisten, gegen die Revisionisten! Allerdings, das Absurde wird verständlich, wenn man daran denkt, daß Herr Bert Locker Organisationsreferent der Exekutive und als solcher Veranstalter der neuesten Kampagne gegen den Revisionismus ist. Durch maßlose Beschimpfung des Revi* sionismus hat sich Herr Berl Locker bereits auf dem Kon* greß hervorgetan. Nach seiner Wahl hat er das Gewerbe des Schimpfens auf die Revisionisten monatelang im Um» herziehen betrieben. Dann ist er in London gelandet, und die einzigen zionistischen Lebenszeichen, die er dort von sich gegeben hat, waren sozialdemokratische Agitation«* reden, in welchen er das ganze jüdische Palästina, sofern es nicht nach den Regeln der Sozialdemokraten arbeitet und lebt, als eine verächtliche Sache hingestellt hat. Herrn Jawnicki, seinem Kollegen in der Arbeiterführer* schaft, hat er ein Loblied gesungen, weil dieser den jiidi* sehen Kolonisten die Wegnahme ihrer Häuser, Felder und Gärten angedroht hatte. Sonst hörte man von der „Tätig* keit" des Herrn Locker nichts. Jetzt aber flattert die von ihm arrangierte und gefertigte Kampfansage der Exekutive an die Revisionisten in die Welt Im richtigsten Augen» blick für den „siegreichen" Zionismus. Es ist noch unbe» kannt, was die übrigen Mitglieder der Exekutive dazu zu sagen haben. Herr Berl Locker hat gesprochen. Die Revi» sionisten werden auf der Parteikonferenz ihre Beschlüsse fassen und vor der zionistischen Oeffentlichkelt zu verantworten wissen. r. st. Union der Zlonitten« Revisionisten WWWWVV\^A/V/WWVVWWWSA/WVV Mittwoch, 6. janner 1932, 8*/t Uhr abds., im Heim, II, Untere Augartenstraße Nr. 38 Lustiger Abend Atftfahrende* Dr. Mayer Präger, Oskar Teller R egi e b e 11r a g S 1.— und andere Zwischen London und Jerusalem Trinksprfidie für 700 Bankeftgäsie Die Drahfsieher in Jerusalem Zertifikaten Der Hohn mit den Den 7. Dezember 1931 sieht die offizielle zionistische Presse mit einem heiteren und einem nassen Auge an. Das heitere blickt nach London, das nasse nach Jerusalem, und das Schauspiel geht unter himmelhoch jauchzender und zu Tode betrübter Begleitmusik vor sich. Was ist in London am 7. Dezember losgewesen? Wir erfahren, daß die Jewish Agency und die Zionistische Organisation ~- unter welchem Rechtstitel, erzählt der Bericht nicht — ein großes Bankett zu. Ehren'Dr; .Chaim Weizmanns. veranstaltet hat und daß der Einladung „prominente englische Staatsmänner aller Parteien und Führer der Judenheit in,%der ganzen Welt... etwa , 700> Persönlichkeiten" gefolgt sind. Wie bei solchen fest* liehen Anlässen üblich, wurden .Reden gehalten, die sich auf den zu Ehrenden bezogen, wobei auch an das söge« nannte Jüdische Nationalheim nicht vergessen wurde. Ge* sprochen haben bekannte Figuren: Lord Reading, L. S. Amery, J. H. Thomas, Nahum Sokolow, Dr. Chaim Welz* mann. Geschrieben haben: MacDonald, Stanley Baldwin, David Lloyd George, Arthur Henderson, Sir Herbert Samuel, Felix M. Warburg, , Oscar. Wassermann, Lord Balföur jun., General Smits, Rabbi Kook,; Prof. S. Alexander, Dr. Cyrus Adler, Kurt Blumenfeld, Emanuel Newman, die Palästina»Exekutive der Jewish Agency, verschiedene zionistische Verbände u. a, m., also, wie gesagt, bekannte Figuren — keine Neulinge in, der jüdi* die arabischen Drahtzieher im Mandatlande gegen das» selbe jüdische Nationalheim, manövrieren, die einen sagen mit ihrer Zustimmung, die anderen sagen — mit ihrer Ermunterung. Dieselben Hände, die in London den Zionismus hochleben lassen, packen die jüdische Einwände* rung in Palästina an der Gurgel. Davon weiß erst jüngst der jüdische Jischuw etwas zu erzählen. Die Jewish Agency hatte einige tausend E i n* wa n d e ru n g-s z e rt i f i k a t e für das nächste Halbjahr zu erwarten. Sie bekam auch welche von der Palästina*Administration, allerdings um eine Null weniger, 350 an der Zahl. 350? So einfach ist die Sache nicht. 155 Zertifikate behält die Palästina.Regierung zur eigenen Verfügung: für Touristen, welche bereits lange in Palästina weilen und dort bleiben wollen. Also davon nicht ein einziges für Neu« , einwanderer. 120 Zertifikate sind für Angehörige von Palästinensern reserviert und 75 für Flüchtlinge aus Rußland. Zusammen sind das 350. Es bleibt also kein!einziges Zertifikat zur Verfügung der zionistischen Leitung, kein einziger Chalus wird im nächsten Halbjahr nach Palä* stina kommen können! Man trinkt sich in London zu. Briten und offiziell« sehen/bzw. zionistischen Welt, Leute, die sowohl mit Dr. Weizmann als' auch mifc dem Jüdischen Nationalheim in einiger Verbindung ständen! Der: Text und die'j Melodie klingen iiö jedem zionistischen/ Ohr schon seit jähren, der Text und' die Melodie und d e r e n W i d e r h a 11, wobei alle ohne Ausnahme Weizmann priesen und ihm zutranken — Herr Sokolow trank dem Vorsitzenden des Abends Lord Reading zu — und dann auch etwas: vom hohen Idealismus des jüdischen Volkes erzählten. Der britische Jude Lord; R e ä d in g ließ wohl* gelaunt nur die eine — wie er sagte politische Bemerkung fallen: „Diese Menschen (die Juden Palästinas) haben Anspruch auf Sicherheit unter . der Aegide der britischen Regierung." Der ehemalige Kolohieriminister Amery hält es für gut (für England), daß die Juden in Palästina sind, „in jenem Lande, das ein Schlüsselpunkt ist im. britischen Imperium, weil sie, als die. einzig mög* liehen Verbündeten bereit sind, ihr Geld, ihre Intel» ligenz und ihre Seele einzusetze 11". Er ist im übrigen wie sein Kollege, der gegenwärtige Dqminion* minister Thomas, den wir aus der famosen Antwort im britischen Parlament in der Pensionierungsaffäre Bentwich kennen, für einen gemeinsamen jüdisch«arabisch*palä6tinensi* sehen Patriotismus, plädiert, wie sein Kollege Thomas, der „nicht projüdisch, nicht proarabisch ist, sondern propalästinensisch.44 Der Gefeierte selbst, Dr. Chaim Weizmann, zeigte in seiner Antwort auf die Huldigungen, daß er sich in seinem zionistischen Weltbild nicht verändert hat. Er sprach von noch 50.000 jüdischen landwirtschaftlichen Ansiedlerfamilien in Palästina, was zwar keine Lösung der Judenfrage sei, aber ein großes Werk bedeute. Und zum Schluß wurden die obenerwähnten schriftlichen. Bot« Schäften verlesen, die durchwegs schöne Worte fUr Prof. Weizmann enthielten. 700 Gedecke in London waren am 7. De* zember in freudiger, in gehobener Stimmung; kurz, end* lieh hält Wacht, Schulter an Schulter, mit den Führern des offiziellen Zionismus. 150 Moslems in Jerusalem waren am 7, Dezember in nicht minder gehobener Stimmung. Die Delegierten des sogenannten islamitischen Kon* gresses hielten ebenfalls Reden. Der Text und die Melodie klingen in jedem zionistischen Ohr schon seit Jahren, sie sind sogar noch deutlicher geworden. Und das mit gutem Grund. Denn dieselben Herren, die in London Weizmann ehren und auf ein sagenhaftes Jüdisches Nationalheim Trinksprüche austauschen; lassen munter Zionisten! Sie nehmen nicht nur Trinkschwtire und Händedrücke entgegen; auch den^ Schlag, ins Gesicht in Form von 350 Zertifikaten. Diesmal war sich def ganze jüdische Jischuw Palästinas von Hnks bis rechts darin einig, daß zum -Zeichen des Protests die Annahme des hohnsprechenden AngebotsJ von 350 Zertifikaten, zjfi ver* weigern sei. Aber die Vertreter der Jewish-Agency, vier Doktoren, wie ein Warschauer Blatt sie nennt (Arlosoroff, Bergsohn, Hexter, Senator), gingen zum neuen High Conunlssioner zu Besuch, der ihnen anriet, brav zu sein —- und sie waren brav: sie nahmen1 die Zertifikate an. Frackhemdeh in London verstehen sich anscheinend sehr gut mit Turbans in Jerusalem. Ein heiteres und ein nasses Auge bei der offiziellen zionistischen Presse. Wir selbst haben keinen Anlaß, heiter zu sein oder zu weinen. Wir wissen, was von den' begeisterten Prunkreden in London zu halten ist und was hinter den Drohreden in Jerusalem steckt. Die einen werden uns nicht blenden, die anderen nicht erschrecken. Der IslaimKongreß in Jerusalem beendet Antijüdische Heize und Beschlüsse ■ "Am Donnerstag, den 17. Dezember, ist der vom Jerusalemer Mufti Haj Amin el Husseini ein* berufene Kongreß der Moslems zu Ende gegarigen. Noch bevor der Kongreß geschlossen wurde, hat die Palästina« Regierung zwei Teilnehmer, und zwar Abdul Räch« man aus Aegypten und Azzam aus Tripolis, mit söforfiger Wirkung aus.Palästina, ausgewiesen,' weil diese Delegierten in Ansprachen an den Kongreß die italie* nische Politik ]& Tripolitanien in einer Weise kritisiert haben, die dazu angetan sei, die Beziehungen zwischen Italien und England zu trüben. Unmittelbar vor Schluß des Kongresses wurde eine aus 25 Personen bestehende Exekutive mit dem Mufti als Vorsitzendem gewählt. Auch der ausgewiesene Äzzam wurde demonstrativ in die Exekutive gewählt. Schaukat Ali, der Führer der indischen Moslems, aber lehnte jede etwa auf ihn entfallende Wahl ab und erklärte, daß er keinerlei Funktion im Zu* aammenhang mit dem Kongreß ausüben werde. Er kriti* sierte auch sehr scharf, die ganze Führung des Kongresses und die Art der Durchführung der Wahlen. Man glaubt hier, daß Schaukat Ali .mit dem Mufti und semer Rieh* tung endgültig gebrochen hat. Noch während der letzten Kongreßtage haben die

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