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Die neue Welt · 1931-12-18 · Heft 222 (18.12.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 222 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 222 DtE NEUE WELT Seit* f Stütze war; er verschaffte der Gemeinde Mazzoth zum Pessachfest und errichteie für sie nach dem großen Brande Wohnzelte. Der Veranstaltung wohnte ein Vet» treter des Kriegsministeriums bei. Cuza und Hitler Judendebaite im rumänischen Parlament Bukarest, 15. Dezember. In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer hielt der Führer der anti* semitischen Liga, Prof. A. C. Cuza, eine Rede, die voll von gehässigen Ausfällen gegen die Juden war. Er forderte die Einstellung des Zinsendienstes für die Auslandsschulden, da diese Gelder den „jüdischen Bankiers in Paris" zugute kämen. Er bezeichnete die jüdischen Bankiers als „schmierige J ud an i". Die Aufforderung der Abgeordneten Dr. Lupu und Dr. Singer an den Präsidenten der Kammer, Sebastian Radovici, den Redner wegen dieses die gesamte jüdische Bevölkerung beleidigenden Ausdrucks („Jidani" ist ein antisemitisches Schimpfwort) zur Ordnung zu rufen, beantwortete Radovici mit der Erklärung, er als jüngster Kammerpräsident könne nicht einen Ausdruck rügen, der bisher von den älteren Kammer« Präsidenten unbeanstandet geblieben sei. Cuza forderte sodann die Streichung der Sub« vention für den Völkerbund, der nichts anderes sei als eine „Jüdische Liga zur Beherrschung der Nationen". Cuza erklärte, zwischen seinen An» hängern und den Nationalsozialisten in Deutschland be« stünden intime Beziehungen, er betrachte sich vorbehält« los als Anhänger und Bundesgenossen Hitlers. Hitler werde im kommenden Frühjahr die Macht in Deutsch« land übernehmen und da werde nichts in der Welt eine Kooperation zwischen ihm, Cuza, und Hitler hindern können. Diese Erklärung Cuzas, der ebenso als D e u tschenfeind wie als Judenfeind gilt, hat hier Auf« sehen erregt, dies auch im Hinblick darauf, daß erst vor wenigen Tagen rumänische Politiker in der Kammer und die rumänische Presse jedes Zusammengehen rumänischer Politiker mit Hitler, der die Revision der Friedensverträge fordert, als unmöglich bezeichnet haben. Während der Rede Cuzas kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem antisemitischen Deputierten Nichifor Robu und den jüdischen Abgeord« neten Dr. Samuel Singer und Dr. Manfred Reifer. Robu wollte sich auf Dr. Singer stürzen, wurde aber vom Sohn des Ministerpräsidenten Jorda, der in der Kammer als Qtlästor fungiert, daran gehindert. Die rumänische Presse bedauert es, daß die in der Kämtbitt .abwesenden n H i e r,.'die; .^Ausfälle Ciizas gegen den Völkerbund un gerügt und' ohne Entgegnung gelassen haben. „Viitorul", das Organ der Liberalen Partei, hält es für unzulässig, daß Mitglieder der Regierungspartei den Aus« lassungen Cuzas Beifall gezollt haben, somit eine Politik billigen, die auf die Entfesselung des Bürgerkrieges ab* zielt. „Lupka" teilt mit, in politischen Kreisen hält man es für auffallend, daß sogar Finanzminister Argetoianu geschwiegen hat, als Cuza gegen den französischen Berater der Nationalbank, Auboin, scharfe Angriffe richtete und ihm vorwarf, ihm liege nur an der Wahrung der Interessen der jüdischen Finanz. Ein Abgeordneter der Regie* rungspartei, an den die Frage gerichtet wurde, warum er Cuza durch keinen Zwischenruf unterbrochen habe, erwiderte: Wenn Cuza weder vom Ministerpräs i* denten Jorga, noch von einem anderen Minister unterbrochen wurde, so war das ein Finger« zeig für uns, daß auch wir stillzuhalten haben. Der demokratische „Adeverul" schreibt: „In einer Zeit, in der der deutsche Reichskanzler den Hitlerismus als eine anarchische Bewegung erklärt, hört Ghica ruhig eine Apologie des Hitlerismus an und Ministerpräsident Jorga findet es richtig, den Vertreter solcher An« schauungen ö f f e n 11 i,c h zu beglückwünschen, wie er es vor einigen Tagen getan hat . . . Falls die Regierung ihre Schaukelpolitik zwischen A. C. Cuza Und Völkerbund weiter verfolgen wird, möge sie sich nicht wundern, wenn sie auch in Zukunft in ganz Europa, Deutschland mitinbegriffen, ebensowenig Erfolge er* zielen wird wie bisher." *»5HP? Der lustigste Tonfilm der Gegenwart! Der Welterfolg Nach dem Bühnenwerk von Ladislaus Fodor bearbeitet von Felix Saiten . Mit dem Ftarensemble: Anton Edthofer, Fr»t« Orflnbuum, Cnanotte Ander, Grete Mosheim, Hans Thltnlg, Paul Morgan, Paul Horbiger Reg'e: Richard Oswald Muftljc;. Ralph Bei.atzky ü r *ia M h-t u n g b b heute t IMPERBAUKINO |. OPERN-KINO t, LOW EN-KINO III. MARIA-THERES EN-KINO VII. ■ppmm Monopol 1 .Koppelmann & Co. mmmmmammmm Das Schicksal der Industrie ## Die „Neue Welt" erhielt aus T e 1,« A w i w folgenden Situationsbericht aus der Feder eines bekannten Ihdu* stxiellen in.'Palästina: Keine Einwanderung, kein Kapitalszufluß, ständiger Kapftalsäbfluß (7,000.000 Pfund Import), Einschränkung der Bankkredite, Einstellen der Kredite seitens der aus* ländischen Lieferanten: all das trägt dazu bei, die wirt* schaftliche Lage zu verschärfen. In diesem schweren Wirtschaftskampfe steht die jüdische Industrie allein, kämpft gegen alle 'Schwierigkeiten ohne Aussicht auf Hilfe — im Gegen* teil; es wird der jüdischen Industrie durch Einschränkung der Bankkredite das Leben'recht sauer gemacht. Gerade jetzt; 'da! durch die P f ü n d»B a i s s e Exportmöglich* keiten für die jüdische Industrie bestünden und eine Aussicht für Beschäftigung einer größeren Zahl von Arbeitern wäre, verweigern die jüdischen Banken der Industrie die nötigen Kredite, und eine Industriebank, die in dieser schweren Zeit helfend eingreifen könnte, ist' nicht vorhanden. Gerade im letzten Jahr war es der jüdischen In du* strie möglich, nach den Schlägen, die sie durch den arabischen Boykott erhalten hatte, in den Nachbar* länderri wieder festen Fuß zu fassen. Es gibt eine Reihe von Fabriken, die 60 bis 70 Prozent und mehr ihrer Pro* duktion exportieren. Der Kapitalmangel auch in den Nachbarländern zwingt die Importeure dieser Länder mit; ihren Mitteln hauszuhalten, keine großen Lager zu halten, da solche Lager große Verlustmöglichkeiten in sich bergen und außerdem bei einem Zollsatz von 20 bis 25 Prozent keine Rentabilität für ihre investierten Kapi* talien besteht. Daher war es für diese ausländischen Im* porteure natürlich, es mit den palästinensischen Fabrikaten zu versuchen. Die Waren der palästinensischen Industrie können sowohl in Qualität als auch im Preis mit den europäischen Artikeln konkurrieren. Der Im» porteur der Nachbarländer, der früher gezwungen war, «ich in Europa für sechs Monate oder ein Jahr mit Waren einzudecken, hat jetzt die Möglichkeit, sich In Palästina kurzfristig zu versorgen ohne großes Lagerrisiko, Auoh der Jischuw hat «ich im letzten Jahre sehr stark auf Tozereth Haarez eingestellt. Der Export und der Mehrverbrauch des Jischuw haben eine Reihe von Fabriken zur Neueinstellung von Arbeitern veranlaßt. Die jüdischen Industriellen haben gezeigt, was sie trotz der Hindernisse, die ihnen von allen Seiten in den Weg gelegt werden, leisten können, und man kann heute erst ermessen, welch gewaltige Entwicklung und Emigration möglich gewesen wäre, wenn die politische und finanzielle Führung der zioni* stischen Bewegung selbst an das von ihnen pro» pagierte Ziel; Schaffung eines jüdischen National« heJmes in Palästina, geglaubt hätten. Unsere Führer wollten nicht einsehen, nicht wissen, daß zur raschen Besiedlung des Landes auch eine jüdische Industrie gehört, ja, daß die geographische Lage Palästinas es zu einem Industriezentrum für den nahen Orient prädestiniert. Es wurden Millionen für Sozialist!« sehe Experimente ausgegeben, für die jüdische Klein* und Mittelindustrie war, kein Geld da. Würden sich die jüdischen Banken heute auf ihre Pflicht besinnen, so müßten sie es verstehen, dem Teil der palästinensischen Wirtschaft zu helfen, der ein Drittel; des Jischuw ernährt und der allein die Möglichkeit für eine weitere Immigration bietet. Statt dessen haben unsere maßgebenden Banken, die stets gegen die Schaf* fung einer Industriebank waren, weil sie die Konkurrenz fürohteten und vorgaben, vollkommen den Zweck einer Industriebank zu erfüllen, gänzlich versagt. Heute stellen sich diese offiziellen Banken auf den Standpunkt, sie wären reine Handelsbanken und nicht für Industrie* kredite eingerichtet, obzwar unser offizielles Institut den größten Teil ihrer Geschäfte und auch ihres Gewinnes von der Industrie bezieht. Jetzt rächt es sich leider, daß die auf mehreren Kongressen beschlossene und ge» forderte Industriebank bis heute nicht geschaffen wurde, trotzdem für diesen Zweck ein Betrag von 10.000 Pfund (widerrechtlich anderweitig«« verwendet) nach Palästina überwiesen wurde; Aber die Industriellen sind keine Partei; haben, keine Futterkrippe, und so kann man;über ihre . Forderungen zur Tagesordnung übergehen, zumal, solange die allgemeinen Zioni«ton die Handlanger der Linken sind, von dieser Bourgeoisie nichts zu befürchten ist. Die Industrie leidet auch unter der Zusammen* setzurig des Aufsichtsrates unseres offiziellen Bank« instituts. Greise zwischen 70 und 80 Jahren mit Ghowewe Zion*Ideal sind bestimmt nicht die richtigen Ratgeber für das heutige Siedlungstempo und für die Entwicklung der jüdischen Industrie. Sache des A. C. muß es sein, in den Aufsichtsrat des offiziellen Bankinstituts auch Vertreter der Industrie und des Handels zu delegieren, auf daß Menschen da sind, die am wirtschaftlichen Leben des Landes aktiv teilnehmen und die Bedürfnisse der Wirt* schaft kennen. Wirft man der zionistischen Leitung vor. daß sie für die Klein* und Mittelindustrie nichts getan hat, wie es auch auf dem letzten Kongreß von dert Vertretern der palästinensischen Industrie geschehen ist, so erhält man die Antwort, der Keren Hajessod habe für die Ruthen« berg*Elektrizitätsgesellschaft 100.000 Pfund gegeben, außerdem Beträge für die Tote. Meer« Konzession. Fragt man nun, welchen Nutzen die Klein» und Mittelindustrie von den 100.000 Pfund hat, die der Elektrizitätsgesellschaft auf Konto dieser Klein« und Mittelindustrie gegeben wurden, muß man antworten: gar keinen. Die Zionistische Organisation hat bei der Ruthen« berg*Elektrizitätsgesellschaft nichts zu sagen, hat auch bisher keinerlei Vorteile für die Klein* und Mittelindustri« von der Elektrizitätsgesellschaft erhalten. Der Preis für elektrische Kraft beträgt das Zwei« einhalbfache des Berliner Preises, der Preis für Licht mehr als das Fünffache des Berliner Lichtpreises. Während die nichtjüdische Eelektrizitätsgesellschaft in Jerusalem für Neuanschluß keine Gebühren berechnet, müssen unserer jüdischen Gesellschaft für jeden neuen Kraftanschluß 5 Pfund ä fonds perdu bezahlt werden. Da es in Palästina keine ausgesprochenen Fabriksgebäude zu vermieten gibt und es vorkommt, daß Klein« und Mittelfabrikanten fast jedes Jahr übersiedeln müssen, kann man ermessen, was es für einen kleinen Fabrikanten oder Handwerker heißt, jährlich von neuem 5 Pfund für den Neuanschluß an die Elektrizitätsgesellschaft zu zahlen. Welchen Nutzen hat also die jüdische Industrie von diesen 100.000 Pfund, die der Keren Hajessod der jüdischen Elektrizitätsgesellschaft gegeben hat? Eine Gefahr droht der mit ihrer Existenz ringenden jüdischen Industrie aus den Nachbarländern. In Aegypten wird mit Hilfe der staatlichen Bank Misr eine Industrie großgezogen, die vor allem den ägypti« sehen Markt versehen soll. Eine Reihe von Fabriken sind mit Hilfe dieser Bank, die eine ausgesprochene Industrie« bank ist, geschaffen worden. Gegenwärtig finanziert diese Bank den Bau einer Papierfabrik, die im Jahre 1932 fertig sein soll und den größten Teil des ägyptischen Papier* importes überflüssig machen wird In Aegypten gibt es staatliche Hilfe für die Industrie durch Schutzzölle, Bank« hilfe durch langfristige Kredite, billige Löhne, billigen Strom. In S y r i e ri hat ebenfalls in den letzten zwei Jahren eine industrielle Entwicklung begonnen, Schutzzölle, lang« fristige Kredite seitens der französischen Banken, billige Löhne haben es ermöglicht, daß eine Reihe von Fabriken entstanden sind, die heute bereits der palästinensischen Industrie Konkurrenz zü machen beginnen. Aus Palästina?'nd einige Fabrikanten wegen mangelnder Hilfe selten« der Regierung und der Banken nach Syrien ausgewandert (Strumpffabrik. Spiritasfabrik). Palästina, zwischen Syrien und Aegypten gelegen, berufen, ein industrielles Zentrum im vorderen Orient zu werden, liegt im Kampf mit der Regierung wegen der Zölle, mit den Banken wegen mangelnder Kredite, mit der Arbeiterorganisation wegen der Löhne, mit der Elektrizitätsgesellschaft wegen zu hohen Strompreises — und von keiner Seite ist eine Hilfe in diesem Kampf zu erwarten. Die zionistische Exekutive, die ein Jahr«* zehnt von einem sozialistischen Edelmuster* menschen geträumt und für diese Edelzucht Millionen ausgegeben hat, hat für die Industrie bisher nichts getan. Die neue Exekutive redet zwar viel von Industrie und Mittelstandskolonisation, hat aber kein Geld, um in dieser Richtung etwas zu unternehmen; andererseits ist die Zusammensetzung der Exekutive der« art „links" daß sogar bei Vorhandensein von Geld dieses den Weg gehen würde, den es bisher gegangen ist. Noch sind wir dank unserer industriellen Erfahrung den Nachbarländern voraus. Aber dieses Plus kann in einigen Jahren eingeholt werden. Noch ist es Zeit, durch staatliche und Bankhilfe der jüdischen Industrie zu helfen, daß sie den Platz behaupte. Versäumen wir dies zu tun, dann wehe nicht nur dem Drittel des Jischuw, das von der Industrie, lebt, sondern wehe dem ganzen Jischuw Erez Israels. Oute Verdlenstmöglkhkeit bietet sich einem Herrn oder einer Dame, welche gute Beziehungen zu den jüdischen Vei einen haben, Anfragen unter «Wohltätigkeit" an die Administration des Blattes

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