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Die neue Welt · 1931-12-18 · Heft 222 (18.12.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 222 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. m H i« m | Schallplatte», such Tmii Miüraiptae^ aus den Tagen der Psychoanalyse in ihm zurückgeblieben ist". Auf seiner Suche nach Erwerb übersetzte Hans Herzl mehrere Bücher ins Englische, darunter „T h e Land Without Music" von Oskar H. Schmitz und eine Biographie Stresemanns von Rheinhaben, die beide veröffentlicht wurden, Ich erinnere mich, daß, als Stresemann starb und ich wenige Tage nach dem Er« scheinen der Biographie Hans gegenüber die Ver« mutung äußerte, daß nun sein Buch größeren Absatz finden würde, er in Rage kam, „als ob mein Interesse am Buch mich an den schrecklichen Verlust, den der Tod Stresemanns für den europäischen Frieden bedeutet, vergessen machen könnte". Das war charakteristisch für Hans Herzl. Unter den anderen Uebersetzungen befand sich Coudenhoves „P a z i f i s m u s", Colin de Plancys „The Canon of Tours' Twelve Mess Companions", Legenden aus Belgiens Geschichte, „Conversation of the Thames" von Heitre, und eine Ausgabe der Werke von R i v a r o 1, denen er viel Bedeutung beimaß. Er benützte einen Band Rivarol, der dem Abbey of Bukfeast gehörte, über den er in seinem Letzten Willen schrieb, er wäre dankbar, wenn „man es der Universität in Jerusalem schenken würd e". Ein Londoner Verleger übertrug ihm die lieber« setzung von Heines „Englische Fragmente" ins Englische für ein sehr geringes Honorar, und angesichts seiner ängstlichen Sorgfalt, eine möglichst gute Arbeit zu liefern, ersuchte er mich, die Uebersetzung durchzu* sehen und schrieb mir, daß er „sehr wertvolle Dinge bei der Durchsicht der Uebersetzung gefunden habe". Er stand auch in Korrespondenz mit Jakob Wassers mann und anderen, denen er sich als Uebersetzer ihrer Werke ins Englische anbot. Eine der Novellen Wasser« manns, die er zu übersetzen wünschte, war bereits, wie Wassermann ihm mitteilte, in Englisch erschienen, „aber", fügte Wassermann hinzu, „die amerikanische Ueber« setzung entspricht den literarischen Anforderungen nicht ganz und eine wirkliche Uebersetzung ins Englische wäre nicht unerwünscht". Hans übersetzte Artikel für die J. T. A. (Jüdische Telegraphenagentur) und wurde von uns als Bericht« erstatter über eine Anzahl jüdischer Meetings verwendet, bis Klagen einlangten, . wonach* die Ver« ans^alter der Meetings es unangenehm empfanden, daß ein „Apostat" (Täufling) der Uebermittler ihrer Referate sei. (Weitere Artikel folgen.) Der Mosleni'Kongreß in Jerusalem Die Opposition gegen den Mufti — Gefälsbhte Hetz« Photographien — Beschlüsse und Drohungen — Eine Kundgebung der Agudas Jisroel Die Nachrichten, die bisher über den am 6. Des zember in Jerusalem begonnenen Möslems Kongreß vorliegen, lassen im wesentlichen erkennen, daß die von der Partei der Großmufti so oft betonte Interessen» gemeinschaft der gesamten islamischen Welt nicht be» steht. Da alle jüdischen Journalisten, auch Vertreter auswärtiger Zeitungen, von der Kongreßtribüne ausge« schlössen wurden, ist die Berichterstattung auf die Meldungen moslemitischer und moslemfreundlicher Pressevertreter angewiesen. Es verlautet, daß es dem Mufti gelungen ist, mit der arabischen Opposi* tioh in Palästina, die bis jetzt den Kongreß energisch bekämpfte, ein Abkommen dahingehend zu schließen, daß die Opposition nichts mehr gegen den Kongreß unternimmt. Dieses Kompromiß ist auf die Einwirkung Schaukat Alis zurückzuführen. Dem Verlangen, daß der Bürgermeister Nashashibi den Kongreß im Namen der Opposition begrüßt, wurde von der Opposition nicht stattgegeben. In der Eröffnungssitzung des Kongresses hielt der Großmufti eine Rede, in der er den Niedergang des Islam beklagte und zur Bildung einer allmoslemitischen Union aufforderte. Nach dem Mufti' sprachen private Vertreter aus dem Irak, aus Aegypten, Syrien u. a. m. Es erregte Verwunderung, daß der Mufti, entgegen seinem Vers sprechen an die Regierung, auf dem Kongreß keine politischen Fragen zu berühren, sich nun doch gegen die jüdischen Absichten in Palästina wandte. Auf Vorschlag Schaukat Alis wählte der Kongreß ein ständiges Komitee zur Führung der Arbeit des Kongresses in der Zukunft. Dieser Kongreßbeschluß bedeutet eine Enttäuschung für den Mufti, der sich dafür eingesetzt hat, daß das von ihm gebildete Organisationskomitee : al* permanentes Welt» komitee des Islam fungieren soll, König Ibn Saud vom tfedschas und König Feisal vom I rak haben den Kongreß durch kurze Telegramme begrüßt und ihm Erfolg zu seinen Arbeiten gewünscht. Schon in den ersten zwei Tagen haben sich Span* uungen zwischen einzelnen f «ilnehmergruppen ge* zeigt. Während der Zeremonien in der Aksa*Moschee entstand ein scharfer Streit zwischen Aegyptern ver* schiedener religiöser Couleur um den Vorrang bei der Zeremonie. Auch die gleich am ersten Tage entstandene Spannung zwischen dem Mufti und Schaukat Ali, betreffend die die Opposition abstoßende MuftisPolitik, hat sich ztt einem ernsten Konflikt erweitert. In der zweiten Sitzung des Islam«Kongresses ließ der Großmufti von Jerusalem unter den Delegierten und Gästen zwei gefälschte Photographien zirkulieren, die die Aufschrift trugen: „Die Engländer bewaffnen die Juden in Palästina und unterweisen sie in dem Umgang mit Feuerwaffen." Es verlautet, daß die Exekutive der J e w i s h A g e n c y bei der Paläsina*Regierung gegen diese von dem Mufti betriebene antijüdische Hetze energische Vorstellungen erhob und auf die Ge« fahren hinwies, die den Juden in Palästina und in den anderen arabisch-moslemitischen Ländern aus einer solchen Hetze drohen. Die Palästina»Regierung hat eine Untersuchung zur Eruierung der Verbreiter der ge* fälschten Photographien eingeleitet. Was die Beschlüsse des Kongresses anlangt, betreffen sie die Errichtung einer Moslem« Universität in Jerusalem, die V e r e i' n ijtg u n g moslemitischer junger Männer in allen mos» lemitischen Ländern und die Forderung der Rückgabe der für die Mekka*Pilger erbauten Hedschas* Eisenbahn an die Moslems und im Zusammenhang damit bei Abweisung dieser Forderung den Boykott aller englischen und französischen Waren. Tatsache ist, daß der Mufti nicht mehr die Unterstützung der ägyptischen und indischen Dele* gierten besitzt und daß vor allem Schaukat Ali mit ihm gebrochen hat. Es erregte Aufsehen, daß Schaukat Ali zwar zum Vorsitzenden des Organisations» und Rechtskomitees gewählt wurde, aber in keine andere Kommission gewählt und ihm auch sonst keine besondere Ehrenstellung im Kongreß ein« geräumt wurde. -Der bekannte moslemitische DichtercPhUosoph Sir Iqbäl Shar aus Punjab in Indien, der als Delegierter am Kongreß teilnimmt, bekämpfte sehr scharf die Idee der Errichtung einer M oslemcUniversität in Jeru« salem und führte aus, es sei verfrüht, schon jetzt an die Errichtung einer stolchen Universität zu denken, auch sei Jerusalem nicht der geeignete Platz. Am Kongreß nahmen; insgesamt 150 Moslems, und zwar 80 aus- Palästina und "Transjordanien und 70 aus anderen Ländern, teil; / "J' f . '■• (•"■:. . . ' Die arabischen 'Zeituhgen Palästinas äußern sich wenig optimistisch über den Verlauf des Kongresses. „F e 1 e s t i n",: 'das Organ der arabischen Exekutive, meint, die jetzige Konferenz könne nur als eine Vorstufe zu einem größeren und besser vor» bereiteten Kongreß angesehen^ werden, 'der am besten in Aegypten stattfinden könnte. Auch das Mufti* Organ „El Jamea il Arabia'.', äußert sich/deprimiert über die Aussichten des Kongresses und schließt seine Be« trachtung mit der Bemerkung, daß der Kongreß nur dann von Wert sei, wenn er eine Zusammenarbeit aller islamischen Völker erreichen würde. * •'• Die Palästina-Organisation der Agudas Jisroel sandte an das 'Präsidium des Moslem- Kongresses eine Begrüßungskündgebung, in der es heißt: Wir Vertreter des thoratreueri Judentums be* grüßen die Führer der Moslem in der ganzen Welt, die jetzt in der heiligen Stadt versammelt sind. Wir weisen die Verdächtigung, daß die Juden die Absicht hegen, die heiligen Stätten des Moslenm anzutasten, zurück und geben von neuem die Versicherung, daß die Juden keinerlei Absichten in bezug auf die Aksa^Moschee oder irgend eine andere Stätte im Tempelgebiet haben. Die Juden wünschen nur eines: daß ihnen gestattet werde, an der Klagemauer, der Stätte, von der die Schechina (der göttliche Geist) nie gewichen ist, wie einst ihre Väter, ihr Gebet zu Gott zu erheben. Verlauf der Konferenz der arabischen Opposition in Palästina Jerusalem, 13. Dezember. Die Konferenz der arabischen Opposition Palästinas, die im Prunk« saal des Hotels „König D a v i d" unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb N a s h a« s h i b i, getagt hat und der neben mehreren Hunderten Notabein aus ganz Palästina auch die Bürgermeister von Jaffa, Haifa, Gaza, Ramleh und Nablus beiwohnten, be« schloß, mit den moslemitischen Körperschaften der ganzen Welt in Verbindung zu treten und die Ein« berufuhg eines allgemeinen Moslem'Kongresses, der auf dem Territorium eines moslemitischen König» reiches stattfinden soll, durchzusetzen. Die Konferenz beschloß auch, die gegenwärtig stattfindende Ihrem lieben Bb. Hillel Redller gratuliert herzlichst anläßlich seiner Promotion zum Dr. jur. Bie List- «flj Metalle IMrtffl BmtetMler mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Norbert Kürschner Else Kleiner I Wien I empfehlen sich als Verlobte I Wien, 3. rSJS 5692 I Moslem «Konferenz, die eine Parteiangelegenheit des Mufti ist, nicht anzuerkennen. Omar Saleh erklärte: „Wir sind nicht die Opposition, sondern die Nation!" Die von der Konferenz gefaßten Resolutionen begannen demgemäß auch mit den Worten: „Der Kongreß der Moslem«Nation Palästinas be« schließt . . usw. Fakhri Nashashibi und Moghancn E f f e n d i empfingen die Vertreter der Presse, unter ihnen auch die Korrespondenten der Jüdischen Tele« graphen « Agentur, der Reuter « Agentur, der „Times" und des „Telegraph" und übergaben ihnen zehn von der Konferenz der Opposition gefaßte Resolutionen, von denen eine die Absetzung des Mufti fordert, andere die Unabhängigkeit Palästinas, den Schutz der heiligen Stätten des Islam, den Schutz des Arabertunis vor „zionistischer Gefahr" usw. fordern, Dr. Renben Bierer, ein Patriarch des Zionismus, gestorben Lemberg, 12. Dezember. (J. T. A.) In diesen Tagen starb in Lemberg im Alter von 98 Jahren Dr. R e u b e n B i e r e r, Pionier und Patriarch der zionistischen Bewegung und Vorkämpfer des Hebräismus. Lange vor Begründung der modernen zionistischen Bewegung durch Theodor Herzl gründete er in Wien gemeinsam mit Raibb. Dr. Spitzer die erste Palästina-Kolonisations-Gesellßchaft „Admath Jeschurun". Mrt Perez Smolenskin gründete er die erste zionistisch-akademische Verbindung „Kadim a h". Später schloß er sich Theodor Herzl an. Mehrere Jahre seines Lebens verbrachte er in Belgrad, wo er Leibarzt des Königs war, dann in Bulgarien und zuletzt in Lemberg. Udberall betätigte er sich intensiv für den Zionismus. Sein Sohn, Dr. Josef Bierer, lebt in Czernowitz und ist ein Führer der zionistischen und hebraistischen Bewegung in der Bukowina. Die Einfuhr von Tote-Meer-Prodnkten nach England In den Monaten Mai bis Oktober 1931 wurden aus Palästina 2380 Zentner Brorain und Bromid eingeführt. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurden solche Importe nicht registriert. Chnnuku-Gottesdienst der jüdischen Frontsoldaten in London London, 13. Dezember. In der Central Synagogue zu London wurde ein Chanuka-Gottesdieust für die ehemaligen jüdischen Frontsoldaten, Soldaten der Marine und Flieger, abgehalten. Chief Rabbi Dr. J. II Hertz leitete den Gottesdienst Nach dem Kaddisoh-Ge-bet wurde die Reveille geblasen. Am Abend fand ein F e s t - D i n e r statt, dem F e 1 dmurschall Sir George F. Milne al« Ehrengast beiwohnte. Feldmanschall Milne gedachte in einer Ansprache der Treue der Juden zum Vaterlande und erzählte von seinen Erlebnissen während des Krieges iu Saloniki, wo er die englischen Truppen kommandierte. Damals empfing er eine Abordnuug der jüdischen Gemeinde, die ihm den Dank der Gemeinde an England für die Baifour-Deklaration Überbrachte. Lord Bearsted, der die Veranstaltung leitete, verlas ein Telegramm des König«, der den jetzigen und früheren Soldaten den Dank für ihre Grüße ausspricht. Lord Bearsted erinnerte daran, daß Sir George Milne der jüdischen Gemeinde von Saloniki «ine groAc

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