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Die neue Welt · 1931-12-18 · Heft 222 (18.12.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 222 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite * DIE NEUE WELT Nr. 222 Bei Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit schafft ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser, täglich früh nüchtern genommen, mühelosen,. leichten Stuhlgang. In Apotheken und Drogerien erhaltlich. sjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiig I UNION DER ZI ONIST EN-REVISIONISTEN |! Grosse Versammlung 1 s Montag» den SM« Oetember um '',9 Uhr § S abend« Tm Saale des CM Cltf, WIM! IX, S s PoriallangaM* 1 s s Gegenstand: S Weltkrise und Wirtschaftslage i E der Juden. - Die Hakenkreuz- s oerahr. — Dai Srudentenrecht In S Oesterreich.-> Was tut die Kullufts S gemeinde? - Was wollen die Zionisten-Revisionisten? ^Redner: 5 s C »erbaurat Robert Stricker, § | Dr. D. Bukspan. D. Nebenzahl | Regiebeitrag 20 g s niiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiitiiiiiitiiiiuiiiitimniiiiiiiiiiiiiiiiiiiifS Union der Zionismen-Revisionisten Wegen dringender Leitungssitzung entfällt der Mittwoch-Vortrag am 23. Dezember im Heime.. Sicherheit und Ehre. Nicht sie allein, sondern der Ritualprozeß von Simera wird gegen die Juden der ganzen Welt geführt. Wie man ersehen kann, ist es wirklich nicht mehr zeitgemäß, daß Israel darob jubelt,, wenn einer der Seinen hoch aufsteigt. * Sir Isaac I s a a c s, der Sohn eines jüdischen: Einwanderers, ist vom britischen König zum General-Statthalter von Australien 'ernannt worden. Seiner Ernennung ist eine heftige, offen antisemitische Agitation im Lande vorausgegangen, an der sich ein Teil der protestantischen Geistlichkeit, führend . beteiligte. Die australische. Judenschaft, welche .die Partei Isaacs ergriff, hat noch heute darunter zu leiden. Auch die jüdisch-amerikanische Presse, welche in London sehr beachtet, wird,! setzte sich für den Juden Isaacs ein. Isaacs ließ sich diese Förderung durch die Juden sehr gerne gefallen. Nach vollzogener Ernennung aber änderte er seine Haltung. Den Glückwunsch des Verbandes jüdischer Gemeinden und Vereine , aus Anlaß seiner Ernennung b eantwortete er nicht. Eine Einladung, an einem Festgottesdienst in der Synagoge von Melbourne teilzunehmen, beantwortete er in einem Interview in der großen Zeitung „S m i t h s Weekly", in welchem er erklärte, er könne „nur lächeln", wenn man ihn mit dem Judentum in Verbindung bringt Er sei Sozialist und Freidenker. Zum Festgottesdienst in der Synagoge zu Ehren des verstorbenen jüdischen Kommandanten der australischen Armee im Weltkriege, General Monash, erschien Sir Isaacs nicht. Aber als wenige Tage später in der St. James-Kirche ein Gottesdienst zur Verherrlichung der großen Rolle, welche das Christentum in der nationalen Entwicklung Australiens gespielt hat, abgehalten wurde, da erschien der „Freidenker" Isaacs mit Frau und Kindern in der Kirche und erwies der protestantischen Geistlichkeit, welche seine Ernennung mit ant isemi tischen Schlag Worten bekämpft hätte, seine Verehrung. Wie man ersehen kann, war auch i die Freude der australischen Judenschaft über den » Aufstieg eines Juden unzeitgemäß. * An vielen Hochschulen Europas ist; wieder die Hetze gegen die jüdische Studenten-j schaft in vollem Gange, heftiger und brutaler denn! je, in Oesterreich, Polen, Rumänien, Tschechien usw. An all diesen Hochschulen wirken j üd i s ch e Professoren und Dozenten, getaufte und auch ungetaufte. Die Ernennung dieser Herren hat immer viel Anstrengung gekostet. Vor ihrer Ernennung liefen sie mit Märtyrermienen in der jüdischen Gesellschaft umher und klagten beweglich, wie schwer es sei, ein akademischer Jude zu sein. Und die jüdische Gesellschaft weinte mit ihnen, auch mit den Getauften, und protestierte und schimpfte mit ihnen. Wenn dann, mit Ach und Krach, die Ernennung doch kam, dann jubelte die jüdische Gesellschaft, tat stolz und zufrieden, aber die ans Ziel gelangten „Märtyrer" waren von diesem Augenblick an verschwunden. N i e, auch heute nicht, wenn es gegen die jüdischen Studenten geht, rafft eich auch nur einer dieser „hochgekommenen" Juden zu einem Worte, geschweige denn zu einer Tat für die mißhandelte und entwürdigte jüdische Studentenschaft und Gesellschaft auf. Ihre Ernennung hat wohl die Wut der Antisemiten verdoppelt, das Geschrei von Vergewaltigung der Wissenschaft durch die jüdische K1 i q u e vervielfältigt die Lage der Judenschaft eher verschlechtert. Aber Nutzen haben sie der jüdischen Gesellschaft nicht gebracht, denn sie weichen dem Dienste für die jüdische Gesellschaft weit im Bogen aus, * Unter solchen Umstünden ist die Freude der jüdischen Gesellschaft, wenn ein Jude „hoch"- kommt, in den meisten Fällen nicht nur unsinnig, sondern auch unwürdig geworden. Jeder kleine jüdische Bürger, der treu zum Volke hält, seine Kinder zu guten Juden erzieht und ehrlich sein Brot verdient, ist dem Judentum tausendmal wertvoller als die ganze Horde „hochgestellter jüdischer Persönlichkeiten"--- r. st. Der siebenfache Raubmörder Karl Horak endgültig freigesprochen und aus dem .Gefängnis entlassen' Prag, 12. Dezember.:Das~Q b e re t e G e ric h t der Tschechoslowakei in Brünn, hat in geheimer Verhandlung die N ic h t i g k e i tsb es c h wer de der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch des Mörders Karl Horak durch ein Prager Geschworenengericht geprüft und das freisprechende Urteil als rechtskräftig erklärt. Hqrak ist somit eijdgültig Von der Anklage, einen siebenfachen Rauhmord begangen zu haben, freigesprochen worden. Er hat bereits das Gefängnis verlassen. Das Erkenntnis des Obersten Gerichtes hat auch in juristischen Kreisen Verwunderung erregt. Die Form des G eh ei in ve r f all r e ns in dieser Angelegenheit, die wenig zur Stärkung des verletzten Rechtsibewußtseins beigetragen hat, wird scharf kritisiert. Die Verbredien Horaks sind noch in aller Erinnerung. Horak hat in* der Zeit der Grenzkonfiifcte zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei zusammen mit einer von ihm befehligte^; Grenzpatrouille sieben! j u n ge- J ud e;-n,:die W 4>k &r ud e r F l e i s c b e r und die drei B r ü d e r" L e f k ö w i t s c h, e r s c h o s s e_n, sie der Barschaften und der Kleider beraubt und vergraben. Alle Umstände sprachen dafür, daß Horak nichts anderes als einen Raubmord bezweckt hat. Als er vor kurzem, von. - einem Prager Schwurgericht freigesprochen wurde,. w.urde. dieser Freispruch in der •ganzen Welt: sehr; .abfälligkritisie^'und als ein Zeichen des militaristischen Geistes unter vden tschechoslowakischen Kleihibürgerni .die-die 'GeSchworenenibank besetzt Ratten, aÄgesehe.n;; ' djes"^ HoKtieh Lichtntmti Esther Schlichter Verlobte Wien, fDto 5692 •Klefnbiirgergeist konnte es nicht über sich bringen, zuzugeben, daß ein in militärischer Uniform und unter patriotischer Bemäntelung an Juden begangenes Verbrechen seine Sühne findet. Ein „jüdisches4' Gegenstuck zum Falle Horak Prag, 14. Dezember. Wie das Blatt „A—Z" meldet, wurde in Mihalovce in der Slowakei einer der reichsten Kaufleute, Samu Weisen.berger, unter dem Verdacht des Doppelmordes verhaftet In den slowakischen Wirren nach dem Umsturz sei er am 10. November 1918 als Gendanne^ieunteroffizier an der Spitze einer Gendarmeriewache gestanden*.- die in die Gemeinde Zdince geschickt würde, als dort eine Reihe.jüdisch er Geschäfte geplündert worden war. Weieeniberger soll nun in der Synagoge zwei Bauernbursohen, Johann Ju.rca und Nikolaus Kucik, verhaftet haben. Jurca sei sofort ^vor der Synagoge {und Kucik auf dem Breide erschossen worden. Dann sei die Gendarmeriewache verschwunden. In den Totenscheinen sei vermerkt, daß die Erschießung _ auf Grund des St and recht es erfolgt »ei. Nach, dem Fall.Horak, der kürzlich, vor den Prager Geschworenen wegen Justifizierung von sieben Juden verhandelt wurde, meldeten sich einige Zeugen, die die ganze Szene gesehen haben wollen. * Bei der Stimmung, die heute in der Slowakei und in anderen Teilen der tschechischen Republik herrscht, ist der Verdacht: nicht von der Handzu weisen, daß versucht wird,; den aufsehenerregenden Freispruch des Judenmörders Ho ja kdurch Konstruktion eines von einem Juden verübten'' C h r i s t e'ü m o rd e s zu paralysieren und neue ,,Anklagen" gegen die Juden 'zu schaffen. Wenn man die bisherige Haltung der Ünter- 6uchungsbehörden,- der Staatsanwaltschaft und. des -j üd i's c h e'n J ü sti z minist e rs. .Dr. Meißner,-, .•■welcher seinen antisemitischen Untergebenen keine Hindernisse in dön Weg'legt;-:ih Betracht zieht, kann. man. der Entwicklung des netien-"Falles"nut mit Besorgnis entgegensehen. •'. *n Im Spiegel der Presse Die österreichische: Regierung geht •nun bekanntlich daran, dem Parlament einen Gesetzentwurf vorzulegen," der eine N e;u ö r d n u n g der S t u d e n t e n v e r t r e t un # e n ' . ä n .;| d e n Wiener Hochschulen beinhalten - soll.; Diese Neuordnung soll im prinzipiellen ,auf na t.i o n a \ er Grundlage ,aufgebaut sein, d. h. Stiiden.tenpationen schafr fen, denen die Interessen, der Studentenschaft - im Rahmen des akademischen Betriebes anvertraut werden. Der genaue Wortlaut des Gesetzentwurfes ist bisher in. seinen Einzelheiten: npbh. nicht bekannt, wohl aber -der Grundsatz selbst; ^haj^ptsächiieh durch öffentliche Erklärungen des Unterncihtsministers Dr. C,z e rmak. Wir haben uns schonv mehrfach zium prinzipiellen 'Gedankender nationalen- Gliederung der Studentenschaft an den österreichischen Hochschulen , in bejahendem Sinne geäußert, aus der selbstverständlichen Konsequenz und nicht minder selbstverständ- 'lichen Tradition, aus unserer z i o n i s t i s:c h e h A u f- 'fass ung. Darüber braucht > also < kein - Wort verloren zu werden. Hingegen hat die Ankündigung der österreichischen Regierung in dieser Sache noch . : einen anderen; Reflex gezeitigt. Es ist da» Echo der Wi'e ner -Assimiiantenpress« von 'derrliberalen> bis• zur .«zionistischen". Das angekitadigte 'nationale Studeäfcenrecht hat sich als Stichins ^Wespennest erwiesen:so vordie Situation gestellt, Farbe bekennen zu müssen, ob deutsch oder jüdisch, ist das buntscheckige Lager der diversen IsraelitentUmer in Aufruhr geraten. Man überzeugt, bettelt, droht, flucht und eifert — ein sehr possierliches Benehmen. Uebel geht's zunächst dem Uuterrichtsminister C z e r m a k, der es gewagt hat, vor dem Parlament bezw. vor dem Forum d^r katholischen Studentenscheft die Richtlinien, des neuen Stüdehtenrechts Ztt" verteidigen. Der österreieiiische Unterrichtsminister betont, .daß die einzelnen Stüdentennationeh volle Gleichberechtigung genießen werden, und meint mit Beziehung, auf die zu gründende j ü d i s c h e S t udentenhatiqn' •. . . „Auch, eine ] u n a.b h:ä n g i'g'e jüdische : Studentenschaft des von mir sehr geschätzten j ü d i s c h e n V ö 1 k e s; wird es geben. " Es gibt ein jüdisches V.olk und:seit Abrahams Zeiten yirar sich dieses Volk seiner Besonderheitbewußt^ und hat. trotz des Verlustes von I^and und Spräche mit unübertrefflicher Zähigkeit an seinem Volkstum festgehalten... Der Einwand, die deutsche Sprache, deren sich die .jüdische Studentenschaft als Umgangesprache bedient, ist nicht stichhältig. JDie. Iren sprechen Englisch und sind doch ein .eigevnes Volk . Das sind klare und vernünftige Worte, das ist eine These, die wir Jjidisch-Nationale. seit jeher aufgestellt und vor der. Welt,. verfochten haben.: JCine gleichberechtigte jüdische Stude.ntenna t i o n ist wohl, die .selbstverständlichste Sache. Für alle, nur nicht für den Chor der Israelitenpresse. Sie überzeugt, bettelt, droht, flueht und geifert. Den Reigen eröffnet sanft,- mit väterlibhem Tadel, wenn auch gekränkt und beleidigt, die „Neue Freie Presse". Sie könnte es, so..ruft.sie, nicht fassen, wenn . jemand behaupten wollte, daß Heine und Born e, die Männer von 1848, keine Deutschen seien, daß etwa Disraeli kein Brite gewesen sei, und ihrem innersten Herzen mosaischen Glaubens entringt sich der Stoßseufzer: „Er (Gzermak) sprach von dem jüdischen Volk, als ob es überhaupt n urF Zio n i s t e n in der WeU gäbe, als ob diese' Bewegung von Anfang an sämtliche Kreise der Männer und Frauen des jüdischen Glaubens umfaßt hätte." Die „Neue Freie Presse" „überzeugt". Die „Sonn- DIE AKADEMISCHE VERBINDIINO „KADIMAH" gibt hiemit bekannt, daß ihr Gründungen A,|f,|)^ REU DEN BIERER im 96. Lebensjahr verschieden Ist. Er war ein treuer Sohri seines Volkes, dem er In seinem arbeitsreichen Leben mit Herzen und seiner ganzen Söele gedient hat. Sein Andenken wird im jüdischen Volke nie erlöschen. Für die Aktivitas: Für de n Alt-H erren-Ver b and: Cand.iur. Edmund feMditer, dzi X Dr. Isidor Sdiolil, dzt. Präses ' ' Wien, im Dezember 1831.

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