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Die neue Welt · 1931-12-18 · Heft 222 (18.12.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 222 (18.12.1931)
Date
1931-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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18? Tit, w«^»*^ , Wie«- PrefS 35 QrOSChen Jahrgang S Freitag/ <kn 18. Dezember 1*31 --------nr* 222 V. t>»!)• DIE NEUE WELT REVU E BEZUOSBEDINOUNOEN TschCCboMowakf I Lei 40.-, vierteljäh Lewa 120.-; Italien_____..... Ilhrig Schweizer Francs 4.80 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwa/iun?: Wien IX, UnipersMteglr. 6-8, tel B-4S-504 — Erscheint jeden Freitag Zur in der Familie HerzI (Seile 3) AUS TRIUftTBESITZ I BIS 8 Hfl R AT JUWELIER 0E.5TERREICHER I.. W I r r L I N Q t R 5 T R -fl 5 5 C NR. 29 Die offiziellen Ergebnisse der Volkszählung in \ Palästina J!; . Jerusalemj 14. Dezember, (j T, A.) Soeben wurden die folgenden provisorischen {?rg;ebnisse der vor .kurzem: in Palästina.durchgeführten 'Volkszäh'lu h g . ofWeW.belsÄuntgegeben: , , - , f . Die» Gesam tbe v Ö1 ke r u n g.f'a/ästinas besteht aus iß&.in Seelen,;dävpn-sintl?5^^52 Mpsiem«, 175.006 Juiden, 90.607 Gbristen und 9589 . Angehörige anderer Konfessionen, unter ihnen ..etwa rund $000. Qrusen_.unj. etwa] 1Ö0O PerSörien, dieshjih^ Iis-iVAynoa^^et" bezeichnen*; Unt^ diesen' 1000 „Agnostikern" sin»l viwu 600 Juden. . Die; Ziffer 175.006l ist;n-i c ht die Gesamtziffer der jüdischen Bevölkerung'' Palästinas,' da sich bekanntlich die "Z i ö'Hi s t e n - R e v i s i.o n i s \ e n an der .: Volkszählung nicht, beteiligten und. auch andere jüdische Beyölkerungskreise davon abhielten, sich in die VolkszähluQgsli^ten eintragen%zii: lassen. Die Revisionisten und ihnen anhängende Kreise "ließen die Volkszählungsfünktionäre nicht in ihre Häuser ein.. " Die' V o l k s z ä h l u n g i m Jahre 1922 ergab eine palästinensische . GesamtbeyÖlkerung von 757.182 Seelen, davon waren 590.890 Moslems, 83.794 Juden, 73:024 Christen und 7028 Drusen. Die Zahl der Juden hat sich also um mehr als-.91 .'000,' die der Moslems um über 169.000, die der Christen uro über 27.000 erhöht. Die englische Regierung und der Moslem-Kongreß -r- Debatte im Unterhaus. ' London, 12. Dezember. Colonel Josiah Wedg* w o od richtete im Unterhaus an den Kolonienminister die Frage: Ist es dem". Minister bekannt, daß die Organisatoren des Moslem»Kongresses in Jerusalem auf dem Kongreß die F.ra'ge des Schutzes der heiligen' Stätten des Islam zur Diskussion gestellt haben? Glaubt die Regierung, daß dieser Dis* kussionspupkt auch die Klagemauer einschließt? Hat die. Regierung dem Mufti und . den anderen Organisatoren des Kongresses , klargemacht,, daß jeder Versuch, die, religiösen Gefühle' der. Moslems gegen die Juden oder die Christen aufzustacheln, für die Regierung ein, Grund zum Einschreiten sein wird? Ist den auswärtigen Teilnehmern am Kongreß die Verpflichtung auferlegt worden, jede solche Aufreizung zu vermeiden? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Herbert Hamilton, erwiderte: Der Regierung ist es bekannt, daß die Klagemauer?Frage auf dem - Kongreß: erörtert werden wird. Sie'habe 'aber keinen Grund-zur- Befürchtung, daß Versuche gemacht werden würden, die religiösen Gefühle gegen• Juden- oder Christen auf*, züreizen. Als- Resultat .der'Nachforschungen seitens des: High Commissioners für Palästina habe ich die Sicher* heit gewonnen, daß der Mufti, der die Einladungen zur Teilnahme an dem Kongreß versandt hat, sich seiner-, Verantwortung voll bewußt ist und sich bestrebt zeigt, den Kongreß in einer Weise zu leiten, daß der britischen < Regierung und der Regierung Palästinas keinerlei'Ver». legeriheiten (bereitet werden. ' Colonel Wedgwood frage -den Kolonienminister, ob er im Hinblick auf die wachsende Unsicherheit in Palästina den. Juden erlauben würde, Waffen zur Selbstverteidigung zu tragen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, erwiderte; Ich kenne nicht die BEILAGE (Seife 0) FÜR DEUTSCHLAND Bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern wirkt Togal rasch und sicher, Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Ledden, bei denen kein anderes Mittel half; Ein Versuch überzeugt! In all. Apoth. S 2.40. Gründe , für die Behauptung, daß die Unsicherheit in Palästina zunimmt, auf jeden Fall kann' sich Colpnel Wedgwood auf den High Commissioner verlassen, der, wo nötig, besondere Schutzmaßnahmen, außer den be» rcits bestehenden, empfehlen wird. , Wedgwood: Ist Sir Robert Hamilton über die Ermordung zweier junger Judenunter* richtet? Weiß er, daß in Palästina 22 Morde durch Araber begangen worden sind? Sir Robert Hamilton: Es wurde-hierüber vom High Commissioner ein. Bericht angefordert, der Bericht: ist noch nicht eingetroffen. Hochgestellte Juden Der Herr Justlxnuni'sfer — Der Herr GeneralfStallhalter — Und die Herren Professoren Im mittelalterlichen und auch im neuzeitlichen Ghetto bedeutete es ein wichtiges und freudiges Ereignis, wenn ein Jude zu einer hohen Stellung in der Außenwelt kam. Solche hochgestellte jüdische Persönlichkeiten waren in der Lage, ihren rechtlosen Volksgenossen wertvolle Dienste zu:''leistei9/^nd'';iaien dies auch. In der G.e- J. schichte;; d; yas ■.hj\' ^äj^ HofBankiers, Leibärzte u. dgj.in. ihre ' jüdischen Landsleute > v o r g roß e n . G ei a h reu/ - b e- - wIa^h«r4^e'i^;•• -Biis---:iii die, neueste . .Zeit. hinein .war deshalb das reich gewordene oder sonst nachgekommene 'Gemeindemitglied Gegenstand besonderer Ehrung.. Nicht Servilishius, Kriecherei vor dem Erfolg des,.Einzelindividuums bildeten den •Grund'dieses 'Verhaltens der |üdengehieinde, son- dern das Gefhül, eine- Stütze für; die stets bedrohte jüdische Gemeinschaft gewonnen zu haben, einen F ü r s p'reche r, einen „V e i;s o r g c r". Wenn sich noch heute in jüdischen Kreisen laute Genugtuung kundgibt und die jüdischen Zeitungen nicht genug Worte stolzer Befriedigung finden können, daß ein Jude besonders hochsteigt, Minister, Professor, Nobelpreisträger oder was Aehnliches wurde, so ist das eine-aus vergangenen Zeiten übernommene 'Gewohnheit. Eine Gewohnheit, die leer geworden ist, hinter der kein realer Grund mehr zu finden ist. Hochgekommene jüdische Personen bilden heute in der.Regel eher eine Belastung für die jüdische Gesell s c h a f t a 1 s e i ue S t ü t z e. Das Geschick der Menschheit und der Judenschaft im besonderen wird nicht mehr durch den Willen und die Laune von Herrschern bestimmt,: denen ein Hof- und Hausjude Gunst für die Juden ablisten oder abschmeicheln kann. Den parteimäßigen, und weltanschaulichen Strömungen, welche sich heute gegen das Judentum richten, kann. — mit Aussichtauf irgendwelchen Erfolg -- nur der organisierte Wille der jüdischen Gesamtheit ^eul^egengesteljt werden. Der einzelne Jude, und sei er sozial noch so hochgestellt, vermag der jüdischen. Genie.inschaft keinen Schutz zu bieten, auch. wenn er es wollte. U e b r i g e n s wilder e s ,i 11 der ü b erwiegenden M ehrz ah 1 d eir Fälle gar nicht. Im Zuge der jüdischen Assimilationsbestrebüngen ist es dahin gekommen, daß der soziale Hochflug eines Juden in der Regel seine Entfernung von allem Jüdischen zur Folge hat. Die aus dem Judentum hervorgegangenen „großgewordenen Menschen" verschwinden bald aus dem jüdischen Gesichtskreise.1 Ihr Aufstieg' stachelt die Wut u<nd den'Neid der Anti-( s e m i t e n an, welche bei solchen Gelegenheiten immer das alte Lied von der ,|Allmacht Judas'* aufs neue herunterleiern, aber positiven^ Nufzep für die Juden schafft er nicht Die Zeiten des' jiddischen Versorgers, des Hausr und : Hof juden, sind deff- : Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt« liehe» Notizen s<ud durch ein beißefüste« & bezeichnet nitiv vonbei,: also auch die Zeiten der jüdischen Freude über den" sozialen Aufstieg irgend einer jüdischen Persönlichkeit. Einige Beispiele au« jüngster Zeit. . ■ . * . In der Tschechoslowakei gibt es einen jindisch e n JustIzminist*er, den Sozialcle^p* kraten Dr. Meißner. Unter seinem Reginfie spielten sich jüngst zwei. Gerichtstalle ab, 'die empörend sind uncl die Sicherheit und Würde;<liej> "Judentums ättflisdhwersfe gefährden. Per Fall des Legionärs Ho r a k, welcher den Mord unddie Beraubung sieben junger Juden eingestand^ hatte und freigesprochen wurde, und der Fall;de§ B lu t mä r ch ens von Sime r a. In 'beiden Fällen hat die dem jüdischen Justizminister un^r- . stellte Staatsanwaltschaft die Untersuchung Jn einer Weise geführt, die allen Begriffen von Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit hohnspricht. Es wurde von Behörden dahin. gearbeitet, den Mord an Juden zu einer erlaubten Sache und das Märchen vom jüdischen Blutritus als eine örwiesene Sache hinzustellen. Von jüdischer Seite aus wurde der jüdische Justizminister bestürmt, Ordnung zu schaffen. Aber auch von nichtjüdischer Seite;her. Er tat nichts. Im Organ ' der tschechoslowakischen j,Liga für Men-; s c h e n r echte" findet sich folgender, auf cliis Verhalten des jüdischen Justizmmisters bezugnehmende Protest: „Die Staatsanwaltschaft verschleppt systematisch den bereits politisch-tendenziös ausgenützten Ritualprozeß. Das Justizministerium wurde rechtzeitig — vor mehr als einem Jahr — auf den sonderbaren Fall aufmerksam gemacht, der nicht anders enden kann, als mit schwerem Schaden für das Ansehen der tschechoslowakischen Republik. Nichtsdestoweniger hat das Justizministerium n i c h t s zur V e r h ü t a n g dieser Ritual hetze verfügt. Im Greg ent e i 1! Die von der Verteidigung namhaft gemachten En11 astungszeugen werden verfolgt Ungeschoren blieben jedoch bis heute diejenigen Personen, die an dieser ungeheuerlichen Anklage aktiv beteiligt sind!** Wenn ein nicht jüdischer Minister so handelte, nian würde von antisemitischer Lumperei und Rechts b e u g u n g sprechen! Aber der Jude — Sozialdemokrat dazu — läßt seinen beamteten Hetzern freien Spielraum, schweigt. Doch nein, er schweigt nicht. Wir sind darüber informiert, daß Justizminister Dr, Meißner auf Vorhalte geantwortet hat, er könne nichts tun, e b e n wei 1 er jüdischer Absfaramung sei! Das könnte in der Bevölkerung s c hi e f aufgefaßt werden* Ein famoser Hüter des Rechtes, von der famosen Sorte jener, jüdischen Richter, die dem Juden unrecht tun, weil sie — die Richter •— Juden sind. Die tschechoslowakischen Judeu bezahlen also die hohe Ehre und das hohe Glück, einen Auch- Juden als Justizminister zu besitzen, mit ihret

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