Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 221 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 221____ vorderasiatischen Ländern, aus Persien und einigen europäischen Staaten eingefunden hatten. Im Gegensatz zu der Erklärung des Groß*Mufti an die PalästinasRegierung, daß sich der Kongreß einzig und allein mit religiösen und kulturellen Fragen des Islam beschäftigen wird, gab Schaukat Ali auch mehrere politische Erklärungen an Pressevertreter ab, wobei er schloß: „Ich widersetze mich keineswegs einer Verständigung zwischen Arabern und Juden. Wenn ich auch gegen ein Jüdisches Nationalheim bin, habe ich doch nichts dagegen, daß man sich mit den Zionisten, die bereits in Palästina sind, in der Weise verständigt, daß sie in Palästina verbleiben, aber ihre Forderung nach Sonderrechten und Privilegien aufgeben." PaIä§tinasIiiterpellation im englischen Unterhaus Die Frage der Lnnclentwickluiigsanleilie London, 3. Dezember. Im englischen Unterhaus richtete der jüdische Abgeordnete für Whitechapel, ßavnet Jänner, l]lnensekretär des i-neben neu« gebilclctcn parlamentarischen Palästina-Komitees, au den Kolonicnministcr Sir Philip Cunliffc-Lister die Frage, ob die Regierung an ihrer Absicht festhalte, die Garantie einer Anleihe an die Palästina-Regierung zum Zwecke der Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft gemäß dem Landentwicklungsplan zu übernehmen. In seiner Antwort verwies der Kolonicnministcr auf die von der früheren Regierung am 23. September im Unterhaus abgegebene Erklärung. Der damalige Kolonienminister J. II. Thomas, jetzt Staatssekretär für die Dominions, hat auf eine Anfrage des Vorsitzenden der Unabhängigen Arbeiterpartei, Fenncr Brockway, ob die Regierung ihre Absicht aufrechterhält, eine Auleihc von 2,5 Millionen Pfund für Landwirtschaftsentwicklung in Palästina zu garantieren, erwidert: Die Anleihe wird geplant; sie bezweckt die Entwicklung der Landwirtschaft. Die Einzelheiten werden noch geprüft. Die Angelegenheit liegt in den Händen des Landentwicklungsdirektors Louis FrencIi. Norman Bentwiclis Pensionierung Der Konservative Waldron S m i t h e r s fragte im Unterhaus den Kolonienminister, aus welchem Grunde H. H. Trusted an Stelle Norman Bcntwichs zum Oberstaatsanwalt für Palästina ernannt worden sei. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister verwies auf die vom seinerzeitigen Kolonienminister J. H. Thomas auf eine Frage von Colonel Wedgwood gegebene Antwort, die lautet: Im Hinblick auf die rassischen und politischen Verhältnisse in Palästina ist der frühere Kolonicnministcr Lord Passfield nach sorgfältigster Prüfung der Gründe zu dem Entschluß ge- Meine Frau hat recht und wa§ sie sag*, ist recht Humoreske von Tu n k e I e r Ich tu aller Welt kund und zu wissen: Ich bin ver* heiratet. Ich und meine Frau sind ein Paar. Und trotz« dem gehen wir manchmal spazieren und plaudern miteinander sehr freundlich. Meiner Frau gefällt die Mariahilferstraße. Auf der Mariahilferstraßc, sagt sie, spürt man den lebendigen Atem des Lebens, Rhythmus, Harmonie. Sie liebt das geräuschvolle Tempo großer Städte. Der mächtige Drang der Seele meiner Frau nach Rhythmus, Pulsierung, Tempo und Harmonie ist eigent* lieh damit zu erklären, daß auf der Mariahilferstraße sich das große Modewarenhaus Ida Arm befindet, jener mäch* tige Zauber, der alle Damenherzen bezaubert und sie starke Erlebnisse erleben läßt. Und um jemand zu haben, mit dem sie diese starken Gefühle teilen kann, so nimmt mich meine Frau zum Spazierengehen mit. Bei jedem Schaufenster bleibt sie stehen, meine Frau, und beginnt die starken Gefühle zu erleben. Ihr Herz klopft wie ein Hammer, das Gesicht überzieht sich mit heiliger Ekstase, ihre Lippen murmeln so etwas wie ein Gebet. „Gott du mein« was für göttliche Marquisette ... _ DIE NEUE WELT_ kommen, daß die Schwierigkeiten durch das Verbleiben des Herrn Bentwich auf dem Posten des Oberstaatsanwaltes nicht gemindert werden würden. Lord Passfield habe Herrn Bentwich zweimal hohe richterliche Acmter im Kolonialdicnst angeboten. Herr Bentwich erklärte aber, er würde einen Posten außerhalb Palästinas nicht annehmen. So blieb nichts anderes übrig, als ihn in Pension gehen zu lassen. Smithers: Ist es richtig, daß Bentwich wegen seiner zu engen Verbindung mit der zersetzenden Propaganda der Sowjetregierung von seinem Posten entfernt worden ist? Sir Philip Cunliffe-Lisier: Nein. Wenn auch der Beschluß vor meiner Amtszeit gefaßt wurde, kann ich dennoch sagen, daß diese Annahme grundlos ist. Smithers: Wird der Kolonienminister vor einer zukünftigen Ernennung Bcntwichs weitere Untersuchungen über seine Verbindungen mit der Sowjetpropaganda anstellen? C ü n l i f f c - L i s t c r: Ich habe bereits über alles Vergangene Erkundigungen eingezogen: niemals ist von dergleichen die Rede gewesen. Der elegante Herr — ASSSSggA A AtoflHI Wft — ^ttä der erfolgreiche Mann CHff^ ^BSh^Bw BftflBf — anspruchsvolle ^B^kaHBHy H ^HBflEjMi Kenner — alle ra- ^^^H wfl^^r Hl ^RHB VNflBf sWen nur mit ^KKr wmwm H BBT^D ^MNr Oer einsigen schwedischen Weltmarke Aus Polen Die antisemitische Boykottbeweguiig in Polen in vollem Gange Warschau, 4. Dezember. Der von der Hauptleitung der nationaldcmokratischen Partei in einem Aufruf an die polnische Bevölkerung proklamierte antijüdi* sehe Boykott ist in Warschau und in den Provinz« städten in vollem Gange. In den Warschauer Stadt» vierteln Neue Welt, Krakauer Vorstadt und Marschau kowska fanden turbulente Szenen statt. Größere Gruppen nationaldemokratischer Studenten blockiers ten die Eingänge zu den jüdischen Geschäftsläden und hinderton die Käufer am Betreten der Läden. Es kam zu Zusammenstößen zwischen den Studenten und den Kaufleutcn. Auf Intervention des Kaufmännischen Vereins griff die Polizei ein und nahm mehrere Boykotthetzer fest, die aber nach Abnahme der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, worauf« hin sie die Boykotthetze wieder aufnähmen. Viele jüdische - Geschäfte wurden durch große Auf* Schriften „Z j i d" (Jude) in' Oclfarbe kenntlich gemacht. Eine andere Form des Boykotts ist die, daß christliche Geschäfte, um die christlichen Käufer an sich zu ziehen, das Boykottzeichen des antisemitischen Vereins „Rozwoj" mit der Aufschrift „Gleich zu gleich" aushängen. Allein in Warschau haben weit mehr als 2000 9**1 christliche Läden das Roz\voj*Zcichen ausgehängt. „Gazetta Warszawska", das Hauptorgan der Nationais demokraten, warnt den Kaufmännischen Verein davor, dem Druck der Juden nachzugeben und die christlichen Kaufleute zur Wegnahme des Rozwoj*Zeichens zu vers anlassen. Auch in Wilna und in anderen größeren Städten Kongreßpolcns und Ostpolens treffen Meldungen über eine heftige BoykottsAgitation ein. Warschau, 6. Dezember. Die Wirkungen der wohl« organisierten antijüdischen Boykotthetze in Polen haben sich für die jüdische Kaufmannschaft als sehr ein« schneidend erwiesen. Die jüdischen Inhaber von Ge« schäftsläden in von Christen bewohnten Gegenden klagen über außerordentlich schlechten Geschäfts« gang. Trotz des herannahenden Weihnachtsfestes bleiben ihre Geschäfte leer. Agitatoren mit grünen; Schleifen beobachten die jüdischen Läden, so daß christs liehe Käufer nicht wagen, solche Läden zu betreten. Nachrichten gleichen Inhalts treffen aus den Pro« vinzstädten ein. Aus Wilna wird gemeldet, daß viele jüdische Geschäftsinhaber infolge des Boykotts ihre Ge« schäfte liquidieren müssen. Die Verhaftung Wulfins und Zalkinds im Zusammenhang mit dem Tod des Studenten Waclawski Wilna, 6. Dezember. Die Tötung des Studenten Waclawski während der Zusammenstöße vor der Wilnaer Universität hat den Nationaldemokraten eine Handhabe geboten, unter Ausstreuung des Gerüchtes, daß Juden Waclawski ermordet haben, in ganz Polen eine antisemitische Hetze durchzu« führen und Ausschreitungen gegen Juden zu provozieren. Auf Grund der ersten Untersuchungen waren die Polizei« und Gerichtsbehörden selber zu der Ansicht gelangt, daß Waclawski versehentlich von seinen eigenen Gesinnungsgenossen umgebracht worden i s t. Auf einmal neigt man einer anderen Version zu und zeigt sich, gemäß der nationaldemokratischen These, "TS.fGTHÖCHS,e SäS---* aFTSNOT ttS» die da mit dem Plisse . . . mit den Borten ä la Chinoise . . . mit den griechischen Maria*Antoinctte=Spitzen! . . . Und dieses Kostüm da . . ." Und, wie gesagt, ob des großen Ueberflusses an Gefühlen teilt sie diese mit mir und fragt: „Aus was für Stoff glaubst du, Manni, ist dieses Kostüm gemacht?" „Weiß, ich?" sag' ich, „aus Manufaktur wahr« scheinlich;" „Dras des Dames, du Idiot!" „Tradcredam", wiederhole ich. „Und dieser Unterrock?" „Wahrscheinlich auch aus Traderedam." „Und was für Futter, glaubst du, braucht man für einen solchen Unterrock?" „Wahrscheinlich auch Traderedam." „Was traderedams^ du herum", schreit mich meine Frau an. „Ach, ach, ach, mit was für Mann mich Gatt; gesegnet hat. Kein Funken von Ideal, kein Funken Sinn für einen Damendessous, keinen Funken Aesthetik hat der da in sich, nicht ein kleinwinzig Geist. Komm, komm, komm dort hinüber auf die andere Seite. Auf der andern Seite ist Sonne. Weißt du, wie eine Frau die Sonne liebt, ihren Schein, ihre Strahlen?!" Das Geheimnis der Liebe meiner Frau zu Sonne, Sonnenschein und Sonnenstrahlen ist damit zu erklären, daß sich auf der andern Seite der Straße das Geschäft der Damenwäschefirma Blumenfeld befindet. Hier beim Schaufenster bleibt meine Frau wieder stehen, mit klopfendem Herzen, mit zitternden Beinen und mit dem Gesicht einer Nonne, die vor einem Heia ligenbild steht. Und von ihren Lippen ergießt sich ein Gebet: „Ach, du mein Gott, welch ein Tutankhamen, echter venezianischer Tutankhamen, Brüsseler Mandarine . . . Seidenplisse mit griechischen Fransen . . ., sieh, nur, sieh nur das Pyjama, das da mit den gestickten Blumen, ach, wieviel Elegance . . . Und dieser Schlafrock und diese Höschen, englischer Batist mit Filet... was, glaubst du, könnte man noch in diese Höschen hinein« machen, hineinsticken?" „Weiß ich", sag' ich, „von mir aus kannst du in diese Höschen Zitzes hineinmachen." „Applikationen, du Trottel! Na, und von welcher Farbe?" „Weiß ich, vielleicht aschgraue!" „Lila, lila. Daß ein Mensch nicht eine Spur von Sinn für einen Schlafrock hat. Komm, komm, du Schlemihl. . . . Mariahilferstraße gefällt ihm. Ausgerechnet. Ich kann sie nicht ausstehen, auf den Tod, diese Maria« hilferstraße. Eine prosaische Straße, lauter Geschäfte, charakterlos, stillos. Geh'n wir lieber in die Kärntner. Straße. Viel interessanter, dort spazierehzugehn. Kärntner straße, eine breite Straße mit Charakter, mit sm ■ Ein erfüllbarer Uelhnnchfsuunsch Auch Ihr Kind hat sicher mehr Wünsche, als Sie diesmal erfüllen können. Aber die Voigtländer- Jubilar-Kamera, die es gerne haben möchte, die sollten Sie ihm doch schenken Die Voigtländer-Jubilar ist eine praktische 6X9-FiIm-KIapp-Kamera und kostet in einer hübschen Geschenk-Packung (samt zwei höchstempfindlichen 23° Sch.-Filmen) nur S 63-— Sie wollen ihm doch gerne eine Freude machen wie stolz wurde es gerade auf dieses Geschenk sein VoiytländersKameras erhalten Sie in jeder Photohandlung. Kostenlos erhalten Sic den neuen Jubilar*Prospckt dort oder von ScheringsKahlbaum A. G., Repr. Wien, VI., Webgasse 2a,