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Die neue Welt · 1931-12-11 · Heft 221 (11.12.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 221 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEÜE WELT Nr . SH Bei Stnhlvevstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrenuen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches ,fFranz-Josef"-Bitter\\as(ser. tn Apothck. erhältlich. diese Stimmung, aber sie kommt. Sparsamkeit wird eine Mode, der man sich zu rühmen beginnt." Die wirkliche „Sanierung" der jüdischen Wirtschaft in Palästina wird aber erst dann einsetzen, wenn diese „Mode" auch in die A r b e i t e r k r e i s e dringt; nicht etwa, daß die Arbeiter erst Sparsamkeit Temen müßte«» waren sie doch die ersten, die dem Jischuw zeigten, daß ein Intelligenzler mit dem Diplom in der Tasche mit 7 pal. Pfd. monatlich leben könne. Aber 4io -Politik der Arbeiterparteien war ebenfalls einem fc.u r op äi s c h« amerikanischen „Standard" nangepaßt und nicht einem Pionierland, wo jede neue Fabrik vorläufig ein Experiment, der Absatzmarkt vorläufig so groß wie ein Schulhof ist, die Produktion vorläufig nur auf mehr oder weniger primitiven Grundlagen beruhen kann. Interessant ist die Tatsache, daß gerade zu Beginn - der Ar* beitcrein Wanderung in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts deren Begründer dies wohl verstanden. Damals war ihre Losung: Jedes Opfer, aber den Arbeitsmarkt besetzen. Erst viel später kam ihre gegenwärtige-Doktrin auf, der gemäß der Wohlstand der Arbeiterklasse in Palästina Selbstzweck ist, viel heiliger als die Entwicklungsmöglichkeiten der jüdischen Wirtschaft. Es ist noch verfrüht zu behaupten, daß diese Doktrin absterbe, aber auch sie ist durchbrochen. Ein grausamer Lehrer war die Krise, aber immerhin ein Lehrer. Er verkündet, daß der Wohlstand jeder Klasse im Jischuw nichts anderes ist als die Funktion der Renta* bilität des Jischuw. Nicht nur Produktivität, sondern gerade Rentabilität, gerade der Kapitalsnutzen eines Landes, das nur ein Winkel der kapitalistischen Welt ist. . .,. . Das Volkswerk wird wachsen Aus Palästina kommen Nachrichten verdoppelter Tätigkeit. Seit 1925 wurden in TeUAwiw und Jerusalem nicht so viel neue Häuser gebaut wie jetzt, trotz oder wegen des Pfundsturzes. Hier in der Galuth aber hat man das Gefühl der Ohnmacht: Was anfangen und wozu? Ein wohlhabender Mann sagte mir: „Ich muß ein* bekennen, ein schlechter Kaufmann zu sein. Im Vorjahr wurde mir ein Geschäft in Palästina vorge* schlagen. Ich lachte. Geschäft? Meine Pflicht gegenüber dem Fonds X und gegenüber dem Fonds Y habe ich erfüllt. Geschäfte mache ich hier. Heute sehe ich. was aus meinen Geschäften hier geworden ist!" Weil jeder normale Schritt auf jedem geschäft* hohen Gebiet ein Abenteuer, ein Risiko geworden ist, gerade deshalb wird man heute Hunderte und Tausende finden, die bei einer neuen Anstrengung für das Aufbau« werk mittun werden. Aber es muß eine sachliche Anstrengung sein. Nicht die alten Pläne, kommt mit einem Plan, der Hand und Fuß hat, und man wird sehen, daß wir noch den Willen und die Kraft haben, zu schaffen. Jeder Schreiber weiß, daß der Leser ihm nicht glaubt. Wäre es möglich, würde ich mit ihm wetten: Wenn die schwarzen Tage vorüber sind, so werden wir sehen, wer recht hat. Ich sage, daß unser Volks* werk aus den schwarzen Tagen verstärkt an Umfang und an Inhalt hervorgehen wird, daß also der Zweifler sich irrt und nicht ich. §tudenfenkrawalle und §tudenfenredit Von der Wiener Universität An der Wiener Universität hat es wieder einen Ueberfall auf jüdische Studenten gegeben. Wieder hat eine Uebermacht ihr unwürdiges Mütchen an einem Dutzend isolierter Hörer ausprobiert. Eine leider normale Sache, die nur dadurch besonderen Charakter gewinnt, daß zwei Professoren beteiligt sind, ein deut« scher aktiv, ein jüdischer passiv. Professor W ö ß von der juridischen Fakultät, aus dessen Hörsaal die Juden hinausgeprügelt wurden, richtete nachher an die deutsche Studentenschaft einen Brief; in welchem es heißt: „Nur durch das mannhafte Auf trete nder Deutschen Studentenschaft wurde eine un* erwünschte Störung der Vorlesung vermieden. Die Deutsche Studentenschaft hat sich auch in diesem Falle als machtvoller Faktor erwiesen, sie hat es ver« standen, im eigenen Wirkungskreise Ruhe und 0 r d« nung zu stiften." — Wie man sieht, übertrumpft dieser „Gelehrte" seine Zöglinge. Im Zusammenhange mit der Affäre wurde auch der Name des jüdischen Professors Petschek, gleich« falls von der juridischen Fakultät, genannt, aber nur, weil sein Sohn als erster mißhandelt wurde. Wenn man gegen jüdische Studenten losgeht, halten die jüdischen Professoren mäuschenstill. Einer ihrer Söhne muß erst geschlagen werden, damit man überhaupt zur Kenntnis gelangt, daß es so etwas wie jüdische Professoren gibt. » Wie bereit« berichtet, beschäftigt sich der öster* reichische Ministerrat mit dem Entwürfe eines Etüden» tenrechtes auf Grund von zu bildenden S t u* dentennationen. Der Entwurf sieht die völlige Gleichberechtigung aller Studentennationen, also auch der j U d i s c h e n vor. Die zum größten Teile von getauften und ausgetretenen Juden geleitete liberale und sozialistische Presse protestiert gegen die Bildung einer jüdischen Studentennation, was zu erwarten war. Die jüdische Studentenschaft, soferne sie sich zur jüdischen Nation bekennt und bereits Stellung genommen hat, ist bereit, ein auf der Gleichberechtigung der Nationen basierendes Studentenrecht anzunehmen, was ja dem Sinne des nationaljüdischen Programmes entspricht. Gegen das nationale Studentenrecht hat das z i o n U stische Landeskomitee für Oesterreich Stellung genommen. Diese Körperschaft, welche zur Führung ihres Titels, heute nicht mehr berechtigt ist, da sie nur eine Minorität der österreichischen Zionisten vertritt, hat damit auch gegen das jüdischnationale Programm Steh hing genommen. Wie sehr, geht z. B. aus der Genug* tuung hervor, welche diese Stellungnahme in gewissen assimilatorischen Kreisen hervorgerufen hat. So druckt das Organ der rumänischen Assimilations« juden die Resolution des Wiener Landeskomitees ab und hält sie den jüdisch nationalen Abgeordnet teil, welche im .Bukarester Parlamente einen schweren Kampf für nationale Gleichberechtigung der Juden führen, triumphierend vor," als'" Beweis,'" daß die „wirklichen" Zipnfsferi 'mit jüdischnationaler Politik nichts zu tun haben wollen. Die am nationalen;: zionistischen Programm festhaltende -Studentenschaft und Bürgerschaft wird Ge* JUIIC Das weltberühmte Kölnischwasser Oberall erhHItlloh Union der Zionisten*Revisionisten Mittwoch, 1«. 0«i«mb«r 1991, l/,9 Uhr abends im Hersl-saal des Verbands« heims, II., Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: B. J. Berdyczewski zum zehnten Todestag Referent: Dr. David Rotblum Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache! legenheit nehmen, ihre Stellung vor der OÖffentlichkeit zu präzisieren. Diese Stellung muß und wird sich grund* sätzlich von der des Landeskömitees unterscheiden. Resolution zum Studentenrecht In seiner Generalversammlung am 3. d. M. faßte der zionistisch-revisionistische Studentenklub einstimmig folgende Resolution: Der zionistisch-revisionistische Studentenklub, als derzeit stärkste zionistische Hochschülergruppe Oesterreichs, tritt unter Voraussetzung der Gleichberechtigung aller Nationen für die Bildung einer jüdischen Studentennation an den Wiener Hochschulen ein. Rund um den moslemifisdien Weltkongreß Die Opposition gegen dien Mufti — Die mohammedanischen Länder und der Kongreß — Stellungnahme der Türkei und der englischen Regierung — Schaükat Alis Herausforderung Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist Schaükat Ali, der indische .Moslemführer, in Begleitung seines Sohne und des Scheichs Taftazni aus Kairo kommend, in Jerusalem eingetroffen, um hier dem moslemiti« sehen Kongreß beizuwohnen. Schaükat Ali wurde vom G r o ß rn^uf t i empfangen, während das Mitglied der Opposition gegen den Mufti Fakri N a s c h a s c h i b i, der Bürgermeister von Jerusalem, den Scheich empfing. Dieses getrennte Auftreten hat seinen guten Grund. Es besteht nämlich gegen den vom Mufti einberufenen Kongreß eine scharfe Opposition, die sich sogar in die jüdische Oeffentlichkcit geflüchtet hat. Diese Opposition behauptet der J. T. A. gegenüber folgendes: Der Großmufti hat alle von der Opposition gemachten Vorschläge abgelehnt, darunter die Fordes rung, daß eine autoritative Körperschaft in Palästina die moslemitischen' Delegierten wähle und daß so die auf dem Kongreß teilnehmenden palästinensischen Vertreter keine Auibrlsatipn besitzen. , . . Diese Proklamation/' ist', „Von 50 moslemitisch'en;' Notabein Palästinas 1^gezelchn&'t, darunter ' von. Abdul; Rahman R a h g i, Mitglied des' Obersten Religiöseng Rats'; Ragheb Bey N a s c h a s e'K'i b i, Bürgermeister von Jeru« salem, Omar AI B e i t a r, Mitglied der palästinensisch« arabischen Exekutive, vom Bürgermeister von Ramleh, von rjehin, vom Präsidenten t der arabischen Handels« kammer in Jaffa u. a. Denr Mufti wird ferner vor« geworfen, er habe widerrechtlich Einladungen im Namen des Obersten Moslemitischen Rats ausgeschickt, obwohl dieser die Einberufung. eines solchen Kongresses nicht beschlossen habe, er habe Ankündigungen im Namen j eines Organisationskomitees ausgeschickt, von dessen .Existenz die arabischen Moslems nicht wissen, und ohne. Erlaubnis Namen daruntergesetzt, und ähnliche Be« schwerden. Im übrigen drückt die Opposition ihre Meinung dahin aus, das der Kongreß erfolglos bleiben müsse! Der Mufti hinwiederum behauptet in einem Inter* view mit der in Kairo erscheinenden „A e g y p t i e n G a z e 11 e", daß die Opposition nur i Prozent .betrage. Das Blatt selbst aber lenkt die Aufmerksamkeit seiner Leser auf die Tatsache, daß dieser Opposition die oben genannten Persönlichkeiten angehören. Die WahabURegierung hat durch ihren Kriegs* minister des Hedschas Jamal Ei Gazzi Pascha in dem Beiruter Blatt „AI Ära" ihre Ansicht über den Kongreß bekanntgegeben, wonach der Minister der Ansicht ist, daß der Kongreß in einem unabhängigen niohäm* njedanis.chen Staat wie etwa dem Hedschas hätte statt« finden müssen. König I b n Saud würde gern einen Kongreß in Mekka sehen, beabsichtige aber nicht, bald einen solchen einzuberufen. Die Hedschas*Nedschd* Legation in Kairo hat kundgetan, daß die Regierung des Hedschas keine Delegierten nach Jerusalem gesandt habe. Der Kongreß war auch Gegenstand einer Inter* pellation im türkischen Parlament, die der Außenminister Tewfik Rustu Bey beantwortete." Nach' seiner Erklärung babe~ die türkische Regierung sofort nach Kenntnisnahme einen Kontakt mit den interessierten Regierungen hergestellt. Großbritannien habe ge* antwortet, daß es den Kongreß nicht unterstütze und daß Fragen, die türkische Interessen tangieren können, genau so wie die Frage des Kalifats am. Kongreß nicht be* handelt werden würden. Das Resultat freundschaftlicher Unterhandlungen mit den Regierungen Persiens, Afghanistans, Albaniens und des Hedschas habe ergeben, daß diese Länder in keinerlei Form an dem Kongreß teilnehmen würden. Irak und A e g-y p t e n haben ebenfalls geantwortet, sie würden offiziell auf dem Kongreßnicht vertreten sein, daß aber Privatpersonen an ihm teilnehmen dürfen. Die Türkei selbst habe , eine Einladung zum Kongreß erhalten, könne aber angesichts dessen,;, / ., daß der Kongreß im Gegensatz zur Zivilisation und zum Fortschritt stehe, daran nicht teilnehmen. Der Kongreß werde wohl nur lokalen und begrenzten Charakter tragen. Beim Eintreffen Schaükat Alis und seiner Genossen in Jerusalem hielt der Gr oßmufti alle Pressever« treter mit;Ausnahme der moslemitischen und der ihm freundlichen von den Ankömmlingen fern. Sogar der wohlbekannte ägyptisch*mpsl emitische Publizist Drasny (Vertreter eines türkischen Blattes) wurde nicht zu* gelassen. Ein paar e nigl-i s ch e, Zeitungsvertreter wurden zur formellen Kongreßeröffnung, zu den in der Omar« Moschee selbst stattfindenden Verhandlungen nur mosle* mitische eingeladen. Schaükat Ali hat im übrigen während seiner An* Wesenheit in Kairo dem Blatt „Bourse Aegyptienne" ein -■\ Interview, gewährt,. .in dem er über die Ziele des. Kon* gresses und den Zionismus spricht. Er sagte: „Die Hauptaufgabe ist, die mosleniitische Welt vor der Gefahr d,er europäischen Kultur zu warnen, die unsere Jugend verwirrt. Der Kongreß wird, sich ferner mit der Frage der heiligen moslemitischen ^Stätten in Palästina befassen und Jerusalem zum heiligen Zentrum für die Moslems bestimmen. Die projektierte moslemitische Universität in Jerusalem ist eine Notwendigkeit der Stunde. Die Balfour*Deklaration bedeutet für uns nichts. . Wir haben sie nie akzeptiert und werden sie nie akzeptieren. Die jüdische Einwanderung nach Pa* lästina muß eingestellt werden, um die Arbeitslosig* keit im Lande hintanzubalten. Und wenn gegen unsere Forderung die. jüdische Immigration fortgeführt werden , sollte, so werden wir den Weg finden für die Organi« sierung einer moslemitischen Immigration und wir werden dann sehen, wer gewinnt." Ueber die moslemitische Konferenz in Jerusalem selbst liegen bisher keine Nachrichten vor. . * Der sogenannte „Weltkongreß" eröffnet Am Sonntag, den 6. Dezember, abends, wurde der vom Groß * Mufti von Jerusalem einberufene Welt« kongreß der Moslems eröffnet. Es-zeigte sich sofort, daß •man keineswegs von einem eigentlichen „W e 11 k o n« greß" sprechen könne, da sich nur Delegierte aus den

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