Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 220 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ffr. 220 DIE NEUE WELT Seftef mit größter Besorgnis. Hat man früher den Zionismus als den „Feind" angesehen, so sieht man heute die größte Gefahr anderswo. Man wäre eigentlich schon zufrieden, wenn die Jugend beim bösen Zionismus bliebe! Das Frankfurter Organ der Agudah beschreibt die verhängnisvolle Entwicklung der ostjüdischen Jugend, auf die man in orthodoxen Kreisen große Hoffnungen gesetzt hatte. Die Söhne der Eingewanderten wurden entweder ganz indifferent und verkamen oft in moralischer und sittlicher Hinsicht, oder sie wurden von z i o n i s t u sehen Bünden erfaßt, die in religiöser Hinsicht gewaltiges Unheil anrichteten. Alles Religiöse im Eltern* haus und in der Schule wurde ihnen zuwider. Heute zweifeln auch sie an der Zukunft des Zio* nismus und wenden sich dem Kommuni s* m e s z a. Die Gefahr, die hier für die ganze deutsche Ortnodoxie droht, ist gar nicht abzusehen. Schon heute versucht man, unter geschickter Benützung sozialer und wirtschaftlicher Momente, überall in der Jugend für den K o m munismus propagandistisch zu wirken. Die wirtschaftliche LaT,i: tind soziale Ungerechtigkeiten gewisser orthodoxer Arbeitgeber tragen sehr vic! ,ur 'Verschilriupjr der Lage bei. * Die Warnungen Weizmanns und die frommen Klagen der Agudah werden nichts nützen, wenn nicht der Jugend eine Idee gegeben wird, die sie beim Judentum festzuhalten vermag. Das ist einzig und allein die Idee Theodor Herzls vom Judenstaat, in deren Dienst der ZionismussRevisionismus wirkt. Berlin. Die Revisionisten Berlins treffen sich jeden Dienstag ab 8 Uhr abends im Cafe Tels c Ii o w (1. Etage), Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Revisionisten werden auf diesen Stammtisch aufmerksam gemacht. Britto TrurapeJdor. Berlla. Am Mittwoch, den 9. Dezember, findet in den Haberland-Fcstsälen. Neue FrledHchstraBe 35. und am Donnerstag:, den 10. Dezember, im Loxenhaus. Kleiststraße 10. die Clianukka- Feier des Bethar Berlin statt. Das Interessanteste im Programm verspricht die Aufführung des Schausoiels ..Die Makkabäcr" von Otto Ludwin zu werden, das bemerkenswerte und aufschlußreiche Parallelen zu unserer heutigen politischen Situation «restattet. Karten im Vorverkauf zu 30 und 40 Pf. (Jugendliche) und 60 und 80 Pf. (Erwachsene) sind durch alle Betharim erhältlich. Frankfurt a. M. Revisionistische Juj?ends:ruppe .,H e r z 1 i a h". Vom 25. bis 27. Dezember 1. J. findet eine Wanderung nach Mannheim statt, verbunden mit einem Treffen der zionistischen Jugend. Anschließend Wanderung nach Heidelberg. Gäste sind herzlichst willkommen! Jedoch muG Anmeldung vorher erfolgen bei: Oskar Dzialovski. Frankensteinerstraße 1. Frankfurt am Main. Die revisionistische Ortsgruppe gibt für ihre Mitglieder ein Mitteilungsblatt heraus, welches für die interne Arbeit der Gruppe bestimmt ist. Die leUfe Nummer ist vorwegs der Neuregistrlerung der Mitglieder gewidmet, welche nach dem Austritt der Revisionisten aus der Z. V. f. D. in allen revisonistischen Ortsgruppen durchgeführt wird. — S t e r b e f a 11. Der Vater des Gg. und Rosch Snfffs des Frankfurter Brlth Trumoeldor, Marcus Schimmel, verschied In der Vorwoche Beide Organisationen drücken ihm auch auf diesem Wege tiefempfundenes Mitgefühl aus. — Neue Mitglieder. Die Vorträge, welche Herr Lichtheim in der Vorwoche in Frankfurt hielt. hjnterlieGen einen mächtigen Eindruck. Der revisionistischen Organisation sind als Folge dieser Vorträge u. a. die Herren Dr. Kurt Bruck und ChaJim Neumann beigetreten. Berlin. Beth Am. KurfQrstendamm 61. Am 5. Dezember findet im Beth Am. Kurfürstendamm 61. eine gr'oße Chanukka-Feier statt, bei welcher u. a. mitwirken werden: Frau Mathilde Torczyner (Klavier): Josef Golland (Gesang): Leo Ahronson (Cello): Hanna Goldsteln (Jüdische Tänze). Karten Im Vorverkauf Im Beth Am. Koschere, schmackhafte Gedecke (vier Gänge) bloß M. 1 im Beth Am. Chemnitz..Nach langen Bemühungen .Ist es Herrn J. Klinger gelungen, eine Gruppe von Männern zu gewinnen, welche nunmehr darangeht, die revisionistische Ortsgruppe in Chemnitz zu konstituieren. Die nächsten Wochen werden ganz diesen Fragen gewidmet. Die Vorbereitungen Hegen in den Händen des Herrn Klinger. Das Vorbereitungskomitee hält allwöchentlich Sitzungen ab. Heldelberg. Im November fanden drei gemeinsame Abende, veranstaltet von den Revisionisten gemeinsam mit dem K. .1. V.. statt, bei-welchem A. Rafallowitsch Ober ..Das Wesen und die Mittel der Jüdischen Politik" referierte. An die Referate schloß sfeh eine rege Diskussion an. die viel zur K!«rung revisionistischer Programmpunkte beigetragen hat. — Am 34. November fand ein kontradiktorischer Abend zwischen A. Rafailowltscb und Ref. Auerbacher (Ludwieshafen) statt, der das Thema ..Philanthropischer oder oo Ii tisch er Zionismus?" behandelte. Der Abend war ein «roßer Erfolg für die revisionistische Idee. — Die nächste Versammlung findet anfangs Dezember statt, bei welcher A. Rafailowitsch über ..Die Zukunft der Juden" sprechen wird. Leipzig. Im Rahmen der Neuregistrierung der Mitglieder der revisionistischen Organisation wurde von der Ortsgruppenleitung ein Rundschreiben an sämtliche Mitglieder erlassen, in welchem eingehend über die Bedeutung der Zugehörigkeit znr Revisionistischen Organisation und den daraus folgenden Pflichten gesprochen wird. Die Neuregistrierung soll bloß diejenigen Mitglieder erfassen, welche zur Arbeit bereit sind. Aus diesem Kern soll künftighin die Ortsgruppenführung gewählt werden, welcher es obliegen wird, alle Aktionen und Arbelten, sowohl lokaler als auch allgemein revisionistischer Natur, zn überwachen und durchzuführen. Darf ein Zioni'§t Mitglied der »Ge§erd« sein s Von J. Klinow (Berlin) „Geserd" ist die Abkürzung für „Gesell» schaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerkes in Sowjetrußland". „Geserd" wird von Moskau erhalten und arbeitet stark unter den Juden in Deutschland. Auch in Oesterreich wurden Versuche unternommen. Bis jetzt ohne Erfolg. In einer zionistischen Ortsgruppe Deutschlands wurde ein Beschluß gefaßt, ein Mitglied derselben wegen seiner Zugehörig» keit zur Geserd*Organisation a u s z u» zuschließen. Dieses Mitglied erhob je» doch gegen ein solches Vorhaben Protest und erklärte, daß er das Eintreten für eine Kolo» nisation der Juden in Rußland durchaus vereinbar mit seiner zionistischen Welt» anschauung hält. Die Z. V. f. D. hat bisnun noch keinen endgültigen Beschluß hierüber gefaßt. Darf sich ein Zionist aktiv an der Arbeit der „Geserd" beteiligen? Die Frage der Beziehungen des Weltjudentums zu den Organisationen, die sich mit der Aufbauarbeit in Sowjetrußland beschäftigen, wurde aktuell, als der amerikanisch-jüdische „J o i n t" einen Teil der Kolonisationstätigkeit für die Juden in der Sowjet» republik übernommen hatte und an das ganze amerika» irische Judentum um Hilfe appellierte. Die Frage ist im positiven Sinne gelöst worden — und auch Zionisten haben sich beteiligt und beteiligen sich noch heute an der JointaKampagne. Eine Zeitlang führte der Joint eine Kampagne gemeinsam mit anderen Organisationen« auch mit der zionistischen, aus der die Gelder für Sowjet* rußland, Osteuropa und Palästina bezogen wurden. Trotz einiger problematischer Momente unterliegt es keinem Zweifel, daß der Joint als jüdische Körperschaft wirklich neutral ist, keine politischen Zwecke anstrebt and dem sowjetrussischen Judentum nur praktische, produktive Hilfe leisten will. Ganz anders liegen die Verhältnisse in der „Geserd", in dieser sowjetischen Organisation, die offiziell auch die „gesellschaftliche" Mitwirkung bei der Produktivierung jüdischer Massen in Rußland zum Zweck hat Ich sage „offiziell" — denn in der Wirklichkeit war die „Geserd" von Anfang an eine Körperschaft, die auch einen politischen Charakter trägt, und weit davon entfernt ist, Neutralität in den Fragen des jüdischen Lebens zu bewahren. Ihre aggressiven, antizios nistischen Tendenzen versuchte zwar die „Geserd" in der ersten Zeit zu vertuschen, sie waren aber für alle offensichtlich. Besonders in Sowjetrußland selbst. Die „Geserd", die anfangs sehr schwach fundiert und bestrebt war, die Unterstützung a u s 1 ä n* d i s c h e r Kreise zu gewinnen, konnte natürlich die Tatsache ihrer faktischen kommunistischan Partei* einstellung im Ausland nicht gut verantworten. Um die Verdächtigung kommunistischer Parteinahme zu beseitigen, wurde auf einem Delegiertentag der „Geserd" vor fünf Jahren, im Jahre 1926, eine Entschließung folgenden Inhalts angenommen: „Der Delegiertentag stellt fest, daß die »Geserd' als unparteiische Organisation es nicht als ihre Aufgabe betrachtet, den Zionismus zu be* kämpfen. Die Funktion des Kampfes gegen den Zio« nismus gehört nicht zu dem Aufgabenkreis der ,Geserd'." (Kommunistische Zeitung „Oktober", Minsk, Nr. 279.) Diese Resolution, die den Zweck hatte, für eine Weile die jüdische Oeffehtlichkeit des Auslandes zu täuschen, blieb aber nur eine Episode in der Ge* schichte der „Geserd". Die „Geserd" selbst mußte bald darauf einen scharfen Kampf in ihren eigenen Reihen führen, als sie beschuldigt wurde, nicht offen genug — gegen die „chauvinistisch«zionistischen Aspirationen" eingestellt zu sein. Es wurde in Rußland eine Richtung eingeschlagen, die es der „Geserd" nicht mehr ermöglichte, auch nur äußerlich auf das jüdische Ausland Rücksicht zu nehmen. Zionisten wurden in Rußland immer heftiger verfolgt. Auch die produktiven zionistischen Elemente, auch diejenigen Gruppen, die chaluzische Siedlungen in der Krim aufs gebaut haben, wurden verfolgt, verhaftet und nur um ihrer Gesinnung willen aus den Kolonien vertrieben. So wurde die chaluzische Kolonie „Tel Chaj" aufgelöst, die zionistischen Siedler wurden auss gerottet. Ihren Platz nahmen kommunistische Kolonisten ein, auch der Name „Tel Chaj" wurde in „Oktober" um« geändert. Das gleiche Schicksal ereilte die chaluzische Kolonie der Krim „Mahjan' wie auch andere zwei chalu« zische Siedlungen. Unter solchen Umständen hielt es die „Geserd" nicht mehr für nötig, die Maske der unpar» teiischen Einstellung weiterhin zu tragen. Und so geschah es, daß nach den unglücklichen Ereignissen in Palästina im Jahre 1929 ausgerechnet die „Geserd" es für zwecks mäßig hielt, folgende Resolution zu. proklamieren: „Die jüdischen arbeitenden Massen außerhalb Pälä* stinas haben jetzt die Möglichkeit, aus den blutigen Ereignisse Palästinas , wieder.,zu. ^men, -wieweit die zionistische Politik „schädlich, für die jüdischen Massen ist, die zur Kolonisierung eines von den Arabern besetzten Landes geworben werden.' (Beschluß der „Geserd", jüdisch*kommunistische Zeitung „Emess", Nr. 224 vom 28. September 1950.) Diese Resolution spricht eine deutliche Sprache. Die „Geserd" wagte es, offen gegen den Zionismus zu hetzen, den sie als schädlich proklamiert. Und auch weiterhin betonte die „Geserd" bei jeder Gelegenheit, daß es eigentlich ihre Aufgabe ist, auf ihrem Gebiet die Ziele und Direktiven von der Korns munistischen Partei durchzuführen. Um diesen Punkt drehten sich auch alle Verhandlungen auf dem Dele« giertentag der „Geserd" im Dezember 1930, wo folgender Beschluß gefaßt wurde: „Die ,Geserd' ist in eine internationale Massens gesellschaft arbeitender Elemente mit einem festen pro-, letarischen Kern verwandelt worden, die durch ihre praktische, organisatorische und operative Arbeit bei der Verwirklichung der nationalen Politik der Partei in bezug auf die jüdischen Massen mitwirkt, den Kampf gegen den jüdischen Nationalismus und Antis semitismus führt, der Durchführung der allgemeinen Aufgaben der Partei in ihrer sozialistischen Aufbauarbeit hilft." („Emess" Nr. 19 vom 27. Jänner 1931.) So lauten die authentischen Dokumente der „Geserd" selbst Letztens, das muß zugegeben werden, bemühen sich die „Geserd"* Vertreter auch im Ausland nicht, ihre antizionistischen Bestrebungen zu leugnen. Gerade im Ausland sind die „Geserd"-Filialen in antizionistische Agenturen verwandelt worden. Wer die Arbeit des „Geserd"*Vertreters in Deutschland, Herrn Heller, verfolgt, der kann sich eine genaue Vorstel* hing über die „Geserd'VTätigkeit machen. Kann also ein Zionjst in einer solchen Situation Mitglied der „Geserd" sein? Die Antwort wird lauten: Will jemand an der jüdi* sehen Aufbauarbeit in Sowjetrußland mitarbeiten, hat er genügend Möglichkeiten dazu und muß nicht unbedingt in einen Konflikt mit seinem zionistischen Gewissen geraten. Der Joint investiert in Rußland jährlich ein Kapital von etwa einer Million Dollar, das sind zwanzig Millionen Rubel. Das amerikanische Judentum und unter ihnen die zionistischen Massen, die solche Summen bereitstellen, erfüllen in großem Maße ihre Pflichten dem russischen Judentum gegenüber, Das Ausmaß der „Geserd"*Arbeit, wenn man von ihrer politischen, kommunistischen Propagandatätigkeit und anti* zionistischen Aufgaben absieht, spielt im Vergleich zu den Joint*Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Auf* bauarbeit in Sowjetrußland eine viel geringere Rolle. Der gesamte Jahresetat der „Geserd" übersteigt kaum drei Millionen Rubel. Das ausländische Judentum trägt aber nicht nur, durch den Joint der Pro» duktivicrung der russischsjüdischen Massen bei. Juden in Europa sind in der Lage, ihren Beitrag zu dieser Aufbau« arbeit durch den „O r t" zu machen, der in Rußland tatkräftige Untertützung den jüdischen Siedlern und Hand» werkern leistet Wir Zionisten haben nicht immer Grund, von den allgemeinen Arbeitstendenzen des „Ort" begei» stert zu sein. Das ist aber ein Kapitel für sich. Daß aber der „Ort" keineswegs in Betreibung kommunisti» 8 eher Propaganda verdächtigt werden kann, unterliegt keinem Zweifel. Außer dem „Ort" leistet be» Allgemein« Versicherung*» Gesellschaft »Phönix« Zusammenschluß von „Phönix" „Wiener" * Gegründet 1860 ■ Gegründet 1881 und ff Providentia Gegründet 1898 Direktion und Generalrepräsentanz: II 1 Wien IX. Otto-Wagner-Platz 5 / Alserpla» 3 Telephon: B-43-5-80 Serie Uebernahme sämtlicher Schadenversicherungen zu den kulante*ten Bedingungen und, Prämien deutende sanitarshygienische Arbeit in Rußland auch die jüdische Gesellschaft „O s e", ferner hat es sich der Hilfs* verein der Deutschen Juden zur Aufgabe gemacht, Schulen für die jüdischen Kinder in den jüdischen Siedlungen Sowjetrußlands zu bauen l In ihrer jetzigen Form ist die „Geserd zweifelsohne als eine sowjetistische Agentur im.Aus* lande zu werten. Dabei soll aber nicht geleugnet werv den, daß die „Geserd" auch nützliche Arbeit leistet D*s ist so klar, für. jeden, daß auch Ni ch t zi oni s t en die Konsequenzen daraus ziehen müßten. Nichtzionisten, die aber keine Kommunisten sind. In den Ver« einigten Staaten von Amerika versuchten verschiedene jüdische linkssozialistische Gruppierungen ehrlich in der „Prokor", so lautet der Name der amerikanischen „Geserd"sGesellschaft, mitzuarbeiten. Aber auch die „Prokor" hat so offensichtlich ihre kommunistischen Tendenzen zum Ausdruck gebracht, daß auch die linke Gruppe der jüdischen Sozialisten (die Gruppe Jakob Levins, die aus. ehemaligen TerritorialistensSozialisten besteht) aus der „Prokor" ausgetreten ist. Die Juden, die Zionisten im Ausland sind wirklich und aufrichtig an dem jüdischen Sowjetproblem inter* essiert Es wird sicher in dieser Beziehung nicht weniger geleistet als für die polnischen oder rumänischen Juden. Die „Geserd" will aber nicht nur Aufbauarbeit, sondern auch Desorganisierung und Zerstörung der zionistischen Tätigkeit Dazu kann kein Zio* nist keine Hand reichen.. Wie man ein Visum nach Palästina bekommen kann -^r. Berlin. Wahrend die jüdische Welt über, .die fast vollkommene, Sperre-Palästinas für jüdische Einwanderung klagt, hat sich vor kurzem in Berlin Folgendes begeben; Ein I n g e n i e u r, Jude, deutscher Staatsangehöriger, wollte nach Palästina auswandern. Er begab sich zur britischen Gelandtschaft,'die ihm ohne weiteres ein -'Visum für-<ein Jahr -nach Palästina erteilte, ohne ihm das Recht auf Arbeit und Beschäftigung im Lande abzusprechen..Das Merkwürdige an.dem Vor-; fall ist die Tatsache, daß m der englischen Gesandtschaft der j ü d i s c h e Ingenieur für einen reichsdeutschen Nichtjuden gehalten würde, weil in .den Pässen die Zugehörigkeit zur Religion nicht angeführt wird. . Er. wurde weder aufgefordert, sich mit"einem Vermögen von Pfund. 1000 oder 500 auszuweisen, noch »durch ein Zertifikat der Jewish Agency. Er handelte völlig auf eigene Faust und erhielt unverzüglich das Visum für den Aufenthalt auf die Dauer ednes Jahres in Palästina. Intensive Bautätigkeit in Tel-Awiw Den Angaben der Technischen Abteilung der T e l- Awi.wer Stadtverwaltung zufolge. gab diese Abteilung wahrend der ersten zehn Monate 'des Jahres 1931 Bauerlaubnisse für 47.000 Quadratmeter Boden aus, während im Laufe des gesamten Jahres 1 93 0 die Gesamtfläche, für die Bauerlaubnisse erteilt wurden, nicht mehr als 44.000 Quadratmeter betrug. Entgegen der allgemeinen weit verbreiteten Annahme ist diese erhöhte Bautätigkeit nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, daß das Publikum nach dem Fall des Pfundes das,Vertrauen zu Papierwerten verloren hat; sie ist vielmehr in der Hauptsache eine Fort-, setzung der ständigen Zunahme der Bautätigkeit^ welche seit der Erholung von der Krise, die gegen Endo des Jahres 1925 begann und bis 1928 dauerte, 6tändig zu beobachten war. Die bebaute Bodenfläche betrug 1927: 12.720, 1928: 23.612, 1929: 28.710, 1930: 43.692 Quadratmeter. Die Erscheinung, daß die Baufläche im September 1931 um 30 Prozent größer war als im September 1930 kann auch nicht auf den Fall des Pfundes zurückgeführt werden, da der letztere erst a^i 21. September begann und in den letzteu Tagen des, September die Büros der Feiertage wegen geschlossen waren, ohne daß die Beamten des Departements in den dazwischen liegenden Arbeitstagen eine stärkere Arbeitsbelastung als sonst fühlten. Nach den Gesuchen zu urteilen, die Anfang November vorlagen, dürfte die Gesamtzahl am Binde des Jahres sich auf 53.000 Quadratmeter belaufen. Diese Zahl ist seit 1926 nicht mehr erreicht worden und wurde nur 1924 und 1925 übertreffen. Ein Faktor, der sicherlich auf die Zahl der Gesuche vor Ende des Jahres einwirken wird, ist das Eintreffen des Mucharem, des moslemitisohen „U m zieh tag es", der von den Tel'Awiwer Hausbesitzern noch innegehalten wird. In diesem Jahr wird Mucharem direkt nach Pessach sein und, jedes Jahr werden Bauten zu einem Zeitpunkt be-