Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 220 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 22Ö HEIRAT, Sache f&r «einen Schwager, Kaufmann tu Wien, mit «cnQnetn Detailgescblft und 3-Zimmer Wohnung, 39 f., Witwer alt UtMihtitm Maderl, passende Partie mit entsprechender Mitgift znr Erwelterting des Oeschlftes. Unt. „Ausf Start Ich 33107" an Annoncenexpedition Schalek, I., Wollzelle 11 die Juden Menscheublut zu rituellen Zwecken brauchen, daß es erst einer gerichtlichen Feststellung bedarf, um in dem vorliegenden Falle die Juden von der Schuld am Ritualmord zu befreien. So schreibt ein Blatt des Freunde* Masary/ks. * Von dieser Seite hat also der Ritualmord witternde Staatsanwalt nur Förderung zu' erwarten und von seiner vorgesetzten Behörde, dem Justizministerium, keine Störung. Trotzdem der sozialdemokratische Justizminister Dr. Meißner Jude ist — vielleicht weil er Jude ist. Der verstorbene Abgeordnete Dr. Ludwig Singer und jüdische Körperschaften hatten wiederholt beim . Justkminister Dr. Meißner gegen das parteiische Verhalten der Staatsanwaltschait und der Gerichtsbehörden Beschwerden erhoben und darauf hin- ' gewiesen, daß diese Stellen sehr bemüht sind, um Beweise für den Ritualmord zu beschaffen und Gegenbeweise unmöglich zu machen. Aber der jüdisch - sozialdemokratische Justizminister schweigt,, tut nichts____ '... < , - •* . , . Bezeichnend für den Geist, welcher heute in der Republik herrscht, ist eine Episode, welche sich in der slbwalcischen Hauptstadt Bratislava (Preßburg) abgespielt hat. Nach dem Prozeß gegen den vierfachen Judenmörder Horak, welcher mit einem unbegreiflichen Freispruch endete, berief die „Liga für Menschenrechte" eine Protestversammlung ein. Sie ,wandte sioh mit ihrer Einladung auch an ihre christlichen Mitglieder. Es war eine schöne Versammlung und es wurden schöne Reden gehalten. Wer aber War dort? Ein jüdisches Lokalblatt schrieb: „Was die Nationalität des erschienenen Publikums betrifft, so waren die Juden unter sich. Als ginge die Geschichte, wie die „Liga" überhaupt, nur die Juden an." Für ermordete Juden und gegen Judenmörder einzutreten, ist eben auch in Kreisen der Liga mit dem schönen' Namen keine Neigung vorhanden.' Und' das sind die „Freiheitlichen", die „Nic&tahtisemiten" in der Republik! Man kann unter solchen Umständen dem Verlauf und Resultat des neuesten Ritualmordprozesses nur mit Besorgnis entgegensehen. Trotzdem er sich im Lande des Judenfreundes Masaryk abspielt. Union der Zionismen- Reyjsionisten Mittwoch, 9. Dezember 1931, um 9 Ühi" abend» im H«rsl*»aal des Verbanasheirns, iL. Untere Äugärtenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Das Studentenrecht und der zionistische Student Redner: Ingenieur E. Buchbinder, Dr. D. Bukspan, N. Lubotzki, Dr. N. Samonsky Regiebeitrag ,20 g Freiö Aussprache i Eine anti'ziom'stisdie Kundgebung in London Ein Trfdt der anftöomstisdien Araber - Sdiauiat Ali wfBJ kefae „polnfsdien" Inden In Palästina — Sokolow« Erklärung — Die Resultate der Weizmannsdien Versiditspolilik Der geplanten a n t i z i o n i s tisch e n Kundgebung in London wurde.'die' Form einer Abschieds* fei er für die moslemischen Delegierten der In dien ««Konferenz gegeben. Durch diesen raffinierten Trick wurden Minister, Beamte und Paria* mentarier, die an einer deklarierton Kundgebung gegen den Zionismus und die Balfour*Deklaration nie teil» genommen hätten, genötigt, zu erscheinen und antizio* nistische Redet1 "Mderspruchsloi anzuhören. Aüs T. n wird gemeldet: Die von der britischen N n i » Liga für--den -November^" den Jahrestag d' aindung der -BalfoufsDeklaration,. nach der *. Alberl; M einberufene undy dann - zweimal ver» schdbene Massenkundgebung . für ' engHysch«möslemitische Freundschaft und gegen Ba 1 f oür« D e k 1 a r a t i o n und Jüdisches N a t i o n a 1 h e i m, in der'die Führer der Moslems und der englischen Antizionisten hätten sprechen sollen, wird nun nicht mehr stattfinden. An ihrer Stelle wurde am 2$ November im Hyde Park* Hotel den London verlassenden m o s 1 e m i t i s c h-e n, Delegierten der Indien-Konferenz ein A b s ch.iedsabend gegeben, dem etwä 450 Personen beiwohnten. Den Vorsitz führte Earl Howe, unter den Anwesenden bemerkte man den britischen Außenminister Sir John Simon, der bekanntlich Leiter der Simon« Das weltberühmte Kölnischwasser Überall erhältlich! Kommission in Indien war, den Unterstaatssekretär für die Kolonien, S.i » R obert Hamilton, das britische Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, Lord Lugard, den früheren Staatssekretär für Indien, Wedg* wood Ben.n, einige weitere hohe britische Beamte, eine Anzahl Gesandter und Geschäftsträger auswärtiger Regierungenund mehrere Mitglieder des Ober* uridrUnterhauses. . .. . Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete .„eine Ansprache, j$ ß$ a;u ka't A l i Steines, 4er prominentesten Führer der: indischen Mosl£m>., Schaukat,. Ali' degte; ein; Bekenntnis zum Frieden ab und sprach von seiner Ab« ' %L fi:<i^%f**-^LS^yAi:B^^&i<L sieht, nach Rom zV'^en^eh^'um 'äen^a-p'&'f'uh'd-'äen''^gt^en Mann Mussolini". zu sehen. Von Rom, sägte er, gehe ach nach Aegypten, von dort: i riäbh Palästina zu der großen Möslem*Kohferenz; 'Tel* gehe - nach Palästina, 'weil ich nicht' Will,' daß die arabische Sache' ü*brer B or d ' g e wo rf en-'*w i"r d^ ■ "v,"•" „Ich' war" —^ führte Schaukat Ali weiter aus1-, f- ,,gestern Abend, mit Herrn Nahüni Sokolow, 'dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, zusäm« meh und hatte mit ihm ein zweistündiges Gespräch, Ich fragte ihn: Was sind Ihre Absichten? Kommen Sie mit mir nach Palästina und stellen Sie Ihre Sache den dort zu der Konferenz versammelten Führern der Moslems dar. Wenn ihr in Palästina herrschen und den den Arabern gehörenden Boden aufkaufen wollt, so ist das nicht fair. Es ist unser heiliges Land. Kommen Sie nach Palästina, sagte ich dem zionistischen Führer, und klären Sie uns über Ihre Absichten auf. Wenn euch an m e i n e m. - .. W o Kl wo II e n - gelegen ist, .wa r u m wollt ihr dann 100.000 Menschen aus Polen ins Land bringen? Dort ist kein Platz für sie.": < . Es folgte eine Ansprache von Agha Khan, der die Friedensbereitschaft der Moslems beteuerte, aber die Palästina=Angelegenheit nicht streifte. Zenedine, der für die westlichen Araber sprach, erklärte, die palästinensischen Araber wünschen Frieden, aber nicht einen Frieden, der auf Ungerechtigkeit basiert. Die Araber wünschen, daß England die im Kriege mit ihnen geschlossenen Verträge, erfüllt und daß der Zioniss mus aufhört, eine politische Bewegung zu sein. Die Araber werden für Gerechtigkeit kämpfen, so* lange es noch einen Araber auf der Welt gibt. * Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Sokolow, teilte der Jüdischen Telegraphen^Agentur auf ihre Anfrage folgendes über sein Ge* sprach mit Schaukat Ali mit: „Im Verlauf meiner privaten Unterhaltung mit Schaukat Ali sagte mir dieser, ich möge mich nach Palästina begeben, um die zionistische Sache der Moslem =>'K onferenz darzulegen. Ich erwiderte, die Jewish Agency würde die Mög* lichkeit einer Round«Table*Konferenz jüdischer und arabischer Repräsentanten zur Erreichung einer freund« schaftlichen Verständigung nur begrüßen; eine solche "Konferenz müßte jedoch erst sorgfältig vorbereitet wer« den, und es müßten vorher Besprechungen zur Schäff u h g ' einer P 1 ä t t'f orra stattfinden. Das Erscheinen des P r äs i d'eh te ti 'd er J e wi s h Äg en cy Vor der Islam«Konferenz würde schwerlich eine geeignete.Vorbereitung zu »eider; Roünd*Table*Konferenz wsein:". C w tA' '.'. ":/ I 'i * 'J/ "J? " * r'/i'v' r. Däs' ist^die Frücht 'der vbh: Professor Weizmann jahrelang propagierten Politik des Verschweigens und Verzkhtens. Diese Politik, hat die an tizionistische H e t z e gewisser arabischer Führer nur: verstärkt, diese Führer .maßlos übermütig gemacht. Sie reden schon so, wie die Hakenkreuzler. in" Deutschland, v o n polni* sehen Juden, die,, nichts, in Palästina zu suchen h a b e n. Im'"Jüdischen Nationalheim. mm» üesterreidiBScfiei* Revisiönistenfag Am 28. November wurde der österreichische Revisionisten-Tag abgehalten. Es war eine m a c h t v o 11 e zdonistische Kundgebung. Die Masse der ereebienenen Mitglieder üiberfüilte die großen Säle des Verbandsheims. Die Tagung, welche den Aibschlüfi der Vereinigung des Verbandes deniokratischer Zionisten und der Union der Zionieten- Revdsionisten bildete, vereinigte junge Zionismen und alte Kämpfer aus der Zeit Herzls, Männer und Frauen, Arbeiter, Angestellte, KaufleUte und Akademiker. Sie bewies, daß die revisionistische Organisation die weitaus etänkste, und lebenskräftigste Oesterreichs ist. Die Idee Theodor. HenzJs hat sich als ewig juog erwiesen. ie lebende Menorah ' Von Awigdor Hameiri (Palästina) , Ich will diesmal versuchen, alles Literarische abzu» streifen, und die Dinge weitergeben, wie sie faktisch sind. Nicht, wie sie in den Zeitungen gebracht wurden. Nein. Die Zeitungen — haben gelogen, verdreht, ver« fälscht * Im Schützengraben geschah es. Im zweiten Kriegs« jähr, . Im. Winter. Zu jener Zeit begann schon die Bestie in Menschen* gestalt ihre Aufgabe zu erfüllen: morden, ihr Spiel treiben mit dein Leid dessen, was. Fleisch und Blut, nicht unter Zwang und nicht unter Kriegsgebot — nur. der Sache wegen: des Mordens selbst wegen, „des Rausches des Messers" wegen. „Um des Vergnügen« willen am Leiden unserer Mitmenschen." Und nicht zum Philosophieren, bemerke ich, auch nicht zum Literarisieren, nur zum Erklären; um etwas zu erklären: Warum der Oberleutnant Erich Stubna die ganze Zeit über erregt und zitternd herumgegangen ist, tun bei uns irgend eine Sünde aufzuspüren, irgend einen unglücklichen Sünder, und ihm eine exemplarische Strafe aufzuerlegen. Schon einige Monate herrscht Rohe zwischen den Fronten. Der Schnee bedeckt die ganze Landachalt in einer Höbe von zwei Meter, und es ist unmöglich, sich vom Ort zu rühren. Und in solch einer Stunde der Lang» weile — sacht der Oberleutnant Erich Stubna einen Fall. Und. es gibt keinen interessanteren Fall als den Schmerz des andern, der-im Weh sich windet. Man sagt, es ist Slawenart. Nicht gerade. , Es ist auch Magyarenart Und ich fürchte: vielleicht ist es aiU gemeine Menschenart Sei es wie immer, der letzte Befehl, der vom Generalieutnanat Ritter von Greulichen ergangen ist, war dem Oberleutnant Stubna sehr gelegen gekommen. Dieser Befehl war gegen die Ueberläufer an der Front gerichtet und er besagte: „Jeder, der einen Verräter beim Uebcrtritt ertappt, hat das Recht, diesen ohne Gericht mit jeder ihm gut dtinkenden Strafe und in jeder ihm gut dünkenden Form zu bestrafen. Ausgenommen ist die Todesstrafe, die in das Ressort des Militärgerichtes fällt44 Dieser Befehl flog dem Oberleutnant Erich Stubna wie ein Geschenk zu. „In der ihm gut dünkenden Form." Viele, vielfältige Formen hat der überkluge Teufel für uns geschaffen! „Jeder, der einen Verräter ertappt...4* Nichts Leichteres als das. Bitte. Jeden Tag kann man solch einen Verräter ertappen,— wenn man nur will. Und der Herr Oberleutnant wollte und fand. Fand — den Gefreiten Chaim Jossef Dovid. Chaim Jossef Dovid ist an und für sich ein lieb* licher Name. Hier kann man sich eindecken. Und in noch stärkerem Maße in ein so sonderbare» Geschöpf wie Chaim Jossef Dovid, einen Jeschiwah»Jünger, einen Welt* fernen von wunderlichem Gepräge,, der., tägtfdh in Tefillin betet an den Vorabenden in einem jüdischen Buch, liest, immer heiteren Gesichts und voll jener freudigen Hin* gebung der frühen Chxssidim. Diees heitere Gesicht hat dem Oberleutnant Stubna die Leber zerfressen,-wie. Säure, zerfressen, bis er auf einmal , an ihn herantrat und sagte: „Gefreiter Chaim Jossef Dovid, weshalb machst du immer ein fröhliches Gesicht? Glaubst du wirklich, daß der Krieg eine Spielerei ist? Wie? Was ist dein Idiotengesicht immer so heiter?'4 Und Chaim Jossef Dovid antwortete in einfachen Worten: „Wie soll ich nicht froh sein, hochwohlgeborener Herr? Ist doch dieser Krieg zu nichts anderem da, als um die Gottesgeschöpfe zu reinigen!" „Wieso zu reinigen?" fragte dieser mit einem wirk* liehen Idiotengesicht „Die Leiden reinigen den Menschen, hbchwohl* geborener Herr, Leiden reinigen, reinigen . . Der Oberleutnant verstand ihn auch nach dieser Auslegung nicht Aber er dachte sich in diesem Augen* ■blick irgend etwas;, dachte und murmelte den Gedanken mit leiser Stimme: „Ich werd' dich schon bald reinigen." Und sein tyrannisches Blut kochte schor in ihm, -ein angenehmes Brodeln r > und seine Hände zitterten schon vor erhabenem Vergnügen. ••— Und er sah schon; mit den Augen sah er — nein, nicht mit den Augen des Fleisches sah er, und auch wir sahen, wir sahen alle, mit gewöhnlichen Fleischesaugen sahen wir und fielen in eine leichte'Ohnmacht Ohn* mächt — und nichts mehr. Ohnmacht — aber wir bissen uns nicht ins Fleisch, wir; mordeten nicht einer den zweiten.und wurden auch nicht wahnsinnig. Nein.