Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 220 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'*'m°h>'bhon W tv, »en, i Preis 35 Groschen l*fcff§mi<j 5 Freftacj, den 4« Dttemhtr l#tl »*♦ 920 V.b. b. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S IJSO, vierteljahrig S430, gaazlährta S16.-;Polen[monatlich Zlotr2.-, vlertellährtR Zloty 6.- Tscliechoslowakrl monatlich Kc 6.-, vlerttHährig Kc 15.-; Juftoslawlen noiMtlfeh Dinar 14.-, v««rteliahrlR ^-';^^>>n iMnftlM Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Üentscnr.iid monatlich Mark vierteWhrig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, »lertejllhrig Lewa 1»!-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel, (Ihrig Schweizer Franca 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wen IX, VnwersiicHtttr. 6-8, Jet. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Zur Tragödie in der Familie HerzI (se<»e3> Vernand demokratischer Zlonlsten Union der ZIonlsten-Revislon sten Am 6. Dezember, Vt9 Uhr abends, im Verbandshelm, I!., Untere «Augartenstraße?8 Große Mak k abäer 4 eier Festredner : Abgeordneter Dr* Julius Reist (Bratislava) Mitglied des tschechoslowakischen Parlaments Mitwirkende: Oberkantor Oersoit Margulies / Oskar. Teller " ■' " ■ 1 ' 1 Rinhe'tlicher Re-ipbeitrag S 1.— Tage der Makkabäer Gedenken Z» P. Chajes' Gerade in den Tagen;,— wo , wir jüdischer Kämpfer und Helden gedenken, wo einer der ruhmvollsten Zeitabschnitte ., in unser Gesichtsfeld rückt, in den Chanukatagen des Jahres 5692, drängt sich die Besinnung auf unser Volksschidcsal wuchtiger auf, als es der kalendarisdie Anlaß allein vermöchte. Während in zahlreidien vorangegangenen Jahren der Glanz der Ghanukalichter auf eine Gememsdiaft fiel, deren Wort und Haltung den Charakter zurückblickender Betrachtung tragen konnten, zwängt uns die gegenwärtige Epoche der Ersdhütterunig, der Not, der Risse,- die durch das jüdische Volk gehen, in andere Stimmung. Zum Stolz über die Männer, die aus der Nacht des Untergangs in das Morgenrot der Freiheit führten, gesellt sich uns heute die bange Sorge um das Geschlecht unserer Zeit— Bangigkeit und Betrübnis in der Woche der Ghanukalichter, - '> :Und sonderbar! Diesmal müssen wir Juden in Wien noch eines anderen jüdischen Marines geden- ,ken,:der.-im Kleide sittlich-geistigen Fiihrertums neuzei 11 ichen Makkabäergeist predigte, jenes uns; so .schmerzhaft früh entrissenen Zwi Perez Ch aj e s.. .:; Zwi Perez Chajes sprach vor zehn Jahren, am 28. Dezember 1921, bei einer Makkabäerfeier zu den Wiener Juden. Dem Mann, dem die Führung der großen jüdischen Gemeinde Wien anvertraut war, "fiel es nicht ein, uns lhiit der hergebrachten Schablone eines Festr/ednertums ins selbstzufriedene Gedenken 1 einer großen Ve rg an g e n h ei t einzulullen, 'nein —'- Chajes zeigte im" historischen Spiegel die politische Aufgabe des jüdischen V ol tes für'dieJ Zukunft.'Der Oberrabbinervon Wien'hielt eine politische Rede, eine nationale Rede. i ■' - Ein Jahr vorher hatte;es in Palästina blutige Unruhen gegeben — mit jüdischen Opfern. > Die politische Situation. des jüdischen Palästina war ' ebensosehr; gefährdet wie heute; auch damals gab; es bereits Kleinmut, Selbstbegnügen, Zufriedenheit mit den kleineu „Geschenken". Chajes gab das große Ziel nicht auf. Von der Tribüne herab warf er vor taufenden Juden die Worte in den Saal: „Juda Makkabi zeigte den seltenen Fall, daß ein tüchtiger Feldherr auch ein guter Politiker sein kann. Wenn er auch Verträge schloß, sich mit diesem und jenem verband, eo blieb doch das Ziel: die jüdische So u v e r ä >n i t ä t, im Mittelpunkt seines Handelns." Die Rede Chajes' war nidit Reflex verschwommenen Wollens, diplomatischer Floskeln, der auch im Zionismus so beliebt gewordenen Versdileierungsmethoden. Palästina muß ein Land mit jüdischer Mehrheit werden, ein Judenstaat", sagte Chajes, und den Leuten, die hinter den Arabern stehen, rief er zu: „Wir sind kein Volk von Heuchlern. Fraget unsere Geschichte,, die Bücher der Makkabäer und' Josephus Flavhis." r "'Diese Wörte werden vor1 zehn' Jähren' gesprov ch^j in der :vMakkabäerwo Bei Erkältungskrankheiten/ rheumatischen, gichtiechen Und nervösen Schmerzen sind Togal-Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. Fragen Sie Ihren Arzt. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. BEILAGE FÜR DEUTSCHLAND (Seite 6)_ für die ganze Welt. Wieder stehen wir vor dem Lichtzünden. Die Gebeine der Makkabäer sind eingebettet im Lande Israels, dort wo wir wieder einmal stehen in sdiwerer, verantwortungsvoller Entscheidung. Chajes ist tot, seine Worte sollen lebendig bleiben. Was vor zehn Jahren nottat, die Besinnung auf das Ziel vom Judenstaat, auf die Politik der Makkabäer, tritt heute nicht minder gebieterisdi an uns heran: Das vom großen Enkel der Makkabäer, von Zwi Perez Chajes, verkündete Ziel: Palästina ein Land mit jüdischer Mehrheit, ein Judenstaat. In diesem Sinne begehen wir i das Fest Chanuka, gedenken wir des großen Zwi Perez Chajes, den uns Aev Tod vpr.v vier Jahrenr,nm die Zeit des j^akkabäerfestes entrissen hat». > Die neueste MM In der Republik des Judenfreundes Masaryk — Das Organ des Präsidenten; hetjt — Der Staatsanwalt schürt/ sein Chef, der Jüdische fustizminister, schweigt — Die „Liga für Menschenrechte" Als im alten Oesterreich eine mäditige, von hohen Behörden geförderte Antisemitenclique den Ritual, raordprozcfi von P o 1 n a in Szene setzte, stand der damalige österreichisdie Abgeordnete Masaryk auf, von einer wilden Meute umtobt und bedroht, und begann einen heldenhaften Kampf gegen die antisemitische Blutlüge und gegen die hochgestellten Hetzer und Lügner. Dann zog Masaryk, vorn Segen der Juden begleitet, aus, um seiner tschechischen Nation das Selbstbestimraungsrecht zu erringen, und heute ist er Präsident der tschechischen Republik. Und die grausame Ironie der Gesdiichte fügt es, daß in seiner Republik die gleiche Hetze tobt, die er im alten Oesterreich so mannhaft bekämpfte, in seinem Namen Behörden, Parteien und Regierungsorgane das tan, was einst im Namen des Kaisers getan und von Masaryk als Jüstizschande gebrandmarkt wurde! ' * Aus Prag wird gemeldet: „In dem seit Oktober 1930 im Zuge befindlidien Blutritualprozeß von Simera, der in informierten Kreisen bereits als niedergeschlagen angesehen wurde, ist eine neue Wendung eingetreten: Die Handelsagenten Lieb ermann und Steinberger waren augeklagt, am 23. März 1930 bei S z e m e r e (Simera) dem Knaben Vasil Kost und der Sdiülerin Bogdan mit einer Injektionsnadel Blut entnommen und ihnen hiefür 50 Heller gegeben zu haben. Das .Blut, so hieß es schon im Gendarmeriebericht, hatten die Juden zu rituellen'Zwecken gebraucht. Bei. der letzten Verhandlung am 14. . November 1930 erklärten die Kinder, die Angeklagten nie gesehen zu haben;, der Knabe erzählte, daß er sich an einer Glasscherbe geschnitten habe, das Mädchen, daß es sich selbst die Verletzung, die tatsödili ' vorhanden war, mft einem Stuck H ol z beigebracht habe. Bei der jetzt vor dem Kaschauer Gericht abge«; haltenen neuerlichen Verhandlung dehnte der S t a a t s a u w a 11 trotz dieser Sachlage die Anklage ' auch ' auf den bisherigen Zeugen Jakob Weiß und Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh* liehen Notizen stad durch ein beigefügtes £ bezeichnet auf den Bruder des Liebermann aus. so daÄ bereits vier Personen unter Anklage stehen. Gleidizeitig wurde vom Staatsanwalt die Ladung neuer Belastungszeugen beantragt und die neuerlidie Vertagung der Verhandlung gefordert. Die Verteidigung protestierte gegen systematische Versdileppung des bereits politisch-tendenziös ausgenützten Prozesses durdi die Staatsanwaltschaft und forderte sofortige Einvernahme von medizinischen Saeh verstand ig e n^ Das Gericht aber ging über die Anträge der Verteidigung hinweg und vertagte die Verhandlung. Sie soll im Dezember fortgesetzt werden. Inzwischen zieht die Ritualmordlüge immer weitere Kreise. * Es verdient festgehalten zu werden, welche Rolle der Staatsanwalt und seine vorgesetzte Behörde, das Justizministerium in Prag, in der Angelegenheit spielen. Die Anzeige gegen die Juden wurde seinerzeit von einer ortsbekannten Antisemitin, der magyarischen Lehrerin Aranka Szöke, erstattet Als dann der Schuldirektor M. Pazuchonik, welcher die Kinder eingehend verhört hatte, die Anzeige als boshaftes Machwerk bezeichnete und die halbamtlidic Zeitung „Uj közlöny" hierüber berichtete, erhob die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen den Schuldirektor und den Redakteur. Die antisemitisdieu Zeitungen aber durften ruhig über den „erwiesenen" Ritualmord sdirei. ben, und blieben vom Staatsanwalt unbehelligt Die Staatsanwaltsdiaft darf sich das erlauben, denn sie fühlt sich der Gunst hoher Stellen sicher. Schreibt dodi die Prager Zeitung „Ceske stowo" jetzt über den Prozeß: : „Der Fall, der auch im Ausland beträchtliches Aufsehen erregte und bei welchem sich neuerlich die •:■ Frage aufwirft, ob nicht irgendwelche jüdische Sekten " Menschen blut zu ..irgendwelchen religiösen Zwecken ver« w e n d e n, wurde genau untersucht rund schon einige Male vor Gericht behandelt, ohne daß man zu einem Ende gekommen wäre." Das Blatt ist Organ des" tschechischen Außenministers Benesch, des intimsten Freundes: und nächsten Mitarbeiters des Präsidenten Masaryk. Dieses Blatt gibt aiijo kund, daß es doch möglich ist, daß