Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 219 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. m ymi'iminffluiiiuiiuinwin »inWHinwMinnimtnnm»» SIEGM. KORNMEHLi dROSSFLllSCHHAUIRei Zentrale; IX., B<rgga«8e 19, Te'. A-17-3-W u. A« 16-9-34 Lieferant i Ii r Heilanstalten Abteilungen für «^»Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbtnats der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoaustollung kostonlos IX.« Bttggaise 15 ✓ XVIII., W8hrlngor*tr. »7 ji?Vtimrmi»mimnmiinn«»niMtiiiitrimtmtiimitmhnnmnitiMmBitiimni«imnmmii»iittm^ .BiiiiiinHii(iwmm«imitfiirfimi(iff«Htiftirti(rt»n:iHtii^ *ntimnmntm*>uitnnnftHnmwiS Dr. Cohn, da/für revanchiert sich hei ihnen das detitsche Volk jetzt mit gesellschaftlichem Boykott, wirtschaftlicher Vernichtung, 'brutalem Pogrom. Seht ihr, Deutsche mosaischer Konfession, all eure Anstrengungen, mit den Deutsehen Schulter an Schulter zu marschieren, haben etteli nichts genützt. Ihr habt dem deutschen Volk Kunst, Literatur, Wissenschaft geschenkt, restlose Hingalbe an das Vaterland, ihr habt durch Marx und Lassalle die proletarische Bewegung in Deutschland ins Leben gerufen — und der Dank? „Auf Dankbarkeit darf man nicht rechnen, nicht im Privatleben und nicht im Leben des Staates", ruft Dr. Cohn resigniert aus und kommt zu der Weisheit, die er an die Spitze seiner Betrachtung gesetzt hat: Jüdische Selbstbesinnung! Jüdische Selbstbesinnung, jene moralische, geistige und politische Haltung also, die in der zionistischen Lehre verankert ist! Bravo, Dr. Cohn! Aiber zu früh gejubelt. Die jüdische Selbstbesinnung sieht bei Dr. Cohn etwas anders aus. Denn er kommt — Deutschland, erwache! — zu folgender Philosophie: „Aiber eines ist gewiß, wer da glaubt, daß das deutsche Judentum sich selbst aufgibt, würde einen schweren Irrtum begehen." Und weiter, die Hand auf der Brust: „Es wird sich nicht aufgeben . in seinem Deutsch t um." Das ist die jüdische Selbstbesinnung des Dr. Cohn nach dam Rezept: Jüdische Mitbürger, laßt euch an spucken, pogromieren, vernichten, verächtlich machen, aber bleibet Deutsche mosaischer Konfession! Unerquidclcdies Um den toten Lesser Ury Am Grabe des jüngst verstorbenen Malers Lesser Ury hielt der Präsident der Jüdischen Volkspartei Dr. Klee eine Rede, in welcher er von dem toten Künstler sagte: „Einer der größten jüdischen Künstler, dessen Z i o n s 1 i e b e ihn immer wieder zu höchstem Schaffen begeistert hat." Ueber diese „taktlose Partei, rede" erhoben die „Deutschen mosaischer Konfession" ein großes Geschrei. Sie protestierten dagegen, daß die Zionisten den Maler für ihre Partei reklamieren! Dabei war Dr. Klee wirklich berechtigt, Lesser Ury mit dem Zionismus in Verbindung zu bringen, denn der Verstora bene bewarb sich bei den Wahlen zur Berliner Juden« gemeinde im November 1930 auf der zionistischen Liste um ein Mandat. Das macht nichts aus, schreien die Herren Nichtzionisten, und in der Ber« liner ,Jü d ijs c h * 1 i b e r a 1 e n Zeitung" gibt ein Herr Hugo Wittenberg, Vorstand der Berliner B.sB.-Logen und Bekannter des Verstorbenen, folgende Auslassung zum Besten: „Ury stand allerdings bei den letzten Wahlen auf der Liste der Volkspartei. Aus welchem Grunde er sich da mit aufschreiben ließ, gebe ich hiedurch unter meiner persönlichen vollen Verantwortung bekannt, es waren Urys eigene Worte, die ungefähr lauteten: ,Sie wissen, daß ich mit Herrn und Frau Kareski seit Jahren bekannt bin, sie haben mir vielfach B i b der abgekauft und mich öfter zu einer Tasse Bouillon eingeladen, grade jetzt hat die Jüdische Gemeinde, deren Vorstand Herr K. ist, mir durch Dr. Karl Schwarz einige teure Bilder ab« gekauft, was in der heutigen schweren Zeit besonders willkommen ist.. Da konnte ich es aus Dankbarkeit gegen Kareski nicht ablehnen, mich auf die Liste setzen zu lassen.' Ury war ganz bestimmt kein Zionist und es scheint mir nicht würdig, nun einen Gefeierten, der sich nicht mehr erklären kann, für sich zu beanspruchen." Also, da hätten wir wieder die bösen Zionisten ertappt! ... Es ist merkwürdig, was für Begriffe von „Würde" die Assimilationsjuden haben, wenn sie gegen Zionisten losgehen. Der gute B. B. Herr Wittenberg glaubt, Herrn Dr. Klee eins versetzt zu haben. In Wirk« lichkeit hat er dem Toten einen sehr schlechten Dienst erwiesen und sein eigenes Gefühl für Würde als durchaus minderwertig enthüllt. Nach seiner Auffassung ist es unwürdig, einen, der auf einer zionitischen Liste kan* didiert, als Zionisten zu betrachten. Aber das Gemisch von Bouillon, Bilderkäufen und politischen Kandidaturen hält er für würdig. Schön! Besseres jüdisches Mädchen für rituelle Küche auoh alt 6eeell8ohafterln zu einer Dame geeignet, bei guter Behandlung sofort aufgenommen Anfragen (außer Samstag und Sonntag) Telephon Nr.U-M-MQ Vom revisionistischen Landesverband: Den Ortsgruopen wurde Zirkularhrief Nr. 5/1 zugesandt. Er enthält die Richtlinien für die Diirclifilhrnn;; der Neuresistrierunt: in den revisionistischen Organisationen und die genauen Angaben über die sofort durchzuführenden Hnanznktionen. Dem Zlrktilarbriefe geht der ausführliche Bericht Aber die am 11. d. stattgefundenc zionistische Kundgebung mit dem Referat R. Hontheims voran. Der Inhalt dieses Referats erscheint auch in der deutschen Beilage der „Neuen Welt". Der Landcsvorstaml der Union der Zionisten-Revisionisten Deutschlands überreichte die in der Kundgebung am 11. d. angenommene Resolution dem britischen Botschafter, welcher dieselbe, wie uns in einem Schreiben der britischen f'icsandtschaft mitgeteilt wird, an die Regierung Sr. Majestät weiterleitete. Revisionistischer Stammtisch. Die Revisionisten Berlins treffen sich Jeden Dienstag ab 8 Uhr abends im Cafe Telschow (1. Etage). Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Revisionisten werden auf diese Einrichtung auimerksam gemacht. Karlsruhe. Herr Alexander Rafailowitsch (Heidelberg) verbrachte vier Tage, vom 14. bis 19. Oktober. In Karlsruhe. Er sprach in einer Jugcndversammlung, die sehr gut besucht war. Sein Referat galt der Auseinandersetzung mit dem philanthropischen Zionismus. Assimilation und Kommunismus. Da diese Veranstaltung keine ausschließliche zionistische war und besonders der Auseinandersetzung mit den anderen galt, wurde die Diskussion ausschließlich mit Mitgliedern des C. V. geführt. In zionistischen Versammlungen sprach Herr Ra'ailowitsch über: 1. Herzl. 2. Brith Trumoeldor. Der vierte Abend war politischen Fragen gewidmet, die im geschlossenen Kreise der Karlsruher .Jugendführer erörtert wurden. Die Versammlungen verliefen sehr anregend und dürften in kürzester Zeit für den Revisionismus positive Ergebnisse zeltigen. * Mannhelm. Am 26. Oktober fand in Mannheim eine Versammlung allgemeiner Zionisten statt, in welcher der Referent. Dr. Hildesheimer, sich die Gelegenheit nicht nehmen ließ, seine Ausführungen hauptsächlich dem Revisionismus zu widmen, für welchen Referent lediglich Worte des Hohnes und Schimofens übrig hatte. In durchaus sachlichen und überzeugenden Worten trat diesen Ausführungen Herr A. Rafalbwitsch (Heidelberg) entgegen, dem es gelang, nicht nur den Revisionismus zu begründen, sondern auch ernstes Interesse für denselben zu wecken. Da dieser Abend gegen die Erwartungen der Allgemeinheit mit einem Erfolg des Revisionismus endete, wurde schleunigst Dr. G. Landauer eingeschoben, um diese günstige Stimmung wieder zu beheben. Seine Rede, welcher in der Debatte Herr Rafailowitsch entgegentrat, sowie sein Schlußwort gipfelten in wüsten Beschimpfungen und persönlichen Beleidigungen. Wegen dieser Beleidigungen verlief! der revisionistische Redner ostentativ den Saal, worauf die ganze Versammlung abgebrochen wurde, weil ein Großteil der Anwes»" 'cn f*if<p rtolitischen Manieren ihrer eigenen Leute schärfstens verurteilt hat. Trotzdem ist es gelungen, für den Revisionismus Interesse zu ersvecta*n unu Symuathiker zu gewinnen. In Mannheim ist dies besonders schwer, weil hier die Rabbiner und andre „Führer" erklärt hatten, keine revisionistische Zeile zuzulassen. Merkwürdige Manieren, die wir noch aus der Zeit der Protestrabbiner her kennenl Frankfurt a. Main. Am 21. und 22. November weilte Herr Richard Lichtheim (Berlin) in Frankfurt. Er hielt in einer von der revisionistischen Organisation veranstalteten öffentlichen Versammlung einen Vortrag über „Zionismus und d I e p 0 l i t i s che n Strömungen unserer Zeit". Er setzte sich hauptsächlich mit den sozialistischen Strömungen auseinander und wies insbesondere im Zusammenhange mit der Behandlung des Kommunismus auf die Unmöglichkeit einer Synthese dieser Weltanschauung mit der des Zionismus. Die Gegensätze seien unvereinbar und deshalb sei es nötwendig, völlig klare Entscheidung in beziig auf die Zugehörigkeit zur . einen oder anderen Bewegung zu treffen. Einen breiten Raum nahm die Behandlung jener eigenartigen jüdischen Erscheinung in Anspruch, wo Referent den Drang nach modernem Bildungsideal der heutigen Jüdischen Jugend darlegte. Er wies darauf hin, daß dieser Drang lediglich einen Ersatz für etwas Ureigenes darstelle, der aber dennoch nur Surrogat bleiben muß, weil Kultur sich nicht nur von außen her erwerben ließe. Mit großer Aufmerksamkeit folgte das zahlreich erschienene Publikum den interessanten Ausführungen Lichtheims, die auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machten und welche am Schlüsse mit stürmischem Beifall belohnt wurden. Am selben Abend sprach Herr Lichtheim in einem engeren Kreis von Gesinnungsgenossen Uber aktuelle zionistische Fragen und Uber den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Hier meldeten auch einige prominente Juden der Stadt ihren Beitritt zur reyisioistischen Organisation an. der von bemerkenswerter Bedeutung für die weitere revisionistische Arbeit in' Frankfurt ist. Sonntag vormittagsi fand eine Diskussion mit Interessenten und Sympathikern des Revisionismus statt, die vor allem der Klärung gewisser zu Mißverständnissen Anlaß gebenden Maßnahmen und Stellungnahmen der Revisionisten diente. Auch diese Zusammenkunft hat positive Ergebnisse zu verzeichnen. Die Anweseneheit Lichtheims in Frankfurt bedeutet einen neuen Ansporn für die Arbeit, die in den Wintermonaten mit größter lntenslvität erfolgen wird. » Revisionistische Ortsgruppe Breslau. Nach verschiedenen Mitgliederversammlungen, in denen Uber den Beschluß von Calais und über den Austritt aus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland eingehende Diskussionen geführt wurden, ist der einstimmige Beschluß gefaßt worden, aus dem Stadium der Diskussionen herauszutreten und mit einer positiven revisionistischen Tätigkeit zu beginnen. Alle 14 Tage treffen sich die Revisionisten Breslaus zu hebräischen Kursen. Der 2. Teil des Abends ist einer eingebenden Palästina-Information gewidmet. Der erste Abend fand am 9. d. bei R. Lach mann statt. Alle vierzehn Tage finden in Privat- Wohnungen der revisionististischen Mitglieder und Freunde Zusammenkünfte mit Nichtrevisionisten statt, bei denen Kurzreferate über ..Wandlungen der Zeit — Wandlungen im Zionismus" mit anschließender Diskussion gehalten werden, um neue Mitglieder für den Revisionismus zn gewinnen. 'Per erste Abend findet Montag, den 1.6. d.. bei Dr. Hermann Cohn (Gutenbergstraße 32) statt. Ferner sollen alle vier Wochen größere Mitgliederversammlungen mit auswärtigen Rednern stattfinden. Vorkehrungen für eine Palästinareise im März zur Makkahlade sind im Gange. Gesinnungsgenossen, die an einer solchen sehr preiswerten Reise Interesse haben, melden sich, auch von auswärts, bei Frau E, Lach mann, Breslau. Gartenstraße 4 9. Revisionistische Frauengruppe Breslau. Mittwoch, den 4. d.. wurde in Breslau eine revisionistische Frauengruppe gegründet. Alle vierzehn Tage finden Zusammenkünfte statt, die mit Pressereferafen und ideologischer Orientierung ausgefüllt sind. Als praktische Arbeit werden die Mitglieder der .Frauengruppe vor allen Dingun für den Tel-Chai-Fonds arbeiten: die erste Veranstaltung zugunsten des T.-Ch.-F. findet in Form eines Hauskonzerts Mittwoch, den 18. d.. statt. Namhafte Künstler sowie ein Palästinenser haben bereits ihre Mitwirkung: zugesagt. Ferner beabsichtigt die Frauengruppe alle vier Wochen eine Veranstaltung zugunsten des Kcren Tel-Chal Weiter wird Jedes Mitglied einmal im Monat einen Spartag einrichten und sich bemühen, t'ie Orangenkassen zu verteilen. Auch für den Vertrieb von Tozeret Haaretz wird die Frauengruppe Sorge tragen. Revisionistische Mädcuen-Verelniguns „Rahel". Breslau. Jeden } Donnerstag abends von halb >) bis halb 10 Uhr Hebräisch, halb 10 bis; 11 Uhr Pressediskussion. politische Orientierung, gemeinsame Lektüre von .Iabotinskysr Legionsbuch. Für neue Mitglieder eine Stunde wöchent- J lieh Einführungskurs in Zionismus und Revisionismus. < Berliner jüdische Statistik — 38.5 Prozent Mischehen Aus dem soeben erschienenen Mitteilungsblatt des statistischen Büros der Jüdischen Gemeinde Berlin geht hervor, daß von Jänner biß Juni 1931 448 rein jüdische Ehen und 278 Mischehen m Berlin geschlossen wurden. Von den Mischehen waren in 184 Fällen der Mahn Jude und in 94 Füllen die Frau Jüdin. Die Gesamtzahl der Geburten in dieser Zeit beträgt in rein jüdischen Ehen 498, in Mischehen 135. Im gleichen Zeitraum 1930 betrug die Zahl der lebend Geborenen aus rein jüdischen Ehen 577, aus Mischehen 157. Aue diesen Zahlen geht hervor, daß die Zahl der Menschen rapid steigt und daß die Mischehen noch 'kinderärmer sind, als die reinj'üdisohen Ehen, Auch hei den Aerzten Bei den Wahlen in die Berliner Aerztekamraer wurden diesmal auch politische Listen aufgestellt. Der unpolitischen Liste „Gruppe zur Erhaltung des freien Aerztestandes-', welche bisher die Kammer allein geführt hatte, gelang es noch, eine knappe Mehrheit zu erzielen. Die politischen Listen erzielten folgende Ergebnisse; Kommunisten 2, Sozialdemokraten 5, Nationalsozialisten 17. Die jüdischen und linken Blätter bezeichnen den Umstand, daß die Hitler-Leute bei ihrer ersten Kandidatur eine solche Zahl von Stellen er« Hodisdiuler I sucht Stelle als Hofmeister* §§ I Erteiltauch Nachhilf estunden § 1 in sämtlichen Fächern. I I Zuschriften unter „Hochschüler" an die j I Administration der „Neue Welt", IL, Untere i 1 Augartenstraße 38. i ringen und die anderen politischen Parteien weit hinter sich lassen konnten, als ein warnendes Zeichen der Zeit. Juden können straflos beleidigt werden Wie aus Leipzig gemeldet wird, hat der Zweite Strafsenat des Reichsgerichtes in der Frage der Kollektivbeleidigung von Juden durch Nationalsozialisten in zwei Fällen schwerwiegende Entscheidungen gefällt. Im ersten Fall handelt es sich um den Prozeß gegen den Redakteur des „H i rs ch b e i g e r Beobachters" Paul Franke, der in erster Instanz wegen öffentlicher Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, aber von der Strafkammer des Landgerichtes Görlitz als Berufungsgericht freigesprochen worden war, da sich das Landgericht auf den Standpunkt stellte, in den inkriminierten Ausführungen fehle es an einer bestimmten Beziehung zu einem genauer umschriebenen Kreise von Angehörigen des Judentums. In einer erneuerten Revision machten die jüdischen Nebenkläger geltend, es wäre doch ein leichtes gewesen, durch entsprechend formulierte Fragen an den Angeklagten jeden Zweifel zu beheben, daß spezieil die von ihnen vertretenen Ilirschberger Juden gemeint gewesen seien: im übrigen berge der angefochtene Freispruch die Konsequenz, daß die durch die Rcichsverfassung verbürgte Gleichberechtigung der Juden mit den nichtjüdisohe« Deutschen praktisch aufgehoben würde. Die Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Der zweite Fall betraf ein Urteil des Glatzer Schöffengerichtes gegen den nationalsozialistische» Wanderredner und Stadtrat Franz Gen gl er aus Nürnberg, der im April 1931 zu Frankeustein in Schlesien in einer Rede: „Alljuda, der Todfeind des deutschen Volkes" die Juden mit blutsaugenden Insekten verglichen hatte, die man „knickt u n d e rstickt" (der Redner machte dabei entsprechende Gesten). Er wurde vom Schöffengericht zu 450 Mark« von der Berufungskammer zu. 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Zweite Strafkammer des Reichsgerichtes erkannte auf Aufhebung des Urteils und Rück? verweisung an das Erstgericht mit der Begründung, der Vorderrichter habe nicht genügend geprüft, ob tatsächlich Verurteilung erfolgen konnte. Die Aufhebung erfolgte auf Revision des Verurteilten; die Revi. sion der jüdischen Nebenkläger wurde verworfen. Palästinensische Falschmünzer in Deutschland. Vor kurzem ist die palästinensische Polizei Falschmünzern in Palästina auf die Spur gekommen. Diese Bande scheint auch außerhalb Palästinas ihre Tätigkeit zu versuchen. So kam kürzlich in eine Buchdruckerei in Mainz, worüber die Mainzer Zeitungen berichten, ein Mann mit dem Klischee einer palästinensischen Pfundnote und gab einen größeren Druckauftrag. Die Polizei wurde verständigt und der Auftraggeber festgenommen. Die Nachricht in den Zeitungen ist so abgefaßt, daß daraus nicht klar hervorgeht, daß es sich nicht um Juden, sonder« um einen mohammedanischen Araber aus Jerusalem handelt. Znr Frage der jüdischen Abstammung der Fürsten Bismarck Die deutschnationale Revue „Fr lder icus" schreibt: Es ist unwahr, wenn behauptet vrird, daß in den Adern des jungen Fürsten Bismarck mütterlicherseits jüdisches Blut fließt. Die Mutter des Für- , sten Bismarck, eine feinsinnige Frau, die die Erinnerung i an den großen Kanzler gut zu wahren weiß, ist eine . Gräfin Hoyos, Ihr Vater war mit Alice geb. Whiteil e a d verheiratet. Diese Großmutter des jungen Fürsten Bismarck entstammt der englischen Familie Whitehead, deren Chef, Sir James Whitehead, die Stelle eines Kultusvorstandes der israelitischen Gemeinde in London bekleidete. Durch diese Tatsache ist das Gerücht aufgekommen, daß die Whitehead« Juden seien. JÜDISCHE BÜHNE, II., PraterstraBe Nr. 60 Freitag, den 27. November, ErttauffUhrung der Komödie ,Der jüdische Schegez* mit der weltberühmten New Yorker Künstlerin Rosenleld Sonntag nachmittags große Kindervorstellung mit Besenenkung Eintritt lür Kinder 50 Groschen