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Die neue Welt · 1931-11-27 · Heft 219 (27.11.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 219 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 219 DIE NEUE WELT Seite t Das ist nicht der Fall. Denn Sir James Whitchead war nicht als Jude, sondern als staatlicher Kommissär Vorsitzender des Synagogenvorstandes, und zwar deshalb, weil er als Oberbürgermeister (Lordmayor) von London von Amts wegen den Vorständen aller Religion s gesell sc haften angehören mußte. Damit dürfte die .Geschichte von der jüdischen Abkunft des jungen Fürsten Bismarck hoffentMeli erledigt sein.. Aus Rumänien Den Judengemcindeti wird die Gleichberechtigung verweigert und zugeteilter Boden konfisziert Im Rahmen der seinerzeit in Rumänien durch« geführten Agrarreform waren auch den Kirchen* gemeinden Bodenparzellen von je 32 Hektar zugeteilt worden. Auf Grund der in der Verfassung verankerten Gleichberechtigung der Konfessionen hatten damals auch die vier jüdischen Gemeinden von Ti m i s o a r a •— als einzige unter den jüdischen Gemeinden Rumäniens — solche Parzellen beansprucht und auch erhalten. Gegen diese Zuteilung hat nun vor einiger Zeit der Administrativdirektor des Banater Kreises, Sever B o c u, bei der Agrarkommission von Timisoara Protest eingelegt mit der Begründung, daß in den Durchführungsbestimmungen der Agrarreform ausdrücklich nur von Kirchen gemeinden, nicht aber von Gemeinden nichtchristlicher Religions* gescllschaftcn die Rede sei. Die Verhandlung über diesen Einspruch der Veiv waltungsbehörde wurde von der unter dem Vorsitz des Kreisagrarkommissärs Gabriel Victor stehenden Agrarkommission von Timisoara soeben abgeschlossen. Obwohl sich der Vorsitzende die Rechtsauffassung des Vertreters der jüdischen Gemeinden, Advokat Samuel Ligeti, zu eigen machte, wonach unter Kirchengemeinden im weiteren Sinn auch die jüdischen Gemein* den zu verstehen seien, entschied die Kommission mit Stimmenmehrheit, daß die Zuteilung der Parzellen an die Gemeinden zu Unrecht erfolgt sei und rückgängig gemacht werden müsse. Die jüdischen Gemeinden von Timisoara, die in dieser Angelegenheit eine Frage von prinzipieller Bedeutung für die staatsgrundgesetzlich gewährleistete Gleich« berechtigung der Konfessionen erblicken, werden die Entscheidung der Agrarkommission b"im Landwirt» Schaftsministerium anfechten. Dct Kriegsminister antisemitischer Ehrenpräsident Kriegsminister General Amta Stefanescu hat das Ehrenpräsidium der siebenbürgischen faschistisch« antisemitischen, .Organisation-,,. „F r a t i > d e eruce" (Kreuzesbrüderschaft), deren Ziele der Innenminister Arget.oianu erst vor kurzem als umstürzleri-sch bezeichnet hat, übernommen. Dieser Schritt des Kriegs« ministers hat in politischen Kreisen Aufsehen erregt. Judenurkunden aus dem Jahre 1234 Professor lorg veröffentlichte im Jahre 1913 in den Schriften der Rumänischen Akademie eine historische Untersuchung über die Juden in Rumänien, in welcher er sagte, daß er keinen Nachweis gefunden habe, daß die Juden vor 1600 in Rumänien gewohnt hätten. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß nach den Exzessen in Oradea und Cluj, der rumänische Gesandte in Wien in den Wiener Blättern eine Art Verteidigungsschrift veröffentlichte,, in welcher er die Pogrome damit motivierte, daß die Juden „Fremde" sind und erst seit 1606 im Lande wohnen und keine eigentliche Beziehung zu dem Volke haben. Nun gelang es Prof. Artur P r e i ß eine Urkunde zu entdecken, die den rumänischen Historikern bisher unmöglich entgangen sein konnte, da sie in einer Reihe von Urkunden*Sammlungen veröffentlicht ist und da Xenopol in seiner Rumänischen Geschichte sie zum Gegenstand einer ausführlichen Analyse macht. Aus dieser Urkunde aus dem Jahre 1234 geht hervor, daß es jüdische Siedlungen in der Gegend von Buzau am Milcow — also im Zentrum des Regates — bereits vor dieser Zeit in bemerkenswerter Anzahl gegeben hat. Bela IV. verpflichtet sich nach dem Text dieser Urkunde, die eine feierliche Deklaration enthält, und welche er über Veranlassung des Papstes Gregor VII. vor dem versammelten Hofstaat abgab, die orthodoxen Christen, die Heiden und die J u-d e n, welche in diesem Gebiet wohnen, auszurotten oder zu bekehren. Der britische Pald§iinaberidit Die Folgen des August 1929 - Die unsichtbaren Importe — Entwicklung der Industrie — Haifa-Hafen und Ruthenberg Soeben ist er oflfazielle Bericht der englischen Regierung über die wirtschaftliche Lage in Palästina erschienen. Der vom Direktor d,es Departements für Zölle, Akzise und Handel der Palasüna-flegaer.ung, K. W. Stead, abgefaßte Bericht stellt eingangs fest, daß Palästina noch immer an den rolgen der Unruhen im Spätsommer und Herbst des Jahres 1929 leidet; diese Ereignisse ih'ülten das Land in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeworfen. Die Einnaihanen der PalästinawR^giemihg (haben sich seit t925 k.onis<taint vermindert und erreichten 1930 einen Stand, der tum eine halbe Million niedriger war als der voö 1985. DeimigagenjUiber haben eich die Ausgaben seit 1925 von Jahr zu Jaihr konstant erhöht. Während 1925 ein Ueberschaiß von 800.000 Pfund erzielt wunde, vejrceJduiete man 1930 ein Defizit.von 200.000 Pfund. Diese »ngäiinetä'ge BaHance ist yoraeüwlKh aul die F i n a n?. k r i s e in den Vereinigten Staaten und in Europa zairüdcÄUiführcn. Obwohl die Einfuhr noch immer ein V verladt es der Ausfuhr aufmacht, ist" in. dieser Beziehung eine Besserung zu verzeichnen; die Importe haben fiid) seit 1929 botrüditlich verringert. Einigermaßen ausgeglichen wird die Handelsbilanz durch die unsichtbaren Importe (Kapital.seiniii.hr), worunter die Ausgaben der /iotiisbiischen Fonds, der Touristen, die Einwanderer- Kapitalien, die Investierungen aus fremden Ländern usw. die wichtigsten sind. Im-Jahre 1926 zählte man 6000, im Jahre 192? 7400 j ü d i s ch e Arbeitslose. 1929 zählte man nur nodi etwa 1000 und 1930 1030 jüdische Arbeitslose. In den Jaihren 1926 bis 1930 betrug der Uobersdniß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung rund 10.000 (29.165 Einwanderer und 18.029 Auswanderer). Heute gibt es in Palästina rund 30.000 jüdische Arbeiter, von denen 7000 in der Landwirtschaft, 4500 im Bauwesen und bei äffentliehen Arbeiten, 4000 in den Fabriken und großen Werkstätten, 3000 in kleinen Werkstätten, 1500 im Transportwesen und 10.000 in anderen Eädvern tätig sind. Bis 1929 stand Deutschland an der Spitze jener Länder, die'Maschinen nadi Palästina einführen. Aber seitdem Industrien' errichtet wurden, in denen britisches Kapital investiert ist, hat sich der Import von Maschinen aus England erhöht und itaibm 1930 den ersten Platz auf der MaschinbncinfiUihrliiste ein. Die Entwicklun g der {Industrie 'in Pailästina (1928 zählte man 3505 lndu.strieunter.ne.hmun.gen) erweist sich am besten ans dpm Import vom Brennstoffen. 1930 wurden über 16 Millionen Liter Benzin (gegen 2,5 Millionen -im Jahre 1929) in Palästina eingeführt. Die O r a n g 0 n s a i s 0 .n 1950/51 war befriedigend sowoilü binsichtlidi der eingeerli-ifften . Menge als auch der erzielten Preise. Der Batu des Haifa er Hafens, d ie Vo rber ei bunten der E Lse nbaihm H a i f a - B a g d a d, dos Tote Meer-Unter nehmen* nehmen eine sehr günstige Entwicklung. Anfang. 1952.:wind die Ruthenberg- E 1 e k t r i z i t ü t s s t a t i 0 in" eröffnet, wo dann eine bcträdvtliche Verhilligung des Strompreises platagreifen wird. Der Venbrauch von. Elektn./.ität in Palästina erhöht sich immer mehr, nach-, der Reduktion des Stroimpreise«' wird sich wohl ein Markt für häusliche elektrische Apparate entwickeln. mm^am ^ß^w&M ^J^frti^M ■^m^^m^m^ l^prap •*r '^^^^^SI'T^^K*»«^^^»''! 6i$&&&\$-$^3-'M*;k Institut DrR.lofienwßin Verdauungs- und Stoffwßchselstörungen Wien I, Graben 19 / Tel. ü-20-4»30 verlangen Sle.Protp«kt Nur 350 Arbeiter-Einwanderungszertifiknte bewilligt Jerusalem, 20. November. „Offlcial Gazette", das amtliche Qrgati 'der Päl8^tj/ia-I^eglerung,/ teilt .'hjii, daß der Jewish Ageiicy für dos"-!nächste Halbjahr 350 Ar-; beiter-Ein.wanderungszerüfifcateVr.!.und- •. »war 15Ö . für Männer zwischen.'1# und 55 JäJu-en.fthd 200 für Frauen, in dein gleichen Alfter, 'b^ilHgt Verden'.; Die. Jewish Agency hat für ■ die ^Jeiche'jPcriöde .1 7 2 0 C h a 1 u z- Zertif ika te verlangt'..- In einem Gespräch'\mit .Pressevertretern'•. hat der Leiter der zionistischen Palästina-Exekutive Dr. Chaim A r 1 o so r ö ff sich scharf gegen die' Nichtbewilligiüig der von der Jewish Ägpiicy . geforderten Chaluz-Einwanderungsquote. ausgesprochen und weitere Schritte in dieser, Angelegenheit angekündigt. Dr. Arlosoroff wandte sich auch gegen die von der Regierung aus Sparsamkeitsrücksichten beschlossene. Auflösung des Instituts zur Erforsch u.n g der Malaria, das in den letzten zehn Jahren vom American Joint Distribution Committee unterstützt wurde, dessen Erhaltung aber in diesem Jahre in das Ausgabenbüdget1 des Gesundheitsdepartements der Regierung eingeschlossen War. Dr. Wunderlich gestorben Jerusalem, 20. November. Im Alter von 52 Jahren verstarb in Haifa der bekannte Arzt und Revisionistenführer Dr. Wunderlich.-Er-war'früher vier Jahre lang Chirurg des Hadassah-Hospitals in Jerusalem. Anfang Oktober d. J. ließ er sich als Privatarzt in Haifa nieder., Dr. Wunderlich, der im. Jahre 1924 aus Deutschland nach Palästina kam, betätigte sich führend in der Organisation derZionisten -Revisionisten und war Leiter desBrith Trumpeldor in Jerusalem-' Revolte im Zentrnlgefüngnis von Jerusalem Jerusalem, 18. November. Am vergangenen Sonnabend revoltierten die kommunistischen Gefangenen im Zentralgefängnis zu Jerusalem. Sie schlugen an die Türen, lärmten und sangen. Der Aufforderung, die Zellen zu verlassen, leisteten sie nicht Folge, so daß sie gewaltsam aus den Zellen entfernt werden müßten. Bei diesem Kampfe wurden 12 Gefangene und 13 Wächter verletzt. Ein Freund und Mitarbeiter Theodor Herzls gestorben Am 15. November starb in London im Alter von 71 Jahren der bekannte jüdische Publizist und zionistische Politiker Leopold Greenberg, Chefredakteur des „Jewish Chronicle". Er wurde 1860 in London geboren, schloß sich beim Auftreten Theodor Herzls der zionistischen Bewegung an und zählte zu den aktivsten politischen Beratern und Mitarbeitern Herzls. In dessen Auftrage führte Greenberg 1902 und 1905 Unterhandlungen mit der englischen Regierung über die Ansiedlung von Juden in Vadi El Arisch sowie U g a n d a. Durch Greenbergs Bemühungen kam auf dem XVI. Zionistenkongreß der Beschluß zustande, eine Expedition nach Uganda zu schicken. In den letzten Jahren vor dem Weltkriege zog sich, Green* CD S 18b-- PiUrtserctrcae 123 IX., WserstraBe 6 borg von zionistischer Aktivität zurück und widmete sich nur noch der Redaktion des der zionistischen Bewegung dienenden „Jewish Chronicle", nahm aber während des Krieges an den Verhandlungen führender englischer Juden mit der englischen Regierung, die zur Ver-- kündung der Balfour-Deklaration führten, teil. 1905 bis 1907 war Greenberg Mitglied der Zionistischen Exekutive. 1896 begründete er das „Jewish Year Book". Zu den zionistischen Fragen hat Greenberg in den letzten Jahren eine radikale Haltung eingenommen. Er fühlte sich als ein Repräsentant des rein „politische n" Hcrzl-Zionismus und eines rein politischen Nationalismus. Er befand sich in schärfster Opposition gegen die englische Regierung, der er vorwarf, die Balfour-Dekkration gebrochen zu halben, und war auch ein heftiger Gegner Herbert Saraue 1 s und Wcizmanns. heaiev, Munit und iiliiilliiiiiiilllliiiiililliiliiiLi feratur Ch. N. Bialik kommt nach Wien. Wie wir erfahren, kommt über Einladung der Histadruth Iwrith der berühmte Dichter Ch. N. Bialik nach Wien. Ein aus allen Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung gebildetes Komitee bereitet für den Dichter einen würdigen Empfang vor. Bialik wird zum Wiener Publikum in einer Reihe großer Versammlungen sprechen. ' Zum lo. Todestag : Als Micha Josef bin G o r i o n (M. J. Berdiczewsky) durch eine Reihe von Schriften den Versuch machte, einen Gestältswa'ndel des Judentums in die Wege, zu leiten!' lag'schon eine ganze Epoche geistigen Ringens" hinler ihm. In einer Jeschiwah streng orthodox erzogen und darauf angewiesen, sich selbst Bildung weltlicher Art anzueignen,' durchmaß er mit Riesenschritten den Weg von der Gallith in die Freiheit des Geistes und der Seele;' und es gab nur mehr eine große Aufgabe für ihn: Die Galuth zu überwinden; In diesem Sinne war er frücht* barer Anreger und wirkungsvoller Propagator der neuen Inhalte der jungen nationalen Bewegung, die ihm wertvolle'Impulse zu verdanken hat. In späteren Jahren widmete sich bin Gorion der Ergrühdung des historischen Judentums und seiner Literatur und schrieb eine Reihe von Werken, die dem deutschen Leser noch nicht zugänglich sind.' ' In ihnen bekundet er eine Auffassung vom Judentum unserer Zeit, die zu anderen Resultaten führt. Mit seinem Namen ist eingroßes Stück hebräischer Literaturgeschichte' im besonderen und jüdischer Geistesgeschichte im allgemeinen verknüpft. Von seinen Sammelwerken sind insbesondere „Der Born Judas" und «„Sagen der Juden" (beide in deutscher Sprache) bekanntgeworden. Jüdische Bühne, IL, Praterstraße 60. Freitag, den 27. d., die Komödie „Der Mames Geliebter". Das Stück wird Samstag, 28. d., Sonntag, 29. d., und Mittwoch, 2. Dezember, wiederholt. Sonntag, halb 4 Uhr, als Nachmittagsvorstellung die Komödie „Das Wiener M ä d e 1", Kinderbeschenkung. Einheitspreis S 1, für Kinder 50 g. Vorstellungen für Vereine zu günstigen Bedingungen. Diesbezügliche Anfragen an Herrn Brac* lawski. Jüdische Künstlerspiele (Theater Reklame), IL, Praterstraße 34, Tel.: R-40-0-94. Das Ensemble, be* stehend aus den Gästen Gisa Heiden, S. P r i s ament, Max Z e 1 n i ke r, des neu aus Rumänien hinzugekommenen Schauspielers M. Bernstein, unter Mitwirkung der Damen W'e i n t r a u b, G r a f, Meise! s, Lehrer, Sehr über und der Herren Lehrer und SigaU bereiten für Freitag, Samstag, Sonntag (27. bis 29. d. M.) das in Warschau über ein Jahr hindurch aufgeführte Stück „Auf dem Wege nach Buenos Aires" (Die rote' Gasse) vor. Die Handlung des Stückes ist der heutigen Zeit angepaßt und für alle Schichten der Bevölkerung von eminentem Interesse. Die volkstümlich gehaltenen Eintrittspreise geben die Möglichkeit zum Besuche des Theaters. Violinabend Max Jaekel — Volksbildungshaus Wiener Urania, I., Uraniastraße 1. Sonntag, 6. Dezember, halb 8 Uhr, Kleiner Saal: Violinabend MaX Jaekel. Klavier: Edith Weißberg. Programm: J. Brahms: Sonate A=Dur, op. 100; P, Nardini: Konzert E*Moll; J. Achron: Hebräische Melodie; M, de Falla: Zum 83. Geburtstage unsei es geehrten und geschätzten Freundes Heim Moses Hirsch Landau gratulieren herzlichst und wünschen Arlchas-Jumlm Familie Moses Engelmann II YbbsstraBe 27

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