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Die neue Welt · 1931-11-27 · Heft 219 (27.11.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 219 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seile 4 DIE NEUE WELT Nr. m Schallplatte, auch Tausch Zahlungtarlalotitarung „ELPNORA" l., DomlnlkanarlMitai 92 (Ecke Kai) tat. H-24-4-18 inhaltsloses Zurschaustellen. Wie es auch sei, Gott wünscht, daß wir wir selber seien. Weder formales Bekenntnis des Christentums, noch hohle Vorspiegelung eines Rituals bringt uns auch nur eine Spanne näher zu Gott, wenn geistige Be« sinnung erforderlich ist. Ich nehme mir vor, künftighin mich selbst einen Juden zu nennen." Die Liberale Jüdische Synagoge begann Hans Herzl anzuziehen, und er sprach zu mir mit Begeisterung von den Gottesdiensten, die er dort antraf, und ersuchte mich häufig, ihn zu einigen dorthin zu begleiten. Er schrieb sogar an Dr. Claude G. Montefiore und bat, als Mitglied der Weltvereinigung des Fortschrittlichen Judentums aufgenommen zu werden. Dr. Montefiore aber war nicht in der Lage, seinem Wunsch zu willfahren, da die Mitgliedschaft von einer ihr angeschlossenen Syn* agogengemeinde abhängt und Hans nicht bereit war, sich einer solchen einzugliedern. Die Bewerbung wurde mehr wegen Dr. Montefiore selbst gemacht, als „Huldigung für Ihre anerkannten Vorzüge und Ihre Bedeutung". Für Dr. Montefiore hegte Hans in der Tat eine außerordent« liehe. Bewunderung, und; bei einer Gelegenheit entwarf er mir einen Brief, den ich in meiner Eigenschaft als Ver» treter der Jüdischen Telegraphenagentur an Dr.; Monte« fiore vermitteln sollte, gemäß einer Anregung, die von Mr. Jakobus H. K a n n gemacht worden war (einem der ältesten. zionistischen Freunde seines Vaters), der zu Hans immer sehr gütig war und von dem Hans immer sehr herzlich sprach, im Zusammenhang mit der damals in Bildung begriffenen Jewish Agency. In diesem Brief äußerte Hans, daß „es nötig sei, Nichtzionisten einzuschließen, deren religiöse Hingegebenheit zur jüdischen Gemeinschaft sie zur Pflichterfüllung gegen« über den jüdischen Massen befähige und deren untade« lige Vergangenheit als Bürger der Länder, in welchen sie leben, ihnen die Wertschätzung seitens ihrer Mit« bürger sichere". — „Diese Zeilen", so fühlte Hans, „appellieren vornehmlich an das verehrte Haupt des übe« ralen Judentums in England. Das heißt, an Dr. Claude Montefiore. (Weitere Artikel folgen.) Große Makkabäer-Feier im Verbandsheim < Als Auftakt für die neue zionistische Werbearbeit findet im Verbandsheim, IL, Untere Augartehstraße 58, am* Sonntag, den 6. Dezeniber, halb' Uhr öibends, die diesjährige MakkaibäerrFeier statt. Mejur als bisher sind in den Zeiten schwerer wirtschaftlicher und geistiger Not Stunden der Besinnung auf'eine' große Vergangenheit und das erhabene zionistische Ziel erforderlich. Als Festredner wurde der tschechoslowakische Abgeordnete aus Bratislava Dr. Julius Reisz, dessen zionistische Tätigkeit eich auf allen' Gebieten äußerordentlich bewährt hat, für die Feier gewonnen. Oberkantor Gerson MarguJies, der hervorragende jüdische Sähger, hat sich wie immer in den Dienst unserer Sache gestellt. Den heiteren Teil des Abends wird Oskar Teller mit seinen humorvollen Mitarbeitern bestreiten. > Die heurige Makkabäer-Feier wird wie alljährlich auch diesmal eine imposante Kundgebung des vorwärtsschreitenden Herzl-Zionismus werden. Um den jüdischen Massen die Teilnahme zu ermöglichen, wird kein Eintrittsgeld, sondern bloß ein einheitlicher Regiebeitrag von 1 S eingehoben. Forldauer der Judeiihefzc in Polen Brnndartikel Warschau. Das Hauptorgan der Natiorialdemo» kraten „Gazeta Warszawska" bezeichnet in ihrem Leitartikel die Juden als die Zerstörer aller Staaten der Welt. Die Zeitung lobt die d e u t s che H i 11 e r s P a r,t e i und erklärt, daß die „Hitler«Leute es den Juden heimzahlen werden, sobald sie zur Macht kommen". Die Zeitung weist auf die Pogrome in Alexandrien, Rußland und Deutschland hin und droht für die nächste Zukunft mit Pogromen in ganz Polen, die „den Juden wieder einmal Grund geben wer» den, sich als das unglücklichste Volk der Welt zu fühlen". Die Nummer der „Gazeta Warszawska" wurde von der Polizei beschlagnahmt, der Verlag veranstaltete eine zweite Ausgabe dieser Nummer, die den gleichen Artikel mit einigen unwesentlichen Milderungen enthält. Polnisches Lob für die deutschen Hitler-Leute, welche sonst in Polen — und nicht mit Unrecht — als die ärgtten Feinde bekämpft und verflucht werden! Ein ganz eigenartiger Fall. Die Judenfeindschaft als ver« brüderndes Element. Der Erzbiachof schürt die Hetze Krakau. Während des antisemitischen Sturmes auf die jüdischen Geschäfte und Kaffeehäuser am 13. November, wobei auch die Fensterscheiben im Hotel Royal eingeschlagen wur# den, fielen ein paar Steine auch in das dem Hotel benach* barten „Bernhardin er »Klo st er", wobei einige Kloftofenster .«ingeschlagen und oine wertvolle, aus den) XVII. Jahrhundert stammende Glasmalerei beschädigt wurde. Sofort verbreitete sich das Gerücht, daß Juden die Klosterfenster eingeschlagen haben. Auf dte Aussage eines Droschkenchauffeurs hin, daß Juden die Täter waren, drang die Polizei in das benachbarte Lokal eines jüdischen Jugendvercins ein und verhaftete die dort anwesenden Vereinsmitglieder Wind isch und Johannes. Die Aufregung unter der christlichen Bevölkerung ist groß. Es kam am Sonnabend und am Sonntag in verschiedenen Stadtteilen zu Angriffen auf Juden. Polnische Schüler der Bergbau* schule postierten sich vor den Eingängen zu jüdischen Geschäftslokalen und hinderten Käufer, die Lokale zu betreten. Der Erz bischof Fürst Sapieha ver* öffentlichtc einen Aufruf, in welchem er davon spricht, daß die Steinwürfe gegen das Kloster von einer f e i n d* liehen Gesinnung gegen die katholische Religion zeugen. Er verstehe — so führt er in dem Aufruf weiter aus — die gerechte Aufregung, die diese Vorfälle bei allen Katholiken hervorgerufen haben. Aus der Provinz In Plock traten nationakicniokratische Studenten aus Warschau und Wilna ein und hetzten die Jugend auf. Schultafeln in den Klassenräumen des Gym* nasiums trugen die Aufschrift: „Schlagt die Juden!", ohne daß die Lehrerschaft einschritt. In Wloclawek löste die Polizei einen antisemitischen Straßenumzug auf, nachdem in einigen jüdischen Lokalen und Wohnungen die Scheiben ausgeschlagen wurden. Elf Personen wurden verhaftet. In Lodz fanden antijüdische Ausschreitungen in den Hauptstraßen wie in der Peri* pherie, statt. Die Polizei .verhaftete mehrere Huligans. — In L o w i c z haben sich die antijüdischen Ausschreis hingen wiederholt. Weitere;zwei Juden, Herzberg und K r e 1, wurden erheblich verletzt. Etwa zwanzig jüdische Geschäftsleute haben. du^ch Einschlagen der Fenster und Warenraub erheblichen Schaden erlitten. Die Lehrerin, an der Handelsschule, Andrejewska, hetzte .die Schüler gegen die jüdische Bevölkerung auf. Keiner der Schüler, die sich an den Ausschreitungen der letzten Tage beteiligt haben, wurde bis jetzt bestraft. — In B i a 1 y s t o k kamen in den letzten Tagen mehrmals Ueberfälle auf Juden vor. Man zählt mehrere Verletzte. — In Czenstochau wurden in mehreren jüdischen Geschäften die Schaufenster eins geschlagen. — In P o 1 n i s c ha.T eschen blockierten Studenten die jüdischen Geschäftsläden und hielten die Käufer vom Betreten der Läden ab. „Die Liga „Zum grünen Band" ' In Warschau' ^>ntrde.ft^||!|[sseftlia'^ Flugblätter der 'Liga „Zum grünen B aj\ d verteilt, in denen zum .gesellschaftliche^ Atnd"^'^s^-^tIrel\erf^AÖr.ö y k o t t der Juden und zur Durchkämpmng des Numerus clau« sus an den Hochschulen.vaufgefordert wird.: Bei den letzten Kxfn'dgebungcn/ trügen- . polnische Nationalisten überall' em;-g:r'u;h-e* s:-*B än'^'h 'en' ihr Knopfloch, als Zeichen des J u d e n b p y k p 11 s. »; . Auch im Nachtasyl! Auch im Warschauer Nachtasyl wurde die Parole, des Numerus clausus ausgegeben. Die Asylisten wollten nicht mehr als zehn Jude n zulassen. Bei der Kontrolle stellte sich-heraus, daß unter 600 Asylisten 32 Juden waren. Es wurden Versuche gemacht,, die überschüssigen Juden hinauszuwerfen. Die Asylverwaltung mußto Polizei, zu Hilfe nehmen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. > . Judenhaß läßt sogar das eigene Elend vergessen... Ein Beitrag zur Lage der Juden in Palästina Von Rechtsanwalt Dr. Ephraim Waschitz J e r u s a 1 e m, Mitte November. Im Mittelpunkt des Interesses steht jetzt bekannt* lieh in Palästina der sogenannte „Landen twick* lungsplan", der von dem englischen Regicrungs* experten Sir John Hope Simpson in seinem Bericht vorgeschlagen, vorn unseligen. Weißbuch 1930 aufgenom« men wurde und von der Maridatsregierung nunmehr ver* wirklicht wird. Es wurde ein Landentwicklungsleiter ernannt, es wurde ihm ein vorläufiger Kredit Allgemeine Versicherung*»Gesellschaft »Phönix« Zusammenschluß von Dhätiiv" IlfiAMA»" nr^nQniA ■■wieiHsr Gegründet 1890 ww. Gegründet 1881 und „ Providentia" Gegründet 1898 Direktion und Generalreprasentan*: Wien IX. Otto-Wagner-Plat* 5 / Alserptatz 3 Telepnpo; BHWO Serie Veberoahine sämtlicher Scljadenversicherungea zu den kulantesten Bedingungen und Prämien REVISIONISTISCHER STUDENTENKLUB Donnerstag, den 3. Desember, um */<8 Uhr abends im Heim, II., Untere Auearten.«traße 38 GENERALVERSAMMLUNG Tagesordnung: 1. Eröffnung — 2. Begrüßungen — 3. Rechenschaftsbericht — 4. „Was will der Revisionismus", Referent: Benj. Lubotzky — 5. „Jüdische Studentenfragen", Referent: Josef Frankel — 6. Debatte — 7. Neuwahlen - 8. Eventualis. Erscheinen der Mitglieder Pflicht! — Kollegen, kommet zur üen.-Vers. und Iretet dem Rev. Siudentenklub bei t von 50.000 Pfunden bewilligt, ein höherer Richter wurde ihm als Rechtsbeirat beigegeben, und trotz der englischen Währungsverhältnisse, die die geplante 21/** Millionen«Anleihe für Landentwicklungszwecke als unwahrscheinlich erscheinen lassen, geht die Arbeit munter fort, und dürften ihre Kosten aus dem „normalen" Budget Palästinas bestritten werden. Wie die „Arbeit" aussieht, erfuhren die Teilnehmer des letzten Zionistenkongresses aus einer Zuschrift des Lord P a s s f i e 1 d, worin die Ausfindigmachung und Klaglosstellung der durch die jüdischen Bodenkäufe „landlos" gemachten Araber als erste Auf* gäbe der Landentwicklung bezeichnet wurde. Man bedenke: Die Juden haben die Böden schwer überzahlt, haben die Pächter, die auf diesen Böden etwa saßen, reichlich entschädigt und nun sollen die jüdischen Steuergelder dazu dienen, diesen „landlos" gewordenen Arabern zur „Neuansiede* lung" zu verhelfen. Nebenbei bemerkt, haben die meisten dieser Araber sich mit Hilfe der von den Juden erhaltenen Entschädigungen schon anderweitig ansäßig gemacht. Und ganz nebenbei bemerkt, handelt es sich hier um Palästina, also ein Land, dessen Mandatsregierung die Verpflichtung übernommen hat, den Juden zu dichter Ansiedlung auf Regierungsland zu verhelfen. Nun ist der Leiter des Landentwicklungsplanes, Herr F r e n c h, am Werk. Ueber seine Aufforderung haben sich Hunderte und Aberhunderte „landloser" Araber gemeldet. Ihre Ansprüche sollen von Herrn French und seinem Rechtsbeirat, dem Richter Webb, überprüft werden. Bei dieser Gelegenheit dürfte es wohl von Nutz und Frommen sein, eine köstliche Geschichte aus der Zeit der britischen Militärverwaltung (1919 bis 1020) in Erinnerung zu rufen, die ein recht grelles Licht auf die von den Arabern angewendeten Methoden wirft. Die türkische Regierung hatte die Sandelünen bei Rischon le Zion dieser Kolonie geschenkt und darüber ein rechtsgültiges Dokument ausgefertigt, das während des Krieges von dem allgewaltigen Militärkoni* mandanten Palästinas, Djemal Pascha, bestätigt wurde. Kaum war der Krieg vorbei, so gingen die Juden Rischons daran, die Dünen mit Eukalyptusbäumen zu bepflanzen. Die Araber der Umgebung, die es bereits gerochen hatten, daß die britische Militärverwaltung nicht mit den Juden sympathisiert, beschwerten sich bei der Regierung und fanden offene Ohren. Die Verwaltung fand die Besitztitel der Juden in Ordnung, „r i e t" ihnen aber doch, auf ihr Recht zu verzichten. Als sich aber die Juden nicht erweichen ließen, begab sich eines Mors gens eine Kommission, bestehend aus dem Gouverneur von Jaffa Herrn Postelwhite, dem Polizeikomman» danten (jci/.t Gouverneur von Jerusalem) H. Campbell und dem Gerichtspräsidenten Set ton, an Ort und Stelle, um die gerechten Ansprüche der Araber zu prüfen. Die Araber behaupteten ein Recht auf die Dünen zu haben, da sie schon früher dort Eukalyptuswälder angelegt hätten. n Die Kommission wollte die Wälder sehen und ritt in Begleitungeines Arabers und eines jüdischen Kolo* nisten aus Rischon, Herrn Israel S e y g e r, in der von den Arabern angedeuteten Richtung. Plötzlich tauchte ein Wäldchen auf. Frisch und grün. Der Araber war etwas verlegen, der Jude war verblüfft und die Engländer triumphierten insgeheim. Herr Seyger, der sehr ortSs kundig war, hatte dieses Wäldchen nie bemerkt. Nun spielte sich folgender Dialog ab: Seyger: Seit wann besteht denn dieses Wäldchen? Araber: Seit vielen Jahren. Seyger: Könntest du so ein junges Bäumchen aus dem Erdboden reißen? Araber (nachdem er große Anstrengung simu« liert hatte): Unmöglich! Seyger: Schämst du dich nicht, daß du, ein so rüstiger Bursche, nicht imstande bist, einen jungen, schwachen Baum zu entwurzeln?! Araber (von Ehrgeiz gepackt): Was, ich sollte das nicht können!? Im Nu war der Baum aus dem Erdreich gezogen und siehe da — er hatte keine Wurzeln. Es war ein Ast, der in der Nacht in den Sand gesteckt worden war. Dasselbe war mit dem zweiten, dritten und den folgenden Bäumen der Fall. ♦ Traurig ritt die Kommission von dannen . . . Den „entrechteten" Arabern war das Stückchen nicht gelungen. Werden sich die Herren French und Webb nicht von den „Landlosen" düpieren lassen? Von den Arabern können wir allezeit PotemkimStückchen er* warten. Wer wird sie demaskieren?

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