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Die neue Welt · 1931-11-20 · Heft 218 (20.11.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 218 (20.11.1931)
Date
1931-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife I DIE NEUE WELT Nr. ÜB 91. mmmmmmmm— SofttUpItttan, auch T«o««n ■ ZahlungMtUlonterang I „ELPHORA" I I., DomlnHtanaraaitil M I tUkt *>Q Tat. R-24-M8| von 2,813.000 (der Verfasser nennt aber diese Schätzung übertrieben), vertreten, so daß auf einen katholischen Parlamentarier 133.952 katholische Wähler kommen, während auf die 3 0 0.000 englischen Juden 16 jüdische Parlamentarier (Crypto-Juden nicht eingerechnet) entfallen, so dal? auf ein jüdisches Unterhausmitglied 18.750 Wähler kommen. Die Kundgebung der antiasionistischen britischen Liga abermals verschoben London, 12. November. Die Kundgebung der antizionistischen Britischen Liga, die für den 2. November als Demonstration gegen die Balfour-Deklaration einberufen, dann mit einem anderen Thema (Großbritannien hält der moslemitischen Welt die Freundschaftshand entgegen) auf den 12. November festgesetzt wurde, ist jetzt abermals auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Louis D. Brandeis 75 Jahre Washington, 12. November. Am 13. November 1931 vollendet Louis Dembitz Brand eis, Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, einer der prominentesten Führer der amerikanischen Judenheit und Vorkämpfer der Idee des Jüdischen Nationalheimes in Palästina, sein 75. Lebensjahr. Brandeis wurde am 13. November 1856 in Louisville im Staate Kentucky geboren, studierte Rechtswissenschaft und war bis 1916 als ein sehr gerühmter Anwalt in Boston tätig. 1916 wurde er von seinem Freund, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Woodrow Wilson, zum Richter am Obersten Gerichtshof m Washington ernannt, eine bei dem besonderen staatsrechtlichen Charakter dieses Gerichtshofes seltene Aus Zeichnung. 1917 berief ihn Wilson zum Vorsitzenden einer Kommission, die die Materialien für die Friedens Verhandlungen sammelte. Er war es auch, der Wilson für die Idee des jüdischen Nationalheimes in Palästina und für die Zustimmung zu einer Politik im Sinne der Balfour-Dekla ration gewann. 1919 wurde Brandeis von Wilson zu einem der amerikanischen Bevollmächtigten für die Friedensverhandlungen in Versailles ernannt, Brandeis konnte sich jedoch nicht nach Versailles begeben, weil der Erste Richter des Obersten Gerichtshofes seine Anwesenheit in Washington für unentbehrlich hielt. Brandeis setzte sich für die demokratische Organisierung des amerikanischen Judentums als des stärksten jüdischen Machtfaktors ein, um die Berücksichtigung jüdischer Forderungen bei der Friedenskonferenz durchzusetzen. Schon 1915 hatte er sich an die Spitze der Bewegung zur Schaffung eines demokratischen amerikanischjüdischen Kongresses gestellt. Der Kongreß selbst trat nach Kriegsende zusammen. Obwohl Brandeis 1920 zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Exekutive gewählt wurde, war die Differenz zwischen seinen Forderungen und Anschauungen vom Zionismus und denen der Majorität der Organisation so groß, daß die Mehrheit der amerikanischen Zionisten sich 1921 gegen ihn und für Weizmann entschied. Auf der Convention in Cleveland wurde die „Brandeis-Gruppe" gestürzt und Brandeis zog sich mit 36 anderen führenden Zionisten von der Organisation zurück und führte eine selbständige zionistische Arbeit. Seit einiger Zeit arbeiten Brandeis und seine Freunde wieder führend innerhalb der Zionistischen Organisation Amerikas, das ihm angebotene Präsidentenamt hat Brandeis jedoch abgelehnt. Theodor Herzls unbekannte Tagebücher Nachdruck nur mil Genehmigung des Verlags „Die Neue Well" gestattet. Erinnerungen an Hans Herzl, von Joseph leitwich (London) II. Im weiteren Verlauf seiner Erinnerungen macht J. Leftwich eine Mitteilung von großer sachlicher und literarischer Bedeutung. Er meldet den Fund bisher unbekannter Tage* . bücher Theodor Herzls, die sich im Nachlaß seines Freundes Hans gefunden haben. Die Tagebücher betreffen die Zeit vor Theodor Herzls zionistischer Epoche und leuchten tief in die von Melancholie und Ehrgeiz umschattete Seele eines Menschen, der sich vor unerfüllbare Aufgaben gestellt sieht, und seinem Sohn Charakterzüge vererbt hat, die, wie Leftwich analytisch zu beweisen sucht, dessen Schicksal mitzubestimmen geeignet " waren. Derart lassen sich gewisse Wesens* züge von Hans auf das Erbe im Blut zurück« führen und können die Annahme rechtfer* tigen, daß Hans von Mutter und Vater sein Leben bestimmende charakterologische Eigen» Schäften mitbekommen hat. Hans Herzl war der Sohn eines freidenkerischen Vaters ohne irgendeine gründliche Kenntnis des reli» giösen Judentums. Und, wie er selbst sagte, „Religion ist für mich wesentlich, ich bin kein Rationalist". Die allgemeine Atmosphäre in christlichen Ländern ist von christlichen Gedanken so durchtränkt, daß ein religiös indifferent erzogener Mensch auf der Suche nach dem Komfort des Glaubens gleichsam hinübergezogen wird zur herrschenden Religion, deren Elemente unwill* kürlich selbst von religiösen Juden kraft der allgemeinen Erziehung aufgenommen werden. Hans war zu ehrenhaft, um irgendwie seinen Weg zu etwas, das dem Juden* tum entgegengesetzt war, zu gehen und dennoch in ihm zu verharren. Und da er gleichzeitig eine bestimmte Arbeit für einen gewissen, wohlbekannten Juden*) zu leisten hatte, konnte er nicht ruhen, bis er nicht an ihn geschrieben und ihn darüber informiert hatte, was er getan habe, auf daß er nicht der Täuschung beschuldigt werde, und auf daß der Mann, der wohl, wie er richtig vermutete, mit einem Apostaten nicht wünschte, etwas zu tun zu haben, sich nicht durch Geheimhaltung einer Tatsache in einer falschen Voraussetzung befinde. Der Brief wurde privat geschrieben und hatte nur dies zum Inhalt. Aber der Empfänger, über diese Mitteilung in höchstem Maße erregt, informierte die Presse, und es folgte der Auf« schrei, der durch die jüdische Welt ging. Damals war es, daß ich Hans Herzl zum erstenmal begegnete. Es geschah dies so, daß die erste Nachricht von seiner Taufe durch ein Telegramm der Jüdischen Telegraphenagentur (J. T. A.) nach London kam, durch unseren Wiener Ver« treter, meinen Freund M. A. Tenenblatt, und ich glaube, daß ich so der erste Mensch in London war, der davon erfuhr. Es war, daß ich als Journalist Hans Herzl aufsuchte, um seine Geschichte zu erfahren, aber das Ende war, daß wir Freunde wurden. Und ich bin glücklich, wenn ich daran denke, daß ich, als er starb und die Frage nach seiner jüdischen Bestattung aufkam, in *) Diese Bemerkung bezieht sich auf den Heraus: geber der „Neuen Wel t", Robert Stricker. Siehe dessen Erklärung am Ende des Artikels. der Lage war, unter den von ihm empfangenen Briefen einige zu finden, in denen er seine Rückkehr zum Hause Israel kundtat, und durch die weite Ver* breitung der J. T. A. in der jüdischen und allgemeinen Presse Englands, Amerikas und des Kontinents die jüdische Stimmung durch die Erklärung zu beruhigen, daß Hans Herzl äli JüMe gestorben sei. Ich sprach auch mit Pater Day, dem Jesuiten* priester, der ihn in die katholische Kirche aufnahm, und erhielt von ihm eine Erklärung, daß Herzls Deklaration, er sei wieder Jude, d e f i n i t i v war, und daß er als Jude begraben werden wollte. Pater Day schien auch gar nicht überrascht zu sein, daß dem so war, denn Hans hatte, scheint es, nie die komplette Taufe empfangen. Das Gefühl, ein Jude zu sein, brach immer wieder durch, und Pater Day bezeichnete ihn vor mir als „Wackler". Ich bin bei der Verteilung von Hans Herzls Besitz gemäß seinem Letzten Willen mit einigen seiner Freunde in Kontakt gekommen, die ich bis dahin nicht kannte. Und einer, der ihn gut kannte und mit ihm in der „Suche nach dem Weg zu Gott" viel Zeit ver* brachte, schrieb mir: „In seinem ganzen Leben war Hans ein Jude, und diejenigen von uns, die seine intimsten Gedanken kannten, wußten, daß Hans fern vom jüdischen Glauben nie wirkliches Glück finden würde. Ich liebte ihn wegen seines Edelmutes und seiner Ehren* haftigkeit. Er ist immer vom Wunsch beseelt gewesen, seinem Volke gut zu dienen, und von einem unstillbaren Seelenhunger nach Wissen um den ungekannten Gott. Es war mein innigstes Streben, ihn auf allen Wegen mit seinem.Volk und seinem Glauben zu sehen." Ich glaube, es ist wahr, daß das Genie sich selten vom Vater auf den Sohn fortsetzt, aber hohes Talent wohl. Und wenn Herr Jacob de Haas, über Hans Herzl schreibend, an Herbert Gladstone erinnert, der gegen die Belastung, Gladstones Sohn zu sein, ankämpfen mußte, kann ich hinwiederum nicht umhin, an Winston Churchill zu denken, der seinen Vater Lord Randolph Allgemeine Versicherung* - Gesellschaft »Phönix« «l Gegründet 1881 fl II Zusammenschluß von „Phönix" „Wiener Qegründet 1880 . und Providentia Gegründet 1898 Direktion und Generalrepräsentanz: Wien IX Otto-Wagner-Platz 5 / Alserplatz 3 Telephon; B-43-5-8Q Serie Uebernanme sämtlicher Schadenvwslchenwgen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien POPPER.LYNKEUS in billigen Volksautgaben Das Hauptwerk des großen Denkers: Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage Groß 8°, XVI u.396 S., Halbleinen. StattS 15-- nur $ 4*50 Es ist an der Zeit, den hochangeschwoilenen Wuct von Projekten und Programmen beiseite zu scnleben und die Schriften des großen jüdischen üeniusPopper-Lynkeus zur Han ■ zu nehmen... 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Und es hat berühmte rabbinische Dynastien gegeben, und es gibt große jüdische Familien, wie die Rothschilds, die Warburgs und die Montefiores, was dokumentiert, daß hohes Talent geerbt werden kann. Ich glaube nicht, daß Dumas* Sohn irgendwelche Schwie* rigkeit, berühmt zu werden, hatte, weil er der Sohn des großen Dumas war, ebensowenig wie Leon Daudet, weil er Alphons Daudets Sohn und Victor Hugos Enkel war. Selbst Jean Longuet verlor nichts von seiner politischen Karriere als Enkel von Karl Marx. Ich glaube, daß es Tausende ähnlicher Fälle gibt. Aber ich will nicht leugnen, daß die Größe des Vaters oft eine Hemmung für den Sohn bedeutet; denn im Leben ist nichts so gewiß wie die Tatsache, daß, so« bald man aus der Menge von Erscheinungen eine spezielle Theorie entwickelt hat, man ebensoviel einander dia» metral gegenüberstehende Einsichten aus anderen Erscheinungen bekommen kann. Es wäre jedoch müßig, zu behaupten, daß Hans aus demselben Holz geschnitzt war wie Theodor Herzl, obwohl ein Tagebuch, das Theodor Herzl als junger Mann führte, bevor er der Zionistenführer wurde (dessen Manuskript ich in He r z 1 s Nachlaß fand), bezeugt, daß dieser legendär gewor« dene Riese sich selbst als Dummkopf, als unzulänglichen Menschen, der nie im Leben etwas erreichen würde, geißelte, seine Seele in eine Flut von wilder Vers zweiflung. und Selbstanklage tauchte, ganz nach der Art von Hans Herzls Aufzeichnungen, wie ich schon früher gezeigt habe. Sie hatten in der Tat viel gemeinsam, Vater und Sohn. Und es bewahrheitet sich, daß dasselbe Wasser, das den Hügel bespült, ihn auch unterwühlt. Ich war erschüttert, wie Theodor Herzl in seinem Manuskript mit der Furcht rang, bei den gewöhnlichsten Lebensaufgaben zu versagen, mit der Furcht, nie unsterblich zu werde.n. Er gebraucht in der Tat diese Phrase, daß die Ambition nach der Unsterblichkeit lange vor jener Idee vorhanden war, die ihn unsterblich machte. Auch in Hans Herzl lebte der Drang, unsterbs lieh zu werden, etwas „Großes zu tun, etwas »Tiefes* zu schreiben oder etwas Gutes". Nur hielt ihn die Furcht fest, daß es bloß Schimäre sei. „Ambition ist mein größter Fehler", wiederholt er konstant. Es gibt Stellen krankhafter Selbstanalyse und furchtbarer Verzweiflung in diesen Tagebüchern des großen Herzl. In offiziellen zionistischen Kreisen wird allgemein angenommen, daß es in der Familie Naschauer etwas Krankhaftes gab und daß Hans Herzl es von seiner Mutter, einer geborenen Naschauer, geerbt habe; aber M. A. Tenenblatt wurde in Wien von einem Cousin Theodor Herzls versichert, daß es „in der Familie Herzl selbst ein gut Stück melancholischen Einschlags gab; nur eine solche Familie konnte ein Genie wie Herzl hervorbringen". (Weitere Artikel folgen.) * Zur Aufklärung von Robert Stricker Der in „Erinnerungen an Hans Herzl" von Joseph Leftwich erwähnte „wohlbekannte" Jude, mit welchem Hans Herzl in literarisch-geschäftlicher Beziehung stand und den er zuerst von seiner Taufe verständigte, b i n i c h. Ich muß die in den „Erinnerungen" gemachte Bemerkung, daß ich in erster Erregung den Brief Hans Herzls publizierte und so die Nachricht von der Taufe in die Oeffentlichkeit trug, richtigstellen. Durch Vermittlung des Wiener Anwaltes Hans Morzls und eines seiner alten Freunde von Vaters Zeiten her kam ioh mit Hans Herzl in Verbindung. Er ließ mich wissen, daß er eine englische Uebersetzung der „Tagebücher" seines Vaters verfaßt habe und ich machte mich erbötig, die Uebersetzung herauszugeben. Sein Anwalt teilte mir mit, daß meine unentwegte An-

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