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Die neue Welt · 1931-11-13 · Heft 217 (13.11.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 217 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 217 Russischer Gymnasialprofessor unterrichtet alle Fächer für Mittelschulen, insbesondere Mathematik, Physik, Französisch, Russisch. Sehr billiges Honorar. Zuschriften unter „S. K.", ^Administration „Neue Weit", IL, Untere Augartenstraße 38 _ überschriebener Aufsatz von Max Birnbaum enthalten, dem die Redaktion des „Gemeindeblattes" folgende Be* merkung vorangehen läßt: „Groß ist die jüdische Not. So groß, daß Herzen und Hände Tausender einst Hilfsbereiter müde zu werden drohen, gleichgültig im Sturm einer gewaltigen Zeitwandlung. So ist, von allzuwenigen erkannt und bekämpft, dem deutschen Judentum eine Ge* fahr erwachsen, die es in naher Zukunft in seinem Bestand erschüttern muß, wenn nicht zur rechten Zeit ihr Halt geboten wird: die jüdischen Klein« und Mittelgemeinden sind in ihrer Existenz bedroht. Sie sind dezimiert an Mitgliederzahl, ge* brochen in ihrer wirtschaftlichen Kraft. Sie haben nicht mehr die Mittel, ihre Religionsschulen zu erhalten, ihre Kinder als Juden zu erziehen, viele ihrer Gotteshäuser liegen verödet. Sie stehen — auf engem Raum — viel näher einer feindseligen Umgebung gegenüber, sind viel unmittelbarer persönlichem Haß und Boykott ausgeliefert als der großstädtische Jude. Sie sind arm an Gütern, arm an Menschen, arm an Freude, arm an Trost geworden. Dieser Not ringender, vereinsamter Menschen, unvergleichlich bitterer als unsere Not, dürfen wir nicht länger tatenlos gegen» überstehen." Max Birnbaum zitiert folgende Stelle aus dem Brief einer jüdischen Gemeinde aus dem äußersten Westen des Reiches: „Die hiesige jüdische Gemeinde besteht zur Zeit aus drei Familien, so daß schon jahrelang kein Gottesdienst mehr abgehalten werden kann. Die Synagoge ist dem Verfall nahe . . . Hier im Ort herrscht schrecklicher Antisemitismus, die Fenster der Synagoge sind schon längst zertrümmert, das Dach ist sehr be« schädigt, vor einigen Tagen wurde die Hakenkreuz« f a h n e auf das Dach aufgesteckt." Der Verfasser berichtet über die Hilfe, die der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden den Mittel« und Kleingemeinden angedeihen läßt, und lllu* strierte diese Hilfe an folgendem Beispiel: Während noch 1908 in der Provinz Pommern von insgesamt ,47 Ge« meinden 36 einen eigenen Religionslehrer und Kantor und sechs Gemeinden einen Rab* biner hatten, waren — als der Landesverband mit seiner Arbeit einsetzte — nur noch zehn Gemeinden mit eigenem Kultusbeamten und drei Rabbinergemeinden vorhanden. In der gleichen Zeit war die Seelenzahl von insgesamt 9660 auf 6650 zurückgegangen. Von insgesamt rund 700 dem Landesverband an« geschlossenen Synagogengemeinden waren im Jahre 1930 260 Gemeinden mit mehr als 40 Prozent der Einkommen« Steuer belastet (zahlreiche Gemeinden sogar mit 100 Pro* zent, 150 Prozent und über 150 Prozent). In dieser Ver* fassung traten die kleinen und mittleren Gemeinden in das Jahr 1931 ein, in das Jahr der Notverordnungen, Bankensperre und Riesenkonkurse. Einige Stichproben: Eine Rabbinergemeinde im gefährdeten Grenzland von über 600 jüdischen Seelen hat einen Rückgang der Ein« kommensteuer von 181.000 Mark auf 122.000 Mark zu verzeichnen, eine andere von 87.000 auf 33.000 Mark, eine Mittelgemeinde von 32.000 auf 18.000 Mark. Zwei Rab* binergemeinden, nicht allzu weit von Berlin: die eine 500 jüdische Seelen, hat einen Rückgang der Einkommen« Steuer von 84.900 auf 44.500 Mark; die andere, Sitz eines umfangreichen Bezirksrabbinats, über 600 jüdische Seelen, sieht, sich einem Steuerschwund gegenüber, der für die letzten drei Jahre wie folgt verläuft: 127.000 Mark, 87.000 Mark, 39.000 Mark. Eine Kleingemeinde der Grenzmark, heute 105 Seelen, vor einem Jahrhundert noch 850 Seelen, kann ihre Lehrerstelle nicht mehr erhalten: die Steuerkraft ist von 9400 auf 3000 Mark gesunken. Die Synagoge wird veröden, die Gemeinde verfallen. Eine jahrhundertealte Kehillah weniger! Noch immer waren die Dörfer und kleinen Städte die Bevölkerungsreservoire gegenüber den ver« nichtenden Wirkungen der Großstädte. Mit dem Zu« sammenbruch der Provinzgemeinden würde die p r e u s* sische Judenheit ihre endgültige und rest« lose Auslieferung an den Mechanismus der groß« städtischen bevölkerungspolitischen Entwicklungstenden« zen besiegeln. Es geht also, schließt Birnbaum, nicht um die Aufrechterhaltung einiger Provinzgemeinden, es geht um den Bestand des Judentums in Preußenl Sofortige durchgreifende Maßnahmen sind unerläßlich. Bursdien§<haftlidie Grundsätze der jüdischen Studenten Das Lied von der „alten Treue". In das Chaos der antisemitischen Zustände in Deutschland wird natürlich auch der jüdische Student einbezogen. Nicht etwa nur von den biut« rünstigen, hitlerisch«hakenkreuzlerischen Gruppen, son« dern auch von denen, die bisher liberale Maske zur Schau getragen haben. Eine solche, liberal attestierte Gruppe war die Deutsche Burschenschaft, die, wie es in einem Bericht heißt, in früheren Zeiten jüdische Kommilitonen in ihrer Mitte zählte. In den „Burschenschaftlichen Blättern" werden immer wieder Legenden von jüdi« sehen Mädchenhändlern, Bordellhaltern, Banditenkönigen, Terroristen und Sittlichkeitsverbrechern aufgetischt, ja sogar der R i t u a 1 m o r d als Tatsache hingestellt, bis ein Professor namens Otto R i e ß e r, ein Großneffe des Emanzipationskämpfers Gabriel Rießer, eine Entgegnung schrieb, in der er von der deutschen Burschenschaft — um*mehr Takt und Traditionstreue bat und auch darum, die vielen Bundesbrüder jüdischer Abstammung nicht zu vergessen. Dieser jüdische Professor und alte Burschenschafter bekam eine entsprechende Antwort. Das Blatt Heß fest« stellen, daß die antisemitische Haltung die offizielle Burschenschaftsgesinnung sei. Das war gewiß eine eindeutige Antwort, die der liberale jüdische Burschenschafter von der liberalen deutsch» arischen Burschenschaft erhielt. Das tat dem KartelI*Konvent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens weh. Ihre Zeitschrift „K. C.*Blätter" brechen in folgende Klage aus: „Ueber Bord sind die alten Traditionen, wertlos die Schwüre der Treue an den jüdischen Bundesbruder, mag er auch noch so wacker einst mit blanker Wehr die Burschenehre verteidigt haben 1 In früheren Zeiten, als man sich noch nicht „durchgerungen" hatte, da konnte man mit Recht singen: Die alten Burschen leben noch, noch lebt die alte Treue. Heute hat man dieses schöne Lied zur Lüge werden lassen, wie manches andere Burschenideal." Wie recht sie auch haben, uns kann dieses Jammer« geschrei weder rühren noch überraschen. Waren sich denn die Herren nicht bewußt, daß sie in der liberalen Aera nur geduldete Gäste waren, Parade«Israeliten, mit denen man jeweils kurzfristige politische Geschäfte, machte, ohne sich aber von ihnen unter den Linden grüßen zu lassen? Ihr Speichellecken, ihr sich Berufen auf ihre Verdienste, ihre Verteidigung der deutschen Burschenehre hat nichts genützt, hat ihnen den Fußtritt nicht erspart. Seit Jahr und Tag sagten wir ihnen, daß man sie alle, die gut deutsch tuenden Israeliten, „über Bord" werfen werde. Nun ist's geschehen. Wie sie die „alten Traditionen" zitieren, so denken wir an die beiJihnen traditionell ge* wordene Würdelosigkeit, die assimilatorische Anbiede* rung, die in der Geschichte bisher immer mit dem Hinaus« wurf geendet hat. Das Lied von der alten Treue ist ein schönes Lied — allerdings nicht jenes, über dessen Ver« lust sich die „K. C.«Blätter" beklagen, sondern jenes Lied, das der jüdischnationale Student als das Lied von der Treue zu seinem Volk versteht. ' Eine neue Form des antijüdischen Boykotts In Altenburg (Thüringen) stellte die dort erscheinende Zeitung „Braune Front" Aufpasser vor ein jüdisches Kaufhaus, um die Namen der Besucher zu notieren. Es wurde in der Zeitung angekündigt, daß die Käufer« und Besucher bekanntgegeben würden. W,ie, mitßefejßt wird, wurde durch einstweilige Verfügung des Landgerichtes Altenburg und des Oberlandesgerichtes in Jena der Zeitung unter Strafandrohung verboten, das Kaufhaus zwecks Feststellung der Besucher und Käufer überwachen zu lassen oder die. Namen der betreffenden Personen direkt oder andeutungsweise zu veröffentlichen. — Ob die Verfügung Wandel schaffen wird, ist mehr als fraglich. ZionB§tisdi;revi§3om§ tisch er Ländesverband Deutschland Revisionistischer Stammtisch. Die Revisionisten Berlins treffen sich jeden Dienstag ab 8. Uhr abends im Cafe T e 1 s c h o w (1. Stock), Hardenberg« straße, direkt am Bahnhof Zoo. Auch die in Berlin ein« treffenden auswärtigen Revisionisten werden auf den revisionistischen Stammtisch aufmerksam gemacht. Große zionistische Kundgebung der Revisionisten Berlins. Mittwoch, am 11. ds. fand in den Räumen des Logenhauses, Kleiststraße, eine große öffentliche Kund« gebung statt, bei welcher Herr Lichtheim über „14 Jahre Balfour*Deklaration: Jüdisches oder ara« bisches Palästina" referierte. Die Versammlung war sehr gut besucht. Ein ausführlicher Bericht über diese Versammlung folgt in der nächsten Nummer. Finanzaktion. Laut Beschluß der II. Landeskonfe« renz vom 11. Oktober 1931 sind alle Mitglieder der Union verpflichtet, den Dinar und den Mitgliedsbeitrag zu ent« richten. Diesbezügliche Rundschreiben wurden bereits an alle revisionistischen Ortsgruppen versandt. Der Landes« verband macht auch auf diesem Wege alle Ortsgruppen und Gesinnungsgenossen auf die erwähnten Beschlüsse aufmerksam und fordert von ihnen die sofortige Durch« führung der November«Finanzaktion. Brilh Trumpeldor, Berlin Treffahrt. Die nächste Betar-Treffahrt geht am Mittwoch, den 18. November (Bußtag), nach Friedrichsbagen. Die technische Durchführung hat Leon Auerbach und die Pluga Maaraw übernommen. Es sind Sportwettkämpfe der Plugoth gegeneinander ausgeschrieben worden. Nachmittags werden am Lagerfeuer die neuen Chawerim in den Betar eingeführt. Sportwettkämpfe. Darga Alef: Hindernisstaffel. Speerwerfen (je drei Mann). Völkerball. 6X50-Meter-Staffel. Darga B und C: Handball. Speerwerfen (je fünf). Völkerball. 6X200-Meter-Staffel. Mädchen: Ball über die Schnur. Völkerball. 4X50-Meter-Staffel. Eine Mannschaft beteiligt sich an der Hindernisstaffel der Darga Alef. Drei Schaukämpfe im Boxen: Zentrum gegen Westen. Römisches Wagenrennen: Süden—Westen—Zentrum—Mädchen. Chanukafeier. Der Betar veranstaltet im Dezember eine große Chanukafeier, für welche in allen Plugoth die Statt jeder besonderen Anzeige Die Trauung meines Sohnes Isak Ber mit Fräulein Bulla Horn findet s. G. w. am 17. November 1931, um 4 Uhr nachmittags in Lwöw, Hotel Zipper, statt. Benjamin Kaisenellenbogen Vorbereitungen getroffen werden, da das ganze Programm vom Betar selbst bestritten wird. Znsamenkünfte. Pluga Galil: Dienstag, 20.30 Uhr, Gemeindehaus, Oranienburgerstrafie 29; Pluga Maaraw: Mittwoch, 20.30 Uhr, bei Kahan, Bleibtreustraße 32; Pluga Awiw: Mittwoch, 20.30 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga HerzI: Sonntag, 17.30 Uhr, bei Feiwel, Neu« Königsstraße 38; Pluga Hakoah: Sonnabend, 16 Uhr, bei Weinstock, Alte Schönhauserstraße 11; Pluga Achdut: Donnerstag, 20 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Tel-Josef: Sonnabend, 18 Uhr, bei Spiegel, Wassertorstraße 55; Pluga Haschachar, Sonnabend, 16 Uhr, bei Spiegel, Lottumstraße 9; Pluga Seew: a) Sonabend, 17 Uhr, Beth Am, b) Mittwoch, 17 Uhr (Mädchen); c) Dienstag, 17 Uhr (Jüngste), Kurfürstendamm 61; Pluga Tel-Chaj: Sonnabend, 16 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Hatikwa: Sonnabend, 14.30 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Kadima: Montag, 20 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Tchija: Montag, 20 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Dror: Donnerstag, 18 Uhr, Heim, Monbijou- . platz 10; Pluga Atid: Mittwoch, 18.30 Uhr, Sonnabend, 17.30 Uhr, Heim, Monbijouplatz 10; Pluga Benjamina: Sonnabend, 15.30 Uhr, Heim, Monbijuoplatz 10. AUS PALÄSTINA. 1000 jüdische Familien in Palästina erheben Anspruch auf Amnestie für illegal Eingewanderte Jerusalem, 5. November. Die Palästina-Regierung hat bekanntlich im Juli d. J. eine Amnestie für illegal in das Land eingewanderte Personen erlassen und ihnen das Recht gewährt, um die Berechtigung zu dauerndem legalen Aufenthalt im Lande nachzusuchen. , Bis heute haben sich tausend jüdische Familienoberhäupter um diese Vergünstigung beworben. Der Waad Leumi (Jüdische Nationalrat) gibt in einem Kommunique bekannt, daß die erwähnten 1000 Familien nur die Hälfte der illegalen jüdischen Einwanderer, die ihre Position im Lande zu regeln haben, ausmachen, und daß die noch nicht registrierten Einwanderer sich beeilen müßten, sich in die Liste der unter die Amnestie fallenden illegalen Einwanderer eintragen zu lassen. Nach Legalisierung ihres Wohnrechts im Lande werden all diese Einwanderer in die bevorstehende Volkszählung mit einbezogen werden. (Zur Zeit des Amnestieerlasses wurde die Zahl der illegal nach Palästina eingewanderten Juden auf etwa 10.0 00 Seelen geschätzt.) Verfolgung der revisionistischen Volkszählungsgegner Jerusalem, 3. November. Während einer in Tel- Awiw stattgefundenen revisionistischen Kundgebung gegen die Teilnahme der Juden an der palästinensischen Volkszählung wurden der Führer der revisionistischen Jugendorganisation in Palästina, Akhi Mayer, und der Redakteur der revisionistischen Tageszeitung „Haam", Y e v i n, sowie sieben andere Teilnehmer an der Kundgebung von der Polizei verhaftet. Zwei der Verhafteten wurden gegen eine Kaution von je 20 Pfund freigelassen, während Akhi Mayer, Yevin und die übrigen Verhafteten laut Anordnung des Polizeirichters weitere vier Tage in Haft behalten werden sollen. Kein Streik, keine Manifestationen am Balfour-Tag — Der Mufti hetzt Jerusalem, 3. November. Der 2. November, der Jahrestag der Verkündung der Balfour*Deklia* ra ti on, der sonst in Palästina durch arabische Streiks und Manifestationen gekennzeichnet war, ist in diesem Jahre vollkommen ruhig verlaufen. Nirgendwo war etwas von Streiks oder Kundgebungen zu merken. Einzig in der Presse spiegelte sich das Jubiläum der BalfouroDeklaration ab. „Falastin", das Organ der arabischen Exekutive, begründet die Anordnung der Die Z.A.V. «Bar.Kodiba» gibt tief- I erschüttert allen Freunden und Gesmnungs- ■ genossen Nachricht, daß ihr treuer A. H« I Di% Abraham Glanz I Donnerstag, den 5. November 1931, plötzlich I verschieden ist. I F.d. A. H.: F. d. Activitas: I k>r» Moses Stöckel Theodor Grubner I

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