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Die neue Welt · 1931-11-13 · Heft 217 (13.11.1931) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 217 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nf. 217 DIE NEUE WELT Seite 9 * Provinzversand per Nachnahme i Exekutive, in diesem Jahre nicht zu streiken, damit, daß durch einen Streik die arabischen Geschäfte eine wirt* schaftliche Einbuße erleiden müßten. Die ara* bische Presse, schreibt „Falastin" weiter, ist diesmal aüch nicht in Trauerumrandung erschienen, weil die Balfour^Deklaration nicht die gute Tinte für schwarze Umrandung wert ist. Das Organ des Mufti und des Moslemitischen Obersten Rates, „El Jamea el Arabia", kritisiert scharf die arabische Exekutive, weil diese den arabi« ' sehen Streik am 2. November, dem Balfour*Tag, abgesagt hat. Die Organisation arabischer Frauen in Palästina er* ließ~am?, November .eine Protestkundgebung gegen die Balfour*Deklaration. Noch ein Opfer der Schießerei in Yad-Yur Jerusalem, 3. November. Die Schießerei, die sich im April d. J. in der jüdischen Kolonie Yad-Yur an der Straße nach Haifa ereignet hat — wie erinnerlich, wurden aus der Zementfabrik „Nesher" zurückkehrende jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen von einer arabischen Bande aus dem Hinterhalt beschossen, wobei Hinda Fishman, Samuel Dishnel und Jacob Zamil getötet und einige Arbeiter verwundet wurden — hat nun nachträglich noch ein Opfer gefordert: Breina Halperin, die bei der Schießerei erheblich verletzt wurde, warf sich vor einigen Tagen vor einen fahrenden Zug und wurde getötet. Sie war kurz vor dem Ueberfall in Yad-Yur aus Polen nach Palästina gekommen. Sie erlitt bei dem Ueberfall einen schweren Nervenschock, von dem sie sich nicht mehr erholt hat. Sie verfiel in eine schwere Gemütsdepression, die sie nun zum Selbstmord trieb. Das Begräbnis fand in Haifa unter großer Beteiligung der Arbeiterschaft statt. — Die Mörder von Yad-Yur sind bis heute nicht festgestellt. Eine i,Chibath Zionw-Kolonie in Palästina Jerusalem, 4. November. In diesem Jahre, dem fünfzigsten Jahre seit der Begründung der Chibath Zion-Bewegung, wird, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, auf Boden des Jüdischen Nationalfonds eine neue große Siedlung entstehen, die den Namen „C h i b a t h Z i o n" tragen wird. LevantesMesse, 7. bis 30. April 1932. Die ehren* amtliche Vertretung der Levante*Messe, TebAwiw, hat Herr Bruno Rabinowitz, Wien, I., Rotenturmstr. 25 (Tel ü»20.8*33). Bürostunden: 12 bis Ya\ Uhr und 3 bis 5 Uhr nachm. übernommen und erteilt jede gewünschte Auskunft. ECKSTEINS illlllllllllllllllllllllllillllllllliiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiii FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 5-Uhr-Tee SEMMCrDIMfi Telephon 11,HoohstraBe43 aKraPIErJ<||l\J neuen Hoter Pannen« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kahwasser in jedem Zimmer. >/ Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Jeder ist seines Glückes Schmied! Da die Ziehung der 1. Klasse der 26. Klassenlotterie schon am Dienstag, den 17.d.M., beginnt, ist höchste Eile zum Ankauf von Losen durch das » Bankhaus SchelKämmer & Schauern Wien t, Stephaitsplats 11 < ' geböten iimiiiiiimliniiiiimniiiiiimiiiitmiimmii im neuen Persiera Herr Dr. Walter Fi s c h e 1; von der Heb r ä ischen Universität Jerusalem, der vor kurzem von einer im Zusammenhang mit seinen wissenschaftlichen ■ -Studien unternommenen Forschungsreise nach dem Irak, nach Kurdistan und Persien zurückgekehrt ist und jetzf vorübergehend in Deutschland weilt,. gewährte einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur ein Interview, dem wir u. a. folgende wichtige Einzelheiten in beziig auf die Lage der Juden in Persien entnehmen: Die 60.000 Juden in Persien haben durch das Regime des neuen Schah Riza Khan Pehlevi staatsrechtlich fast volle Gleichberechtigung erhalten. Daß wenigstens laut Verfassung die jüdischen und christlichen-Minoritäten anerkannt und geschützt sind, daß heute ein jüdischer Vertreter im persischen Parlament Sitz und Stimme hat, ist ein Fortschritt, der nur dann richtig gewürdigt werden kann, wenn man berücksichtigt, daß in Persien der im Vergleich zum sunnitischen Islam viel intolerantere schottische Islam Staatsreligiou ist und daß bis vor kurzem die Anschauung von der rituellen Unreinheit der Ungläubigen (Juden, Christen, Zoroastfer) vorgeherrscht hat, nach der sogar schon die bloße Berührung mit einem Juden religiös unrein machte. Diese auf koranische Vorschriften zurückgehende, dann in dem schiitischen Gesetzeskodex des Schah Abbas (16. Jahrhundert) verankerte und seitdem herrschende Vorstellung war die Quelle unsäglicher Bedruckungen und Verfolgungen des jüdischen Bevölkerungsteiles in Persien während der letzten Jahrhunderte durdi die dslami tische Geistlichkeit, die diese Vorstellung bis zur äußersten Konsequenz in die Wirklichkeit umsetzte. Der Jude mußte sich durch Kleidung, Haltung und Lebensweise von den anderen linterscheiden, er durfte z. B. bei Regen die Straße nicht aufsuchen, da doch der Regen die Unreinheit auf die „Gläubigen" übertragen könnte. Selbst im 20. Jahrhundert waren noch Pogrome und Z w a n g s b e k e Ii r u n g e n an der Tagesordnung, wodurch ganze Gemeinden ausgerottet wurden. Die Juden, fern von Europa, entbehrten des Schutzes einer einflußreichen Persönlichkeit, bis zu Be¬ Beginn des 20. Jahrhunderts die Alliance Israelite Universelle in einzelnen Städten Persiens ihre Schulen einzurichten begann, deren Direktoren die Rolle des „Stadlan" den persischen Behörden gegenüber zu übernehmen hatten. Wenn also auch die staatliche Stellung der Juden in diesem islamitischen Pensien heute nicht mehr unbefriedigend ist, dank der Tatsache, daß der einst so beherrschende Einfluß der islamiiisohen Geistlichkeit jetzt durch Riza Khan gebrochen und eine weitgehende Emanzipation von der Vormundschaft des Klerus und eine Säkularisierung des öffentlichen Lebens überhaupt erreicht ist, so ist die kulturelle und soziale Lage der infolge der vielen Leiden und Verfolgungen auch physisch geschwächten Juden Persiens traurig und im höchsten Grade besorgniserregend. < Gerade wo jetzt durch eine liberale Regierung auch dem Juden größere Auswirkungsmöglichkeiten gegeben sind, empfindet man den Mangel an dem nötigen M ens c h e n ma t e r ia 1 und an den Mi Hein zur Hebung der persischen Judenheit besonders stark. Alles schreit in Persien, wie übrigens auch in anderen Teilen des Orients, nach Erziehung und Bildung, und fieberhaft arbeitet der Staat an der Eröffnung neuer Schulen und Bildungsanstalten für die männliche und weibliche mohammedanische Jugend. Die jüdische Minorität besitzt nicht die Mittel, ihre kulturellen Bedürfnisse aus sich heraus befriedigen zu können; das erlaubt ihr sozialer Tiefstand nicht. Die bedeutende Hilfe, die dem kulturellen Leben des persischen Juden durch die Alliance gewährt wurde, ist heute bei weitem nicht mehr ausreichend. Die Erweiterung des jüdischen Schulwesens und ihr Ausbau sind dringende Forderungen, um den VerfaMsprozeß der persischen Judenheit zu dämmen. Denn mit Recht kann von einem solchen gesprochen werden. In den letzten Jahrzehnten zog über das persische Judentum eine Welle des Abfalls und der Assimilation, die ihresgleichen nur noch in der Assimilationsbewegung der deutschen Judenheit des 19. Jahrhunderts hat. Noch heute leben notgedrungen Hunderte von jüdischen Familien als Scheinmohammedaner („Anusim") in mehreren Städten Persiens, ohne daß eine Möglichkeit vorauszusehen wäre, wann und wie diese Marranen des 19. Jahrhunderts, über deren Existenz bisher gar nichts bekannt war, zum Judentum zurückgeführt werden können. Aber nicht nur dies. Die christliche Mission in ihren verschiedenen Erscheinungsformen als Schulmission, Krankenhausmissionen u. dergl. wirkt in einer Weise unter den Ärmsten Schichten der persischen Judenheit, besonders da, wo keine Alliance-Schulen sind, die jeder Beschreibung spottet. Auf der anderen Seite hat eine islamitische Sekte, die sogenannte Behaib e w e g u n g, viele Anhänger unter den Juden gefunden und den jüdischen Bevölkerungsteil Persiens um eine weitere nicht unbeträchtliche Zahl von Opfern dezimiert. Der Mangel an geeigneten jüdischen Führern dürfte nicht zuletzt die tiefere Ursache des kulturellen Niederganges der persischen Judenheit sein, um so mehr als Rabbinen, MullaJb genannt, tief in abergläubischen Vorstellungen stecken und kaum mehr als ein formelhaftes Judentum zu lehren wissen. Unter diesen Verhältnissen könnte nichts geeigneter sein, das wankende Schiff der persischen Judenheit in Sicherheit zu bringen, als das neue Ideal der Renaissance mit ihrem Stolz auf die jüdiscHe Vergangenheit etc. In der Tat erfuhr auch das persische Judentum nach, d«r Bali our-Deklaration I 11 % m 11!fl m f, lit ,A>,i ,di ■'8 4f i*, ' t 'l\ i 5 E Ii '■■ V, i><

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