Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 217 (13.11.1931)
- Date
- 1931-11-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 DIENEUE WELT Nr. 217 Scnsiipfotttn, airch Tauson Zatilunjicrttfiftttrunsi „ILPHOftA" l., D6mlnl»snifOMl«l 21 I <E«k*K*H Telr R-M-4-16 Der Verband der nationaldcmokratischen studentischen Organisationen veröffentlicht ein Kommunique, in welchem erklärt wird, der Kamp^f gegen die jüdische Studentenschaft werde nicht aufhören. Die jüdischen Studenten entwickeln eine lebhafte kommunistische Tätigkeit. Aus diesem, Kommunique ist zu ersehen, daß die nationaldempkratischen Studenten die antijüdische Hetze unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Kommunismus fortführen. NtidB bewährtem Muster Die deutschnationalen Schüler des Wiener Real* gymnasiums in der Albertgasse beschlossen, ihre jüdi* sehen Mitschüler zu verprügeln und zu verdrängen. Die Juden ließen sich' aber nichts gefallen. Die Sektion 8 des Verbandes . zionistischer Mittelschüler teilt uns mit: Samstag mittags kam es vor dem Realgymnasium in der Albertgasse zu einem wüsten Exzeß der hakenkreuzle* rischen gegen die jüdischen Schüler. Obwohl wir unvor* bereitet waren, gelang es den Hakenkreuzlern nicht, uns niederzuringen. Im Nu hatten wir uns organisiert und die Nazis zurückgedrängt, wobei einer von uns verletzt wurde. Es wurde so arg, daß Wache, von der Schuldirek* tion herbeigeholt werden mußte, die dann einige der Hakenkreuzler der verdienten Strafe zuführte. Der Verband zionistischer Mittelschüler hat bereits der Schul« direktion die Anzeige erstattet. /&udh in Südafrika Schwere Drohungen des südafrikanischen Innen« ministers Malan an die Adresse der Juden Aus Kapstadt wird vom 4. November gemeldet: Der Innenminister der südafrikanischen Union, Dr. F. D. Malan, hielt heute im Rahmen einer Veranstaltung der Nationalsozialistischen (Rcgierungs*) Partei eine Rede, die eine einzige schwere Drohung an die Adresse der südafrikanischen Juden war. Minister Malan knüpfte an das von seiner Regierung durchgeführte E i n* Wanderungsgesetz an, nach welchem die Ein* Wanderungsquote aus den osteuropäischen Ländern so niedrig ist, daß sie fast einer Ein Wanderungs* sperre gegen diese Länder und insbesondere — wie dies in der seinerzeitigen Parlamentsdebatte unzwei deutig zum Ausdruck kam — gegen die Judenschaft die« ser Länder gleichkommt, und warnte die südafrikani* sehen Juden davor, wegen des'von ihnen bekämpften Ein» Wanderungsquotengesetzes „R.a c h e -•amu-Aier N a t i o« na listischen Partei zu nehme n". Die Juden, führte der Minister Dr. Malan weiter aus, wagen nicht, offen gegen die Regierung und die Regierungspartei auf« zutreten, sie verstecken sich hinter Männern wie Doktor Steenkamp (Steenkamp ist der Führer der oppositio* nellen -Neuen Partei), die sie dazu antreiben, die Natio* nalisten zu bekämpfen. Ich weiß nicht, fuhr der Minister fort, wie viele Juden hinter dieser Agitation stehen, aber ich möchte d i e s e J u d e n. j e d e n f a 11 s warnen, als Reaktion gegen ihre Propaganda wird ein Gefühl des Hasses gegen die Juden im Lande aufkommen. Das Ein« Wanderungsquotengesetz wurd* im Interesse des gesamten Landes, die Juden nicht ausgenommen, eingeführt. Im Hinblick auf die Einwanderung .tiefste h.ender Elemente aus Osteuropa kam ein Gefühl der Unruhe auf, das so stark anschwoll, daß das Land eine Gesetzgebung zur Eindämmung .dieser Einwanderung forderte. Damals machte sich eine Haßstimmung gegen die Juden geltend. Nachdem aber das Einwanderungs* quotengesetz eingeführt wurde, schwand-diese böse anti* jüdische Stimmung. In der Vergangenheit hegte die Nationalistische Partei Freundschaft für die Juden, heute aber sehe ich mich veranlaßt, an die Juden die folgende Warnung zu richten: Wenn sie uns schlagen, so schlagen wir z u r ü c k. Des mögen sie gewiß sein. Wenn sie mit ihrer Propaganda gegen die Regierung fort* fahren, so mögen sie versichert sein, , daß wir bei der kommenden Wahl jeden Kandidaten zwingen werden, un* zweideutig die Frage zu beantworten, ob er für oder gegen eine Aufhebung des Quotengesetzes ist. Wollen die Juden eine unter dem ScJilkgwpri5 .»Quotengeäetz öder nicht?" stehende Wahl haben, so werden sie sie haben, dann aber werden Juden Geregeilheit haben, ■ darüber nachzudenken, welchen Fehler sie begangen haben, als sie die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen ihnen und den nationalistischen Teilen des Volkes be* standen, geopfert haben. Sie werden aus diesem Feldzug mit schwerem Schaden hervorgehen, . Unter der Judenheit Südafrikas hat diese Drohung des Innenministers Dr. Malan, die schon einer politischen Erpessung gleichkommt,*' Bestürzung und Em> Festsaal 220 Sitzplätze Vortragssaal zirka 150 Sitzplätze für Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Konzerte, Konferenzen etc. Institut DKLobenwein gegen Verdauungs- und StoffwediselsiSrungen Wien I, Graben 19 / fei. U-26-4-30. Verlangen Sie Prospekt pörun.g hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß die Judenheit Südafrikas keineswegs ari dem Streit zwischen Opposition und Regierung in irgendeiner besonders her* vorstechenden Weise .teilnimmt. Dr. Steenkamp aus Namaqualand, früher Nationalist' und jetzt Führer der Neuen Partei, 'hat sich.vor kurzern in einer Rede für Auf» hebung des Quotengesetzes ausgesprochen und dies damit begründet, daß dasGesetz" ein's'ei*tig"gfeg'en die Juden' gerichtet sei. Der Nationafisteriführer Dr. 'Malan befürchtet, daß sich nunmelir die' jüdischen Stimmen Dr. Steenkamp zuwenden wenden ^ünd glaubt nun, mit , solchen schweren Drohungen ''che. Wdeh vQri ' einer Beteiii* gung an "dem. Wahlfe'fdzug'^ könneri; " \' „Grand Öld Man" " ' Kapstadt, 4. November. (J. /T; A.) Oberst Sir David . Harris, der „Grand Old Man!'.. der südafrikanischen Judenheit, der jetzt 80 Jahre, alt wird, hat sich aus dem. Geschäftsleben und dem öffentlichen Leben zurück* gezogen. Sir David Harris legte seine .Stellen in den Direk* torien mehrerer großer Bergbau? v.und Diama^tengesell* Schäften nieder. Bevor er sich ypr etwa jirei. Jahren, aus dem politischen Leben zurückzog,-war er das ^älteste, Mit* glied des südafrikanischen Pariamen t s. Noch Beratungszimmer Auskünfte: gegen mäßiges Entgelt zu vergeben Verbandsheim II., Untere Augartensfr. 38 als Mitglied des alten Kap*Parlaments hatte er einen Verbesserungsantrag zum Einwanderungsgesetz durchgesetzt, nach welchem Jiddisch als eine der europäischen Sprachen anerkannt wurde. Vor einem Jahre veröffentlichte er ein Erinnerungsbuch, in welchem er sein abenteuerliches Leben und seine Zu» sammenkünfte mit bedeutenden Persönlichkeiten, wie Bärny Barnato, der sein Vetter war, Cecil Rhodes, den früheren High Commissioner für Palästina Feld* marschall LordPlumer (Sir David Harris war als Oberst der Vorgesetzte des damaligen Majors Plumer und beförderte ihn) u. a. m. In Kimberly war Sir David Harris führendes Mitglied der Jüdischen Gemeinde, der er große Fonds zuwandte. Sir David Harris wurde in London ge* boren und gehörte als Knabe dem Chor der Londoner Großen Synagoge an. Mit 19 Jahren wanderte er näch Südafrika aus. Im Burenkriege war er Kommandeur der britischen Besatzung von Kimberly. Die britischen Militärs erkannten an, daß es Oberst Harris zu danken war, daß die Stadt Kimberly nicht den Buren in die Hände fiel. Wäre Kimberly gefallen, so hätte dies einen allgemeinen Aufstand in der Kap*Kolonie zur Folge gehabt, und Südafrika wäre dem British Empire [ v e r 1 ö f 'e ri/g e g a n g e n. Vom Siudentenantisemitismiis in Amerika. Auf dem kürzlich abgehaltenen Jüdisch*ame# rikanisehen Kongreß in New York wurde be*; kanntlich auch die Lage der jüdischen Studentenschaft eingehend besprochen, sowohl in bezug auf das freie Studium als auch über die Schwierigkeiten einer Existenz* gründung nach beendeter Lerntätigkeit. Besonders hervorgehoben wurde die Lage der Medizin*Studenten. Diesbezüglich erwähnen die Besprechungen den Umstand, daß jüdische Studenten auch nach erfolgreicher Beendigung( der niederen Semester daran gehindert werden, am selben Institut die höheren Die5 Abteilung der jüdischen Gemeindebibliothek nun, „Die jüdische Frau", für welche die angezeigte Schrift den Führer macht, zeigt uns in ihren Einzelkaniimern die Frau in biblischer nind vorbibliseher Zeit, im biblisdi-tnlmudischen und im talmudisch-rnbbinisdien Schrifttum. Der vorliegende Führer macht uns mit den Schriften über die Frau .im religiösen Zeremoniell vertraut und geleitet uns durch die Epochen der Gesdiiehte von den ältesten Zeiten, an, der Frau des m.i 11 ela He vi i c.h en Ghet tos vorbei bis in die Sa 1 one der jüdischen Frau der notieren Zeit. Er lenkt unseren Blick auf geschiditlich hervorragende Frauen, zeigt uns die Frau im Spiegel der Zeiten und gibt uns eine Aufstellung über biblische und nachbiblische Frauen als Heldinnen in den dichterischen Schöpfungen der Weltliteratur. Es mufl bei 'Wach stein nicht erst hervorgehoben werden, daß alles Erdenkliche getan ist, um dem Leser dus Auffinden des Gesuchten zu erleichtern, so Register aller Art, alphabetische Verzeichnisse der von der Dichtung behandelten Sujets, der Autoren usw. Ein 95 Nummern umfassender Anhang stellt die „Literatur über die Ehe" auf, erlangt durch ein besonderes Sachverzeichnis von erhöhtem Wert. Ein wertvoller Wink für den Benutzer dieses ebenso handlichen wie sehr gefällig ausgestatteten Werkes ist die Anordnung des Materials, bei der Wachstein zuweilen von der ehronologisdien Aufstellung a> weicht, um es dem Leser zu ermöglichen, „den originellen Schriftsteller vom Nachschreiber zu unterscheiden". Nun noch eine Feststellung. Die „Veröffentlichungen der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde" sind, wenn ich nicht irre, eine in ihrer Art vereinzelte Erscheinung. (Vielleicht wäre hier noch in gewissem Sinne an „Kirjut.h Sefer" zu denken.) Andere, auch größere und reichere Büchersttinmluiigen, begnügen steh damit, ihre Pforten den spärlichen Lesern zu öffnen, die sie aufsuchen, weil sie wissen, was dort zu finden ist. Nur der Direktor der Wiener jüdischen Gemeindebibliothek verlaßt Schriften, die einem breiteren Publikum davon Kunde geben, daß in den jüdischen Bibliotheken nidit nur viel Sdiönes und Wertvolles, sondern audi so erheblich viel zur Ausgestaltung des kulturellen Weltbildes in Yergangenhoit und Gegenwart Notwendiges zu finden ist. Darauf sei einmal ausdrücklich hingewiesen. Wenn in einer Zeit eines von der Not diktierten allgemeinen kulturellen Niederganges und eines verstärkten besonderen jüdischen unsere Wiener Bibliothek als einzige ihre „Veröffentlichungen" in die Weit: hinaussendet, ist dies ein Zeugnis für ihren Leiter, derlVsich, mit der kulturellen Passivität — gewiß kein zu scharfer .Ausdruck — auf sonstigen jüdisdien Gebieten nuir einmal" nicht abfinden will. Die jüngste Publikation W a c h s t e i n .s ii«st eine Schrift, die nicht bloß der jüdischen Bibliographie zum Ruihm-e gereicht, sondern auch-' geeignet ist, sich apologetisch auszuwirken uncjj, dem Vorurteil gegen unser Volk und unsere Lehre eine seiner ungerechten Waffen aus der Hand zu schlagen.- Für unsere Gegner allerdings nur insoweit, als dhj;jpr. UiicMitwegtiheit Literatur und Auifkläinnig etwas (bedeuten. Mehr.dürfen wir doch jedenfalls von der Wirkung einer derartigen Arbeit erhoffen, die sich auf die leider notwendig gewordene Berichtigung der' Fehlurteile über das Judentum in unseren eigenen Reihen erstreckt.' Mögen darum dieser Arbeit bald andere ähnliche Zusammenstellungen aufklärender Literatur über Einzelgebiete jüdischen Wissens und Einzelfragen folgen, möge Dr. Wachstein seine „Veröffentlichungen" recht bald fortzusetzen in d*r Lage sein. Dr. M. R o s e n f e ld.' i f v . ' erste pal«'' Mulciij Stadimuseum Tel-Awiw 1 , Die ,,.Neue Welt" erbielj;.. ,yom Bürgermeister vor Tel-Awiw, Herrn M. D i z e n g of fj'.namens der Museums* ge^sellschaft nachstehende Zuschrif$^ Das jüngst geschaffene Museum entwickelt sich von Tag zu Tag. Seine Räumlichkeiten bergen bereits zahlreiche Erwerbungen von hoheni';lcünstlerischem Wert, Gemälde und Bildhauerarbeiten berühmter jüdischer Künstler,- wie Pasternak, Schagall, Struck, Kißling-, Modigliani, Levitan, Chana Orloff,'« sowie auch anderer Künstler Erez Israels, Der Zweck „der Gesellschaft be» steht in der Begründung und Erhaltung folgender Ab* teilungen: A, Moderne Kunst: " , . : i. Eine Sammlung .von Kuusfwerlfen zun würdigen Repräsentanz der jüdischen Künstler der letzten drei Jahr* hunderte. 2. Eine Porträtgalerie berühmter jüdischer Person* Henkelten von der Hand -bekannter Maler. B. Bibiische Abteilung: Die Gesellschaft ist bestrebt. Nach* und Abdrucke von Werken zu sammeln, deren Sujet die biblische Sage ^Altes Testament) bildet. Die erste Stiftung für diese Abteilung machte die italienische Regierung, die dem Museum eine wertvolle Sammlung von Stichen berühmter italienischer Künstler überwies, welche biblische Sujets behandeln. C. Ethnographische Abteilung. Diese Ab* teilung wird Sammlungen antiker Kleidungsstücke, Möbel, Manuskripte, Drucke, Malereien, Skulpturen und anderer Antiquitäten umfassen, die sich irgendwie auf die Lebensweise der verschiedenen jüdischen Gemein* Schäften, besonders der orientalischen, sowie auf die jüdische Folklore beziehen. Es ist das Ziel der Gesellschaft, in Tel*Awiw(, der ersten jüdischen Stadt Erez Israels, einen Mittelpunkt der künstlerischen und ästhetischen Entwick* hing des jüdischen Volkes zu schaffen, ein Heim für seine Kunstschöpfungen und einen würdigen Aufbewahrungs* ort für Dokumente, welche mit seiner Geschichte in Zu* sammenhang stehen Wir richten unseren Appell an alle, denen die Erziehung unserer kommenden Generation am Herzen liegt, und ersuchen, uns bei der Sammlung der jetzt zerstreuten Kunstschöpfungen dei'Vlischen Volkes behilf* lieh zu seih. Jedweder moralische oder materielle Beistand wird dankbar angenommen. Wir bitten, uns bei dem Be* streben, eine Heimstätte für die jüdische Kunst zu schaffen, behilflich zu sein. Wir wollen eine unseprr Meister würdige Stätte und gleichzeitig eine zen» trale Unterkunftsstelle für wertvolle jüdisch*vvissenschaft* liehe Sammlungen schaffen. künfte. Die Redaktion der „Neuen Welt" erteilt gern Aus-