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Die neue Welt · 1931-11-13 · Heft 217 (13.11.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 217 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21? DIE NEUE WELT Seite 3 Verband demokratischer Zionisten Mittwoch, den 18. November 1931, um 7,9 Uhr abends im Verbandsheim, II., Untere Augartenstraße 38 Außerordentl. Generalversammlung Gegenstand: Fusion mit der Union der Zionisten-Revisionisten Erscheinen der Mitglieder Pflicht! "HB | Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs § H Untafa »tttnttraBt t| §= § Donnerstag, 19. November 1931, findet um 20 Uhr im Verbands- =1 § beim der Demokratischen Zionisten, II. Untere Augartenstr. 38, der m statt. außerordentliche Revisionisten-Tag Tai esordnung: 1. Bericht und Beschlußfassung Uber die Fusionsverhandlungen mit dem Verbände demokratischer Zionisten 2. Stellungnahme zu den Beschlüssen von Calais 3. Eventualia F. d. Union d. Zionisten-Revisionisten Oesterreichs F'ltz R'Ch er in. p. Dr H. Olucker m. p. wollen wir den Allerbedürftigsten bieten. Wir wären glücklich, wenn wir wenigstens den kinderreichsten Familien, den Alten und Kranken diese Hilfe bringen könnten. Wir wissen, daß niemand von der Not des Tages verschont ist. Trotzdem ist es für jeden, der für sich und die Scinigen vor den Unbilden des Winters, vor Not und Kälte geschützt ist, unabweisliche Mcnschcnpilicht. den Hungernden und Frierenden unter uns beizustehen. Viele Tausende warten sehnsüchtig auf Hilfe! Geben Sie rasch und ausgiebig! Auch Naturalspenden sind willkommen! Jeder Schilling, den Sic spenden, bewahrt einen Menschen einen Tag lang vor Hunger und Kälte! Spenden erbeten an die Fürsorgezentralc der israelitischen Kultusgemoinde Wien, I., Scitenstcttengasse 2 (Telephon Nr." U--»5-5-85 Serie. Postsparkassenkonto B-29.659). Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Zentralkommission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Union österreichischer Juden, Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Vereinigung werktätiger Juden, Aaudas Jisroel, Landesverband Misrachi, Poale Zion, Verband der B'nai-B'rith-Logen, „Weibliche Fürsorge", Verband von Wohlfahrtsvereinen, Die jüdischen Fürsorgevereinc und -anstalten Wiens. Der elegante Herr — der erfolgreiche Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle lasieren sich nur mit___ ___ Der einsigen schwedischen Weltmarke Das Martyrium der jüdischen Studenten Warschaus lieberfälle und Kämpfe innerhalb und außerhalb der Universität - Die Studenten des Judaistischen Instituts mörderisch geschlagen - Säuglinge in Kinderwagen werden an« gegriffen — Die Straßenschlacht im jüdischen Viertel Das Martyrium der jüdischen Studenten und Studentinnen nimmt kein Ende. Täglich, ja stündlich, erneuern die nationuldemokratischen Studenten ihre Angriffe. Am Donnerstag mittag versammelten sieh mehrere hundert mit Stöcken bewaffnete antisemitische Studenten und Studentinnen des Warschauer Technikums und der Landwirtschaftlichen Hochschule im Hof der Warschauer Universität und warteten auf das Erscheinen der jüdischen Studenten des zweiten und dritten Kurses der juristischen Fakultät, die noch den Vorlesungen beiwohnten. Als die jüdischen Studenten und Studentinnen in den Hof traten, wurden sie von den Antisemiten umringt und mörderisch geschlagen. Von dort begaben sich die antisemitischen Studenten zum Urania-Gebäude, wo die Vorlesungen des ersten Kurses der juridischen Fakultät stattfinden. Sie drangen in die Vorlesungssäle ein, trieben die jüdischen Studenten hinaus, schleppten sie über die Treppen und hieben mit Stöcken auf sie ein. Die vertriebenen Studenten sammelten sich vor dem Mickiewicz-Dcnkmai und begaben sich von dori geschlossen zum Universitütsgebäude, um die in einei verzweifelten Lage sich befindenden Hörer des Judaistischen Instituts zu befreien. Die Polizei versperrte aber den jüdischen Studenten den Weg zur Universität und verhaftete drei Studenten und eine Studentin. Inzwischen hatte sich am Jud ais tischen Institut folgendes zugetragen: 30 Hörer des Judaistischen Instituts wurden im Universitätshof von einer Ucbermacht nationaldcmokratischer Studenten umringt und fürchterlich mißhandelt. Professor xVJ. Bai ab an vom Judaistischen Institut intervenierte beim Dekan der humanistischen Fakultät, Prof. Handelman, der aber erklärte, daß die angreifenden Studenten nicht seiner Fakultät angehören, sondern Techniker und Landwirte sind, über die er keine Befehlsgewalt habe. Schließlich gelang es den angegriffenen Studenten, in die Universitätsbibliothek zu flüchten. Ihre Verfolger feinfte englifttje Grifft ALBERT HARDT ^jz&r gfegto 1191 WIEN I. FREISINGERGASSE I Telephon U 2o Z 41 Bei Herzleiden und Adcrnvcrkalkung, Neigung zu Gehirnblutungen und Schlaganfällen sichert das natürliche „Franz-Josef'-Bittarwaeser leichten Stuhlgang ohne Anstrengung. In Apotheken und Drogerien erhältlich. erkletterten die Fenster zum Bibliothekssaal, schlugen die Scheiben ein, verschafften sich auf diese Weise Ei#» gang in den Saal, wo sie wiederum über die jüdischen Studenten herfielen « und auch mehrere jüdische Studentinnen in der barbarischesten Weise mißhandelten. Der Tumult war unbeschreiblich. Einige Professoren führten schließlich die mißhandelten Studenten und Studentinnen in das Universitätsarchiv, von wo sie durch eine Hintertür ins Freie kamen. Dort wurden sie von den Nationaldemokraten abgefangen und wiederum schwerstens mißhandelt. Zwei jüdische Studentinnen erhielten tiefe Kopfwunden und bluteten stark. Schließlich bildeten die angegriffenen jüdischen Studenten eine geschlossene Abwehrkette und drängten die Angreifer zurück. Inzwischen hatte sich eine andere mehrere hundert Köpfe zählende antisemitische Gruppe nach dem jüdischen Viertel Warschaus begeben. Im Sächsischen Garten, der am Wege liegt, fielen sie über jüdische Frauen und ihre K i n d c r her. Mehrere Frauen wurden mißhandelt, die Kinderwagen wurden u m geworfen, so daß die Kinder auf das Pflaster und den Rasen fielen. Die Panik war u nbcschreiblich. Die Schreie der verzweifelten Mütter wurden weithin gehört. Erst als alle jüdischen Frauen mit ihren Kindern den Park geräumt hatten, begaben sich die Studenten zum sogenannten Eisernen Tor, wo sie zahlreiche jüdische Passanten schwer mißhandelten und mehreren von ihnen blutende Verletzungen beibrachten. Die Auslagefenster der jüdischen Geschäfte wurden mit Steinen und Stöcken eingeschlagen. Vom Eisernen Tor drangen die Studenten in den Thcaterplatz ein. Dort wurde die Losung ausgegeben, das Nalcwki-Viertel, das jüdische Hauptgeschäftsvier tel, zu stürme n. Als über die Studenten dort eindrangen und ihr Werk der Mißhandlung und Zerstörung begannen, stellten sich ihnen jüdische Studenten, Arbeiter und Fuhrleute entgegen. Es entstand eine förmliche Straßcnschlacht, bei der die Studenten die Unterlegenen waren. Inzwischen eingetroffene Polizei stellte die Ordnung her und verhaftete mehrere nationaldemokratische Studenten und einige Juden. Der Rektor Lukaszewicz verfügte die Schließung der Universität, nachdem in der Nähe der Universität seine eigencFrau, die für eine Jüdin gehalten wurde, von Nationnldeinokraten schwer mißhandelt wurde. * Die Zahl der bei den Unruhen der letzten Tage verletzten jüdischen Studenten beträgt in Warschau mehr als sechzig. Das Hauptorgan der Nationaldemokratcn „G azeta Warszawska" schreibt, die Vorgänge an den Universitäten Krakau, Lemberg und Warschau rechtf e r t i g e n die Einführung des N u m e r u s c 1 ans u s. Diejenigen fortschrittlich, gesinnten nichtjüdischen Studenten, die sich dem. Niimerus-clausus-Verlangen entgegenstellen, versündigen, sich an dem n.ationalen Polen. Worten, daß der erste Eindruck nicht der gewünschte war, was ihn verdroß. Er sagte: „Gehen Sie noch einmal zu ihm. Sie dürfen eine solche Gelegenheit nicht aus« lassen. Mit dem „Großvater" in einer Stadt zusammen sein und mit ihm nicht zusammenkommen! Neuen Menschen gegenüber verhält er sich immer kühl und ver* schlössen. Später erwärmt er sich." Schalom Alejchems Worte waren zutreffend. Das nächstemal empfing mich Mendele ganz anders. Es war ein warmer heller Junimorgen. Die Fenster standen weit offen und Mendele zeigte sich in seinem geräumigen kahlen Kabinett vor einem großen grün bespannten Schreibtisch in einer ganz neuen Gestalt, schlank, frisch und kräftig, in gar keinem Verhältnis zu seinen Jahren. Er ergriff mit warmem festem Druck meine Hand wie ein kräftiger Mann im besten Alter, bat mich, mich hart neben ihn zu setzen, denn er hörte schlecht, und sagte in sehr warmem Ton: „Ich habe mich gewundert, daß man Sie nicht sieht. Was? Wirklich so mit dem Schreiben beschäftigt? Na, bitte nur, schreiben Sie . . . und Schalom Alejchem hat auch in diese Luft hineingerochen und ist wieder in die Welt hineingeflogen. Ach, ihr meine Wind* hundcl Was surrt ihr so hin und her? Was kann denn herausschauen aus diesem Herumfliegen? Ach, ei, die bittere Rolle eines jüdischen Schreibers, was da schon zu sagen ist!... Ja, was ich Ihnen noch sagen wollte... Neulich, als Sie bei mir waren, konnte man nicht darüber reden. Es waren Damen da, hat sich nicht geschickt. Ich bin bös auf Sie wegen Ihrer ersten Erzählung im „Huschiloach", über diese Rotznase von einem Jungen, der seine Nase hineinsteckt, weil man ihn nicht um Rat fragt, ob man Kinder haben soll. Machen ihm die Welt eng, diesem sauberen Burschen! Traut sich noch dieser Hohlkopf, dieser Niemand, dieser Rotzbub, der arbeits« scheue Taugenichts, obwohl er dem alten kranken Vater am Hals liegt, in solchen Dingen dreinzureden. Na, habt ihr so etwas gehört? So ein räudiger Schädel! Wäre ich Ihnen damals begegnet, ich hätte Sie wegen dieser Er« Zählung wie einen Hering zerrissen." Mendele war vom Tisch aufgestanden und wütend durch das Zimmer gegangen. Ich saß auf meinem Platz erschüttert und erschlagen. Es schien mir, daß da just nicht der Held meiner Erzählung, sondern ich selbst ver« nichtet werde. Und obwohl ich durchaus nicht cinver* standen war mit dem veralteten Blick auf die ganze Sache, versuchte ich doch, mich damit zu rechtfertigen, daß ein Belletrist das Recht habe, die Stimmung der Jugend seines Zeitalters widerzuspiegeln. „Nein", schrie Mendele wütend, „so darf man nicht schreiben. Junge Leute dürfen an solche Sachen gar nicht herantreten. Wenn schon schreiben, dann muß man das ganz anders schreiben. Was verstehen Sie, ein so junger Mensch, erst aus dem Ei gekrochen, von solch edlen Dingen wie Kindern? Probieren Sie, haben Sie Kinder, füttern Sie sie, zittern Sic über sie, keine Nächte schlafen, sich bis zur Verzweiflung für sie opfern, dann werden Sie Geschichten schreiben dürfen... Hat man so etwas gehört?" Er sagte das mit solchem Eifer, daß ich unwilb kürlich an meinem Recht, solch gewagtes Thema anzu* schneiden, zu zweifeln begann. Dem „Großvater" zu er* zählen, daß ich alles in allem ein achtzehnjähriger Junge war, als ich die Erzählung schrieb, davor fürchtete ich mich. Mendele aber hatte sein Pulver bereits verschossen und schien beruhigt. Literatur über die judische Frau Dr. Bernhard Wuchst ein: „Literatur über die «jüdische Fr a u". Mit einem Anhang: „L i t e r u t u r über die Eh e". Bund VII der Veröffentlichungen der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde. Wien 1931. Selbstverlag der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde. (VI und 47 S. Oktav.) Zu den Vorwürfen, mit welchen unsere Gegner die Inferiorität des jüdisohen Volkes «und des Judentums gegenüber der christlich-europäischen Kultur immer wieder zu beweisen suchen, zählt seit je der Hinweis auf die Stellung der Frau im Judentum. Nicht nur die angeblidi so leichte Lösbarkeit der Ehe, der erst das Christentum den nötigen Schutz gebracht haben will, mache dies evident, sondern auch die Haltung des Judentums in allen das Interesse der Frau berührenden Fragen. Diese ungerechte Herabsetzung .des Judentums hat zahlreiche Anhänger gefunden, unter Nichtjuden, aber auch unter sehr vielen Juden, und ist geradezu zum Dogma erstarrt. Und dieses Dogma von der unwürdigen Stellung der jüdischen Frau teilt das Schicksal anderer Dogmen dieser Art. Es gedeiht vor allem im Schatten der Unkenntnis, einer allerdings unentschuldbaren Unkenntnis. Denn die diesbezügliche Literatur ist längst in allen Weltsprachen der Öffentlichkeit zugänglich. Ja, aber weiß man denn, daß man auch über Fragen des Judentums sich durch Heranziehung der einschlägigen Literatur ein richtiges Urteil bilden kann, wo bislang nur das gedankenlos nachgebetete Vorurteil besteht? Eine bibliographische Aufstellung über dieses Tihein«, die dein Leser die Or.ie.utier.nug über die reditliche und gesellschuftlidie Stellung der jüdischen Frau ermöglicht, ist also nicht bloß Belehrung schlechthin, sondern geradezu eine aufklärende Tat. Dieses Verdienst kommt der jüngsten Publikation des ebenso in seiner Sdiaftenslust unermüdlichen, wie in der Gediegenheit seiiier Arbeiten vorbildlichen Direktors der jüdischen -Gemeindebibliothek iu vollstem Maße zu. Dr. W a c h s t e i u s „Veröffentlichungen der Bibliothek" sind nicht bloß ein wertvoller Wegweiser für den Leserkreis dieser Bibliothek, sondern ein wahrer Dienst am jüdischen Volk und an der Wissenschaft, eine Nutzbarmachung der Schätze der Sammlung, der er vorsteht, für eine Uebersiditlichmachung und Popularisierung jüdisdieu Wissens. Wie seine großen „Kataloge'" der gelehrten Spezialforschung, wie seine „Gedächtnis- und Trauervorträge" der jüdisdien Gesdiidite und ihren Hilfswissenschaften dienen, so ist seine Literatur über die jüdische Frau — die VII. Folge in diesen Veröffentlichungen — im weiteren Sinne ein Werk apologetischer A u f k 1 ü r u n g. Jede dieser Arbeiten trägt die persönliche Note des Verfassers: absolute Verläßlidikeit und ein wohldurchdachtes System. Dr. Wachstein geht in seineu Schriften entgegen mancher Zeiterscheinung von der Goldwährung ihres Gehaltes niemals zu blaß bedrucktem Papier über. Die den einzelnen Nummern dieser Arbeit beigegebenen Signaturen bedeuten für den Interessenten eine dankeptwerte Zeitersparnis.

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