Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 216 (6.11.1931)
- Date
- 1931-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 DIE NEUE WELT Nr. 216 SIEGM. KORNMEHL dROSSFLBISCHHAUIRIl Zctrtrttc: IX., Bergga'se 19, Tgl. A-17-3-9V u. A»16»9-34 Lieferant;ür Heilanstalten Abteilungen fOr «^»Fielich anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der hur. Kultusgemeinde Wien Autoiustollung kostenlos. IX., Barggatse IS ✓ XVIII., Wfthrlngmtr. »7 »,ii1WiiimiwwmiMmwninm>mm'mHfffl^ dmnHWttinnijunrowmmiii^ Ungeachtet der Versprechungen von Venizelos dauert die antijüdische Hetze in Griechenland fort London, 2. November. Im letzten Berichte des Joint Foreign Committee (Komitee für die Angelegenheiten der Juden im Ausland) wird darauf hingewiesen, daß der griechische Premierminister Herr Venizelos nach den anti jüdischen Ausschreitungen in Saloniki im Juni d. J. hei mehr als einer Gelegenheit nachdrücklich erklärt hat, die Verantwortung für die antisemitische Hetze, die zu den Ausschreitungen geführt hat, falle auf gewisse extrem-natioffalistische Organisationen. Venizelos bekräftigte diese Erklärung in einem im Juli d. J. in Genf geführten Gespräche mit dem Vorsitzenden. und dem Sekretär des Joint Foreign Committee. Ungeachtet dessen 'sind, wie aus Griechenland mitgeteilt wird, die nationalistischen Organisationen in der Lage, ihre hetzerische Propaganda fortzuführen, ja sie erhalten sogar Ermunterung und finanzielle Unterstützung von den Behörden. Die Angelegenheit wird weiter untersucht. Die Zahl der Juden in New York — 1,875.521 jüdische Seelen . New York, 29. Oktober. (J. T. A.) Laut Bericht des Statistischen Amtes der Stadt New York leben gegenwärtig in Groß-New York 1,875.521 jüdische Seelen. Seit 1910 hat sich die jüdische'Bevölkerung um 623.386, seit 1920 um 252.509 Seelen vergrößert. Der Bevölkerungszuwachs der Juden ist bedeutend geringer als der bei Katholiken und Protestanten. die Rede der Präsidentin Frau Romana Goodman wiedergegeben und da heißt es: „Ja, ich glaube behaupten zu können, daß die praktische Palästina-Arbeit der W. I. Z. O. von denselben Prinzipien geleitet wird, wie die Ideolo gie der Arbeiterorganisationen sie dar stellt." Das ist ein klares, eindeutiges Bekenntnis. Ich habe den größten Respekt vor jedem ehrlichen Bekenntnis. Dann aber soll offen erklärt werden, daß die W, I. Z. 0. den Sammelpunkt jener Frauen bildet, welche dieser Ideologie huldigen. Dann darf man nicht im Zeichen der Neutralität werben. Dann darf man nicht um die Mitarbeit jener Frauen und Mädchen werben, welche es ablehnen, einer Klasse*oder einer Partei Vorzugsrechte im Zionismus zu geben, welche keinen Klassenkampf, sondern die Gleichberechtigung aller Juden beim Aufbau des jüdischen Nationalheimes wollen. Hochachtend a. r." Aus Polen Größe Hinterlassenschaft für den jüdischen Nationalfonds New York, 29. Oktober. Der vor kurzein verstorbene Morris Wohl hat die Hälfte seines auf 750.000 bis eine Million Dollar geschätzten Vermögens dem Jüdischen Nätionalfonds. hinterlassen. Das Kapital wird aber erst in frühestens zwei Jahren realisiert werden können. Zusammenschluß der zionistischen Arbeiterparteien in Amerika. Philadelphia, 50. Oktober. (J. T. A.) Die zionistischen Arbeiterparteien Poale Zion und Z e i r e Z i o n (Hitachduth) in. Amerika haben auf der in Philadelphia abgehaltenen Konvention beschlossen, sich zu, einejr BH n heitspartei zusammenzuschließen. Die beiden ■zuerst.: separat abgehaltenen Konferenzen der Poale -Z^on pvd Zeire Zion . haben sich nach Fassung dieses^ IJosohJusses zu einer Konferenz vereinigt. Beka.nntlich wurde die Vereinigung von Poale Zion und Zeire Z^on Querst in Palästina, dann in vielen anderen Ländern, vollzogen. Tribüne Ist die W. I. Z. O. eine neutrale Organisation? Eine Leserin der „Neuen Welt" schreibt uns: „Geehrte Redaktion! Ich war jahrelang Mitglied der W. L Ö. (Weltorganisation Zionistischer Frauen), weil ich in ihr eine Zusammenfassung zionistischer Frauen, ohne Rücksicht auf Weltanschauung und innerzionistische. Einstellung, gemeinsamer Arbeit für alle der Unterstützung werte Institutionen in Palästina erblickte, loh habe den Verlauf der letzten W. I. Z. O.¬ Konferenz, in $asel aufmerksam verfolgt und konnte entnehmen, daß der neutrale Charakter nur mehr auf dem Papier zu finden ist. In Basel nahm eine große Anzahl von' Gründerinnen und hervorragenden Fühferinnen dagegen Stellung, daß das Geld und der Einfluß der W. I. Z> Q. fast gänzlich in den Dienst einer Richtung, gestellt werden, und zwar in den Dienst der Arbeiterorganisation, welche in Palästina eine bestimmte politische Tendenz im Sinne des Klassenkampfes verfolgt. Diese Frauen haben, da sie mit ihrem .^roteste nicht durchdringen konnten, ihre Mandate uiedengelegt. Der jetzt verschickte Bericht über die Paseler Konferenz, Sondernummer der W. I. Z. O.-Zeitschrift „Pioniere und Helfer", bestätigt die Richtigkeit der Behauptung, daß die W. I. Z. O, ihren neutralen 'Charfikter aufgegeben hat. Auf Seite 11 wird |l)||(lllll|UIII)|!ll^ 3 Kuranstalt „Hydrothtrapla" xi'Ä0!«.™ Chef arzt; tacharst Dr. H* Qfttckar Vollständig neu eingerichtet, größter Komfort, mäßige Preise Antisemitische Krawalle in Krakau und Warschau — Sie wollen jüdische Leichen — Die Herren Professoren schweigen Aus Polen wird uns am 30. Oktober gemeldet: An der Krakauer Universität kam es gestern zu sehr schweren Zusammenstößen zwischen auf nationaldemokratischer Grundlage organisierten polnisc hen Studenten und jüdischen Studenten. Die Unruhen begannen damit, daß an der medizinischen Fakultät die polnischen Studenten versucht haben, ihre jüdischen Kols legen mit Gewalt aus den Vortragssälen zu entfernen. Die polnischen Studenten erklärten, sie wür* den nicht zulassen, daß jüdische Mediziner ihre Uebüngen im Anatomischen Institut fortsetzen, bis nicht jüdische Leichen in einem der Zahl der jüdischen Studenten entsprechenden Verhältnis beigestellt werden. Sehr bald dehnten sich die Unruhen auch auf die übrigen Fakultäten aus. Während die angegriffenen jüdischen Studenten an diesem Tage noch ihren Mann stehen und Angriffe abwehren konnten, sahen sie sich am heutigen Morgen stärkeren antisemi* tischen Studentengruppen gegenüber, die auf sie ein« drängen, sie schwer mißhandelten und aus dem Uriiversitätsgebäude hinauswarfen. Eine Abordnung des jüdischen Studentenverbandes „O g n i s k o" begab sich zum Rektor, um diesen um Schutz zu bitten. Auf dem Wege zum Rektoratsbüro .aber wurden die Mitglieder der Abordnung von einer größeren Gruppe antisemitischer Studenten angegriffen, setfwerstens mißhandelt und auseinandergejagt, so daß der Besuch beim Rektor unterblieb. Der Senat der Krakauer Universität trat zu einer Beratung zusammen und beschloß, die Universität für unbestimmte Zeit zu schließen und eine. Disziplinarkommission zur Bestrafung der Rädels« führer der IJnruhen einzusetzen. Die antisemitische Stu« f dentenschaft versammelte sich sodann beim Mickiewicz* Denkmal, von dort wollte „ sie sich zum jüdischenv Aka« de'mikerheim begeben, sie wurde aber durch Polizei ab« gedrängt Das jüdische Akademikerheim und die Redafc« tion der jüdisch'polnischen, Tageszeitung „Nowy Pziennik" werden ständig durch Polizei bewacht. Man zählt viele verletzte jüdische Studenten; die Verletzungen von Chaim E d e r 3 o n, Mitglied der Delegation, die sich zum Rektorat begab, und des Studenten Gold mann, der sich einer von Antisemiten angegriffenen jüdischen Stu* dentin annahm, sind schwerer Natur. * Täglich wilde antisemitische Exzesse aji de* Warschauer Universität, insbesondere an der jnvU dischen Fakultät, wo die Zahl der jüdischen Stu* deuten etwas größer als an anderen Fakultäten ist, Es ,19t bereits zur Regel geworden, daß in den Pausen zwischen den Vorlesungen Sprecher der nationald<»mo* kritischen Studenten das Katheder besteigen und rufen: „Die Juden nehmen unsere Plätze $ in, die Juden beherrschen die Universitäten, hinaus mit den Juden!" Diese Rufe werden von den Massen nationaldemokratischer Studenten beklatscht und wiedeVhoJt, Kommt während dieser Tumulte ein Professor in den Saal, so wartet er ruhig ab, bis der Tumult zu Ende »st, und beginnt sodann seine Vorlesung, •ßhn'e mit einem Wort auf die Vorgänge hinzuweisen, Gestern wurden die erwähnten Losungen durch, dje. Losung „Schlagt die Juden" vermehrt. Auf $es«s Signal hin fielen, antisemitische Studenten mit Stöcken über die jüdischen Studenten her. Doch fanden sieht unparteiische Studenten, die einen Keil zwischen-de^ antisemitischen und den jüdischen Studenten bildeten* W da# eV im schwereren Zusammenstößen nicht ge)"-^'^ Höae^Qmw, Diathermie, Sollux, Vttalux, Oalva"i»ation, FaradieaHon, KoWejl«#t,8«u«r8to«, Schwefel, Jod, Fichtennadel- und Radiarabader. HtlWuft. P|lt/an«r SchlaromuacluwRen. Bntfemiogskuren. Halbbilder, PacjreOf 4», PMcfcen und Heilraawag«, B#Jfc«J*dc11 werden: Rheanw. Qieht,lachte»,Uhmungep,o** I'tilmrlraKungen, Neurasthenie, Nervenentzündungen, Neurwnej, •.rföjtfir pttifdruck, Gefäßverkalkung, Herzschwäche u»w., Erknuxujf der Mimnwmjmf, des Magen- und Oaratraktt«, MenatroMfaiu? »tömsgen, SwflH« und andere Frauenkrankheiten ■ Vtrtra giamtalt ilmtl Ich r Krankenkass +f «IllllfPrtP Ihrer lieben Bundesschwester Rosl Wahl gratuliert anläßlich ihrer Vermählung mit Herrn Ing. Streit Die Lese- und Redehalle jfidisdier Hodisdiuler in Wien ist. Die jüdischen Akademiker haben heute beschlossen, eine Abordnung zum Rektor zu entsenden und ihn auf das Martyrium der jüdischen Studenten hinzuweisen, denen durch ein System ständiger Bedrohung und Beschimpfung ein normaler Studiengang unmöglich gemacht wird, v In Warschau wird eine Reformsynagoge erbaut Warschau, 31. Oktober. Eine Gruppe extrem* liberaler Juden Warschaus hat sich zu einer G. m. b. H. zusammengeschlossen, deren Zweck es ist, in Warschau eine Reformgemesnde zu gründen und eine Reform»Synagoge zu erbauen, in der der Gottes» dienst (mit Frauenchor) anstatt an Sabbattagen, an Sonntagen stattfinden wird. Warum die jüdischen Neusiedler aus der Krim abwandern Moskau, 29. Oktober (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß in den allerletzten Wochen wiede* rum 250 jüdische Neusiedlerfamilien die Krim verlassen haben, wodurch in diesem Jahre die Zahl der jüdischen Familien, die sich von der landwirtschaft* liehen Betätigung in der Krim zurückgezogen haben, 4 000 erreicht hat, untersucht der bekannte ukrainisch* jüdische Kommunist S c h a 1 i k in der Moskauer jiddi* sehen Tageszeitung „E m e s s" die Ursachen dieser uh* natürlichen Abwanderung. Die jüdischen Kollektiven in der Krim, meint Schalik, haben ein Zu viel an Boden, Während der landwirtschaftliche Bnden per Familiege-' wohnlich 15 bis 20 Hektar betragen soll, verfügen die jüdischen Kollektiven in der Krim ütwr 25 bis '?0 Hektar, ein Teil der Kollektiven sogar bis 80, Ja IOC Hei*tat per Familie. Da die Kollektiven gezwungen wurden de» gesamten Boden.zu bearbeiten, mulViv-/ *i? fremde Arbeitskraft benützen, dadurch sti9gm» <Jie Aus* gaben ins Ungemessene, so daß Verluste» «ntateben mußten. Die Mehrzahl der Mitglieder der jüdischen Kol* lektiven arbeiten intensiv, aber sie sind nicht Aufgaben gewachsen, die die menschliche Leistung«* fähigkeit übersteigen. Der Verfasser führt noch eine Reihe anderer Gründe für die Abwanderung an, z. B. Überschuldung, Wohnungsmangel, Mangel an Schul e n, Aerzten, A pothe fcen. Er' beschuldigt die staatlichen Bauorganisationen, die ihnen erteilten Aufträge zum Bau von Wohnhäusern in den jüdischen Kolonien nicht ausgeführt zu haben. Schalik fordert eine Re* Organisierung der Siedlungsarbeit auf der Grundlage, daß beim Aufbau des Kollektivs schon gleich die Wohn* und Kulturinteressen der Neusiedler berücksichtigt werden. « Eine jüdische Konzerfakademie Zugunsten einer Nothilfe für die Institutionen der jüdischen Studentenschaft (Mensa academica judaica u.a.) veranstalteten der Verband demokratischer Zionismen und der Jüdische Hoch-, schulausschuß einen Konzertabend, dessen Vrogramm allein schon Erfolg verbürgte. Es war ein Aheud jüdischer Kunst und jüdischer Meister im wahrsten Sinne des Wortes. Der Komponist und Cellovirtuose Joachim Stutschewsky, dessen Propagandatätigkeit fü> die moderne jüdische Musik sich bereits allenthalben auswirkt, brachte mit gewohnter Vollendung außer seinem eigenen „Eli, Eli", Lazar Weiners „Hebräische Melodie" und T s c h e r n j a w s k y s Tanzstück „Masel-Tow" zu Gehör. Prof. Julius Isser Iis rechtfertigte mit Klaviervorträgen von M. Lewin und J. Stutsqhewsky (Palästinensische Skizzen und Jüdische Tanzstücke) seinen Weltruhm. Margarete Bach, die große Rezitatorin, riß mit dem Vortrage von Balladen (Chamisso und Morris Rosehfeld) zu atemlqser Spannung hin. Israel Brandmann, der Komponist und Geiger, brachte eine Reihe bereits klassisch gewordener Kompositionen von Achron, Rospwsky und Engel zu überwältigender Wirkung, um schließlich in der Zugabe von Achrons Hebräischem Tanz und Hebräischer Melodie den Ausdruckswert unserer jungen jüdischen Musik zu dokumentieren. Die hebräisch gesungenen Lieder der Konzertsängerin Maria Winkler-Fialko (GJadsteln, Kr ein und Schalit) gaben in der vollendeten Interpretation einen interessanten Ausschnitt aus der jüdischen Lied- Literatur, die sich allmählich alle Konzerjpgs^ien erobert. Allen Künstlern ein stilgerechter, sich anpassender Begleiter war Robert Spitz, der viel zum Erfolg des. Abends beitrug. Die Konzertakademie war ein Bewejs für die Durchschlagskraft der neuen jüdischen Musik und für die Möglichkeit, sie wirkungsvoll z,u propagieren. Die vollen Vortragssäle des., demokratis^h-zionisiischen Verbandbeiras haben gewiß auch dem praktischen Zweck der jüdischen Nothilfe gedient. Wem» dieser Abend ohne Uebertreibung als Muster an Geschmapk, kulturellem Niveau und eindringlichster Wirkung hingestellt