Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 216 (6.11.1931)
- Date
- 1931-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 216 DIE NEUE WELT Seife 9 wmdmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Unfall der Zionisten-Revisionisten Verband demokratischer Zionisten Mittwoch, 11. Nov. 1931, um '/,9 Uhr abends im Harzl-iaal des Verbands* heims, II, Untere Augartenstraße 38 ein würdiges Denkmal reifer Renaissancekunst, mit jonischen Halbsäulen, Tragsteinen und Balustern, ein lichtumflossener, prachtvoller Raum. Die Bankreihen sind, wie in den alten italienischen Synagogen, längs der Süd- und der Nordwand einander gegenüber aufgestellt, die Mitte des Raumes freilassend. Der Vorgänger war früher auf einer Estrade an der Westwand, der Gemeinde zugewendet, postiert. Auf dem großen Platz des Ghetto erhebt sich die „deutsch e" Synagoge, die älteste im Ghetto, wie es ja überhaupt den Anschein hat, daß in erster Zeit die deutschen Juden die Vorherrschaft in der Gemeinde gehabt hoben, die dann im sechzehnten Jahrhundert in die Hände der Einwanderer aus Spanien überging. Venedig zog Juden aus aller Herren Ländern an, die ihre mitgebrachten Sitten und Gebräuche, trotz des engen Miteinanderlebens, oft Jahrhunderte hindurch getreulich bewahrten. Daraus erklärt sich das Vorhandensein so verschiedener Geistesrichtungen im venezianischen Ghetto. Die streng Gesetzestreuen, die aus der Lehre die letzten Konsequenzen zogen, kamen meistens aus Deutschland, dagegen hatten die in der Beobachtung des Gesetzes Freieren ihren Ursprung in italischen oder spanischen Landen und waren der Aesthetik und den Künsten sehr zugeneigt. Im allgemeinen war Weitabgewandtheit niemals Sache der venezianischen Juden, die — im Gegensatz zu ihren Brüdern in Deutschland — mit Vorliebe den Künsten oblagen. Hier lebte im sechzehnten Jahrhundert ein jüdischer Maler, Mose dal Castellazzo, hier wurden auch die Künste heiterer Musen gepflegt, vor allem Sang und Tanz, und ihre beliebteste Ausdrucks, form: das Theater. Es entstand sogar eine Accadeinia kehr König Carols auswarf, fingen mit bei zur Katastrophe der Bank, und-als es galt, das wacklige Gebhude zu stützen, lehnte die bestimmt nicht weniger patriotische und königstreue rumänische Nationalbank jede Stützung kategorisch ab. Sie will nach Möglichkeit den jüdischen Finanzeinfluß in Rumänien unmöglich, die großen Bankinstitute judenrein machen. musicale, die durch geschulte Chöre und Instrumentalmusik — die Orgel blieb ausgeschlossen — 1628 eine bis dahin in der Diaspora unerhörte Verschönerung des Gottesdienstes einführte. Die Darbietungen der Academia waren übrigens von so vollendeter Sdiönheit, daß viele christliche Patrizier mit ihren Damen ins Ghetto kamen, um den hebräischen Gesängen zu lauschen. Die große Pest vom Jahre 1630 machte der Accademia ein jähes Ende. Aber auch ernste Gelehrsamkeit kam auf ihre Rechnung, denn zahllose Meister jüdischen und universellen Wissens lebten in diesem Ghetto. Hier fand Zuflucht der spanisch-jüdische Staatsmann und Bibelauslcger Don Isak Abarbancll, hier lebte der berühmte Grammatiker Elia Levitn, hebräischer Lehrer der christlichen Humanisten, der aus seiner süddeutschen Heimat nach Venedig kam und es vom ganzen Herzen liebgewann, hier wirkte der auch von den Patriziern hochgeehrte gelahrte Jakob Mantino, später Leibarzt des Papstes Paul III., hier waltete seines Amtes im Rabbinate von Venedig der Freigeist und Grübler Leone da Mode na und hier erschien eines schönen Tuges sein Bruder im Geiste: Uriel Acosta. Dann tritt uns die Dichterin Sara Copia Sullam entgegen, die^im siebzehnten« Jahrhundert in zierlichen und feinen italienischen Versen jüdische Themata besang. Wer zählt die Träger all der berühmten Namen? Jahrhunderte hindurch war Venedig gewissermaßen der Mittelpunkt der jüdischen Geistigkeit, aber nicht so sehr vermöge seiner Gelehrten und.Literaten als durch seine hervorragenden hebräischen Druckereien. Diese Offizinen erzeugten prachtvoll gedruckte Bücher, wahre Leckerbissen für Bibliophile, mit denen sie die ganze Judenheit bis nach Emnnuel S h i u w c 11, der Mitglied der Arbeiterregierung war, Miß Marion Philipps, erste Beamtin der Labour Party, Michael Marcus und Colone! Harry Day kehren nicht mehr in das Parlament zurück. Sir Herbert Samuel, Minister des Innern und Führer der National-Liberalen Partei, wurde mit einer Majorität von 428? Stimmen gegen den ihm entgegengpstellten einflußreichen konservativen Kandidaten gewählt. Der Vorsitzende der Exekutive der von Sir John Simon geführten Gruppe der Liberal-Nationalen Partei, II o r e - B e 1 i s h a, wurde mit einer Mehrheit von 14.420 Stimmen gegen einen Labour-Kandidaten gewählt. Von den bisherigen jüdischen Mitgliedern der Samuel-Partei wurden Major James de Rothschild, Major H. L. Nathan und Pcrcy A. Harris wiedergewählt und Barnet Janner neugewählt. Janner siegte über den Kandidaten der Mosley-Partei, den berühmten jüdischen Boxer Kid Lewis, der in Wlnitechapel nur 154 Stimmen erhielt. Von jüdischen Kandidaten der Samuel-Partei sind Philipp Guedalla in Manchester, L. B. Franklin (Sir Herbert Samuels Schwiegersohn) in Hackney nicht gewählt worden. Auch Hugh Franklin, ein Neffe Sir Herbert Samuels, der in Homisey auf der Labour-Liste kandidierte, fiel durch. Auf konservativer Seite wurden wiedergewählt der frühere konservative Minister A. M. Samuel, Samuel Samuel (Bruder des verstorbenen Lord Bearsted), Major Isidore Salmon, der Unterstaatssekretär für Luftfahrwesen der Nationalen Regierung £i r Philip Sassoon, neugewählt wurden L. H. Gluck st ein, A. M. Lyons, Dudley ß. Joel und T. L e v y. Die beiden bisherigen konservativen jüdischen Unterhausmitglieder Sir Walter de Frece und Major Brunei Cohen haben diesmal nicht kandidiert. Die Wahl zweier, weiterer Juden, unter, ihnen M. Bloch, der als Konservativer in Glasgow zur . Wahl stand, scheint festzustehen. Von Nichtjuden, die in den bisherigen Paria- Indien und Afrika — belieferten. Hier wurde mit Bewilligung des Papstes das erstemal der ganze Talmud in Druck gelegt und alle späteren zahllosen Ausgaben haben bis zum heutigen Tage die Seitencinteilung und Anordnung dieses Erstdruckes beibehalten. Das Merkwürdige an diesen Druckereien ist, daß ihre Besitzer durchwegs Nichtjuden waren. Den Reigen eröffnete Daniel Bomberg, ein Edelmann aus Flandern, der in wenigen Jahren Bücher im Werte von vier Millionen Gulden drucken ließ und zweihundert jüdische Setzer beschäftigte. Ihm folgte die Patrizierfamilie B r a g a d i n i, die dann vom Geschlecht derer von Vendramini abgelöst wurde. In all diesen Druckereien wirkten als Faktoren, Korrektoren und Lektoren namhafte jüdische Gelehrte, darunter auch Elia L e v i t a, mit. Diese emsige Arbeit wurde jedoch 1559 jäh unterbrochen, als am 19. Oktober dieses Jahres, an einem Sabbattag unter Einwirkung der katholischen Reaktion auf dem Markusplatz Tausende von „gemeingefährlichen" hebräischen Werken zu einem Scheiterhaufen geschichtet und in Brand gesteckt wurden. Nach sieben Jahren hatte sich aber der Sturm ausgetobt, die schlimmste Krise war überwunden und Venedig eroberte sich von neuem seine führende Stelluug im jüdischen Buchdruckerwesen, die es bis um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts beibehielt. Neben tiefgründiger Gelehrsamkeit und freudiger Lebensbejahung, großzügig eingerichtetem und betriebenem Seehandel und Liebe für die Kunst fand sich bei den venezianischen Juden jederzeit ein geradezu ergreifend starkes Gefühl jüdischer Zusammengehörigkeit. Unter dem furchtbaren Eindrucke der Judenverfolgung durch Chmel- VORTRAG Gegenstand: Bedeutung der jüdischen Völkerbundliga Referent: Dr. Oskar Karbach Regiebeitrag 20 g Freier Zutritt! „Der A b c n d", eine vielleicht auch sonst interessante Geschichte, die mit einer Anleihe für die österreichischen Bundesbahnen im Zusammenhang steht. Die österreichische Regierung bemüht sich nämlich seit Jahr und Tag um Beschaffung von ausländischem Geld für die Elektrifizierung der österreichischen Bahnen, und was hier hinter den Kulissen sich bis jetzt abspielte, weiß dieses Blatt zu melden: nicht mehr und nicht weniger, als daß ein Herr Cahn-Speyer, der Neffe des bekannten amerikanischen Bankiers gleichen Namens, das fast schon perfekte Anleihegeschäft fallen gelassen habe — wegen der antisemitischen Hnkenkreuzkrawalle an der Wiener Universität im letzten Sommer. Und der „Abend" jammert. Da kommt endlich •schon so ein kapitalistischer Jud, will dem österreichischen Proletariat Brot und Arbeit geben und die iiTjpatriotischen Hakenkreuzler vertreiben ihn. Mau kennt sich wirklich nicht mehr aus. Aber Spaß beiseite. Wundersame Blüten treibt die jüdische Situation in der Galuth. In Oesterreich gehen Bauken krachen, der jüdische Mittelstand wird aufgerieben, der jüdische Handel- und Gewerbetreibende wird zum hungernden Luftmenschen gemacht. Und Antisemiten und Sozialdemokraten treiben mit ihnen ihren Spaß, machen auf ihrem Rücken ihre politischen Geschäfte. Nur in der Galuth Oesterreich etwa? Nein. Auch in der Gallith Rumänien, in der Galuth Deutschland. In Bukarest gab es eine jüdische Bankfirma, in die der kleine jüdische Kaufmann, der kleine jüdische Gewerbetreibende und sonstige Mittelständler ihr Geld einlegten und von der sie ihren Geschäftskredit bezogen, die Marmarosc h- Blank-Bank. Vom Chef des Bankhauses AristicW Blank weiß man, daß er sich als rumänischer Ueber Patriot betätigte, Assimilant reinsten Wassers und aktiver Kämpfer gegen eine jüdischnationale Politik in Rumänien ist; von seiner Bank, daß sie das König Caröl-Unternehmen propagierte und finanzierte, „im Interesse der rumänischen Nation", die sich jetzt für die Dienste dos Juden Blank bedankt. Die Biesensummen, die Blank für die Rück- Für den Patriotismus des Herrn Blank zahlen jetzt die kleinen jüdischen Einleger, die kleinen jüdischen Händler und Gewerbetreibenden, die nun auch wie in Oesterreich vor einem furchtbaren Winter stehen. In Deutschland hat Reichspräsident H i n d c n b u r g einen Obersten Wirtschaftsrat eingesetzt, dem die Aufgabe gestellt ist, die Wirtschaftskrise zu meistern. Dieser Rat enthält nicht einen einzigen Namen eines jüdischen Fachmannes und man sieht in Deutschland darin einen deutlichen antisemitischen Hinweis. Auch in Deutschland sind Banken krachen gegangen, sind jüdische Familien zu Tausenden zu Schaden gekommen. Unzählige Juden haben zumindest ein Jahrhundert lang Deutschlands Wirtschai'ts-, Finanz- und Handelsgröße mitbegründet,. und heute, in der Stunde höchster Not, gerade jüdischer Not, geht man kalt und brutal über sie hinweg. Die „Sachlichkeit" in Politik und Wirtschaft in der Galuth zeitigt die absurdesten und wahnwitzigsten Reflexe. Antisemiten und Sozialisten bekämpfen den „jüdischen Kapitalismus" da und rufen ihn dort. Sie schützen sich gleichzeitig vor dem Zerstörer „Jüdischer Kommunismus'", bestrafen einen Ehrenfest, setzen einen Aristide Blank vor die Tür — indes im Hintergrund die Fangarmc der Not und der politischen Hetze nach den jüdischen Massen greifen. Besteht die J u d e n f r a g e? o. r. 16 Juden im neuen englischen Unterhaus Bei den am 27. Oktober in England durchgefühlten Wahlen zum Unterhaus wurden 16 Juden gewählt. Dem früheren Unterhaus gehörten J5 Juden an. Die jetzigen jüdischen Parlamentarier gehören alle der Koalition der Nationalen Regierung an. Von den auf der Liste der Labour Party kandidierenden Juden wurde keiner gewählt, die bisherigen jüdischen Unter hausin itgliecler der Arbeiterpartei femjte enaltfche «Stoffe ALBERT HARDT ^z&r efedr. 1191 -s*s^ WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3-4/