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Die neue Welt · 1931-11-06 · Heft 216 (6.11.1931) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 216 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite a DIE NEUE WELT Nr. m Da§ große Geheimnis! düd<9iiiiftimerft i Klaffenloltef te Iii: welchem Monat sinä Sie gfiböfen^ Jännef 5934-36 lull 24061-65 Febrtttf 5857- 60*) August 81407-10 JWärz 81422 - 24 SeptÄfflbef 58830-23*) April 24080-83 Oktober , 638ÖH -63 Mai 15307-09*) NovetrtbÄr 50343 - 45 Juni 63872-76 Dexeroböf 24W7-Ö9 *) Nur VUrtel-Usel 2s^ä^^rtt!s Glücksbauer, Wien IV, Favoritenslraße 4t worden. Wir haben diese Entwicklung uns nicht vors gestellt, die sowohl von der Gesellschaft, als auch, von der Regierung: unbemerkt sich vollzögen hat." ■ - •- »..'., . Tözereth Haarez, Palästina-Produkte, in der Welt zü verbreiten ist kein« leichte Sache, eine ungeheuer schwere Sache wird es.sein. Es ist nicht ein Problem, es fcusteht äus einer Reihe verschiedener i Probleme. Erstens die Frage des lokalen Marktes in : Palästina selbst — auch ein Markt sogar unter :döftjudeh selbst, der noch nicht ganz erobert ist. Zweitens kommen die orientalischen Nachbarländer in Betracht, wo die palästinensische Ware von allem Anfang .an im Sinne rein kaufmännischer Konkurrenz, unabhängig - von Gefühl und Ideologie, sogar ohne Unterstützung der dortigen Juden, sich hinauswagen kann. Drittens gibt es eine Kategorie von Produkten, die überhaupt keine Konkurrenz zu fürchten hat, nicht einmal die der westlichen Länder, das ist die Kategorie von Simrath Haarez im ursprünglichen Sinn, die Früchte des Bodens, vor allem die Orangen. Dann kommt das besonders schwierige, aber besonders wichtige Problem, die ent« wickelten Westländer als Markt gerade für unsere In* dustrieproduktion zu gewinnen. Hier ist die Skepsis besonders stark. Die Konkurrenz ist gewaltig, die Rolle der gefühlsmäßigen und ideologischen Motive außerordentlich wichtig. Und doch ist hier» hier und nirgendwo anders, der eigentliche Brennpunkt des ganzen TozeretheHaarezsProblems, denn die Haüptzentren des Galuth« Judentums liegen in den Westländern, und die Galuth ist so groß und kollektiv so reich, daß, wenn nur ein kleiner Teil die Unterstützung von Tözereth Haarez lernt, dadurch die Tore Palästinas wirtschaftlich Zehn* tauS eh d e n jüdischen Arbeitern geöffnet "Würden. < - Jedes einzelne der verschiedenen Probleme. erfors dert eine andere Einstellung und' eine andere Lösungsmethode. Aber es gibt eine für alle geltende Methode, d. i. Kredit, Propaganda, Organisation. Kredit heißt Bank, und zwar eine spezielle Bank. Der Fabrikant in Palästina muß die Möglichkeit haben, eine Bestellung ausführen zu können, bevor er noch den Scheck für die gelieferte Ware vom Besteller erhalten hat, muß Rohmaterial m großen Quantitäten einkaufen können, muß die Möglichkeit haben, die „Saison abzu« warten" und inzwischen seinen Artikel vorzubereiten. Alle Enttäuschungen, über die jene, die bisher Tözereth Haarez im Ausland zu verbreiten suchten,, klagen, stams men aus dieser einzigen Quelle: der Fabrikant hat keinen Kredit. Noch wichtiger als der Kredit ist die Propaganda. Denn eine wichtigere Rolle als der Kauf* mann spielt der Kunde. Die Wirtschaft der Welt basiert heute auf der Psychologie Üer künden, auf Vertrauen, Das Schicksal dei Pfund hat dai allen klargemacht. Die besten firmen geben ungezählte Millionen für Reklame aus, nicht aus Mutwillen, sondern. weil sie anders ihre erstklassigen Artikel nicht verkaufen können. In vielen Ländern führt die Regierung selbst, die Agitation unter dem Schlagwort „Kauf t heimische Waren!", was so viel bedeutet, wie: Wiewohl ihr wißt, daß fremde Ware manchmal besser und auch billiger ist, und ihr unter normalen Umständen fremde Ware kaufen würdet, müßt ihr dennoch heimische Produkte kaufen, wenn sie auch teurer und nicht ganz so gut sind. Und diese Agitation ist wirksam, Nicht. nur bei den anderen, sonderH auch bei uns undiszlpnherteh jüdischen Indivi* dualisten. Vor kurzem, erst ist in. demselben Tel*AwiW mit solchen Mitteln der Markt für lokale Pro» dukte befestigt worden, wiewohl schwer anzunehmen ist, daß z. B. die Schuhindustrie Palästinas haute bereits objektiv mit dem genialen tschechoslowakischen Fabri* kanten. Bat'a zu konkurrieren vermag, über dessen Arbeitsmethoden die französischen Professoren an den französischen Hochschulen lange Vorlesungen halten. Und Propaganda ist nutzlos, wenn sie sich nicht auf Organisation stützt. Tözereth Haarez heißt: In jedem jüdischen Zentrum eine Agentur, um die Agentur herum eine Legion , f reiwi 11 iger Arbeiter, „Leute mit Beinen", die systematisch von Haus zu Haus mit Musterartikeln gehen, Kunden werben und. ihnen .die Ware bringen, wenn ihm der Tözereth« Haarez »Laden zu weit ist. So muß man es machen in der ersten Zeit der Einführung und der Erziehung, da der fremde Kaufmann diese Ware noch ignoriert. Aber der wichtigste Tözereth s Haares e Volontär muß der jüdische Kaufmann sein. Auch dazu, muß man. ihn erziehen, ihm klarmachen, daß jetzt die Zeit ge« kommen sei, wo er einer der wirksamsten Faktoren im Aufbau Palästinas werden kann *— erziehen und organisieren.; ■ •' — Noch größer vielleicht kann die Rolle der jüdi« sehen Frau sein, der Däme, die sich langweilt und Zeitvertreib sucht, und mehr noch der einfachen HaüSs frau, von der es abhängt, was* für Speisen auf den Tisch kommen und welche Kleider* die-Kinder tragen. Eine .Bemerkung ^ho^^ In?\deh ersten, paar Jahren wird wohl eine Agentur jfc^der Staat' oder im Städtchen; wahrscheinlich Defizite aufWeiSen,' ''zum' Teil aus objeks tiven Schwierigkeiten < und zum.. r.Teil eigener Fehler wegen. Das Defizit darf nicht auf Rech* nung Palästinas gehen, und das bedeutet wieder Organisation, lokale Komitees^ ";<Jje das Geschäft zu kons trollieren und die Defizite zu^deiCken haben, genau so wie der Stasit in den ersten' Jahnen,eine junge Industrie sub-, ventibnieTt. So wird " es gemacht 'und nicht anders, zuerst schlecht, dann'?bes'sen; Zuerst künstlich; dann allmählich täglicher Bratichi Zuerst mit ätV^rlust und zum Schluß mit Gewinn. . Es ist eine bittere, finstere;Zeit. Aber nicht erleben wird es der Satan', daß .wir, auc-h. nur für eine Stunde unseren Bau unterbrechen. Nur die Methoden müssen Wir ändern, alle Methoden! die politischen, Wirt* schaftlichen und erzieherischen, ich glaube, der Kongreß der Freunde von Tözereth Haarez im kommenden Früh* jähr In TekAwiw wird eines der wichtigsten Zeichen der Erneuerung sein. mmmamimim^_^ Besieht die Judenfrage? Gegen den „jüdische«. Kapital ismus" — Schade ums Geld — Ein Opfer des Ueberpatriotismus — Hindenburgs Wirtiehaftstat — Reflexe der Galuth Alle Maßnahmen zur Aenderung der jüdischen Situation in der Galuth haben uns immer wieder vor die Tatsache gestellt, daß es hierin keine Halbheiten geben kann. Die verschiedenartigsten Versuche der Verwurzelung, der Eingliederung waren zum Scheitern verurteilt. Aber wie immer auch man die Situation betrachten mag, ihan stößt auf ein;Chaos in den Köpfen jener,.... die das jüdische Problem von der Warte ihrer eigenen politischen : Notwendigkeiten betrachten. Ganz sonderbar nehmen sich zuweilen die Vertreter der „linken" Weltanschauung bei der Behandlung der Judenfrage aus. Besonders ihnen kann es die absurde Situation des Judentums nie recht tun. Wenn sich im hakenkreuzlerisohen Vokabulare der Jude als Kommunist und Kapitalist, Kinderschänder und Ritualmörder, Weitverschwörer und Kulturverderber findet, so gehen diese Begriffe allmählich auch in den „linken" Sprachschatz ein. Auch hier ist es beliebtes Thema geworden, dem Juden alle die genannten Attribute beizulegen, bis auf das eine — das Linkssein. Erst jüngst spürte man z. B. bei der Wiener „Arbeiter-Zeitung" den Atem der Erleichterung, als sie zuerst den Juden Rothschild als den Verderber der österreichischen Wirtschaft hinstellen konnte, um kurz darauf im „Juden Monash" aus Australien (siehe die vorige Nummer der „Neuen Welt" „Etwas über einen Juden") ein Exemplar jüdischer Grau- . samkeit und jüdisch-kapitalistischer Kriegsführung zu offerieren, wobei ein paar Tage darauf dem sozialdemokratischen Zentralorgan der Wiener „Tag", ein liberalisraelitisches linkes Assimilantenblatt, noch rüpelhafter sekundierte.; Man kennt sich nicht mehr aus. Den „jüdischen Kapitalismus" mag kein guter .Sozialdemokrat in Oesterreich leiden. Der jüdische Sozialdemokrat Danneberg hat während der letzten Budgetdebatte im österreichischen Parlament eine große Rede gehalten. Und während alle in diesem Parlament nur den Kopf des gewesenen jüdischen Direktors der Credit-Anstalt Ehrenfest verlangten, zischte Danneberg voll Geifer den Ruf: „Ihr wollt den Juden Rothschild entwischen lassen!" Also: den „jüdischen Kapitalismus" mögen die Herren Sozialdemokraten nicht. Aber sein Geld sehen sie gern. Da erzählt ein anderes Wiener linkes Organ der Sozialdemokraten, Wi&nVl, ftmerlängstraße I Qualitätsware, teste Ausführung GEGRÜNDET 1873 HERREN Wir kaufen Kassa ein und ver« _ Ä _ - .im m m mm n kaufen nur gegen Barzahlung. ASS-A T ELI ER Demzufolge billige Preise. Das Ghetto von Venedig (xius meiner Reise m a p p e) Von Ludwig Bato Man kann nicht gerade behaupten, daß die junge .venezianische Republik die Juden geziemend eingeladen hätte,, sich in der Lagunenstadt niederzulassen. Im Gegenteil: Der Hohe Rat ging in der Ablehnung der Judenheit so weit, daß er bereits im Jahre 945 den venezianischen Kapitänen aufs strengste verbot, Juden an Bord zh nehmen. Es ist allerdings zu bezweifeln, ob dieser Erlaß auch wirklich genau befolgt worden ist, denn, siehe da, die gestrenge Stadt Venedig beherbergt 200 Jahre später eine sehr ansehnliche Judengemeinde in ihrem Weichbild selbst. Gegenüber von San Marco auf einer geräumigen Insel, schlugen die ersten jüdischen Ansiedler ihre Zelte auf. Die Insel wurde auch nach ihnen Giudecca benannt. Weitere zweihundert Jahre später verließen sie jedoch dieses Eiland, um sich in einem anderen Teil der Stadt anzusiedeln. Warum, ist bis zum heutigen Tage unbekannt. Die Geschichte dieses Domizilwechsels schlummert vielleicht noch unentziffert in der Tiefe eines venezianischen Archivs. Weit draußen, in der Nähe vom Bahnhof, ist das Ghetto vecchio gelegen. Durch einen verrußten alten Schwibbogen gelangt man in die ehemalige Judenstadt, ein armseliges Quartier, das heutzutage nur mehr wenige Juden zu seinen Bewohnern zählt. Dieses Armenviertel hat aber eine große historische Bedeutung, denn es ist das älteste Ghetto der Welt, gewissermaßen das Vorbild für alle anderen Zvvangssiedlungen der Judenschaft der Welt. Wie schon früher auf der Giudecca, bestand hier lange Yor der Schaffung des Zwangsghettos, das 1516 von der Republik dekretiert wurde, eine geschlossene Siedlung. Die Sache verhielt sich nicht etwa.so, daß man die Juden von Venedig aus allen Teilen der Stadt hieher trieb, um sie hier einzuschließen. Die Juden selbst schlössen sich freiwillig zus am m e n. „Die gemeinsamen Sitten und Gebräuche — sagt ein Historiker —. Synagoge und Lehrhaus, Blutsverwandtschaft und Volkstum sowie die gemeinsame Gefahr führen sie zusammen." Der Senat wandelte erst nachher die freiwillige Siedlung der Juden — auf Betreiben ihrer Feinde — in eine zwangsmäßige um, indem er sie unter allen Zeichen der Demütigung von der Außenwelt abschloß, und das zu einer Zeit, da das Mittelalter bereits zu Ende war und die in den Schulbüchern vielgepriesene Neuzeit angebrochen war. . Denn die venezianischen Juden hatten grimmige Feinde nicht nur unter dem Klerus, viel mehr noch unter den Kaufherren der Republik, die sich darum sorgten, daß ihre jüdischen Konkurrenten nicht allzu üppig würden. Während der Kr.euzzüge war es noch verboten, auf venezianischen Schiffen Waren jüdischer Kaufleute zu verladen, so daß diese genötigt waren, die Kisten zur Verschleierung des Ursprungs mit dem Zeichen des Kreuzes zu versehen. Im Laufe der Jahrhunderte stieg aber die Bedeutung der Juden im Handel und Verkehr hoch an. Sie spielten eine große Rolle an der Börse von Venedig, und ein fürnehmer venezianischer Jude, Arpn'Us,iel, erhielt sogar Ende des .17. Jahrhunderts die Erlaubnis, auf seinen Kauffarteischiffen die Löwenflagge der Republik zu hissen. AU die engen Gäßchen des Ghettos munden in den großen, von altergrauen Häusern flankierten Platz, der im. Laufe der Zeit Zeuge vieler bedeutsamer Geschehnisse wurde. Hier stand gruppenweise das Volk in seinen Nöten, der letzten Entscheidung harrend, wenn .immer wieder das Gespenst der Verbannung am Horizont erschien. Hier fanden sich die Flüchtlinge aus Deutschland, Spanien und Portugal ein, um die Brüder um Obdach und Zuflucht zu bitten. Hier ließ im sechzehnten Jahrhundert der bekannte Abenteurer oder Schwärmer David Reubeni, der mit dem Papst ein Bündnis zur Bezwingung der Türkenmaoht und Wiedereroberung des Heiligen Landes schließen wollte, neue Hoffnungen aufflackern. In einer alten Hausmauer finde ich eine verwitterte Steintafel eingelassen, in der hebräisch die Worte eingemeißelt sind: „Zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems." Die Juden sahen noch von der Riva die Karavellen der Kreuzfahrer in See stechen, die da auszogen, das Land in ihre Gewalt zü bringen, das Gott allein seinem Volke zugeschworen hatte. Mit bitteren Gefühlen sahen sie dem Treiben der wilden, verwegenen Gesellen zu. Dann kam die Kunde von dem Sturz des Kreuzritterreiches auf heiliger Erde, die sie mit Genugtuung aufnahmen, denn sie hatten die Gewißheit, daß sich die Weissagungen erfüllen und sie einst in das Land Israel zurückkehren würden... Inmitten der Armeleutehäuser erheben sich, Palästen gleich, die historischen Bauten der venezianischen Judenheit, die von Opferfreudigkeit und ästhetischem Geschmack Zeugenschaft ablegen. Vor allem fallen zwei Synagogen, die spaniolische und die levantin i s c h e, ins Auge. Die erstere, im sechzehnten Jahrhundert errichtet, ist von einer in deutschen Landen ganz ungewohnten Pracht, mit Schnitzereien geschmückt, tfml&jmiirtxs y^mtJS.*?*» : i ,-. ..LJwi!*g» »Wmmmtmri-.i,.:,^.v^.-^-.i-^J,^.v,ir-.*«wy.„

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