Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 216 (6.11.1931)
- Date
- 1931-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen lafirgang S Fftftfag, (fori 6* Noventb«* tili tff ♦ 21« V«b« ba R EV U E BEZUOSBEDINOUNQEN: Österreich monatlich S IM, TschechoslowekH mortatllch Kc 6.-, vierteljährig Kc t5.-j H1 v,5Ite.yahriS Lel »2°—i Oeatecm^nd monatlich &EP li°rs ^"S" m°n«»eh LireAB., vierteljährig Lire 1 }«hrig Schweiber Francs 44»; .<• S16__ nar Mark «J.—i uwtanni ■ iiuiiauivii uewd Wi") «»Ii igen Länder monatlich Schweizer France 1.50, HERAUSGE B E R: ROBERT STRICKER Redaktion «. Vcrwattanv: Wien IX, UnwersiiatMMtr. 6-8, Tel B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Zur Tragödie im Hau§e Theodor Herzls Erinnerungen an Hans Herzt Theodor Herzls einziger Sohn, Hans Herzl, ha? im Vorjahr, unmittelbar nach dem Tode seiner Schwester Paulihe, seinem jungen Leben in Bordeaux ein Ende gesetzt« Die jüdische Welt kennt in Hans Herzl den unglücklichen Sohn seines großen Vaters, eine zwar tief religiöse, aber im Innersten zweifelnde und irrende Natur, der das Gleichgewicht der Seele versagt war. Als Hans Herzl die Taufe nahm und als er starb, konnte man die widersprechendsten Beweggründe seines Tuns hören und in gleicher Weise widersprechend sein Wesen gezeichnet sehen. - Der in London lebende Publizist J. Leftwich lüftet nun ein Jahr nach dem Tode des Unglücklichen den Schleier vom Leben und der Seele des ihm nahegestanden en toten Freundes. „Die Neue Welt" hat die Erinnerungen Leftwichs zum Erstabdruck erworben und wird mit deren Veröffentlichung in der nächsten Nummer beginnen. Mit tiefer Ergriffenheit wird man in dieser Artikelserie den Lebensweg und das absonderliche'Schicksal von Theodor Herzls einzigem Sohn betrachten und. verfolgen können. wmmmmmmM*mmmmmBBiMmmBBm ■ Das grandiose Experiment» der sozialdemokratischen Klassenpartei die Regirrung des mächtigsten Reiches der Erde zu überlassen, hat einen Mißerfolg er« geben. Trotzdem es unter tfw. für die Sozialdemokratie günstigsten Bedingungen "unternommen wurde, denn in keinem anderen Lande isr die Opposition so loyal wie gerade in England, in keinem anderen Lande läßt sie der jeweiligen Regierung die Hände in solchem Maße frei, wenn diese Regierung . ihr Programm in die Wirk« lichkeit umsetzen will. Der Arbeiterregierung ist es nicht gelungen, ihr Programm von der Regelung der Pros duktion auch nur auf einem Teilgebiet zu verwirk« liehen. Im Gegenteil. Die Krise der englischen Produktion hat sich verschärft. Die Maßnahmen der Arbeiters regierung auf ihrem ureigensten Gebiet, auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge, haben versagt. Sie hat dem englischen Volke eine gigantische, auf Parteikonferenzen ausgeklügelte Fürsprgemaschine auf die Brust gelegt, die der Bürokratie Nutzen brachte, nicht aber den leidenden Massen. Sie hat auch auf dem Gebiet der äußeren P o l.i t i k keines der vielen Probleme zu lösen ver« mpqht. Die unter der Herrschaft Englands stehenden Völker sind nicht zufriedener geworden. Die RoU« Englands .im Völkerbund, welche zur Zeit der Uebergabe der Regierung an die Arbeiterpartei übers ragend war, .ist wesentlich kleiner geworden. Es war ein Versager auf allen Linien, ein so augenfälliger, daß das Vertrauen der Massen in die Sozialdemokratie schwer erschüttert ist, nicht nur in England. * ' Für das jüdische Volk ist der Umschwung in Eng« latid von großer Bedeutung. Man kann ohne Uebertreibürig sagen, daß „ heute das Schicksal des jüdischen Volkes mit England enger verbunden ist als mit irgend einer'anderen Macht dieser Erde. England hat dem jüdi« sehen ' Volke 'die B a 1 f ou r«Deklaration gegeben, däs'heißt die''Anerkennung, seines Rechtes auf das jüdi« sehe1 Nätionälheim'Palästina;, und England ist der vom Völi£?rbund beauftragte: Verwalter des Judenlandes. Man kann "sich» eine innigere V e r-b u n d e n h e i t zweier Nationen schwer ausdenken. Daß diese Verbundenheit für das jüdische Volk von höchstem Werte ist und ihre Beeinträchtigung die Juden schwer trifft, ist selbstverständlich. Aber auch für das große England ist das innige englisch« jüdische Verhältnis ein ganz großes mora» lisch es und politisches Kapital. Die Arbeiterregierung MacDonalds hat dieses Kapital in höchste Gefahr gebracht, sie war daran, es zu vergeuden, zu ver« nichten t Ueber hungert Jahre hindurch, von der großen französischen Revolution ab, war Frankreich der moralische Hort der Juden. Wo es Juden gab, da gab es Verehrer des französischeÄ Genius, welcher den Anstoß zur Emanzipation der Juden gegeben hatte. Im Weltkrieg übernahm England diese dankbare Rolle Frankreichs. Es gab die Balfour.Dekläration und erwarb dadurch fünf« zehn Millionen über die Welt verteilte Juden als Freunde, so ergeben an England, wie vordem an Frankreich. Dieses kostbare moralisch«politisehe Kapital hat die MacDonald*»Regierung mitbekommen. Sie hat es plump, roh angefaßt. Sie hat es benutzt, wie irgend ein billiges, leicht zu ersetzendes Instrument für Alltagszwecke. Die Araber im nahen Orient wurden unzufrieden, verhetzt, nicht zu* letzt von einer englischen^ Beamtenclique. Sofort haben Mac Donald und seine Freunde sich beeilt, ihnen das jüdische Recht auf' Palästina zum Fräße hinzuwerfen. Um einer Tagesverlegehheit zu be« gegnen, machten sie sich unbedenklich und mit plumper, abstoßender Verlogenheit daran, das historische Recht des Judenvolkes zu verleugnen, zu zertreten, das von ihrer eigenen Nation beschworene Recht. Mac Donald und seine Freunde waren auf dem besten Wege, aus fünf« zehn Millionen jüdischer England*Freunde fünf« zehn Millionen England » Feinde zu machen... Hat der erfolgte Umschwung, der Sturz der Arbeiterregierung, diese Entwicklung zum Schmechten beendet? Ist für den Zionismus einev bessere Zeit ge« kommen? Eine schlechtere gewiß nicht. So weit darf sich eine Voraussage Wnauswagenv^Weit^r nicht; Bei nervösen Schmerzen/ Kopfschmerzen, gichtißchen und rheumatischen Schmerzen sind Togal- Tabletten unübertroffen. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, keine schädlichen Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Arzt. —' Iii allen Apotheken. Preis S 2.40. Man muß die nächsten Veränderungen abwarten. Noch ist Mac Donald, der den Zionismus, seinen eigenen Zionismus, verleugnet hat, Ministerpräsident. Noch sind zwei in ihren Beziehungen zum Zionismus höchst bedenke lieh gestimmte Männer in der Regierung. Thomas und Herbert Samue 1. Daß die jüdischliberalen und einige zionistische Zeitungen diese Männer als „Freunde" des Zionismus bezeichnen, ist komisch oder was anderes. Kolonialminister Thomas, der noch vor drei Wochen im englischen Parlament erklärte, daß Juden als höhere Beamte in Palästina im „Jüdischen Nationalheim'4 aus. „rassischen" Gründen nicht geduldet werden können. Sir Herbert Samuel, der erste palästinensische Göu« verneur unseligen Andenkens, welchen sogar Professor Weizmann, in der Beurteilung von Engländern und englischen Großjuden sonst so vorsichtig und konziliant, als „gefährlichsten Freund" der zionistischen Sache bezeichnet hat. Werden diese Männer weiterhin zionistischen Fragen maßgebend bleiben? Solange das nicht entschieden ist, ist jede das englisch«zionistische Verhältnis in naher Zukunft betreffende. Prognose .zweifelhaft;-,,,. ' " . r.'lt."1". MK' r '■'> :VV .- (Vom Erlrag des Bodens) Von Vladimir Jobotinsky Die Früchte des Landes sind sein schönes »,Lied". Und das schönste Lied;des Volkes ist seine Arbeit, die diese Früchte aus dem Boden oder der Werkstätte zieht. Auch das Summen der-Maschinen in TelsÄwiw und Haifa ist eine Art Simrath haarez. Es ist jetzt die Zeit gekom« men, da man für das 'Arbeitslied des jüdischen Palästina ein Weltauditorium schaffen muß. v Es ist bereits' viel geschrieben worden über Tozereth Haarez. Jeder, weiß bereits, daß der Ex« port von PalästinasProduktion nicht nur eines der Mittel, sondern das H aup t m i t te 1 ist für. die Beteiligung der Galuth am Aufbau des jüdischen Landes. Es ist eine un« endlich wirksamere, unvergleichlich gesündere und in der Perspektive eine finanziell viel stärkere Methode der Finanzierung des Aufbauwerkes als alle anderen. Die Galuth schenkt keine Almosen, sondern Palästina produziert und die Galuth kauft. Jeder weiß auch, daß im Prinzip des „Tozereth ha'Jischuw lego'lah" die einzige richtige Lösung der schweren Frage, wieviel Juden Palästina aufnehmen könne, liegt. Ein Land kann so viel Ehigiranten aufnehmen, als die. Welt proportionell dessen Produktion absorbiert. Jeder weiß alles» und dennoch haben, wir noch immer nicht, jenen Weltapparat zu schaffen begonnen, der das verwirklicht, was--wir alle wissen -~ Simrath . Haarez jedem jüdischen Hause und jedem Winkel der jüdischen Welt nahezubringen. Jetzt ist die Zeit, anzufang en. Manche werden sich wundern, warum gerade jetzt, in einem Augenblick des unerhörten wirtschaftlichen Niedergangs. Ja, gerade jetzt. Denn jetzt ist es, klar ge« worden, daß alle anderen Methoden der Finanzierung des Aufbaues für die Befestigung, des Baues keine Kraft ..haben. Was gestern noch Gegenstand der Debatte war, ist heute allseitige Erkenntnis. Unsere Kolonisation muß vor allem auf Grund privater Initiative und privaten Vermögens geführt werden^ und das bedeutet vor allem Märkte für den Absatz der Produkte. Just in diesen schwarzen Tagen müssen wir die psychologischen und organisatorischen Bedingungen für eine ■ permanente Weltaktion zugunsten des 'tozereth Haarez schaffen. « Die Organisatoren der Tel*Awiwer Ostmesse im April 1932 haben beschlossen, diese mit einem Kongreß der Freunde des Tozereth Haarez zu verbinden. Die Zusammenkunft wird in TeUAwiw in der zweiten Messeperiode stattfinden und den Kulmina« Alle im redaktionellen Teil befindlichen ehtgelt« lieben Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet. tionspunkt der ganzen VerapsteUung. bilden. \DM| provisorische Organisationsbüro der Konferenz wird .sich in Paris befinden, um im Frühjahr nach Tel«ÄwiWt.iztt übersiedeln. Es wird bald ein offizieller Aufruf;'e!r* scheinen, der von den Initiatoren, die verschiedenett Richtungen des nationalen Lebens angehören, unter* schrieben sein wird. Die Tozereth«Haarez-Konferenz versammelt* sich nicht nur der Manifestation wegen. Sie wird die Grund« sätze einer systematischen T o z e r e t h«Ha a-re z« Politik festlegen müssen. Das bedeutet natürlich nicht die Schaffung einer besonderen Organisation. Mit Verbänden, sogar Weltverbänden, ist das jüdischeVVqlfc Gott sei Dank' zur Genüge versorgt, und unter den besteben«, den Weltverbänden sind solche mit genügendem Einfluß und notwendigem Apparat zur Durchführung des orga* nisatorischen Teils der Aktion vorhanden. Die Konferenz wird aber die „kaufmännische n" Prinzipien der Aktion ausprobieren und festlegen müssen. Es werden an ihr sowohl gesellschaftliche Führer als auch Ge« schäftsleute teilnehmen, beide Elemente sind für das Gelingen der Beratung notwendig. Da sie aus verschiedenen Ländern kommen, so werden sie-wissen, welche Waren aus Palästina man in' jedem Land /populär machen kann. Kraft ihrer Anwesenheit in Tel»Awiw, dem Zentrum der jüdischen Produktion, und obendrein noch bei der Messe, wo das Beste der Produktion kons zentriert vor ihren Augen stehen wird, werden sie die Vorzüge und Fehler der Arbeit des Jischuw abwägen und den Produzenten auf jene Verbesserungen und Aenderungen verweisen können, die nötig sind, uro die Waren den verschiedenen Forderungen der Märkte anzupassen. Und noch eines Umstandes ist jeder gewiß, der die vorige Messe in TeUAwiw im Jahre 1929 gesehen und die, weitere Entwicklung der jüdischen Industrie nach 1939 verfolgt hat: daß nämlich jeder Teilnehmer .der Konferenz wie überhaupt jeder Besucher der Ostmesse nach allen Ecken der Welt große und ehrliche Begeisterung für die, merkwürdigen Erfolge 'von* Simrath Haarez tragen wird. Es ist in der Tat manches vor« banden, worauf man stolz sein kann. Ein Jude, in der Galuth, oft sogar auch ein Jude in Palästina, hat keine Ahnung davon, welch unerwartete Fortschritte 4je jüdische Industrie in den knappen sechs Jahren seit Beginn der 4. Alijah gemacht hat. Ich erinnere micji an die Worte, die der Vertreter der Palästina-Regierung, durchaus kein Freund von uns, bei der Eröffnung, der letzten Messe sagte; »Uns allen sind die Augen geöffnet