Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 215 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. M &*«iMnimhttiiMfTnutminMHiirMimititmiitniiiitttitMimnmmniii SIEGM. KORNHEHLj GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-W u. A-16-9-34 f Lieferant iür Heilanstalten § Abteilungen für igy^Fleisch j unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der lsr. Kul- | tusgemeinde Wien f Autosusteilung kostenlos I IX., Berggasse 15 / XVIII., Währingerstr. 97 I und mich vom Unternehmen zurückzus ziehen oder nicht mehr Arbeiter Eurer Organisation zu beschäftigen. Aber ich beschloß, ohne vorherige Klä* rung nichts zu unternehmen. Daher frage ich Euch: Was gedenkt Ihr zu tun, um Euch von der Verantwortung für die Worte Jawneelis zu befreien? . . Die „Erklärung" Jawneelis und der offene Brief des iMittclstandsjuden Lester beweisen, wie unsinnig sich der klassenkämpferische Sozialismus in der jüdischen Wirt* schaft Palästinas auswirkt. Auch wenn man mit dem „Haarez", welcher Jawneeli als „leicht erregbaren und seinen Emotionengegenüber widerstandslosen" Herrn in Schutz nimmt, einverstanden ist, so darf man doch nicht vor dem symptomatischen Charakter der Aus« Wirkungen dieser. „Affäre" die Augen verschließen. Arbeitergesetzgebung in Palästinn Genf, 22. Oktober. Der gegenwärtig in Genf tagende Verwaltungsrat des Internationalen Arbeits« amtes hat mit 12 gegen 8 Stimmen beschlossen, den Direktor des Arbeitsamtes zu beauftragen, sich mit den Regierungen der 'a s i a t i s c h e n Staaten, die Mit* glieder der Arbeitsorganisation sind, sowie mit den Re* gierungen jener Staaten, die in Asien territorialen Besitz haben, hinsichtlich der Einberufung einer beratenden Kon* ferenz der asiatischen Staaten zur Regelung der Arbeits* läge und zur Schaffung von Arbeitsgesetzen in Verbin* dung zu setzen. Zu den teilnehmenden Staaten wird auch Palästina gehören. Es unterliegt nun keinem Zweifel, daß bei der Behandlung der Arbeiterlage in den asiati* sehen Staaten auch die Arbeiterlage und die Frage einer Arbeitergesetzgebung in Palästina einer genauen Prüfung seitens des Arbeitsamtes des Völkerbundes werden unter* zogen werden. Austrittsbewegung 1930 in Deutschland Berlin, 23. Oktober. Ueber die Austritts* b e w e g/u n g aus den Religionsgesellschaften liegen nun* mehr die Zahlen für 1930 vor. Danach ergibt sich, daß 59.255 Evangelische, 6794 Katholiken und 566 Juden* aus den Religionsgesellschäfteri ausgetreten sind. Seit 1925 sind für Evangelische und Katholiken die Zahlen in ständigem Steigen begriffen. Ruckgang des jüdischen Schulwesens in Ungarn Budapest, 23. Oktober. Im abgelaufenen Jahre wur* den in Ungarn 31 jüdische Lehrkräfte abgebaut. Im Ver* laufe der letzten Jahre hat sich die Zahl der jüdi* schein. Schulen von 200 auf 120 verringert, weil das Einkinder* und Keinkindersystem so stark um sich gegriffen haben, daß die jüdischen Schulen entvölkert wurden. Für den ersten Jahrgang der Landes* Lehrerbildungsanstalt wurden bloß 16 Hörer zugelassen, um nicht durch die Heranbildung von stellenlosen Lehrern das geistige Proletariat zu vermehren. Eine ungarisch-palästinensische Handelskammer Budapest, 22. Oktober. In der Generalversammlung des ungarischen Pro*PaIüstina*Verbandes wurde die Gründung einer Ungarisch*PaIästinensi* sehen Handelskammer und Landwirtschaftlichen Kammer beantragt. Die Generalversammlung hat diesen Vorschlag genehmigt und zu seiner Durchführung ein Komitee eingesetzt, dem folgende Persönlichkeiten ange* hören: Baron Berthold Hatvany, Oberregicrungsrat Dr. Ignaz Friedmann, Universitätsprofessor Dr. Adolf Strauß, technischer Oberrat Julius Katona, Generaldirektor der Innerstädter Sparkasse Dr. Ernst Makkai, Oberregierungs* rat Dr. Max Horvath, Fabriksdirektor Leopold Aschner, die Redakteure Dr. Josef Patai, Edmund Gero und Dr. Josef Schönfcld, Generaldirektor der Telephonfabrik Oberregierungsrat Dr. Emerich Szekely, Rechtsanwalt Dr. Ludwig-Fqdor, Ingenieur Armin Beregi,. Ingenieur Bisse* Iiehes, Oberregierungsrat Moritz Steiner, R.*A. Dr. Nissan Kahan, Dr. Heinrich Endrei und der Präsident der Kultus* gemeinde in (Szeged Dr. Samuel Biedl. Die bulgarische Regierung unterstützt das jüdische Schulwesen Sofia) 23. Oktober. Der neue bulgarische Finanz* minister Sief an ow empfing eine Delegation des Zen* tralkonsistoriums der jüdischen Gemeinden Bulgariens, die ihm die traurige Lage der jüdischen Schulen schilderte und auf die Notwendigkeit ihrer Unterstützung seitens des Staates hinwies. Der Minister versprach, den im Staatshaushalt für die Unterstützung der Minoritätsschulen vorgesehenen Betrag von einer halben Million Lewa den jüdischen Schulen zur Verfügung zu stellen. Die Auszahlung wird ratenweise, je nach den finanziellen Möglichkeiten der Staatskasse, er* folgen,. Prozeß um die Abstammung des Polizeipräsidenten Grzesinsky Berlin, 26. Oktober. Der Berliner Polizeipräsident Grzesinski wurde vom Schöffengericht Schöneberg als Zeuge in einer Verhandlung gegen den 20jährigen Studenten der Theologie Hans Joachim Prochnow vernommen, der in einer nationalsozialistischen Vcrsamm* lung behauptete, Grzesinski sei ein uneheliches Kind, stamme von einem Juden ab und sei erst später von dem Manne seiner Mutter legitimiert worden. Polizei* Präsident Grzesinski bekundete, daß er nicht jüdischer Abstammung sei; seine Mutter sei niemals, wie von Gegnern behauptet werde, im Hause eines „Kauf* m a n n e s Cohn" in Stellung gewesen, dessen Kind er, Grzesinski, sein solle. Vielmehr sei sein natürlicher Vater ein Gastwirt aus Potsdam, bei dem seine Mutter tätig ge* wesen ist. Er selbst sei später, nachdem seine Mutter den Berliner Stellmacher Grzesinski geheiratet hatte, von die* sem adoptiert worden. — Das Gericht verurteilte den Studenten Prochnow wegen übler Nachrede zu 300 Mark Geldstrafe und führte in der Begründung aus, die1 nicht erweisliche Behauptung sei ihrem ganzen Zusammen* hang nach geeignet gewesen, den Polizeipräsidenten ver* ächtlich zu machen und in der Oeffentlichkeit herabzu* setzen; dies gelte um so mehr, als die Aeußerungen in einem Kreise von Leuten gefallen seien, nach deren Ansicht ein Anhänger der jüdischen Rasse für ein hohes Staatsamt ungeeignet sei. Krise und Reorganisation der Banca Marmarosch Blank — Aristide Blank das Opfer einer antisemitischen Kampagne? Bukarest, 25. Oktober. (J. T. A.) Aristide Blank, der bisherige Generaldirektor der bedeutendsten privaten Großbank Rumäniens, der Banca Marmarosch Blank, hat sich,infolge der Schwierigkeiten, in die die Bank in letzter Zeit geraten ist, genötigt gesehen, am 21. Oktober sein Amt niederzulegen. Mit ihm sind auch die Direktoren Richard Szoepkez und Nicolae Tabacovici aus der Leitung der Bank ausgeschieden. An Blanks Stelle wurde einer der Direktoren der rumänischen National* bank, Alexander S t e f a n e s c u, zum Generaldirektor der Marmaroschbank ernannt. , In einem offiziellen Kom* munique wurde verlautbart, daß für die Liquidität der Bank ausreichend Vorsorge getroffen ist Die jüdische Oeffentlichkeit sieht Herrn Aristide Blank, der als großzügiger Philanthrop bekannt ist und dessen politischer Einfluß stets eine wesentliche Stütze für das jüdische Prestige in Rumänien war, mit großem Bedauern' aus seiner bisherigen Position scheiden. In informierten Kreisen wird erklärt, daß u. a. auch politische, zum Teil m a.-n,tisemi tische, Ten* denzen letzten Endes für. das Ausscheiden Aristide Blanks aus der Leitung des, seinen Namen tragenden In* stituts maßgebend gewesen sind. Aristide Blank hatte, einen großzügigen Plan zur Sanierung aller notleidenden rumä* nischen Bankinstitute entworfen. Dieser Plan, in dessen Rahmen u. a. auch eine Reorganisation der Berkovitz*Bank j vorgesehen War, hatte an allerhöchster Stelle und in den rumänischen Finanzkreisen volle .Würdigung ge* funden. Auch Finanzminister Argetoianu hatte diesen Plan in Erkenntnis seiner weittragenden Bedeutung für Banken und Wirtschaftsleben Rumäniens gebilligt Da* gegen stieß der Plan und der Gedanke einer Reorganisa* tion der Marmaroschbank und der Berkovitz*Bank unter Aristide Blanks Führung auf den heftigsten Widerstand einer Gruppe höherer Funktionäre der rumänischen Nationalbank, die schon seit jeher die Tendenz verfolgen, den Einfluß jüdischer Financiers auf das rumänische Bankwesen zu schwächen und sogenannte „jüdisch©" Institute entweder fallen zu lassen oder ihnen eine neue, nicht jüdische, Leitung zu geben. Es verlautet, daß der Generaldirektor der Nationalbank, Mihail Ma* n o i 1 e s c u, ein heftiger Gegner der staatlichen Stützung der Marmaroschbank — er : hat sogar in diesem Zusam* menhang seine Demission angedroht —, diesen Be* strebungen nicht ganz fernesteht. Nach dieser Auffassung wäre somit Aristide Blank das Opfer einer systematischen judenfeindlichen Kampagne, die es sich zum Ziele gesetzt hat, das rumänische Bankwesen „judenrein" zu machen. Das jüdisch-religiöse Leben in Biro-Bidschan Moskau, 19. Oktober. (J. T. A.) Der fernöstliche Korrespondent der Moskauer jiddischskommunistischen Tageszeitung „Emess" fordert, daß auch in Biro«Bid* schan eine systematische antireligiöse Kampagne geführt werde. Er erzählt, daß sich jüdische Neu* Siedler in Biro*Bidschan ein Sefer Thora ange* schafft und eine B e t s t u b e eingerichtet haben. An den vergangenen hohen jüdischen Feiertagen ruhte die Arbeit an vielen Punkten. Sogar der Bau des Distriktssowjet* hauses mußte unterbrochen' werden, weil die jüdischen Fuhrleute wegen der Feierteige keine Ziegel herangeführt hatten. Im landwirtschaftlichen Kollektiv „Waldheim" wird eine Geldsammlung zwecks Anschaffung eines Sefer Thora und Einrichtung einer Betstube durchgeführt, Be* sonders religiös gestimmt seien die Einwanderer aus Si* birien, Transbajkalicn und Kaukasien, die, obwohl vollkommen russifiziert, dennoch in religiösen Dingen einen stärkeren Konservatismus entfalten als die Einwanderer aus dem ehemaligen Ansiedlungsrayon. Ihre Frauen beobachten „mittelalterliche" Vorschriften und Traditionen, die die jüdischen Frauen aus Berditschew und anderen echt jüdischen Städten jetzt längst ver« gessen haben. HISTADRÜTH IVRITH Samstae, den 31. Oktober 1931, findet im Hotel Bayrischer Hof, Taborstraße 39, eine FEST-AKADEMIE zu Ehren der berühmten hebr. Dichterin E LI S C H E W^A aus Palästina, statt . AUS DEM PROGRAMM: I. Das dichterische Schaffen Elischewas (Eröffnungsworte Dr. Rothbhu») II. Violin-Vortrag............•.......'M»J?e«« III. EIlsc»-wa ..............Vorlesung au« eigenen Werken IV. Oas. ng. . Frl. Zsytlowskäja (aus Riga), Herr Orenstein tau» Palästina) V. Elise .ttva.................Mein Weg zum Judentum Vi! Rezitationen...................Frl. Lebensohn Karten-Vorverkauf zum Preise von S 1.— und 2.— ^Buchhandlung M. Rath, II, Taborstraße 20a; Bezirkssektion, II, Praterstraße 13» und bei allen Mitgliedern der Hlstadruth Aus der zionistisch* revisionistischen Bewegung Versammlung der Berliner Revisionisten Berlin. Am 22. d. M. fand die erste Ort* gruppenverSammlung der Berliner Revisionisten statt. Ueber „Die Einigung in Calais und unser Austritt aus der allgemeinen deutschen Landesorganisation (ZVfD.) referierten die Herren Ch. Bclilowsky und R. L i c h t h e i m. ■ Herr Bclilowsky, welcher an den Verhandlungen in Calais persönlich teilnahm, gab einen kurzen Ueberblick über dieselben und hob besonders die gute Atmosphäre hervor, in welcher die Beratungen vor sich gingen. Er übermittelte der Ortsgruppe Grüße des in Berlin weilenden, aber leider an der Teilnahme an diesem Abend verhinderten Vizepräses der Union, Herrn M. Großmann, welcher mit seinen soeben beendeten Vor« tragsreisen durch Litauen und Lettland höchst zu* frieden ist. Die Landeskonferenzen genannter Länder haben mit großer Ma j o r i t ä t den Einigungs* beschlüssen von Calais zugestimmt. Herr L i c h t h e i m begrüßt zunächst mit warmen Worten den anwesenden Vertreter der tschechoslowas kischen Revisionisten Dr. Rabinowicz und behan« delt im weiteren die Mißverständnisse, welche aus dem Beschluß in Calais und dem der Revisionisten Deutschlands in Berlin in der Oeffentlichkeit entstanden sind. Dit Forderung nach dem Austritt aus der ZVfD. erfolgte nicht als Folge von Calais, wie z. B. die „Jüdische Rund* schau" darzustellen versucht, sondern sie wurde von der Landeszentrale aufgestellt, lange vor der Sitzung des Exekutivkomitees in Calais. Referent ist entschiedener Gegner des Austrittes aus der Zionistischen Weltorga» nisation (ZO.), aber ebenso entschiedener Anhänger des Austrittes aus der ZVfD. Eines schließe das andere nicht aus. Es wird vielfach behauptet, der Beschluß, von Calais, versetze uns in eine Doppelstellurtg:.1' Aüfede* •fethen' 'SeitOi die revisionistische Disziplin, auf der andern Seite unsere Zugehörigkeit zur ZO. (Aktionskomitee, Kongreß, Schekcl). Wenn der Beschluß von Calais Annahme finden werde, wird die revisionistische Organisation keinen Teil der ZO. mehr bilden, weil ihr auch NichtsSchekelzahler werden angehören können. Praktisch jedoch ist sie ein Teil der ZO., weil die meisten Revisionisten Schekelzahler sind und bleiben werden. Im Moment sind wir also das, was wir waren, eine Art Sonderverband der ZO., als welchen wir uns allein auch betrachten. Nach der Ratifizierung des Calais=Beschlusscs durch den Parteirat wird wohl die ZO. das Recht haben, diese Frage zu erörtern. Aber das ist bloßeine för« malistische Angelegenheit. Denn praktisch kann es der ZO. egal sein, welche Form unsere Union annehmen wird. Wir haben unsere Mitglieder im AC. und können unter welchem Namen immer in jedem Lande, falls wir loo Unterschriften von Schekelzahlern aufbringen, eigene Listen zum Kongreß einreichen. Das ist die eine, die formalistische Seite. Die ZO. kann aber auch z. B. sagen: die Konstruktion gefällt mir nicht, geht aus der ZO, hinaus. Referent glaubt die Garantie übernehmen zu können, daß das nicht kommen werde. Kein Mitglied der zio* nistischen Exekutive würde diese Torheit, der Meineckes Straße wiederholen wollen. Die einzige Frage, die zu Konflikten führen könnte, ist die der doppelten Dis» ziplin. Dann muß eben das Prinzip der Politik aus« gefochten werden. Wir wollten doch nie selbständige Politik der revisionistischen Union deshalb, um die Arbelt der ZO. zu durchkreuzen, sondern wir arbeiten positiv mit im Zionismus. Aber in Anbetracht der schlechten Politik nehmen wir uns das Recht, politische Arbeiten zu leisten. Z. B, letztens unser Memorandum betreffs den Landentwicklungsplan oder die Aktion gegen die. Volkszählung in Palästina. Da kann man doch nicht sagen, daß diese Aktionen gegen die ZO. gerichtet sind, sie sind Ergänzungsarbeiten. Wie oft wollten wir Ko* Operation, aber immer wieder war Dr. Weizmann dagegen. Die neue Exekutive könnte es anders machen. Das hängt nur von ihr ab. Wir aber werden indessen alles tun, was notwendig ist, im Interesse des Zionismus,: und verwahren uns dagegen, daß unere Politik eine anti-» zionistische genannt werde. Es kommt nicht darauf an, o b wir tun, sondern was wir tun. Und. da könnte eine. Kooperation, eine Ergänzungsarbeit möglich sein. Calais bedeutet also nichts anderes als das, was andere zionistische Gruppen schon längst vor uns ge* macht haben. Die Poale Zion gehören der II. Inter« nationale an, unterstehen also auch zwei Disziplinen. Der Liga für das arbeitende Palästina gehören auch Nicht* Schekelzahler an, während die Poale Zion ihr zur Gänze angehören. Deshalb können auch die der ZO. angehören* den Revisionisten einer Union angehören, die nicht aus» schließlich aus Schekelzahlern besteht.