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Die neue Welt · 1931-10-30 · Heft 215 (30.10.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 215 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2T5 DIE NEUE WELT Seife* —wn;-- Ul An unsere Auslandsabonnenten I Zur gefl. Beachtung I Unserer heutigen Aufflage liegen Abonnementrech* nungen bei empfehlen, das Oster* und Pfingstfest in der Weise fest* zulegen, daß Ostern jeweils auf den Sonntag nach dem zweiten Sonnabend im April und das Pfingstfest ent* sprechend sieben Wochen später fällt. Ostern würde da* nach regelmäßig zwischen den 9. und 15. April fallen, wo* mit die jetzt bestehende Spanne von fünf Wochen auf eine Woche herabgesetzt wäre. * London, 23. Oktober. (J. T. A.) Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz, der soeben aus Genf zurückgekehrt ist, wo er das Jüdische Komitee betreffend die Kalender* reform in der Konferenz der Völkerbundskommission für Verkehr und Transit vertrat, erklärte gegenüber dem Ita* Vertreter, er glaube, daß der Plan der Einführung eines Blankotages fallengelassen wurde und daß dieser Plan mindestens für die Dauer einer Generation nicht wieder zur Diskussion gestellt werden wird. Etwas über einen Juden Ein Bericht der „Arbeiterzeitung" Es gibt Leute bei uns in Wien, die sich darüber beschweren, daß die „Arbeiterzeitung", das Organ der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs, ihre Leser nie* mals über jüdische Ereignisse und Erscheinungen infor* miert. Die Klagen sind unberechtigt, grenzen fast an Verleumdung. Denn nicht selten kommt es vor, daß die „Arbeiterzeitung" bald in dieser, bald in jener Rubrik von der Moral der galizischen Juden berichtet, der ihre christlichsozialen Gegner anheimfallen, von Tarnopole* Methoden, die nicht bei ihnen, sondern nur bei den Christlichsozialen Platz hat, von jüdischen Häuserschiebern, vom jüdisch*kapitalistischen Unternehmertum und was es sonst im sozialdemokratisch*österreichischen Jargon gibt. Wie gesagt, die Beschwerdeführer tun dem Organ der Sozialdemokratie bitteres Unrecht. Erst jüngst wieder hat die „Arbeiterzeitung" über eine jüdische Sache be« richtet, sogar ei,ne,; .die-weit-in. der .Ferne.^spielt. Drüben in Australien ist vor kurzer Zeit General Sir John M o n a s h gestorben. Das war ein Jude und Oberkom* mandierender der australischen Truppen im Weltkrieg. Das Blatt erzählt unter dem Titel „Jud Monash", wie der Mann erfolgreich gegen die Deutschen gekämpft habe, dieser Jud Monash, wie er den Krieg als reines Geschäfts* unternehmen ansah, von der Grausamkeit seiner Soldaten, und kommt zum Schluß zur endgültigen Würdigung des Mannes mit folgender philosophischen Betrachtung: „Und der Jude Monash benützte zum kapita* listischen Kriegführen die tierischen Instinkte seiner Soldaten ebenso schamlos, war in seinem Zivilistenherzen ebenso unbarmherzig wie der germanische Recke und Berufssoldat Ludendorff. Ob jüdisch»kapita* listisches Unternehmen oder arischsheldischer Waffen* gang — Krieg bleibt eben Krieg, blutig und unmensch- lieh." Also, hier haben wir es schwarz auf weiß, die end» gültige Bestätigungdessen, was Hitler seit Jahr und Tag in die Welt ruft: Der Krieg auf seiten der Entente war ein jüdisch*kapitalistisches Unternehmen, der Jud Monash hat ihn grausam und tierisch geführt, um dem jüdischen Weltkapitalismus zum Sieg zu verhelfen, während so ein Ludendorff ein paar Millionen Deutsche nur aus arisch* heldischer Weltanschauung geopfert hat. Es fehlt nur noch in unserer „Arbeiterzeitung" der Hinweis auf die „Weisen von Zion", allerdings nicht jener „Weisen" von Zion, die in der Redaktion der „Arbeiter-Zeitung" sitzen, die Sozialdemokratische Partei anführen und auf den Namen „Jud Bauer", „Jud Danneberg", „Jud' Eisler*1 and „Jud Ken", des Autors von Jud Monash', hören. Die Beschwerdeführer werden jetzt wohl zugeben* müssen, daß die „Arbeiterzeitung" die arbeitenden Massen Oesterreichs über jüdische Ereignisse und Er scheinungen richtig, korrekt und — anständig informiert, nicht wie Hitler seine Nationalsozialisten. Warum Scotland Yard keine Juden in Dienst stellt Die französische Revue „Lu" veröffentlicht die Studien eines ihrer Mitarbeiter über Scotland Yard, die bekannte Zentralstelle der englischen Polizei. Ge* legentlich eines Besuches in Scotland Yard wurde dem Journalisten u. a. auch mitgeteilt, daß dreierlei Sorten von Menschen im schweren Kriminaldienste g rundsät z* lieh nicht beschäftigt werden, und zwar Verheiratete, Londoner und Juden. Der Journalist gab seiner Ver* wunderung darüber Ausdruck, daß in England einerseits Juden zu Ministern ernannt werden, also sehr verant* wortungsvoüe Posten bekleiden können, daß man sie I anderseits für unfähig erklärt, Polizeidienste zu versehen, i Er erhielt darauf folgende Antwort: Haupterfordernis bei "nihruiv« "'->p ' Versuchungen und Verfolgung von Ver* 1 brechern ist die Fähigkeit, kaltes Blut bis zum letzten Moment zu bewahren. Juden sind von Natur aus un* ruhig, ungeduldig und lassen sich hinreißen. Juden sind nicht fähig, Untersuchungen oder Verfolgungen bis zum Ende zu führen, wenn diese ausdauernde Geduld er* fordern." Der Journalist führt diese Einstellung nicht auf eine Anymositat der Engländer gegen die Juden zurück, sondern auf ihre Neigung zu Verallgemeinerungen. Er erinnert an die Anekdote vom Engländer, der zum ersten Male in Calais landet und dort eine Frau russisch sprechen hört. Er zieht sein Notizbuch und schreibt hinein: „In Frankreich sind alle Frauen Russinnen..." Prager Nachrichten In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Prag wurden der durch den Tod des ehemaligen Präsidenten der Prager Jüdischen Gemeinde, Abg. Dr. Ludwig Singer, freige* wordene Präsidentenposten, sowje die Stelle des Vizepräsidenten neti besetzt. Die Tschcchojuden. nahmen gegen den Präsidentschaftskandidaten Dr. Gott* lieb Stein Stellung, weil er auf der Liste der Deutschdemokraten , zu den Parlamentswahlen kandidierte. Sie erklärten, daß sie gegen dessen Wahl stimmen würden. Eine ähnliche Erklärung gab für die Mittelpartei Dr. Emil Kafka ab. Dr. Gottlieb Stein wurde mit 15 gegen 9 Stimmen zum Präsidenten der Jüdischen Gemeinde gewählt, worauf die Tschechojudcn den Saal verließen. Zum Vizepräsidenten wurde Ge* meinderat Arthur Kauders gewählt. * An den Prager tschechischen und deutschen Hoch* schulen ist nur ein geringer Teil der neu inskri* bierten ausländischen Studenten aufgenommen worden. An der Prager deutschen Universität wurden nur 60 aus* ländische Studenten neu inskribiert, sehr viele ausländi* sehe Studenten, besonders aus Polen und Rumänien, vor* wiegend Juden, wurden abgewiesen. Nicht besser sind die Verhältnisse an der tschechischen Universität und sehr schlimm sind sie an der tschechischen j Technischen Hochschule, wo ausländische Juden fast nicht aufgenommen werden. Es bestätigt sich, daß | das tschechoslowakische Generalkonsulat in Warschau den jüdischen Studenten aus Polen, die sich in Prag neu inskribieren wollen, keine Visen erteilt. Die Visaverweige* rung wird auf eine W e i s u:n g der tschechoslowa* k i s c h e n Regierung zurückgeführt. * Die Prag er Deutsche Universität hat bei den Inskriptionen die an den rumänischen Mittelschulen ausgestellten Maturitätszeugpjsse als unzureichend für Aufnahme an - die Hochschule erklärt und dadurch bis auf weiteres die Inskription einer großen Anzahl rumänischer, in der Hauptsache jüdischer, Hörer unmöglich ge* macht. Der jüdische Parlamentsklub in Ru* mänien hat sich an die jüdischen Abgeordneten im tschechoslowakischen Parlament mit dem Ansuchen ge* wandt, bei den zuständigen Stellen eine Aufhebung dieser Maßnahmen zu erwirken, deren antijüdischer Cha* rakter nicht abgeleugnet werden kann. Bei Gallen- und Leberleiden, Gallensteinen und , Gelbsucht regelt das natürliche „Franz Josef "-Bitterwasser die Verdauung in geradezu vollkommener Weise, j Brief aus Palästina Sonderbericht der „Neuen Welt" Der Druck der Not nötigt zu vernünftiger Wirtschaft — Abbau des Beamtenapparats und überflüssiger Schul« kategorien. — Segnungen des Klassenkampfes l Die Exekutive der Zionistischen Organisation in Jerusalem gibt bekannt, daß ihr Beamtenapparat radikal verkleinert worden ist. Durch Abbau, der dieser Tage vor* genommen wurde, ist der Personalstand auf 60 herab* gemindert worden. Er betrug noch vor wenigen Monaten 130, früher noch weit mehr. Pie Befriedigung über diese Nachrioht wird getrübt, wenn man bedenkt, daß nicht Verantwortungsgefühl und Einsicht, sondern erst der Ein* tritt äußerster Not Wandlung schuf, und wenn man be* denkt, wieviel Volksgeld in den langen Jahren über* flüssigerweise verausgabt wurde. Auch in der Schulfrage scheint sich, gleichfalls unter dem Drucke der Not, ein Wechsel nach der Richtung zur Vernunft zu vollziehen. Das arme, kleine jüdische Pa* lästina hat sich bisnun den Luxus dreier gesonder* terSchularten erlaubt. Ein allgemeines, ein mis* rachistisches (traditioristreues) und ein sozialistisches Schulwerk bestehen # nebeneinander. Die größten Kultur* nationen finden bei einem Schulwerk ihr Auslangen, das arme jüdische Volk aber braucht dreil Der Sturmlauf der Opposition gegen diesen kostspieligen und die Jugend zerklüftenden Widersinn der von der früheren zionisti* sehen Leitung aus parteipolitischen Erwägungen geduldet und gefördert wurde, verlief ebenso ergebnislos, wie der gegen den überflüssig großen/Beamtenapparat. Jetzt hat die Not zur Einsicht gezwungen. Es' werden Schulen ver* einheitlicht. Allerdings geht das nicht reibungslos vor sich. In einer Sitzung des Erziehungsdepartements der zionistischen Exekutive in Jerusalem ereignete sich ein Zwischenfall, der in der palästinensischen jüdischen Oeffentlichkeit Aufsehen erregte. Im Zuge der Sparmaß* Der gigantische/ wirklich authentische Afrika «Tonfilm Trader Horn Die Abenteuer des kühnen Iraners (Händlers) Horn an der Elfenbeinkuste Deutscher Dialog Gartenbau«Kino 1, Parkring 12 Tel.: K-21-2-43 Stafa'Kino VII, Manahilferstr. 120 Tel.: B-36-1-68 Ufa*Ton«Kino II, Tahorstraße 8 Tel.: R-41-2-41 KoIosseuni'Kino IX, Nußdorferstr. 4 Tel.: A-12-5-20 nahmen im zionistischen Schulwesen wurde beschlossen, eine „Schule für Arbeiterkinder" in Tel* Awiw allen Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen, um auf diese Weise die Erhaltung gesonderter Erziehungsinstitutionen für „bürgerliche" Kinder zu ersparen. Dann beantragte der Vertreter der Kolonisten, Herr Miller aus Rischon le Zion, daß dementsprechend der Name der Schule in dem Sinne geändert werde, daß der Zusatz „für Arbeiterkinder" gestrichen werde, da ja die Schule von nun ab allgemein zugänglich sein soll. Dieser vernünftige Antrag rief eine sehr stürmische Debatte hervor, in deren Verlauf Herr J a w n e e 1 i, der Vertreter der Arbeiterorganisation und Leiter des auto* nomen Schulwesens der Arbeiterschaft, aufsprang und rief: „Es wird der Tag kommen, da wir euch die Pflanzungen wegnehmen und sie unter unsere Arbeiter verteilen werden. Wir werden eure Häuser wegnehmen und euch aus ihnen verjagen. Dann werden wir'auch Ihr Vorgehen, Herr Miller, nicht vergessen und es zu sühnen wissen..." Diese, gelinde gesagt, etwas primitive Auffassung des Arbeitervertreters von der Form und dem. Tempo der „unvermeidlichen" sozialen Revolution rief zuerst eher Heiterkeit hervor. Herr Miller erwiderte nicht und stellte nur mit Bedauern fest, daß sein Antrag mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt und ein anderer Antrag ange* nommen wurde, der besagt, man solle der Kulturkommis* sion der Arbeiterorganisation empfehlen, selbst die Namensänderung der Schule vorzunehmen. Einige Tage später erschien jedoch ein sehr ernst gestimmter offerter Brief des Vorsitzenden des Kolonisten« Verbandes, Mosche S m i 1 a n s k y (Rehoboth), im „Doar Hajom", in welchem er im Namen der gesamten Kolo» nistenschaft an die zionistische Exekutive und an < die Arbeiterorganisation die Frage richtete, was sie zu tun gedenken, um sich nach den Worten Jawneelis von der Verantwortung für diesen Vorfall zu entlasten. Auch Herr Miller veröffentlichte im Organ der Kolonisten, „Bu* stenai", einen offenen Brief, in dem er seine Demission als Mitglied des Erziehungsdepartements bekanntgibt, da er keinen anderen Ausdruck für seinen Protest findet. Denn, so sagt Herr Miller, weder Jawneeli werde demis* siönieren, noch werde das Erziehungsdepartement oder die Arbeiterorganisation Herrn Jawneeli gegenüber die not* wendigen Konsequenzen ziehen. — Herr Miller behielt auch recht. Die Exekutive veröffentlichte eine Erklärung im „Döar Hajom", in der sie ihrem Bedauern über den' „lapsus linguae" eines Mitgliedes des Erziehungsdeparte* ments" Ausdruck verleiht, wie sie andererseits bedauert, daß der Versuch unternommen werde, daraus eine öffent* liehe Affäre zu machen. Die ^Arbeiterorganisation stellte sich auf den Prestigestandpunkt. Der „Dawar", das Orgarf der Arbeiterorganisation, veröffentlichte einen Artikel, der Herrn Jawneeli gegen den Kolonistenverband in Schutz nimmt, ihm nur den „Vorwurf" nicht' ersparen könne, daß er „seinen Glauben an das Zukunftideäl während einer Verhandlung über konkrete Tagesfragen deklarierte". Im übrigen sei der Inhalt der Worte Jaw* neelis ein Ausdruck des Glaubens jedes jüdischen und nichtjüdischen Sozialisten, daß nämlich „ein Tag kommen wird, an dem die Ausbeutung und der Privatbesitz ver* schwinden werden". (Als ob Herr Jawneeli nichts anderes gesagt hättet) Der Rat der Arbeiterorganisation, der um diese Zeit in Tel*Awiw tagte, wählte Herrn Jawneeli wie* der zum Vertreter im Erziehungsdepartement . . . Wen die Worte Jawneelis vor den Kopf gestoßen haben, welche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Front des Zionismus solche Vorfälle ausüben, beweist der offene Brief eines Mittelstandsjuden, Baruch Mordechai Lester, an die Exekutive der Arbeiterorganisation im „Haarez" vom 11. Oktober. Er schreibt: „Ich, ein Jude vom Mittelstand, kam nach Palästina, um zusammen mit den anderen Schichten des Jischuw, d. h. mit euch, jüdi* sehe Arbeiter, am Aufbau teilzunehmen. Ich könnte ruhig von meinem Kapital leben, aber ich wollte dem jüdischen Arbeiter Arbeitsgelegenheit verschaffen, begann Häuser zu bauen und beschäftige auf diese Weise eine ansehnliche Zahl von Arbeitern." Nach einem Ueberblick über die „Affäre Jawneeli" setzt er fort: „Da Herr Jawneeli euer Vertreter im Erziehungsdepartement ist und Ihr in keiner Weise seine Worte verurteilt habt, tragt Ihr die Vej# antwortung für sie. Und nun frage ich Euch: Welche ELoti» sequenz soll ein Mann wie ich aus dieser Sache ziehen? Mein erster Gedanke war, den Bau einzustellen

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