Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 215 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile ) DIE NEUE WELT Nr. 215 SotollpUrtttft, «u»h Taut« ZahMMt«mMnt«rttn9 „ELPHGRA" I., Oomlfllt«Mr«Mtel M (Eek* Kai) Tat. R-24-4-1B die „Rheinische Zeitung" heraus, die später „Neue Rheinische Zeitung" hieß. Allmählich stieg die 2ahl der Blätter gewaltig. Ihre Redaktoren waren meistens Juden. In Deutschland verfügte die sozialistische Partei schon vor dem Kriege über mehr als 5,000.000 Stimmen. Judenmillionäre jammerten als Sekretäre mit den armen sozialistischen Arbeitern über ihr Elend und ihre Not. Diese ganze Komödie war nur Lüge, Verführung und Betrugl August Bebel, der Führer der deutschen Sozialdemokratie (zugleich Bc vr einer herrlichen Villa am Zürichsee) schrieb: „Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser." Und im Reichstag rief er aus: „Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen." Weil der Sozialismus von den Juden stammt, richtet sich sein Haß naturgemäß gegen das Christentum. Die Schweizer Presse hat sich bisher damit gerühmt, ein höheres Niveau zu wahren als irgend eine andere europäische Presse. Wie man sieht, hat sie, soweit die Judenfrage in Betracht kommt, diesen Ehrgeiz geopfert, um in der primitivsten, leider aber auch wirksamsten Art, gegen die Juden loszuziehen. Die Schweizer Juden werden diese traurige Tatsache zur Kenntnis nehmen müssen. Vielleicht werden sie den vernünftigen Schluß daraus ziehen, daß sie keine isolierte und privilegierte Gruppe auf einer uneinnehmbaren, paradiesischen Freiheitsinsel und verpflichtet sind, sich an der großen jüdischnationalen Bewegung zu beteiligen, viel mehr als bisher. Der Zionismus vor dem Völkerbund Verletzung des Mandats durdi Beiseiteschieben der Zionistischen Organisation Von unserem Berichterstatter beim Völkerbund Dr. S. E. S o s k i n (Genf) barmachung der natürlichen Hilfsquellen des Landes. Daraus schließt Herr Van Rees, daß der zweite Absatz des Artikels II des Mandats ein toter Buchstabe geblieben ist Selbstverständlich wurde dieser Paragraph nicht dazu aufgenommen, um bei* s'eite geschoben ztrwerden. Es wäre auch zwecks los, ihn so zu deuten, wie es im Paragraph 8 des Weißbuches geschah, als nur „fakultativ und nicht ver* pflichtend". Herr Van Rees zeigt an zwei Beispielen, wie die englische Regierung selbst früher den Sinn dieser Mandatsbestimmung gedeutet hatte. Auf die Anregung von Mr. Harvey, dem da» maligen Botschafter der Vereinigten Staaten in London, dahingehend, daß die Frage der Konzessionen im Palä« stinaeMandat ebenso behandelt werden sollte, wie im Falle des zu den BsMandaten gehörenden Ostafrika, antwortete am 29. Dezember 1921 Sir Eyre Crowe wie folgt: „Die Anregung scheint die besonderen Bedingungen zu übersehen, die in Palästina existieren, ins« besondere den großen Unterschied in der Natur der Auf* gaben, die in diesem Lande zu lösen sind. Unsere Artikelreihe aus der Feder des energischen zionistisch # revisionistischen Kämpfers für zionistisches Recht beim Völker« bund läßt einerseits erkennen, wie schwer die MacDonald«Regierung gegen das zionistische Recht verstoßen hat, anderseits zeigt sie, wie sehr die zionistische Leitung darin gefehlt hat, die Freunde der zionistischen Sache beim Völkerbund nicht rechtzeitig aufzuklären und ihre Hilfe im Kampfe gegen die antisemitische und antizionistische Bürokratie der Mac« Donald<Regierung einzusetzen. Verständnis und Hilfbereitschaft sind da, man muß sie nur ausnützen. Zweimal nahm die Mandatskommission zur Frage des Verhältnisses zwischen Jewish Agency und Palästina« Regierung Stellung. Wiederum war es Herr Van Rees, der, unter Wahrung internationaler Höflichkeit, Groß* britannien nachwies, daß es bei Auslegung des Artikels 4 des Mandats, welcher die Rolle der Jewish Agency festlegt, nicht dem Willen der Urheber des Mandats ent« sprach. Schon bei der Behandlung der gleichen Frage auf der 15. Session der Mandatskommission im Juni 1929 be* kam man den Eindruk, daß den Vertretern der jüdischen Interessen beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims seitens der Administration in Palästina nicht Gelegen« heit zu fruchtbarer Mitarbeit geboten wird, wie das von den Schöpfern des Mandats beabsichtigt war. Der neue Bericht verstärkt diesen Eidnruck: Nur in drei Fällen wurde die Agency von der Administration konsultiert. Zu einer noch detaillierteren Behandlung derselben Frage kann es bei der Diskussion, betreffend die vV e r* gebung von Konzessionen und die Ausfüh* rung von öffentlichen Arbeiten. Die Herren Dr. Kuppel, Orts und Prof. Rappard gaben der Mandatarmacht unzweideutig ihre Ansicht wegen der Art der Vergebung der Konzession an die Irak Petroleum Company (Führung einer Rohrleitung durch Palästina) bekannt. Rappard charakterisierte die Gewährung von Abgabebefreiungen an die englische Gesellschaft als Mißgriff eines Vormundes, welcher Rechte seines Mündels an Dritte unter Schmälerung der Einkünfte des Mündels vergibt. Ebenso charakterisierte Van Rees das derzeitige Verhältnis zur Jewish Agency bei Vergebung von Konzessionen, öffentlichen Arbeiten usw. usw. Die Frage wegen Heranziehung der jüdischen Ver* tretung wurde im Fragebogen der Kommission von der PalästinasRegierung dahin beantwortet, daß es nicht notwendig war, mit der Jewish Agency irgendwelche Abmachungen zu treffen, weder bei Durchführung von öffentlichen Arbeiten hoch im Hinblick auf die Nutz« Was Palästina anlangt, so sieht Artikel II des Man« dats ausdrücklich vor,- daß die Regierung mit der im Artikel 4 vorgesehenen Jewish Agency ver* einbaren möge, daß die Jewish Agency die natür* liehen Hilfsquellen des Landes — insofern dies nicht von der Administration selbst unternommen wird — ausbeuten solle. Der Grund hiefür ist der, daß zwecks erfolgreicher Durchführung der Politik der Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk es ungangbar. erscheinen läßt, daß gleiche Erleichterungen zur Entwick* lung der natürlichen Hilfsquellen des Landes an dritte Personen oder Körperschaften gewährt wer* den, die von a n d e-r e.n;v sM o t iy e n bewegt werden." /Daraus geht klar hervor, meint , Herr Van Rees, daß der fragliche Artikel im Mandat nicht zufällig steht, sondern mit Absicht aufgenommen wurde, als eine konstruktive Grundbedingung der Poli* tik, welche die Errichtung des Jüdischen Nationalen Heims zum Ziele hat. " Im darauffolgenden Jahr hatte die britische Regie* rung in einer vom 1. Juli 1922 datierten Note an den Institut MMenwein •egen Verdauungs- und StofMselsiörungen Wien I, Graben 19 / Tel. U-26-4-30 «erlangen Sie Pru<pak Nollendorferplatz in Berlin betrat, kam mir zur Tür ein müder, mißtrauischer Mann in fadenscheiniger Kleidung entgegen, mit den bitteren Worten: „Haben Sie sich nicht geirrt? Wollten Sie nicht etwa die Malerin da gegenüber (es war die Porträtmodemalerin der damaligen Zeit'Sophie Kohner) besuchen? Bei mir werden Sie nichts Inter* essantes fanden." Meine Erschütterung über den Anblick des ver* lassenen, vernachläsigten Künstlers war so groß, daß ich längere Zeit brauchte, um auch nur die Wände des großen, verstaubten, verwahrlosten Atelierraumes zu be* trachten. In dem Kunterbunt von Skizzen in Oel und Pastell, von Landschaften aus Süd und Nord, von den großen biblischen Stücken nahm sich Lesser Ury ganz fremd aus. Er glaubte auch damals nicht an einen noch so späten Triumph. * Nur eine oberflächliche, den Stütendenzen ihrer Zeit huldigende Betrachtung kann Lesser Urys „Malweise" als Impressionismus registrieren, mögen auch alle äußer« liehen Merkmale diese Begriffsbezeichnung rechtfertigen. Für Lesser Ury war nicht die Darstellungsart bestimmend, die er in den Werken der französischen Impressionisten vorfand, sondern die Betrachtungsweise, das weit* anschauliche Element, die Stellung zu den Erscheinungen der Außenwelt, mit der er sich malerisch, zeichnerisch und kompositionell auseinandersetzte. Lesser Ury war es i gegeben, eine neue Schönheit in der Struktur der Land*! schaft und in ihrem Atmosphärischen zu entdecken und I zu fixieren, und darum wird man ihn wohl mehr zu den L u m i n i s t e n als zu den Koloristen zählen, zu jener Gruppe von Künstlern, denen das Erlebnis des Lichts, der bisher unentdeckten Lichttöne des Objekts zuteil ward. In dieses Erlebnisgebiet fallen alle Werke, die die Großstadt, den Wald, das Interieur zum Inhalt haben. Sie schließen die erst«, allerdings immer wieder hervor* brechende Epoche seines Künstlerdaseins ab. In unmittelbarer Nachbarschaft des um fünfzehn Jahre älteren Berliners Max Liebermann, der, aus wohlhabendem Hause stammend, sehr rasch die Früchte seines Talents zu ernten das Glück hatte, mußte der Posener Lesser Ury, mit der Gabe der Form nur karg bedacht, sein Leben lang um jenes Geheimnis ringen, das ihm seinen Beruf als Künstler rechtfertigte. Er fand sich in einem mystischen Zusammenhäng mit dem Blut seiner Väter, dem er in der zweiten Epoche seines Schaffens nachspürte — in dem Zyklus der biblischen Bildgestal* tungen „Benjamin", ttJjsremias,\ .^Jerusalem", „Moses be* " schwört die Finsternis", um im Triptichon „Der Mensch" (die Singularität seines Wesens zu fixieren. Damit trat er (aus dem Kreis der Licht und Luft bannenden Impres* sionisten in deren Gegenströmung-— in die seinem wahren Wesen gemäße Erlebnisform, zur Gestaltung des M o n u* mentalen, das sich ihm naturgemäß im geistigsreli* giösen Inhalt des biblischen Werkes offenbarte. So ent* hüllte sich hinter dem Maler des Augenblicks der unver* fälscht jüdische Charakter seines Künstlertums, dem er bis zum Ende seines bitteren Lebens treu blieb. Der stoffliche Kreis war weit gezogen. Erde, Luft, Stadt und lebendig gemachte Vergangenheit waren male* risch umrissen, in eine höhere Einheit gebracht, während i immer noch die Sehnsucht brannte, den letzten seelischen [ Ausdruck des Menschen zu geben — und auch i h n grub er aus in der Reihe der Selbstporträts; er malte sich, Lesser Ury, den durch alle Bitterkeiten, Enttäuschungen und asketischen Ekstasen gegangenen Künstler, an Rem* brandt erinnernd, dem schließlich auch nur sein eigenes, verwittertes Greisengesicht als malerisches Objekt ge* blieben war. * | Lesser Urys Werke sind das Bekenntnis eines großen Malers, eines ringenden Menschen, eines edlen Juden, dem kein Mißgeschick und kein Erfolg etwas an* haben konnten. Oskar R 0 8 e n f e 1 d. Streng rituell«» Schülerinnen)'Pensionat Komfortabel eingerichtet / Zentrale i Lage / Nachhille lUr alle Schultypen | Winter- und Sommert «rien im i Semmtrlnger Heim Auskunft: Lehrer Elsenberg, Wien II, Große Pfarrg. 8 | Generalsekretär des Völkerbundes, als Antwort auf einen Brief des Kardinals Gasparri vom 15. Mai 1922, folgendes gesagt < „Sie (die britische Regierung) betrachtet die Be« Stimmung, wonach die Administration mit der im Artikel 4 erwähnten Jewish Agency Abmachungen über öffentliche Arbeiten und Erschließung der natür* liehen Hilfsquellen des Landes treffen kann, als eine rechtmäßige Anerkennung der besonderen Lage in Palästina, als Anerkennung der Aufgabe, die ihr (der Regierung) durch die bedeutendsten alliierten Mächte auferlegt wurde, und der Tatsache, daß das jüdische Volk kraft dieser Politik bereit und gewillt ist, durch seine Mittel und Kräfte das Land zum Besten aller seiner Bewohner zu entwickeln." Die Zionisten sind Herrn Van Rees zu tiefstem Dank verpflichtet dafür, daß er diese längst vergessenen Dokumente der englischen Regierung so treffend vorhält Diese auf gründlicher Kenntnis der Geschichte des Mandats basierte Behandlung des Jahresberichtes der Mandatarmacht ist ihren Vertretern natürlich sehr un» bequem. Wie ein Stoßseufzer klingt da die Antwort Dr. Shiels: „Wäre die Form der zweiten Frage (die Konzessionen usw. betreffend) eine andere, so wäre die Administration gern bereit, auch die Form der Antwort zu ändern." Im übrigen könne er nur sagen, daß die Jewish Agency im Laufe des letzten Jahres nicht sehr aktiv ge* wesen sei, wahrscheinlich aus ökonomischen Gründen. Soweit mir bekannt ist, wurde von der Jewish Agency keine Bewerbung um Uebertragung öffentlicher Dienstleistungen irgendwelcher Art an sie eingereicht Hätte sich die Agency beworben, so würde ihre Bewer* bung eine sympathische Behandlung erfahren haben." So gesagt in der 13. Sitzung der 20. Session der Ständigen Mandatskommission am 7. Juni 1931 in Genf! Es ist begreiflich und natürlich, wenn wir anschließend den Wunsch äußern, die Jewish Agency möge bald in die Lage kommen, diese letzte Behauptung des akkreditierten Vertreters der Mandatarmacht in die Tat umzusetzen. Es ließe sich noch vieles über den Verlauf der letzten Tagung der Mandatskommission berichten. Aber schon naht die nächste, am 26. Oktober beginnende Ses* sion, die zwar nicht unmittelbar die Frage Palästinas be* handeln wird. Sie wird sich aber mit dem Vorschlag der britischen Regierung beschäftigen, der die Befreiung Iraks aus dem Mandatsverhältnis bezweckt und daher auch für uns von vitalstem Interesse ist Wir werden auf diese Tagung zeitgerecht zurückkommen. Eisik Torczyner Zum siebzigsten Geburtstag Unter den vielen Jubilaren, den Fahnenträgern der zionistischen Bewegung, befindet sich nun auch Eisik Torczyner. In der Wiener jüdischen Gasse ist der eben siebzig Jahre alt gewordene Eisik Torczyner alseine Persönlichkeit bekannt, die seit Jahren unermüdlich am größten Werk des jüdischen Volkes, am Zionismus, arbei* tet. Es ist eine stille, intime, zielbewußte Arbeit, der sici* der Jubilar Zeit seines Lebens hingegeben hat, und es liegt ganz in der Natur Torczyners^ daß er seine tapferen Leistungen nicht in das Gewand der Pose und tribunen* mäßiger Aufdringlichkeit kleidet, abhold dem politischen Tageslärm und dem Zank des Podiums. In seiner galizischen Heimat schon fand Eisik Torczyner Gelegenheit,' sich enjt der Judenfrage zu be* schäftigen und die heroischen Tage des politischen Zionismus als aktiver und temperamentvoller zionisti* scher Arbeiter, als Freund und einer der ersten Mit« arbeiter Theodor Herzls mitzumachen. Unvergeß* lieh ist sein Wirken hier in Wien in der Zeit nach Kriegs« ende, wo alle Gebiete des jüdischen Lebens diesen klugen und volkshaften Mann nötig hatten und zu jeder Arbeit bereit fanden. Torczyners zahlreiche Freunde wissen sich an seinem Jubeltage, da er ins achte Lebensjahrzehnt tritt, seiner unverminderten Arbeitskraft zu freuen und sind auch überzeugt, daß die Figur Torczyners aus dem Wiener Leben nicht wegzudenken ist. Die Kalenderreform für unbestimmte Zeit vertagt — Die traditionstreuen Juden sind beruhigt Genf, 20. Oktober. Die Kommission des Völker« bundes für Verkehr und Transit, die zu Beginn der vorigen Woche zusammengetreten war, um die Frage der Kalenderreform einer Lösung zuzuführen, hat nach einer eine Woche lang dauernden Aussprache und nach Anhörung verschiedener „Beobachter", u. a. der Ver* treter des rabbinischen und des weltlichen Judentums, beschlossen, die Frage der Kalender» reform auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Ii eingeweihten Kreisen sieht man den Grund der Vertagung darin, daß die Völkerbundkreise es nicht für angebracht hielten, die durch akute Krisen und Fragen aufgewühlte Welt noch in einen Streit um dieses sehr schwierige und heikle Problem zu stürzen. Es wird angenommen, daß der Blankotag, der insbesondere von der jüdischen Gemein« schaft einmütig abgelehnt wird, da er den jüdi* sehen Sabbat zu einem beweglichen Tag in der Woche macht, bei den zukünftigen Verhandlungen nichtmehr ernstlich in Betracht gezogen werden wird. Die Yerkehrskonferenz will lediglich den christlichen Kirchen