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Die neue Welt · 1931-10-30 · Heft 215 (30.10.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 215 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 215 DDE NEUE WELT Seite 5 Unlyidef K Mittwoch,4.Nov.1931, in den Sälen d. Verbandsheims demokr. Zionisten, it.Untere Augartenstr.38,punkt 7,9 Uhr abds. GROSSE VERSAMMLUNG 14 JAHRE BALFOURsDEKLARATION » WIR UND ENGLAND REDNER: Freier Zutritt! ©bei baurai Robert Stricker/ Dr* D* Bukspan/ Dr* f* Wolf Regiebeitrag 20g Generationen Steinmanns Artikel meint, es können zehn Generationen sein, es können mehr oder weniger sein: wenn man jedenfalls von Generationen spricht, so können es nicht weniger als 200 Jahre sein. Bis dahin können die Araber eine große kulturelle Kraft dnrntcllen und wir werden die Hand nach Almosen ausstrecken - . . Eine schreckliche Perspektive! Niemand kann mathematisch beweisen, daß dem nicht so sein wird. Aber wer eine, so schwarze Prophezeiung macht, der ist sicherlich kein Zionißt. Herr Kleinmuun esagt im Zcntralorgan der Zioni- -liscJieu Weltorganisation, es sei ..niedrige Demagogie", den schwarzen Propheten zum Nichtzionisten zu erklären. Kleinmann beruft isich auf Achad Haam, daß dieser auch nicht an den politischen Zionismus geglaubt habe. Aber Achad Haam hat nicht Prophctieu von sich gegeben, daß nach Generationen die Juden in Paliistina nur Nachsohlcpper .sein werden. Achad Haam glaubte, daß Palästina das kulturelle Zentrum der Juden sein werde und keine Draufgabe für Warschau und New York! Gerade jetzt lese ich in den ausländischen Zeitungen die Rede des Dr. Lange in der politischen Kommission des Völkerbundes. Er sprach über das Palästina-Mandat und sagte u. a.: „Das ganze jüdische Volk blickt auf Palästina als das jüdische nationale Zentrum." So versteht es ein Nichtjude, der norwegische Vertreter des Völkerbundes. Und das Zentralorgan der Zionistischen Organisation sagt, wir würden an Palästina nicht das Zentrum bauen — d h. da.s nationale Zentrum, ist das in der Tat nicht eine Schande vor der ganzen Welt? Ich erinnere mich, daß vor mehr ab einem Jahr, da die Sitzungen des Aktionskomitees in Berlin stattfanden, der Präsident Chaim Weiziuann das Wort vom binatioualen Staat hineinwarf, daß Lärm entstand und Herr Heschel Farbstein einer der Aufgeregten war. Iu den Couloirs der Sitzungen ging er auf mich zu und sagte zornig: „Was, wegen einiger Kolonien in Palästina gehen wir auf so schwere Opfer ein?" Farbstein stand damals zum politischen Zionismus Weizmanns iu Opposition, jetzt ist er in der Exekutive und trägt auch die Verantwortung für das offizielle Organ der Zionistischen Organisation. Wenn Herr Farbstein seine politische Orientierung nicht geändert hat, so wird er jetzt im Organ der Exekutive „ein niedriger Demagoge" genannt. Ist so etwas bei irgendeinem Volk möglich? Versteht denn die zionistische Exekutive nicht, daß sie mit der Verbreitung solcher nebelhafter Begriffe über den Zionismus der Propaganda für die Gründung einer neuen zionistischen Organisarion behilflich ist? Eine Perspektive, daß die Juden in Palästina Generationen lang Schnorrer bleiben werden, kann Menschen in der .zionistischen Organisation nicht halten! Die zionistische Exekutive muß eine klare Antwort geben. Vereinigung von Syrien und Mesopotamien — Und Palästina? Tel*Awiw, 18. Oktober. Der ägyptische Korrespon* dent der palästinensisch»arabischen Zeitung „F e 1 e s t i n" berichtet „aus zuverlässiger Quelle", daß Ende des kom* menden Winters in Syrien politische Veränderungen zu erwarten sind. London verfolge mit Interesse die in Paris stattfindenden Verhandlungen zwischen dem König Faisal von Irak (Mesopotamien) und französischen Poli* tikern und habe sich damit einverstanden erklärt, daß Syrien und Irak unter dem Zepter Faisals vereinigt wer* den. Der Korrespondent des „Feiestin" weiß noch zu melden, daß im Verlauf der Verhandlungen beide Seiten — sowohl FaisaJ wie Frankreich — auf große Schwierig* keiten gestoßen seien. Die Franzosen hätten nichts gegen eine Einverleibung des Djebl Drus und sogar des Hafens Tripoli in das Gebiet Syriens. Sic sträubten sich aber heftig gegen die Aufhebung der Selbständigkeit der Republik Libanon. Man habe sich schließlich auf eine Volksabstimmung im libanesischen Gebiet geeinigt. Die Meldung fährt fort: König Faisal wird den Titel „König des Irak und der Länder Syriens" führen. Seine Residenz wird Damaskus sein und er werde für den Irak einen Vizekönig, vermutlich seinen Bruder A1 i, ernennen. Der französische Oberkommissär Syriens wird bald die bevor* stehenden Veränderungen amtlich bekanntgeben. Dem* nächst soll in dieser Sache eine große syrische Kon« f crenz einberufen werden. Der „Fclcstin"-Korrcspon* tlcnt berichtet, daß einige syrische Führer die Absicht haben, den Jcrusalcmer Mufti zu dieser Kon* ferenz einzuladen. — Palästina wird in diesem Zu* sammenhang nicht erwähnt. Daß aber größte Wachsam* keit bei der Wahrung der Interessen des jüdischen Palä* stinas mehr als je am Platze ist, ist klar. Die Erwähnung des Muftis, dieses rücksichtslosen Feindes der Juden, ist ein Wartutngszcichcn. Der elegante Herr — der erfolgreiche Mann — der anspruchsvolle Kenner — sie alle lasieren s:ch nur mit Der einzigen schwedischen Weltmarke Die Schulen in Palästina -wieder eröffnet Jerusalem, 22. Oktober. Am 20. Oktober wurde in den Elementarschulen und Kindergärten des Jewish* AgencysSchulwerkes in ganz Palästina der Unterricht wieder aufgenommen. Geschlossen sind nur noch einige Schulen in TcbAwiw und in Chederah. fetttffe ettgttJH)* Stoffe ALBERT HARDT ^2&r degr.¥Z9'l Wien i. freisingergasse i Telephon U 2o3-4/ c*^iPo 1 vX»/ hebräischen Literatur zu widmen und nach Palästina zu übersiedeln. Die Spuren meiner Wandlung zum Zionismus kann man noch in meinen „Zionistischen" Gedichten finden, die in meinem kleinen russischen Gedichtband gesammelt und 19J9 iu Moskau unter dem Namen „StiMe Gesänge" erschienen sind, und ferner auch noch in einigen hebräischen Erzählungen, wie „Sabbatkerzen" und „Nachtlichter". Als hebräische Dichterin habe ich nur ein Ziel vor Augen: mit allen Kräften der hebräischen Poesie zu dienen, in der neuhebräischen Sprache. Ich unterließ daher, durch Experimente und Versuche neue, allerueue&te Formen für mein dichterisches Schaffen zu finden. Ich will vor allem das hebräische Gedicht lebendig und natürlich sehen —• und mag es auch in alter, „überlieferter" Form sein. lob bin überzeugt, daß das Hebräische in der gebräuchlichen sephardischen Aussprache in bezug auf das Formale noch eine Fülle von dichterischen Potenzen in sich birgt — einen Reichtum, dessen wir uns noch nicht bedient haben. Ich selbst schätze iu meiner Dichtung nicht den „Geist", nicht das „Zionistische" und nicht das „Slawische" oder das „Frauenhafte", das ich hineingetragen habe, sondern gerade jene einzelnen Verse, in denen es mir meiner Meinung nach gelang, etwas von jenen Möglichkeiten zu entdecken. (Aus dem Hebräischen von S. D.) Arthur Schmtzler Es ist natürlich, daß der Tod Arthur Schnitzlers, der in der Vorwoche erfolgte, in der deutschen Kultur«, bzw. Literaturwelt ungewöhnlich starken Widerhall fand. Im ganzen und großen widmete man der plötzlich dahin* gegangenen Dichterpersönlichkeit Schnitzlers Betrachtungen, die sich auf den Bereich des Aesthetischen und Lfaeraturpsychologischen bezogen, mitunter auch mit Streiflichtern auf das Zeitgeschichtliche seiner Epoche. Solcherart konnte nur das Firmament der gewiß etwas dekadenten, müden, spätherbstigen Silhouetten altöster* rcichischcn Figuren gezeichnet werden, deren Räsonne* ment fast nur um Liebe und Tod geht; und das eigen* artige Phänomen des Schöpfers so zerbrechlicher und zerbrochener Figuren, so passiver „Helden", mußte im letzten Ende ihnen, die dem Toten heute den Kranz ehr* fürchtigen Gedenkens winden, unerkannt und unprägbar bleiben. Denn Schnitzlcr repräsentierte wohl die geistige Ausstrahlung einer verfeinerten Mischkultur, wie die Österreichische Bürgerwelt sie in des Dichters Jugend vorstellte. Aber in seinen Adern floß Blut aus anderen Zeiten und anderen Welten, aus jenen Bezirken, deren geistig=schöpferischen Gehalt er nicht erwarb, sondern überkommen im Besitz hatte. Und sonderbar! In der Stadt, der die moderne Psychologie ihre größten Erkenntnisse verdankt von Menschen seiner Art und seines Stammes, war sich gerade er, Arthur Schnitzler, der mit dem mikroskopischen Auge des Psychologen die Men* sehen um sich sah und zeichnete, um den eigentlichen Gehalt seines Wesens nur halb bewußt. Nicht, daß es ihm einfiel, sein Judentum zu leugnen oder gar in ein Renegatentum einzuschwenken — aber das Jüdische in ihm war auch nicht willensmäßig Ziel, nicht freudige Bejahung, sondern nur passives Hin* genommensein. Der bedeutende Dichter hatte das Glück, Zeitgenosse, streckenweise Gefährte eines anderen „Wiener Literaturmenschen" zu sein, mit ihm dieselbe geistige Luft zu atmen, er hatte das Glück, mit Theodor Herzl bis zu jenem Scheideweg zu gelangen, von dem aus es zwei Linien gab. Der eine ging den Weg in die Welt* geschichte. Der andere blieb bei der Betrachtung der Welt aus der Perspektive der Worte stehen, und das berühmte Spiel mit Schein nnd Unwirklichkeit, die Welt Bei rheumatischen Leiden/ Schmerzen in den Gelenken und Gliedern sowie bei Kopfweh wirken Togal-'.r«blciten rasch und sicher. Absolut unschädlich. Ein Versuch überzeugt, fu allen .Apotheken. S 2.40. Schweizer Brief Der Antisemitismus regt sich Die ..Neue Welt" erhielt aus Basel folgenden Stimmungsbcricht: Man kann sicherlich nidit behaupten, daß der Einfluß der Juden im gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben der Schweiz wächst. Man kann eher das Gegenteil feststellen. Die Zahl der Juden nimmt st und ig ab. Der früher für die Schweiz charakteristische Zustrom' von mittel- und osteuropäischen Juden, insbesondere aus Rußland, ist gänzlich versiegt. Die wirklich großen jüdischen Firmen sind an den Fingern einer Hand abzuzählen, ebenso die Juden an führenden politischen Stellen. Der gesellschaftliche Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden ist minimal. Trotzdem ist ein Ansteigen, richtiger gesagt das Entstehen einer intensiven antisemitischen Agitation festzustellen. Begonnen hat es mit dem Eind ringen der nationalsozialistischen Hitlcr- Bowcgung. Seit der Gründung der „Schweizerischen Arbeiterpartei", welche sich einer besonders starken materiellen Förderung der reichsdeutschen Zentrale zu erfreuen scheint, wimmelt es von antisemitischen Hetzschriften d e u t s c h n a t i o n a 1 e r Färbung. In den Schaufenstern großer Büchhandlungen und auf den Verkaufsständen der Zeitungsverkäufer, auch auf den B u n d e s b a h n h ö f e n, sind sie zahlreich zu finden. Neben dieser Bewegung, welche man als vom Ausland eingeführte betrachten kann, macht sich aber in letzter Zeit eine inländische, auf Schweizer Boden gewadisenc bemerkbar. Die katholischantisemitisch e- Bewegung. In der Judenfrage haben die Führer des Schweizer Katholizismus eine sehr gemäßigte Richtung vertreten. Nicht sehr liebenswürdig, über durchaus korrekt..Das hat sein Ende gefunden. Anläßlich der Nationalratswahlen sind die Katholischen aus der jahrzehntelang gewahrten Reserve herausgetreten und argumentieren in einer Art gegen die Juden, die sich von der hakenkreuzlerischen nur wenig unterscheidet. Der Auszug aus einem Artikel der katholischen „R h e i nt a 1 i s c h e V o 1 k sz e i t u n g", welche den Titel „Juden und Sozialisten" trägt, diene als Illustration: „Der Sozialismus eine jüdische M.a c h e, zum Zwecke des Kampfes gegen das Christentum. Der Jude Ferdinand Lassalle gründete anno 1863 den sozialistischen allgemeinen deutschen Arbeiterverein. Seine Devise war: „Kampf gegen den Kapitalismus (Klassenkampf) und Kampf gegen das Christentum." Die Macht der Presse erkannten schon die Gründer des Sozialismus* Sie gaben als Marionettenspiel von Liebe und Tod ist nicht zuletzt in dieser seelischen Verfassung des Dichters begründet wie sein persönliches Leben selbst in den letzten Jahr* zehnten in der einsamen Villa an der Peripherie Wiens. Unleugbar hat Arthur Schnitzler zweimal versucht, die Stimme seines Blutes hörbar zu machen, würdig, dichterisch reif: im Roman „Der Weg ins Freie" und im Schauspiel „Professor Bernhardi". Es sind Versuche ge* blieben, die ethische Kraft des großen mutigen Bekennens haftet diesen Versuchen nicht an. Und so konnte das Werk des vornehmen Mannes und abgeklärten Geistes keine leidenschaftliche Resonanz der Jugend in unserer Zeit gewinnen, wenn auch Respekt und Bewunderung das Andenken des Dichters nicht werden verblassen lassen. o. r. Lesser Ury Zu seinem Tode — Das Lebenswerk eines jüdischen Künstlers In seinen letzten Lebenstagen, da die kranke Hand weder den oft verschmähten Pinsel noch den geliebten Pastellstift mehr führen konnte, bereitete die Berliner Nationalgalerie eine Jubiläumsausstellung zur Feier des 70. Geburtstages vor. Die Resultate der Arbeit eines halben Jahrhunderts sollten der Welt, von der Lesser Ury sich selbst ausgeschlossen hatte, das Stück Werk zeigen, das ein eigenartiger, oft irrender, immer aber ehrlicher, jede Konzcssion verachtender Künstler ge* schaffen hat: außerhalb der Ateliertür geschäftige Hände, treue Bewunderer, Bewahrer reinster Werte, hinter ihr — ein verbitterter, verschlossener, oft grotesk erscheinender Mann, der nach einem mit Not und Mühsal bedecktet. Weg endlich im Begriff ist, seine Lebensaufgabe gekrönt zu sehen. Als ich vor zwanzig Jahren Lesser Ury« Atefce? *»

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