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Die neue Welt · 1931-10-23 · Heft 214 (23.10.1931) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 214 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 ME NEUE WELT Nr. 214 mnitnnnnxniminttmmtmHtmmm tfiwmwtmiiwiiiiiwim ISIEGM. KORNHEHL II QROSSFLEISCHHAUEREI H Zentrale: IX., Bergga«se 19, Tel. A-17-3-99.U. A-16-9-34 || Lieferant tür Heilanstalten f j Ä5*g"j^®^2l—£il£i25h f| unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr. Kul* Ii tusgemeinde Wien Autozusteilung kostenlo» (I IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währlngerstr. 97 FmmmnmmmmmmmmntnmtwiHHnuiMitttutmtiimttimtttMumin itiitnMriniiHtMtHHHttfiri nmiitnn rtininiHfnDK rtMffHfMtmtmif Hlntt. erschienenen Artikel, tritt der bekannte Schrift .steller A L. Zissu, einer der' führenden Männer der Nfitiomvl jüdischen Partei in Rumänien, der Tauf« Propaganda entgegen, die seit einiger Zeit unter der Judensch«ft Rumänions getrieben wird.- A. L. Zissu weist darauf hin. daR die Christenheit, obwohl sie sich als Testamentsvollstrecker in Jesu Christi betrachtet, der Nächstenliebe und Frieden gepredigt hat, auch heute noch fortfährt, mit dem Kreuz in der Hand Kriege z u führ e n und sich in Kämpfen und Streitigkeiten aller Art zu zerfleischen. Der Uebertritt der Juden zum Christentum würde eher dazu führen, dal? die christliche I^ehre dem jüdischen Geist angepalit würde, als daß die Juden den Geist des heutigen Christentums annehmen würden. Der Artikel A. L. Zissus ist eine Entgegnung auf einen vor kurzem in demselben Blatt erschienenen Aufsatz eines bekannten orthodoxen Klerikers, der die Juden Rumäniens zur Taufe aufrief. Vor einem antisemitischen Regime in Rumänien? Bukarest, 18. Oktober. (J. T. A.) In politisch informierten Kreisen Bukarests rechnet man mit der Möglichkeit der Einsetzung eines antisemitischen Regimes im Falle einer ausgesprochenen Rechtsorientricrung in Matteleuropa und insbesondere in Deutschland. Gewisse Anzeichen lassen in letzter Zeit darauf schließen, daß große politische Parteien bereit sind, antisemitische Richtlinien zu befolgen, um nicht Wähler an die Cuzistcn und die Partei der „E i s e r n c u G a r d e" zu verlieren. Es verlautet, daß in Transsylvanien Persönlichkeiten aus der nächsten Umgebung des ehemaligen nationalzaranistischen Ministers Yajda Vojvod darangehen, eine neue, ausgesprochen antisemitische Partei zu gründen, die sich in erster Reihe auf die Kadere der „Eisernen Garde" stützen will. Man hält es nicht für unwahrscheinlich, . daß im Falle einer Neubildung der Regierung ein enger Zusammenschluß der alten und neuen antisemitischen Parteien erfolgt, es heißt sogar, daß eine, derartige Koalition auch vom gegenwärtigen Ministerpräsidenten Professor. Jorga nicht ungern gesehen würde. Ungeachtet des Verbotes der Abhaltung eines Kongresses der „Eisernen Garde" in O r a d e a M a r. e (Grpßwardein) sind in dieser Stadt zahlreiche Mitglieder der Eisernen Garde eingetroffen, was unter der jüdischen Bevölkerung lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hat.: Antisemitischer Exzeß bei einer jüdischen Einsargung Frankfurt a. M., 19. Oktober. Vor kurzem wurde das Leichenauto der Israelitischen Gemeinde während einer im Ostende vorgenommenen Einsargung mit einem Hakenkreuz bemalt. Der diensttuende Bestattungsbeamte ertappte einen Jugendlichen bei der Arbeit. und. verabreichte ihm eine gehörige Tracht Prügel, .wobei er von Gesinnungsgenossen des Täters bedroht „wurde.- Es entstand eine große Ansammlung, und bei der Abfahrt des - Leichenautos wurden überaus rohe .Zurufe laut. Der 'Rufer wurde festgestellt und dem Polizeirevier zugeführt. Strafanzeige ist erstattet. Beilmer Brief Professor Weizmann in Deutschland — Zionistischer Landesverband Z. V. f. D. und die Revisionisten Dr. Weizmann hat sich Avieder nach London begeben. Aus der angekündigten großen Werbeaktion für den Zionismus in Deutschland sind drei Versammlungen geworden, darunter zwei in Berlin und eine in Hamburg. Alle Versammlungen wiesen guten Besuch auf, denn allgemein wurden bemerkenswerte Aeußerungen Dr. Weizmanns in bezug auf die politische Lage erwartet. Diese Sensation allerdings blieb aus. Deshalb fand die Anwesenheit des gewesenen Präsidenten der zionistischen Organisation auch so schwachen Widerhall in der nichtjüdischen. Oeffentlichkeit. Die meisten unter den wenigen großen Zeitungen, welche von der Anwesenheit Dr. Weizmanns in Deutschland Notiz genommen haben, begnügten sich mit der Feststellung seiner Anwesenheit oder knüpften daran noch kurze Reminiszenzen über seine bisherigen Leistungen. Aber auch in der jüdischen Oeffentlichkeit fand die Anwesenheit Dr. Weizmanns nicht den Widerhall, welchen sich die Veranstalter der Weizmann-Versammlungen hievon versprachen. Die Zuhörerschaft bestand fast ausschließlich aus dem zionistischen Judentum, welches hauptsächlich aus Neugierde solchen Veranstaltungen beizuwohnen pflegt. * Wesentliches wurde in den. Vorträgen Dr. Weizmanns nicht gesagt. Seine Ausführungen klangen stellenweise wie Erinnerungen aus einstigen schönen Tagen des Zionismus, welche der Vortragende miterlebt hat. Ueber die Gestaltung der politischen, wirtschaftlichen, ökonomischen und sozialen Lage in Gegenwart oder Zukunft wurde kein Wort fallen gelassen, als gäbe es in der heutigen Zeit gar keine derartigen Probleme. Statt dieser realen Linie, statt der Vorzeichnung eines bestimmten praktischen, wirklichkeitsentsprechenden Weges, den die Anwesenden erwarteten, wurden messianische Verheißungen vorgetragen, wurde der Zionismus bloß als die geistige Potenz der jüdischen Geschichte, basierend natürlich auf der Auserwähltheit des jüdischen Volkes, gekennzeichnet. Deshalb die allseitige große Enttäuschung. * Am 11. Oktober, an dem Tage, an welchem die deutschen Zionisten mit der Anwesenheit Dr. Weizmanns eine neue Aera einzuleiten bestrebt waren, fand in Berlin die II. Landeskonferenz der Zionisten- Revisionisten Deutschlands statt. Insgesamt waren 11 Ortsgruppen durch 27 Delegierte vertreten. Das Hauptreferat erstattete Herr Richard Li c h t h e i m, welcher über die Ergebnisse der Calais-Beratungen des Exekutivkomitees der Weltunion berichtete. Die Konferenz begrüßte nach Abschluß der Debatte in einer Resolution einstimmig den Calais-Beschluß und stellte an das Exekutivkomitee der Weltunion die Forderung, nunmehr alles zu tun, um die programmatischen revisionistischen Ideen in die Tat umzusetzen. Den Hauptpunkt der Tagung bildete der Antrag des revisionistischen Landes Vorstandes, aus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland auszutreten. Dieser Antrag begegnete zuerst erheblichen Bedenken mehrerer Delegierter aus den verschiedenen Ortsgruppen, die aber im Laufe der Debatte von ihren Bedenken abgegangen sind. Schließlich nahm die Konferenz die vorgeschlagene Resolution an, wonach der Austritt aus der Z. V. f. D. beschlossen wurde. Die weiteren Beschlüsse befassen sich mit innerorganisatorischen Angelegenheiten des deutschen revisionistischen Landesverbandes sowie mit den finanziellen Fragen, hauptsächlich mit der Propagierung des T e 1 - C h a j - F o n d s. Nachdem sich die Konferenz in das Eiserne Buch des Tel-Chaj-Fonds mit einer Spende von Mk. 100.— eingetragen hatte, wurde der neue geschäftsführende Landesvorstand einstimmig gewählt. Er besteht aus den Herren: Richard Lichtheim, Dr. Bloch, Ch. Belilowsky, Dr. E. Fischer, Alexander Reiter, Julius Reiter und Dr. Schloß. Der Beschluß der Landeskonferenz, aus der Z. V. f. D. auszutreten, hat in hiesigen zionistischen Kreisen großes Aufsehen errpgt.; Per; geschäftsführende Ausschuß der Z. ,V. f. D. trat auch unverzüglich zu einer außerordentlichen Beratung zusammen, um zu diesem Austrittsbeschluß der Revisionisten Stellung zu nehmen. Der Ausschuß faßte den, sonderbaren Beschluß, die Revisionisten aus der Z. V. f. D. auszuschließen. Nachdem die revisionistische Landeskonferenz den Austritt beschlosen hat, nachdem die meisten Revisionisten schon diesen Austritt vollzogen haben, beschließt man, die Revisionisten auszuschließen! Das Bestreben der Z. V. f. D. ist viel zu durchsichtig. Sie will den Spieß wenden und sich als diejenige herausspielen, welche das Ausscheiden der Revisionisten aus der Z. V. f. D. fordert. Eine kindische und naive Zumutung für alle, welche auch nur oberflächlich mit den Verhältnissen vertraut sind. Die Z. V. f..,D. ist da zu spät gekommen. ■ —r. . Tribüne Taufe und Aufruf zur Thora Die „Neue Welt" erhielt folgendes Schreiben: „Verehrliche Redaktton! Seit Jahren wird im Wiener Stadttempel am Versöhnungstag ein junger Papierfabrik kant vom Neubau zur Thora aufgerufen. Er spendet io.ooo Schilling. Nun ist im letzten Sommer bekannt ge« worden, daß die Frau des Fabrikanten zum Christentum übertrat und daß mit ihr auch die kleinen Kinder des Ehepaares getauft wurden. Nach kurzer Zeit starb das eine Kind und wurde mit prunkvoller katholischer Zeremonie zu Grabe getragen. Schwarz ausgeschlagenes Wohnzimmer mit zahllosen Heiligenbildern behängt, «■■■■MHMnaBMMMMnBHMHMDHMB^ . Allgemeine Versicherungs - Gesellschaft »Phönix« Zusammenschluß von „Phönix" „Wiener" Oegrttndet 1860 Qegrun4et 1881 und («Providentia" Oegründet 1896 Direktion und Qeueralrepräsentanz: Wien IX. Otto*Wagner-Platz 5 / Aiserplatz 3 Telephon; B-43»fr80 Serie Ueberoabme sämtlicher Schadenversicherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien Klavierunterricht erteilt staatl. geprüfte Klavierpädagogin (mit Matura) in und außer Haus. Lotte Ederer Wien, XX., Karl-MeiAI-Strafte 4, IB. Steck, Tür 56. Nonnen und Geistliche, Weihrauch und Kirchengesang. Von dem Austritt der Frau und der Kinder erhielt die Kultusgemeinde ordnungsgemäß Mitteilung und sie wurde anläßlich des Begräbnisses auf den Fall ausdrücklich auf« merksam gemacht. Nun erschien der Papierfabrikant am letzten Jorakippur wieder im S t a d 11 e mp e 1 und — wurde wieder zur Thora aufgerufen. Er spendete diesmal wohl nur 5000 Schilling, Heß aber bei der Thora ein Gebet für das Seelenheil seines nach katholischem Ritus begrabenen Kindes ver« richten. Der Fall hat in der jüdischen Oeffentlichkeit großes Aergernis hervorgerufen. Der Papierfabrikant, der vielleicht von Gewissensbissen geplagt wird, interessiert uns nur in allerletzter Reihe. Wichtig ist in diesem Fall das Verhalten der Kultusgemeinde. Ja, gibt man da ein Beispiel jüdischer Treue, daß man am heiligsten Tage des Jahres einen Mann zur Thora aufrufen läßt, der seine Kinder selbst der Taufe zugeführt hat? Wir können doch nicht annehmen, daß bei der Wahrung der Ehre und der Würde des Judentums Geldspenden irgendeine Rolle spielen. Jedenfalls erheischt die Angelegenheit dringend der Aufklärung. Hochachtungsvoll J. L." * Anm. der Red.: Auch wir glauben, daß Auf« klärung seitens des Gemeindevorstandes am Platze wäre. Die Volkszählung in Palästina Jerusalem, 18. Oktober (J. T.-A.) „Kol Jisroel", das Organ der von Rabbi Sonnenfeld geführten separatistisch-orthodoxen Agudas-Jisroel-Gemeindß in Palästina, führt in einem mit der bevorstehenden Volkszählung in Palästina sich befassenden Artikel aus: „Unsere Umgangssprache ist Jiddisch. Wir wollen uns nicht selbst belügen, wie wir dies anläßlich der Volkszählung vor zehn Jahren getan haben. "Wir hatten uns damals den hebräisch sprechenden Juden zugezählt, ohne zu ahnen, welchen Schaden der mit der hebräischen Sprache getritibenc Kult und der Nationalismus uns bringen würden." 15 revisionistische Mitglieder der Assefath Haniwcharim (Jüdische Nationalversammlung in Palästina) forderten den Waad Lcumi, das Vollzugsorgan der Assefah, auf* " die Assefah sofortein z u b e r uf e n, damit die Versammlung Protest erhebe gegen die „Diktatur" des Waad Leumi, der den Landentwicklungsdirektor F r euch unterstützt und die Volkszählung" vorbereiten hilft, die dem Legislative. Council den Weg bereiten und indirekt zur Errichtung eines panislamischen Zentrums in Jerusalem führen wird. Tiberias — wichtige Station der Indien-Luftfahrtroute London, 19. Oktober. (J. T. A.) Fred M o n t a g u e, der im früheren Mac-Donald-Kabinett Unterstaatssekretär für Luftfahrtwesen gewesen ist, teilt im „Evening Standard" mit, daß Tiberias ab 17. Oktober eine wichtige Station der neuen Reichsluftfahrtroute nach Indien geworden ist. Flug- . bootpassagiere mit dem Ziel Athen, Castelrosso und Zypern werden am See Galiläa aussteigen, um in Semakh mit Luftflugzeugen ihre Fahrt fortzusetzen. Die Post aus London ward Tiberias am Dienstag abend. Bagdad und Basra am Mittwoch nachmittag, Buschir am Donnerstag vormittag, Karachi am Freitag abend und Delhi am Samstag nachmittag erreichen. Die hebräischen Schulen in Palästina noch geschlossen Jerusalem, 18. Oktober. Der Beschluß der Lehrerschaft der hebräischen Schulen, am Montag, den 12. Oktober, die Schulen der Jewish Agency wieder zu eröffnen, ist nicht zur Durchführung gelangt. Der Beschluß der Lehrerschaft hatte zur Voraussetzung, daß das vom 17. Zionistenkongreß angenommene Erziehungsbudget bestehen bleibt, die Exekutive der Jewish Agency hält aber an ihrem Beschluß fest, das Schulbudget in diesem Jahre um 20.000 Pfund zu kürzen. 1720 Einwanderungszertifikate angefordert Jerusalem, 18. Oktober. Wie die J. T.-A. erfährt hat sich die Eexekutive der Jewish Agency in Palästina an die Palästina-Regierung mit dem Ersuchen gewandt, ihr für das am 1. Oktober 1931 beginnende und am 31. März 1932 endende Halbjahr 1720 Arbeiter- Einwanderungszertifikate zur Verfugung zu stellen. Die Exekutive der Jewish Agency begründet ihr Ersuchen mit dem Hinweis darauf, daß der Arbeitsmarkt in Palästina seit einigen Monaten eine Entspannung aufweist. Im letzten Jahre wurden weitere 10.000 Dunain Brachland in Orangenhaine umgewandelt, nach bestehenden Plänen werden in diesem Jahre auf weiteren 4500 Dunara Boden Orangenplantagen angelegt werden. Diese Neuanlagen erfordern weitere 1000 jüdische Arbeiter. Es kommt hinzu, daß die jüdischen Plantagen im vergangenen

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