Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 214 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 214 DIE NEUE WELT Seite 7 HISTADRUTH IVRITH Samstag, den 31. X. findet im Bayrischen Hof. TaborstraBe 39, ein «roße literarischmusikalischer Abend zu Ehren der hebt äisehen D.cnteiln ELISCHEWA aus Palästina statt. Die Dichterin wird aus eigenen W<rken lesen Kartenvorverkauf Buchhandlung M Rath, Taoorstraße 20a; Bezirkssektion Leopoldstadt, Praterstraße 13 und bei allen Mitgliedern der Histadruth Jahre um 25 Prozent mehr Frucht getragen haben als in dem vorausgegangenen Jahre. In mehreren jüdischen Kolonien herrscht bereits ein Mangel »an Arbeiterhänden. Von den angeforderten 1720 Einwanderungszertifikaten werden 650 an Verwandte von Palästina-Einwohnern, der Rest an Chaluzim-FamiLien gegeben werden. Die Antwort der Palästina-Regierung auf das Ersuchen der Jewish Agency wird in wenigen Tagen erwartet. Viele Besucher im Herzl-Zimmer Das Herzl-Zimmer im Hause des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem, wo die Arbeitsutensilien des Führers in ähnlicher Weise in dem während seiner Lebzeit bewohnten Arbeitszimmer untergebracht sind, wird täglich von vielen Besuchern besichtigt. Zu diesen Utensilien gehört der Tisch, an dem Herzl den „J u d e n s t a a t" schrieb, das Pult, von dem aus er seine erste Kongreßrede hielt, die vom Sultan erhaltenen Orden, die Thorarolle, die ihm die Juden von Wilna schenkten, und ein Zertifikat für das Goldene Buch mit Herzls eigener Eintragung etc. (J. B.) Dr* M* T* Sdimerer — 70 Jahre all Dr. M. T. Schnierer feierte in der abgelaufenen Woche seinen siebzigsten Geburtstag und war aus diesem Anlaß Gegenstand vielfacher Ehrungen, insbesondere in zionistischen Kreisen. Von besonderer Bedeutung war die zu Ehren Schnierers im Alten- Herrenverband der zionistischen Verbindung Kadimah abgehaltene Feier. Der Vorsitzende Dr. Isidor S c h a 1 i t hielt die Festrede, in der er erklärte, den Gründungspräses, Ehrenburschen und Alten Herrn Schnierer nicht als Privatmann, sondern durch historische Darstellung des vorherzischen Zionismus und der heroischen zionistischen Epoche feiern zu wollen. Mit Recht konnte Dr. Schalit am Schlüsse seiner meisterhaften Ansprache die Frage auf werfen, welchen Weg Herzl w6hThätt'e 'gehen müssen; Wehn nicht durch ^Schnierers entscheidende Mitwirkung d i e „Kadimah" gegründet worden wäre, durch deren aktives Eingreifen Herzl bewogen wurde, nicht nur der Architekt, sondern auch der Baumeister der zionistischen Organisation zu werden. Dr. Ludwig Rosenhek dankte dann namens der Verbindung Kadimah dem Jubilar. Darauf ergriff Dr. Schnierer das Wort, um mit jugendlichem Enthusiasmus von den Zeiten zu sprechen, die, wie den Hörern klar wurde, die bedeutendsten und schönsten seines reichen Lebens waren. Wie seine ganze Generation, vom Liberalismus geblendet, hatte sich Schnierer zunächst für diese Bewegung begeistert, wurde Mitglied des Deutschösterreichischen Lesevereines, aber er vermochte dort keine Befriedigung zu finden. Die Teilnahme an dem Festzuge für Kaiser Josef, an der Schnierer im Kreise seiner Kommilitonen mit der Fackel in der Hand teilgenommen hatte, löste die Krisis aus. Ein gütiges Geschick brachte ihn im Seziersaal mit Rüben Bier er zusammen, dem er sein Herz ausschüttete. Sie gerieten in Begeisterung für ein anderes Leben, ein Leben der Arbeit für ihr jüdisches Volk. Niemzowitsch gesellte sich zu ihnen und bald fanden die Drei den Weg zu Perez Smolenski, der damals als hebräischer Korrektor in einer Druckerei am Schlickplatz tätig war. Bald kam Nathan Birnbaum zu ihnen und Ziel und Weg wurde ihnen klar. Es sind gerade jetzt 50 Jahre her, daß dieser Kreis junger jüdischer Studenten den Entschluß zur Gründung eines akademischen Vereines faßte, dessen Ziel die Arbeit für die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande seiner Väter sein sollte. Nach langen heißen Debatten fand Smolenski den richtigen Namen für diese Neugründüng: „Kadimah", ein Name, der Programm und Zial enthielt: Ostwärts, vorwärts. Wenige Monate später waren alle gesetzlichen Formalitäten erfüllt, der Anschlag am schwarzen Brett der Universität angebracht und in der Wohnung Smolenskis, in der Schiffamtsgasse, fand die Gründungsversammlung statt, in der Schnierer zum ersten Präses der Kadimah gewählt wurde. Mit Feuereifer ging man an die Arbeit. Aufrufe und Briefe in aller Herren Länder wurden versendet, Zuschriften von überall empfangen, Versammlungen abgehalten, Broschüren herausgegeben, kurz zionistische (dieses Wort war inzwischen von Schalit geprägt worden) Propaganda nach allen Regeln der Kunst getrieben. Unnütz zu sagen, daß auch bald die ersten harten Kämpfe, Enttäuschungen und Konflikte entstanden. Sdinierer erinnerte an den Besuch des Präsidiums der Kadimah beim Prediger J e 11 i n e k, der ihn und seine Freunde zwar sehr herzlich aufnahm, ihnen für ihre Arbeit dankte und sie segnete, sie gleichzeitig jedoch ormahnte, mit der Verwirklichun?r ihrer <!' \ »>!•un f t des Messias zu w», ». -. Schnierer gedachte sodann des Auftretens der Kolossalgestalt Herzls, der ersten Kongresse, seiner Teilnahme an der Delegation, die unter Herzls Führung vor den Toren Jerusalems von Kaiser Wilhelm empfangen wurde. Die Erinnerung an diese Tage seiner Jugend war in ihm so lebendig, als ob es sich um Dinge von gestern handeln würde. Er pries sich glücklich, nachdem et an der Wiege der Bewegung gestanden war, noch die Fundierung und den Aufbau unseres Werkes in Erez Israel erleben zu können. Zum Schluß sprach Leopold Sitzmann, der, anders als Bileam, auszog um zu segnen und grollend dem Jubilar Vorwürfe machen mußte, daß er sich seit einer Reihe von Jahren von der zionistischen Arbeit zurückgezogen hat. Er appellierte an Schnierer, wieder in die Reihen der Kämpfer zu treten. b. r. Thealer/ Kunftf und iiiiliiiiiiiiiüiiiiiiiiiiliiiiii! Literatur Konzert Julius Chajes. Tm Rahmen eines Konzertes des Europäischen Jugendbundes trat der jugendliche Pianist Julius Chajes vor ein gewähltes Publikum, das gleich nach den ersten Minuten das sichere Gefühl bekam, es mit einer ganz außerordentlichen Begabung zu tun zu haben. Brahms, Smetana, , Chopin wurden stilgerechtreproduziert, daneben fiel ,auch eine Komposition des modernen Komponisten Kauder auf. Die Art, wie Julius Chajes die Konturen < des Melos herausarbeitet, ohne sie durch eine verlogene pianistische Romantik zu verwischen, bezeugt die ausgezeichnete Schule seines Meisters Prof. Isseriis, der wohl Anspruch darauf hat, den Wert seiner Lehrmethode an dem Beispiel Chajes bestätigt zu sehen. Als geschulter, einfallsreicher Koro* ponist bewährte sich Julius Chajes in einem Streich« quartett, das unter Führung von Anita Ast am selben Abend seine erfolgreiche Uraufführung erlebte. Kunstausstellungen. Die Herbstsaison wird dieses Jahr in Palästina durch verschiedene Kunstaus» Stellungen eröffnet. Zwei Gemäldeausstellungen von J. Glücks b er g und eine Skulpturen*Äusstellung von Fräulein Berlin finden in TekAwiw und Jeru* salem statt und ziehen zahlreiche Besucher an. Verein für jüdische Geschichte und Literatur Am 2. November d. J. eröffnet der Verein für jüdische Geschichte und Literatur seinen diesjährigen V o r t r a g s z y k 1 u s, der sehr lehrreich und interessant zu werden verspricht. Es ist zu hoffen, daß heuer der Zuhörerkreis wieder eine Vergrößerung erfahren und so der Nachweis erbracht werden wird, daß trotz der Wirtschaftskrise weite Kreise der jüdischen Bevölkerung Wiens lebhaftes Interesse an jüdischem Wissen nehmen. Alle Juden und . Jüdinnen, die ihre Kenntnisse der jüdischen GeschichtÜe und Literatur bereichern wollen,'sinddaher herzlichst eingeladen, den Vorträgen des Vereines, die vom 2. November d. J. regelmäßig jeden* zweiten Montag abend im Lokal des Sportklubs Hakoah (I., Wiesihgerstraße) stattfinden werden, zahlreich zu besuchen. Jüdische Künstlerspiele (Theater Reklame, II., Praterstraße 34). Nach der erfolgreichen Erstaufführung der „Blumenkönigiu", in -der Giea Heiden, Salo Prisament und Max Zejjaiker die Hauptrollen verkörperten, gelangt ab Freitag, den 23. Oktober, das Volksstübk mit Gesang und Tanz „D es Re n da r s T o c h t e r" zur Aufführung^ Mitwirkend u. a: Gisa Heiden, Salo Prisament, Max Zelniker. Beginn H9 Uhr. Volkstümliche Preise.;/ Jüdische Bühne, IL, Praterstraße 6o (Theatersaal Astor). Freitag, den 23. d., gelangt das Lebensbild „Wer ist s i e?" zur Erstaufführung. Das Stück bleibt bis Donnerstag, den 28. d., auf dem Spielplan. Sonntag, den 25. d., halb 4 Uhr, Nachmittagsvorstellung bei ermäßigten Preisen. Zur Aufführung gelangt „Natascha". Kinder« beschenkung. Neues Jüdisches Theater (II., Taborstraße 12, Hotel Stephanie). Im Neuen Jüdischen Theater gelangt Sonntag, den 25. d., 1kg Uhr. abends, die große lustige Komödie von A. Blum, „Sönja hot chassene gehat", zur Aufführung. Im Solo wirkt Hilde Dulit zkaja, die Meisterin des jüdischen Volksliedes, mit. Er* mäßigte Preise zu 1 und 2 S. Karten im Vorverkauf an der Theaterkasse. Hilda Dulitzkaja wieder in Wien. Auf Ersuchen der Künstlerin teilen wir der Öffentlichkeit mit, daß Hilda D u 1 i t z k,a j a nach langjähriger Abwesenheit dauernd in Wien bleibt und den jüdischen Vereinen für sämtliche Veranstaltungen zur Verfügung steht. Adresse: Wien, VII., Stuckgasse 13, Telephon R*40*9*37. Palästina, Zeitschrift für den Aufbau Palästinas, Herausgeber Adolf Böhm, Wien. — Nr. 7/9, die 125 Seiten stark ist, hat wieder einen sehr reichhaltigen Inhalt. Zunächst wird der Hauptteil des Referats, das Dr. Ch. Arlosoroff am 17. Zionistenkongreß über die „Probleme der Finanzierung des Palästina-Aufbaues" gehalten hat, ausführlich abgedruckt. — R.-A. Aron Benschemesch bespricht „Die neue Pächte/ordnung von 1931 und ihre Tendenzen". Er zeigt, daß diese auf Umwegen den Erwerb von Boden überhaupt unmöglich zu machen trachtet, ja die freie Nutzang des schon gekauften bedroht. — Dr. J. Siman schreibt über die „Industrie in Palästina" an Hand der letzten Zählungen der Regierung. — Michael Assaf schreibt über „Die Strömungen und die politischen Organisaüoiirii der palästinensischen Araber". Zum ersten Male CD S 18.- S 24.- S 30.- "11.. Kniserstraße 123 IX., Alserstraße 6 wird darin dem westlichen Leserkreis eine Uebersicht über diesen Stoff gegeben. — Julius Berger schreibt Uber „Die wirtschaftliche Bedeutung der Palästim»- Touristik". Die Ausgaben der Touristen pro 1929/30 (zirka 12.000) errechnet er approximativ mit 154.000 Pf. Er untersucht die Frage, was für den Ausbau der Touristik zu geschehen hätte, und macht geeignete Vorschläge. — Ing. Dr. R. Riftin schreibt über „Die grundlegenden Fragen der Bewässerung". — Dr. Robert W e 11 s c h bespricht die Ergebnisse des 17 Zjonistenkongresses in Basel. — Nicht weniger als 30 Seiten Nachriohten, Bibliographien, Besprechungen schließen das Heft. — Jahresbezugspreis 2 Dollar. Verlag und Administration: Friedrich Holzer & Co., Wien, XVII., Kalvarienberggasee 32. Jüdifdie Sport* und iiiiiiiiiiiiii Turnbewegung Unglückliche Niederlage der Hakoah Gegen Rapid i : 3 verloren Nach dem guten Abschneiden der Hakoah gegen Vienna hatte man gerechnet, daß es der jüdischen Mannschaft gelingen wird, auch gegen Rapid ein günstiges Resultat zu erzielen. Leider mußte Hakoah beide Punkte an Rapid abgeben, an einen Gegner, der keinesfalls besser al6 Hakoah ist. An der Niederlage der Hakoah ist nicht nur das unglaubliche Schußpech der Stürmer, sondern auch der Terror des Rapid-Anhanges schuld. Die Rapidler können zwei Niederlagen hintereinander nicht vertragen Nach der Niederlage Rapids in der Vorwoche gegen B. A. C. wollten die Anhänger um jeden Preis einen Sieg Rapids sehen. Sie machten einen Höllenlärm, besonders stark, als Hakoah in Führung lag. Sie brachten den bis dahin gut amtierenden Schiedsrichter Frankenstein ganz aus der Fassung. Die Folge davon waren zahlreiche Fehlentscheidungen zum Nachteile Hakoahs. Die Protestrufe des Hakoah- Anhanges wurden seitens der Hüttcldorfer mit antisemitischen Bemerkungen quittiert. Es kam sowohl auf der Tribüne als auch auf dem Stehplatze wiederholt zu Zusammenstößen. Die Hakoah-Mannschaft lieferte ein grandioses Spiel, das an die großen Zeiten des Vereines ermnörte. Es sah anfangs auch so aus, als ob es der Hakoah gelingen würde, den ersten Sieg in der Meisterschaft zu erringen. Die Blau-Weißen arbeiteten im Felde gut zusammen und als Eisenhofer den Führungstreffer erzielte, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Die bereits angeführten Gründe brachten den Umschwung und damit die Niederlage. Die Hakoahner erbrachten den Beweis, daß sie bereit sind, mit dem Einsatz der ganzen Kraft zu kämpfen. Es wäre daher ein Unrecht, irgend einen Spieler der Mannschaft besonders hervorzuheben, alle waren gut. Hakoah war gleich von Beginn an überlegen und der Rapid-Tormann mußte seine ganze Kunst aufbieten, um die zahlreichen Schüsse der Hakoah-Stüriner abzuwehren. In der 20. Minute sieht die Hakoah ihre Bemühungen durch ein Goal gekrönt. Eisenhofer ist der Torschütze. Die Rapidler beginnen mit scharfer Spiel weise und erzielen aus zwei Durchbrüchen ebensoviele Tore. Nach Seitenf Wechsel wird Hakoah vom Schiedsrichter stark benachteiligt. Da die Blau-rWeißen auch noch vom Pech verfolgt sind, gelingt es den Hütteldprfern, ein drittes Tor zu schießen. Hakoah spielte in folgender Aufstellung: Löwy; Feldmann, Amster; Heß, Platschek, Breitfeld; Ehrlich, Grünfeld, Eisenhofer, Mausner, Fischer. Kommenden Sonntag spielt Hakoah auf der Hohen Warte gegen Admira. „Hasmonea" hält Freitag, den 2 3. d s., um halb 9 Uhr, in ihrem Klub heim, Cafe National, IL, Taborstraße 18, eine sehr wichtige Spielerversammlung ab, zufler alba Spieler unbedingt erscheinen müssen. Der Trainer Herr Richard Fried hält das sportliche Referat. Jüdischsakademischer Sport. Die Hakoah'Akademiker schlagen die Landstraßer Amateure 1:0 (1:0). Die Hakoah*Akademiker haben diesen Sonntag ihr Debüt in der Fußballsaison zu einem imposanten Sieg ge* stalten können. Der Gegner, die Landstraßer Amateure, einer der spielstärksten Amateurvereine Wiens, mußte sich von den HakoahoAkademikern 1:0 (1:0) geschlagen geben und verdankt dieses knappe Resultat nur seinem ausgezeichneten Tormann. Für die jungen Hakoahner ist dieser Sieg von besonderer Bedeutung, da die Hakoah* Akademiker der einzige akademische Sportverein Oesterreichs ist und die Hakoah durch ihr erstes Spiel und gleichzeitigen Sieg Propaganda für den akademischen Sport Oesterreichs getrieben hat. Spielverlauf: Sofort vom Abstoß an übernehmen die Akademiker das Kommando und es gelingt in der 22. Minute, durch Freier (früher HakoahsArad) den einzigen Treffer des Spieles zu er« zielen. Nach der Pause bleibt die Hakoah weiter im An» griff, vergibt aber mehrere Chancen (4 Stangenschüsse). Ausgezeichnetes Spiel von Freier, Petyan, Reich und Kohn (Hakoah*Hockey). Schiedsrichter: Edelstein. 200 Zuschauer. HEINRICH GEORGE in „BERLIN ALEXANDERPLATZ" SCHWEDENKINO II. nach Alfrecl D©b|fns berähmtem Roman BURGKINO I.