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Die neue Welt · 1931-10-23 · Heft 214 (23.10.1931) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 214 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nf. 214 DIE NEUE WELT Seit« 9 | De^»i40mmM>'-Film, 23° Sc/,. ( : der Film mit der Prüfungs-Urkundc \ schon hei jedem Photohändler erhältlich! \ sondern auch kurzsichtig. Die österreichische und tschechoslowakische Industrie setzt mehr aufs Spiel, als sie durch kleinliche Manöver momentan profitiert. Die palästinensische Industrie und Kaufmannschaft bereiten gemeinsam mit der ägyptischen Industriekummer und Handelskammer eine Boykottbe'wegun g gegen Oesterreich und die Tschechoslowakei und die Erstellung schwärzer Listen vor. * Wir bringen diesen Bericht, der von autoritativer palästinensischer Seite stammt, und legen der österreichischen und der tschechoslowakischen Regierung nahe, dem drohenden Boykott durch rechtzeitige Beeinflussung der in Betracht kommenden Firmen vorzubeugen. Schon heute bildet das jüdische Palästina ein wichtiges wirtschaftliches Einfallstor zum Orieni. Was wall England mit den Mohammedanern? Round-Table-Konferenz an einem toten Punkt — Der Rennstallbesitzer Aga Khan — Der politische Abenteurer Ali — Und die Zionisten? Wir haben bereits mehrmals darauf hingewiesen, daß das Hineinzerren des palästinensischen Problems in die Couloirs der Round-Table-Konferenz für England den Zweck hatte, die kleine musclmanische Minderheit in ihrem Gegensatz zu den Forderungen der Hindus zu stärken. Diese Bestrebungen Englands führten zu dem, was England beabsichtigte: die Round- Table-Verhandlungen zu einem toten Punkt zu bringen. Darüber liegen nun in einem Londoner Bericht des Warschauer „Hajnt" interessante Einzelheiten vor, die unsere Darlegungen bestätigen. Die indischen Minderheiten, so schreibt die englische Presse, sind für den Stillstand der englischindischen Verhandlungen verantwortlich. In engeren politischen Kreisen Londons weiß man aber sehr wohl, daß die englische Regierung mit wohlerwogener Absicht den kritischen Punkt herbeigeführt hat gemäß dem alten System des Divide et imperaf (Teile und herrsche!) 230 Millionen Hindus, 70 Millionen Mohammedaner nnd 50 Millionen andere Völker und Religionen (darunter 25.000 Juden) bilden die Bevölkerung Britischindiens. Die Muselmanen und die restlichen 50 Millionen machen G h a n d i die größten Schwierigkeiten. Im Verlauf von Jahrzehnten ging die englische Politik dahin, Hindus und Muselmanen gegeneinander mit dem Messer in der Hand zu halten. Obendrein hat England jetzt zur Konferenz nur solche muselmanische Vertreter eingeladen, die für Ghandis Bestrebungen ganz geringe Sympathie aufbringen, die anderen aber hält es bewußt fern. Vergeblich fordert Ghandi, den Führer der nationalen Muselmanen Dr. A n s a r i zur Konferenz einzuladen. Das liegt nicht in den englischen Interessen, das würde die Tatsache offenbaren, daß nicht alle Muselmanen gegen Ghandi sind. Die zwei Hauptvertreter der Muselmanen sind Aga Khan und Schaukat Ali, beide von Englands Gnaden. Aga Khan wohnt bereits seit Jahrzehnten in Europa, hat im Vorjahr eine Französin geheiratet. Sein Hauptinteresse gilt seinem Rennstall und den Pferderennen in London und Paris. Er ist vielfacher Millionär, der seine Einkünfte aus seinen Schalom Alejchem blieb stehen, um zu beobachten, wie die Lemberger Juden in Strejmel und Kaftan dick« bäuchige Flaschen Wein trugen, wie die Träger ihre Nacken unter die Mazzoth»Körbe beugten, wie die Wefber Fisch schleppten . . . Den Wein eingekauft, führt mich Schalom Alejchem in ein Hutgeschäft, um Hüte zu kaufen für Pessach. „Na, zeigen Sie mal rasch zwei feine Zylinder", sagt er zum Lemberger Hutmacher. „Wozu zwei?", fragte ich ihn, ein wenig erschrocken. „Was heißt wozu?" schaut mich Schalom Alejchem verwundert an, „Für Pessach. Wir gehen morgen beide in Schul." Am Abend begeht Schalom Alejchem den Seder mit dem ganzen Zeremoniell in voller, feiertäglicher Ge« hobenheit. Keine Heuchelei, keine Spur falschen „atheistischen" Tonsl Er singt den Kiddusch mit seinem weichen lyrischen Tenor in feinem Rhythmus, bringt richtig den traditionellen Niggun hervor und verfehlt keine einzige traditionelle Betonung. So sagt er auch die Haggada warimweich, feierlich, langsam, nichts über* springend, und das ganze Hausgesinde sitzt in feierlicher Stimmung und horcht auf des Vaters angenehmes Rezitativ. Nochmals jüdische Musik Von Joachim Stutschewsky, Wien (Schluß.) Es steht außer Zweifel, daß die vollkommenste Erfüllung einer jüdischen Musik erst in Palästina möglich sein wird. In der palästinensiohen Landschaft, der Kultur des neuen Lebens und der hebräischen Sprache, dort wird auch der Musiker die innere Haltung finden, die seine Empfindungswelt und Phantasie befruchtet und die £atf«Jtung des Talents im vollen Maße wir Auskolossalen Gütern in Indien bezieht. Außerdem iM er ein Nachkomme Mohammeds. Als Mohammedaner hat er wenig Interesse an Ghandis Idealen und als Millionär weiß er wohl, daß seine Güter iu Indien nur unter englischer Herrschaft sicher sind. Schaukat Ali lebt vom Glau*, seines verstorbenen Bruders Mohammed Ali. Er selbst ist ein Abenteurer ersten Ranges. Da er selbst unter den Mohammedanern Indiens wenig bedeutet, sucht er für seine Abenteuer neue Möglichkeiten in einem muselmanischen Kalifat, einer panarabischen Bewegung, einer Universität in Jerusalem u. dgl. Sogar die arabische Zeitung „Marad cl Schark'" wirft ihm vor, daß er sich durch viele Deklarationen. Worte und Versprechungen nach rechts und links auszeichne, selbst aber wisse, daß das alles von wenig Wert sei. Solange er aber den englischen Interessen nützt, wird er von England verwendet. Aber England spielt nicht nur mit Indien selbst ein gefährliches Spiel. Uni die Mohammedaner auf »eine Seite zu bringen, verspricht er ihnen das Blaue vom Himmel. Man spricht ganz offen darüber, daß der gegenwärtige Minister für Indien Schaukat Ali gewisse Versprechungen bezüglich Palästinas gemacht habe. Schaukat Ali selbst macht gar kein Geheimuis aus seinen Absichten. Er fahrt nach Nizza, verhandelt dort mit dem türkischen Exsultan über ein Kalifat in Jerusalem, bereitet mit dem Zionistcnfeind Lord Brcndfort eine Attacke gegen den Zionismus vor. Die arabischen Hoffnungen auf vollständige Unabhängigkeit in Palästina und in den anderen arabischen Ländern schlagen hohe Wellen. Um Indien für sich zu retten, ist England bereit, ganz Arabien zu opfern. Die Zionisten, schließt der Londoner Bericht, stehen mit gespitzten Ohren und aufgerissenen Augen da und — schweigen. Zu hohe Politik für sie. C-^£§§3^_> fefaffe engUfttte -werfe ALBERT HARDT dedr.ßOT! ~s*^ WIEN I. FREISINGERGASSE I Telephon U 2o-3-4/ winkung bringt. Aber zunächst wird auch dort eine musikalische Atmosphäre geschaffen, die Masse zur Musik herangezogen, die Musik mit dorn Leben stärker verbunden werden müssen. Ungerechtfertigt ist es darum, im gegenwärtigen Stadium die Daseinsberechtigung jüdischer Komponisten außerhalb Palästinas zu leugnen, ihren Werken — ich spreche nur von jüdischer Musik — die Echtheit abzusprechen und ihre Wirkung auf a 1 le Juden zu bezweifeln. Der Stand der jüdischen Musik ist gewiß nicht einfach. Sie hat vorderhand keine Tradition, keine Autoritäten, keinen heimatlichen Boden, die ihr das autochthone Recht auf ihren Namen und ihr Wesen gäben. Aber auch hierin bildet das jüdische Volk eine auffallende Ausnahme. Auf sich selbst angewiesen, sucht und findet der jüdische Musiker in seinem Innereu die eigene Scholle, die Beziehung zum Volk! Die Situation des jüdischen Musikers ist gerade deswegen eine ganz besonders komplizierte und erschwert sein Dasein in ungeheuerem Maße, weil für ihn alle Bedingungen des Leibens und Schaffens äußerlich und innerlich abnormal sind. Er muß schwer um die Geschlossenheit und Einheitlichkeit zwischen Einfall, Intuition und Formung ringen, damit er nicht der ihn umgebenden Kultur, den andersartigen Einwirkuagen — die oft den täglichen Lebensanforderungen näher sind — unterliegt. Vieles, w,as um ihn herum geschieht, ist eine Negierung seines Judentums. So muß er sich eine eigene innere Welt schaffen, die ihm ermöglichen soll, den eigenen Empfindungen und Vorstellungen naohzugehen. Aber jedes Werk sucht naturgemäß den Widerhall im Volke, Und wenn dieses Echo ausbleibt, droht die vom jüdischen Künstler zusammengezimmerte Welt einzustürzen. Die Gemeinschaft mit dem Volke, nach der sieb jeder produktive Mensch sehnt, derer er Von unserem Berichterstatter beim Völkerbünde, Dr. S. E. S o s k i n (Genf) Verletzung des Mandats in der Frage der Staatsbürgerschaft Unsere Artikclreihe aus der Feder dos energischen zionistisch-revisionistischen Kämpfers für zionistisches Recht beim Völkerbunde läßt einerseits erkennen, wie schwer die MacDonald-Regierung gegen das zionistische Recht verstoßen hat, anderseits zeigt sie, wie sehr die zionistische Leitung darin gefehlt hat, die Freunde der zionistischen Sache beim Völkerbunde nicht rechtzeitig aufzuklären und ihre Hilfe im Kampfe gegen die antisemitische und antizionistische Bürokratie der MacDonald-Regierung einzusetzen. im vollen Bewußtsein, den Rahmen einer Artikelserie in einer allen Fragen des jüdischen Leibens gewidmeten Revue zu übersch reiten, kann ich nicht abschließen, ohne auf die Tätigkeit der Mandatskommission beim Völkerbunde hinzuweisen, welche für den Zionismus günstig und wichtig ist und nur infolge unserer eigenen, jüdischen, zionistischen Schwäche und Nachgiebigkeit heute leider mehr theoretischen Charakter trügt. Ich meine die Auseinandersetzungen Uber die Frage der Bürgerschaft von Juden in Palästina und die Stellung der J e w i s h Agency, der zionistisdien Leitung, zur Palästina- Regierung. Jüdische Staatsbürgerschaft in Palästina In der 12. Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes wies Herr P a 1 a c i o s auf den Umstand hin, daß unter den 1432 Palästinensern, die im Laufe des Jahres 1930 das Land verließen, 5 9? Juden waren. Behielten nun diese Juden die palästinensische Nationalität oder nahmen sie ihre frühere Nationalität wieder auf? Es fiel dem Fragesteller auch auf, daß eine Anzaihl von Juden als polnische oder andere Staatsangehörige angeführt wurden. Sind es nun Immigranten, die darauf verzichtet hatten, die palästinensische Staatsangehörigkeit zu erwerben, oder wurde ihnen die Naturalisation verweigert? Herr Van Rees dehnte die Frage noch dahin aus, ob die Palästinenser im Ausland als eine besondere Nationalität beihandelt werden oder unter britischer Protektion stehen. Der Vertreter der Palästina-Regierung, Mr. Young, war sichtbar verlegen. Er sagte ungefähr: Ein palästinensischer Bürger besitzt die volle palästinensische Nationalität und ist dazu eine „von Großbritannien protegierte bedarf, ist gerade für den jüdischen Musiker das Rückgrat seines Schaffens, seiner Existenz. Von anderen Völkern als Fremdkörper empfunden, meistens miß- und unverstanden, hat der jüdische Komponist gewiß das volle Recht, besondere Berücksichtigung und Anerkennung seitens seines Volkes zu erwarten. Früher begnügten wir uns, einzelne Musiker der jüdischen Sphäre zuzuführen, damit sie sich ihres Judentums bewußt werden. Nunmehr besitzen wir ihre Werke. Jetzt brauchen wir die Masse der Zuhörer, unserer Hörer! Unsere Ziele gehen bedeutend weiter als vor zwanzig Jahren. Wir erstreben heute eine weitgehendste Verbreitung der jüdischen Musik in allen Ländern, vor allem: Wir wollen, daß die jüdische Musik dn das Zentrum der kulturellen Arbeit des jüdischen Volkes rückt. Nicht nur in Palästina, sondern allerorts und ganz besonders in der Diaspora. In Palästinn, wo eine bodenständige Musikkultur erst geschaffen werden muß, wird die Musikerziehung ihre natürliche Entwicklung nehmen. Hier bei uns muß sie jedoch erst planmäßig eingeleitet und organisiert werden. Nicht durch Vorträge und Artikel über Musik. Reden verhallen, da» geschriebene Wort wird rasch vergessen. Die Werke sollen für sich — von Seele zu Seele — sprechen. Die Eindrücke von gehörter Musik sind unmittelbarer, wirkungsvoller und anhaltender als noch so tiefgehende Ueberlegungen über dje Musikwerke. Es ist eine unaufschiebbare Aufgabe unserer führenden Persönlichkeiten, das Volk intensiver zur Musik, zum Musikhören zu erziehen, die Selbstverständlichkeit, ja Unentbehriichkedt ihrer Existenz, ihre organische Verbundenheit mit den Menschen klarzulegen, um das musikalische Niveau zu heben und zu vertiefen. Wir müssen endlich den Wert einer ernsten musikalischen Erziehung für die geistige

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