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Die neue Welt · 1931-10-16 · Heft 213 (16.10.1931) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 213 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Hr. 215 DIE NEUE WELT Seitot ECKSTEIN9! liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiitii) FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffaahaui / Täglich 9«Uhr*T«« SEMHERING Ig&Si&RäSS:"« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaliwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Teleohon U-27-6-24 habe, an der Verschwörung teilgenommen zu beben. Als der Sohn einer national-religiös gesinnten jüdischen Familie, die mit dem Zionismus sympathisiert, haibe er — so soll er nach den Berichten der Sowjetblätter gesagt haben — sich verpflichtet gefühlt, in einer Bewegung mitzuarbeiten, die das Sowjeisystem durah ein nationaldemokratisches System ersetzen will. Antisemitismus im deutschen Rayon der Ukraine Im Firiedrich-Engels-Rayon der Ukraine beginnt in diesen Tagen ein „Musferprozefl" gegen Antisemiten, die im Dorfe Mannheim und im Kollektiv „Neue Welt" j üdische Angehörige der Kollektiven verfolgt, maßhandelit und materiell schwer geschädigt haben. Im Dorfe Mannheim siedelten sich vor zwei Jahren zwei jüdische Familien, Sie 1 mann und Weißbrot, an und traten im vorigen Jaihre dem dortigen landwirtschaftlichen Kollektiv bei. Antikollektivistisch gesinnte deutsche Bauern verfolgten die jüdischen Kolonisten. Weißbrot wurde {Überfallen und mit einem eisernen Rechen mehrmals gestochen, wodurch er ein Arbeitsinvalide geworden ist. Die verfolgten jüdischen Familien ersuchten vergebens die Vorsitzenden des Kollektivs und des Dorfsowjets sowie den Staatsanwalt um Schutz. Deutsche Bauern terrorisierten auch die Mitglieder des jüdischen Kollektivs „Nene Welt", die mehrmals beleidigt und geschlagen wurden. Vieh wurde auf die jüdischen Felder getrieben, Brandstiftungsversuche häuften sich, auch wurden die jüdischen Kolonisten dauernd bestohlen. Die Moskauer Zeitung „Prawda" erklärt, die geschilderten Zustände im Rayon seien auf den großrussischen Chauvinismus zurückzuführen. Obwohl die Rayonsbevölkerung zu 80 Prozent deutsch ist (die restlichen 20 Prozent setzen 6ich aus Ukrainern, Juden, Rumänen nnd Russen zusammen), ist der administrative und Parteiapparat durchaus großrussisch. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Vernachlässigung der Interessen der deutschen Kolonisten äußert sich jetzft in offenem Antisemitismus. AUS PALXSTINA. Einwanderung und Auswanderung im August Im Monat August kamen 316 Einwanderer in Palästina an: 210 Juden,?6 Christen und 30 Mohammedaner. Die jüdischen Einwanderer umfaßten 20 Personen mit einem Kapital von Pfund 1000 und darüber sowie ihre Familien und 29 Personen, die aus Berufsgründen in das Land kamen und 1 Einwanderer mit religiösem Beruf. Unter den christlichen Einwanderern waren 16 Personen, die ans Berufsgrttnden kamen, 10 Personen mit religiösem Beruf nnd 7 Personen, die den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes nicht unterlagen. Unter den mohammedanischen Einwanderern waren zwei mit einem Kapital von Pfund 1000 und darüber. Im Laufe des Monats verließen 115 Personen das Land: 77 Jnden, 31 Christen und 7 Mohammedaner. Revisionistische Opposition gegen die Volkszählung in Palästina Jerusalem, 11. Oktober» Der jungrevisionistische Führer Akhi Mayer nnd einige seiner Gesinnungsgenossen versuchten, in einer vom Waad Hair (jüdischer Stadtrat Jerusalems) arrangierten Beratung der jüdischen Volkszahlungsfunktionäre Protest gegen die Beteiligung an der Volkszählung zu erheben. Akhi Mayer und zwei Jungrevisionisten wurden verhaftet. Die deutsche Ausgabe des „Dawar" eingestellt Die palästinensische Arbeiterzeitung „Dawar" hat zwei Jahre hindurch eine Woohenausgabe in deutscher Sprache herausgegeben. In der letzten Nummer teilt die Verwaltung mit, daß sie infolge finanzieller Schwierigkeiten die Wochenausgabe nicht mehr erscheinen lassen kann. Obzwar die Zeitung in ihrem politischen Teile streng parteimäßig eingestellt war, ist die Einstellung allseitig zu bedauern. Die deutsche Wochenausgabe brachte viel und wertvolles Material über die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des jüdischen Palästina. Jüdische Handelsstatistik Die Statistische Abteilung der Exekutive der Jewi&h Agency führt zur Zeit eine statistische Erhebung Aber den jüdischen Handel in Palästina durch. Tel-Awiw und Jerusalem sind bereits bearbeitet worden. In Tel-Awiw wurden Ä00 Engros- und Det«ii-Unt*ruehmun$en und Restaurants auf- | genommen. Der Umfang des inländischen Geschäftes, zu dem auch Geschäftsabschlüsse zwischen den verschiedenen Kaufleuten des Landes (zwischen Grossisten und Detaillisten etc.) gehören, betrug im Jahre annähernd 3 Millionen Pfund. In Jerusalem wurden 800 Geschäfte mit einem gemeinsamen jährlichen Umsatz von annähernd 1,500.000 Pfund verzeichnet. Aus dem Zensus geht hervor, daß 50 bis 60 Prozent der verkauften Nahrungsmittel im Lande produziert werden. Von der Levante-Messe Tel-Awiw 1932 (Palästinensische Ausstellung und Messe) Die Messeleitung schreibt der „Neuen Welt" aus Tel-Awiw: Eine gemeinsame Sitzung der Vertreter der Jewish Agency, des Keren Hajessod, Keren Kajemeth nnd der Munizipa litaet Tel-Awiw behandelte die Frage der Organisierung einer Massen- Touristenbewegung nach Palästina zur Zeit der Messe. Es wurde beschlossen, die nötigen Schritte zu unternehmen, um das Judentum in allen Ländern seiner Zerstreuung über die Ausstellung zu informieren und die nötige Organisation für eine Massen-Touristenbewegung zu schaffen. Die Möglichkeit der Berufung einer Reihe von wirtschaftlichen Konferenzen mit Beteiligung von Delegationen jüdischer Industriellen und Finanzmänner verschiedener Länder wird jetzt von zuständigen Stellen erwogen. In den letzten Jahren ist das Interesse für Investierungsmö,glichkeiten in Palästina stark gewachsen. Die wirtschaftliche Unsicherheit in anderen Ländern hat dieses Interesse in den letzten Jahren gestärkt. Im Zusammenhang mit der Levante-Messe, die in Tel-Awiw im April 1932 stattfinden wird, werden von verschiedenen Scliiffahrtsgesellschaften Reiseermäßigungen gewährt. Solche Ermäßigungen sind bis jetzt angekündigt von der Lloyd Triestino, Sitmar MAX PALLENBERG in seinem ersten Tonfilm DER BRAVE SUNDER von Alfred Polgar mit Prlta OrUhbaum, Dolly Haas und HeinsRUhmann Regles Fritz K o r t n e r Uraufführung ab Montag, 19. Oktober im A PO LI O ' Monopol: Koppelmann & Co. ' S18.- S 24.- S 30.- VII., Raiserstraße 123 IX., Alserstraße 6 Line, Servici Maritime Rournain. Diesbezügliche Verhandlungen werden auch mit Messageries Maritimes, Prince Linie usw. geführt. Es wird erwartet, daß die Eisenibahndirektionen verschiedener Länder Europas und des Nahen Ostens den Besuchern und Ausstellern der Lovante-Messe Tel-Awiw 1932 Fahrpreisermäßigungen auf ihren Bahnen gewähren werden. Herr Julius B e r g e r (Sächsische Straße 1, Berlin W 15) wurde als Generalvertreter der Levante- Messe Tel-Awiw 1932 für Deutschland ernannt. Das Tel-Awiwer Kunstmuseum hat ein spezielles Komitee gegründet, Maler Rubin (Vertreter der Künstler), S. Jaffe (Vertreter der Levante-Messe) und Dr. Harari (Vertreter des Kunstmuseums), mit der Aufgabe, die Beteiligung der palästinensischen Kunst an der Ausstellung zu organisieren. Es wurde beschlossen, einen speziellen Pavillon zu errichten, in welchem die jüdischen und nichtjüdisohen Künstler Palästinas ihre Werke ausstellen werden. Hebräisch und die palästinensische Polizei Jerusalem, 8. Oktober. Laut einer soeben et* schienenen Verordnung dürfen nur jene Offiziere, Beamten und Schutzleute der britischen Abteilung der palästinensischen Polizei befördert werden oder Gehalts Zuschläge bekommen, die die Kenntnis des Arabischen und Hebräischen nachweisen können. Bei Ersaheinen der Order fehlte der Hinweis auf Hebräisch; auf Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurde dieser mitgeteilt, daß selbstverständlich auch die Kenntnis des Hebräischen für die Beförderung Voraussetzung sei, dieser Hinweis 6ei aus Versehen aus der Verordnung ausgeblieben, * Solche „Versehen" sind leider eine ständige Gewohnheit der Palästina-Regierung geworden. Eine kommunistische Druckerei in Jerusalem ausgehoben Jerusalem, 10. Oktober. Die Polizei entdeckte in Jerusalem eine geheime kommunistische Druckerei und beschlagnahmte die Maschinen sowie eine große Menge kommunistischer Literatur in hebräischer nnd arabischer Sprache. Jüdisches //Faraiing" in Amerika Den jüdischen Landw i r t e n in Amerika geht es schlecht. Sie sind zu einem niedrigen Lebensstandard gezwungen. Die allgemeine Krise der amerikanschen Landwirtschaft, die auch die jüdischen Farmer nicht verschont, wirkt sich bei ihnen noch schärfer und un* erträglicher aus: der jüdische Farmer lebt isoliert in einer fremden Umgebung. Hiezu kommt noch, daß den jüdischen Landwirt, der nicht als solcher geboren und erzogen ist, die schwere Lage zum Glauben verführt, daß der letzte Versuch, dem „Luftmenschentum" zu entkommen, mißlungen und jeder Ausweg in eine stabile wirtschaftliche Position abgeschnitten sei. Auf diese Weise kann es nicht zur „Verwurze* lung in der Scholle" kommen, die für den Erfolg des Landwirts unerläßlich ist., Seine Kinder wollen dieses Leben nicht fortsetzen und flüchten in die Stadt... So schildert die Lage der jüdischen Landwirte in Amerika ein alter jüdischer Farmer aus dem Staate Connecticut, Salman Liebmann, im New Yorker „Vor* wärts". Er deckt auch die Ursachen der Lage auf. Der amerikanische Farmer ist nicht ein Bauer im europäischen Sinn dieses Wortes. Er ist als kleiner landwirtschaftlicher Industrieller anzusehen. Ein jeder Farmer produziert nur ein landwirt» schaftliches Erzeugnis. Er bringt seine gesamte Produk« tion auf den Markt; das bedeutet, daß er alle seine Be* dürfnisse vom Erlös seiner Produkte decken muß. Er ist der Gegenpol des primitiven Bauern der Alten Welt, der sich selbst ernährt, selbst seine Klei* dung anfertigt usw. Aber, sagt Liebmann, die Pro* duktionsmethoden des durchschnittlichen amerika« nischen Farmers sind im Verhältnis zu den Produktions« methoden der Industrie sehr zurückgeblieben; der Durch* schnittsfarmer kann sich die modernen Maschinen, die seine Produktion qualitativ und quantitativ der indu* striellen angleichen könnten, nicht leisten. Der Erlös seiner Produktion ermöglicht ihm daher nur einen sehr niedrigen Lebensstandard und erfordert mehr und schwerere Arbeit als die eines industriellen Betriebes. Der jüdische Städter, der sich entschlossen hat, aufs Land zu gehen, der sich nach festem Boden unter den Füßen sehnte und ein einsames Farmerleben, eine pri« mitive Bildung seiner Kinder, den Mangel des geselU schaftlichen Lebens in den Kauf nahm, ist wieder bitter enttäuscht. Seine Kinder verlassen ihn, wenn sie flügge geworden sind, und das „Geschäft" ist schwer und —• schlecht. Doch Liebmann, der Farmer aus Connecticut, schließt seine Schilderung nicht mit einer Warnung vor dem „Farming". Im Gegenteil! Er rät noch immer jedem Juden, das zweifelhafte „Glück" des Shopkeepers zu lassen und Farmer zu werden. Doch dürfte das nicht mehr auf unorganisiertem Wege, mit den schwachen Mitteln Festsaal 220 Sitzplätze Vortragssaal zirka 150 Sitzplätze für Veranstaltungen, Versammlungen, Vorträge, Konzerte, Konferenzen etc. BeratungszimiiiGr gegen mäßiges Entgelt zu vergeben Auskünfte: Verbandsheim II* Untnr« Aueart«n«tr«M

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