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Die neue Welt · 1931-10-16 · Heft 213 (16.10.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 213 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seifte 8 DIE NEÜE WELT Nr. «5 Hubartus-Mantel.....s 9.80 tiSMSS Engl. Reinwoll-Tweed-Mäntel sportiasson, in schönen Modefarben...........S 39.50, Schwarze Frauen-Mäntel, Kragen und Manschetten reich pelzverbr., ganz gef. u. wattel., S 59.50, Elegante Tuch-Mäntel, rdS^eSvnbn sü89e5o't Der Mode-Diagonal-Mantel, mit echtem Bisamkragen, «anz aui Seide....... . S 125.—, Reinwoll-Tweed-Kleider, mit breitem Lackgürtel und aparter Oarnitur, alte Grüßen . . nur S s 19.80 29.50 49.50 79.50 98.- 19.80 Moderner Damen-Filzhut, i„ Modefarben mit kleinem Oesteck, S 3.90, O QfJ mit Seiden-Ripsband.. . ... .S ROMMEL ^^L-l Va»\ :, - T„ ~ ~ feeÄ W Qua/ltatt mmm \y .. ,IJ«rfcfW;.-' -. yl i iVZrwp'.l'! ,*'i>Jt«,*fe v .';,'<*/•,%? ",.^:'M^;|.i s 149.—, Nutria-Lamm-Mäntel, ESi? s 159.—-, 298- Moirö-Fohlen-Mäntel, Seide gefüttert und wattiert s 189.—, Feh-Kid-Mäntel, RS gefüttert' ganze s 198.—, Elegante Katzen-Mäntel, gSn8SB ganze Felle s298.—, Echte Bisam-Mäntel, ganz gefüttert, piquiert und wattiert Nur s 29.50 K. Seiden-Crepe-Mongolkleider mit Volants und Ficlm-Oarnitur, modernste Fasson s 12.90 Damen - Lack - Schuhe, pumps- und Spangenfasson, Einführungspreis mff-. ■^4\ifi,,y. m'fö W$F"-. .''vi 'ZhtförH&M^W.lUor^r^g und dem Mangel an Erfahrung des einzelnen, geschehen, sondern organisiert und planmäßig. Er entwickelt einen großzügigen Kolonisatiönsp'lan von städ« tischen Juden, einen Plan, der in sich alle Vorteile des amerikanischen industrialisierten „Farming" und .des europäischen „D orfsyste m s" vereinigen soll, ohne die Nachteile der beiden Systeme. Er schlägt die Gründung jüdischer Kolonien in den Vereinigten Staaten vor, und zwar in der Weise, daß jeder Siedler in der Kolonie nur einen Zweig der Landwirtschaft produziert, alle Kolonisten insgesamt aber womöglich alle land« wirtschaftlichen Produkte erzeugen sollen. Auf diese Weise erhält jeder Kolonist als Kons sument die landwirtschaftlichen Produkte, die er nicht; erzeugt, aus erster Han,d, ohne V.e r,ni i.t 11 e r. Die Kolonie soll auf g e n o ss e n s c h a f t l,ic he r Basis -.die; modernen landwirtschaftlichen' Maschinen erwerben , und ihre Produkte verkaufen.. In. einer solchen Kolonie lebt, der jüdische Farmer nicht isoliert, sondern in einem Milieu von Volksgenossen. Die Erziehung der Kinder und namentlich deren jüdische Erziehung ist in einem jüdischen Dorf viel eher möglieh als in einer eins samen Farm. Eine solche Kolonisation müsse auf rein geschäfts« mäßiger Basis, ohne „eharity", ohne Philanthropie ge« macht werden. Jeder Siedler muß 3000 bis 5000 Dollar besitzen; mit diesem Grundkapital ist unter Ausnützung aller Kreditmöglichkeiten ein weiterer Betrag von 4000 bis 6000 Dollar zu bekommen. Mit 7000 bis 10.000 Dollar läßt sich eine Wirtschaft von 20 Acre Boden, mit einem Wohngebäude von 6 bis 7 Räumen, einem Stall für 25 Kühe oder einem Hühnerhof für 1500 Stück Geflügel, einer . Garage und allem lebenden und toten Inventar aufbauen. Liebmann geht noch weiter. Er sehlägt vor, daß solche jüdische Familien, deren Erwerb nicht vom Wohnen in der Stadt abhängig ist (zum Bei« spiel Handelsreisende), in eine solche Kolonie übersiedeln. Auch eine Reihe von jüdischen philanthropischen Institu« tionen, wie Altersheime oder Waisenhäuser, sollten in den jüdischen Dörfern untergebracht werden. So werde der Markt für die Produktion der Kolonie zum Teil in die Kolonie selbst verlegt. Jede Kolonie müsse ihre Pro* dukte wie Industrieerzeugnisse auf den Markt bringen: mit einer Schutzmarke, mit einer Garantie für Frische' und Qualität. So sei der. Erfolg sicher. * Dieser Kolonisationsplan ist kein Zufall. Man hört schon seit einiger Zeit, daß es im jüdischen Mittel* stand Amerikas kriselt. Es ist „sogar" eine Bewegung zur Auswanderung nach Palästina entstanden. Di« Erschütterungen in der amerikanischen Wirtschaft, die Zerstörung des Messiasglaubcns ewiger „Prosperity" hat in vielen Juden Amerikas die Sehnsucht nach festem Boden erweckt, nach „Verwurzelung". Der natürliche Weg wäre der Weg nach Palästina, der Weg in den jungen jüdischen Wirtschaftskörper, die Eingliederung der individuellen „Verwurzelung" in die „Verwurzelung" und Normalisierung des ge* samten jüdischen Voikes. Aber in Palästina werden die Juden immer mehr und mehr in Ghettoposition gedrängt, sogar in •in«, schlimmere Position als die des „normalen" Ghettos; der Jischuw ist nicht nur Objekt der im Lande herr« sehenden Macht, sondern Spielball... Und so sucht und findet man andere Ziele der Sehnsucht nach wirtschaftlicher Stabilität: „Innerc Ko* 1 o n i sä t i o n." Wenn der Jude, der -3000 bis 5000 Dollar besitzt, sich nicht auf dem Lande. ansiedeln wird, so wird ihm bald mit der Sammelbüchse der jüdischen Phil« anthropie geholfen werden müssen — das -ist Liebmanns Schlußfolgerung. Es gibt aber einen Einwand, den .Liebmann nicht widerlegen kann: ist es nicht ^anzunehmen, daß eine groß» zügige Ansiedluhg vori Juden; auf dem Lande auch einen ..großzügigen" Antisemitismus und einen „groß« zügigen" Widerstand der nie h t j ü d i s c h e ri F a r« mer hervorrufen wird? Und wie gedenkt Liebmann dieses Problem zu lösen? Der Verband demokratische!* Zionisten und der Jüdische Hochschulaussehuß veranstalten zugunsten der M e n s ä ä c ade m i c a j u ää i;c a und der sonstigen Fürsor g e e i n r i c h t u n g e n des Jüdischen Ilocltschulausschusses am Samstag, den 31. Oktober 1931, abends S Uhr, im Verbandshcim, IT., Augantenstraße 38, eine K o n z e v t - A k a d can i c. Mitwirkende: Vor-tragskünistlea-in Fräulein Margarete BacIi, Konzertsängerin Frau Maria W i n k ler- F i a 1 k o, Komponist Isr. Brandmann, Professor Julius Isser Iis, Professor Joachim Stutschcw.sk y. Eintrittskarten zum Preise von S :l bis 3 im Yer,bandsheim, IL, Untere Augartenstraße 38, und beim Jüdischen HochschuUvti«äcihiiß, IX., Zimmermaunplatz.. 8. Von Edith Lachmann (Breslau). . Wenn wir mit offenen. Augen in der zionistischen und nichtzionistischen Welt Umschau halten, so müssen wir mit der Ehrlichkeit, die notwendig ist, um einen Miß« stand zu ändern, zugeben, daß die zionistische Frau in den letzten zwanzig Jahren nicht genügend ihre Pflicht erfüllt und vielleicht sogar nicht die Größe ihrer natio« nalen'Aufgaben erfaßt hat. Erziehung! Wo sind die Tausende von jungen Menschen, die jetzt in der zweiten Generation seit Herzl schon aus zionistischen Häusern hervorgehen müßten? Verschwindend klein ist ihre Zahl, und diejenigen, die Zionisten sind, führen ein Sonderleben und begnügen sich mit dem Schekclzahlen oder gelegentlicher K. K. L.« Sammelarbeit; eine positive Arbeit fehlt. Sie dringen nicht ein in die assimilantische Judenheit, um sie zu gewinnen, meistens fehlen ihnen sogar die Kenntnisse dazu, sie bereiten sich nicht für Palästina vor, sie stellen nicht den Zionismus als Mittelpunkt in ihr Leben und können des« halb andere nicht für ein Ideal begeistern, dem sie selbst nüchtern gegenüberstehen, Die Gewinnung von Mensehen is,t aber der Hauptfaktor für eine nationale Bewegung, dann braucht sie fremden Göttern nicht zu dienen, dann braucht sie keine Jewish Agency, dann braucht sie aus dem großen Judenstaatsgedanken keine kleinlichen Koloni« sationsprojekte zu machen. Hat man Menschen für eine Idee, begeistert, hat man verstanden, sie von der Unerträg* lichkeit des heimatlosen, geächteten jüdischen Lebens zu überzeugen, so bringen von der Sache durchdrungene Menschen immer neue Menschen und damit auch Mittel für den Aufbau von Palästina. In diesem Sinne müssen die zionistischen Frauen ihre Kinder erziehen, dazu gehören aber, zionistisches Wissen, hebräische Kenntnisse, Liebe und Verständnis für Palästina. Diese Ideale müssen vom ersten Augenblick in die Seelen der Kinder gepflanzt werden, dann müssen sie dauernd gepflegt und so die Kinder schließlich auf den richtigen Weg für ihr ganzes Leben geführt werden. Nie fehle Tozereth Haarez im Haus, nie Opfer« möglichkeiten für Palästina, man lehre rechtzeitig schon das Kind verzichten für den Aufbau Palästinas. Die Mutter muß später mitleben mit dem nationalen Jugend« bewegungsgedanken und den Plänen des heranwachsenden Kindes, sie muß zeitweise gern auf das Kind verzichten, wenn es die Jugendbewegung in Anspruch nimmt, nicht es zurückhalten, wie wir es oft von egoistisch«zionistischen Eltern sehen. Um so die kommende Generation zu er» ziehen, bedarf die Frau, auch schon das Mädchen einer Schulung und einer Gemeinschaft, die den hundert« prozehtigen Herzischen Zionismus vertritt und als einziges Ziel den Zionismus hat. Gesellschaft! Wir Zionisten verpönen die heutige jüdische Gesellschaft in ihrer Oberflächlichkeit, wir geißeln ihre Assimilationsgelüste, die, oft zur Taufe und mehr denn je zur Mischehe führen. Was haben die zionistischen Frauen hier zur Abhilfe getan? So gut wie nichts. Trotzdem hier auch bei zionistischen Frauen viel oberflächliche Gespräche und geselliges Leben sind, hat die Frau noch nichts hier erreicht. Gerade in der Gesellschaft sind zionistische Debatten notwendig, Pflege von jüdischer Kunst und Literatur, Interesse für Tozereth Haarez er« wecken, für Palästinareisen. Hier hat die Frau wieder ein großes, jetzt vernachlässigtes Gebiet, um Menschen und Mittel für den Zionismus zu gewinnen. Aber eines sei hier gerade besonders betont: Will man Assimilanten für den Zionismus gewinnen, dann ist. es nur möglich durch den Judenstaatsgedanken, alles andere gleitet an ihnen ab und kann sie nicht begeistern. Ich habe das in den letzten Jahren wiederholt in assimila»« tischen Kreisen erlebt, besonders bei jungen Mädchen sehe ich es dauernd, daß sie nur durch den Judenstaate«. gedanken zu gewinnen sind. Soziale Arbeit! Sie liegt meistens in den Händen der Nichtzionistinnen. Wir können uns nicht mit der Gesellschaft begnügen, wir sind eine Volksbewegung und brauchen die Volkmassen. Soziale Arbeit: heißt aber nicht nur Brot und Arbeit, das Volk erstickt bei dauern« der Arbeit und Not, ohne Hoffnungen und Ideale. Deshalb gehe die Frau in die Judengasse und bringe nicht nur Brot dahin, sondern Hoffnungen auf Freiheit und Arbeit in Erez Israel. Vor allen Dingen aber hole sie die Kinder heraus aus den schmutzigen und finsteren Kellern der Judengasse, gebe ihnen Gärten und Landwirtschaft und körperliche Stählung, damit sie vorbereitet sind für Pa« lästina. Die jüdische Frau, die einmal die Not des Kindes in der Judengasse gesehen hat und hier gründliche Ab« hilfe schafft, durch die Vorbereitung und spätere Ueber* Siedlung dieser Jugendlichen gerade nach Palästina, die hat nicht die Kinder Palästinas gesehen, die wie Blumen unter der Sonne von Erez Israel gedeihen. Palästinal Unermeßlich sind die Aufgaben der Frau für Palästina. Aber hinfällig ist alles, was wir in diesem Lande schaffen, wenn ihm der jüdische Schutz fehlt. Unverantwortlich würden wir Frauen handeln, wenn wir die Jugend aus ihrem Berufe reißen, den Eltern die Kinder nehmen und sie in einem Lande ansiedeln, wo sie dauernd Lebensgefahr umgibt. Ein Volk, das sich ein Land aufbaut, muß vor allen Dingen an die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung denken. Ein Volk, das von einer Kolonialmacht abhängig ist, muß ihm, seine Leistungs« fähigkeit und seinen Mut beweisen, nur dann wird sie Vertrauen zu ihm haben. Mütter, d»e Kinder für Palästina mit der arabischen Majorität erziehen, müssen dafür Sorge tragen, daß sie sich wehren können, wenn sie ange« griffen werden, sonst sind sie Opfer, wie die Jünglinge von Hebron und Safed. ■ ■ 1 Deshalb ist es die erste Aufgabe der zionistischen Frau, für die Stärkung des Tel*Chaj«Fonds zu sorgen, der für die körperliche Ertüchtigung der Jugend sorgt, der sie lehrt, sich zu wehren, damit aus krummen Judenjungen wieder stolze junge Juden werden. Ich sehe die gewölbten Kücken unserer jüdischen Jünglinge, und wie schnell macht sie die Erziehung im Bethar aufrecht und mutig. Dafür muß die jüdische Frau Verständnis bekommen. Wie kann ein aufbauendes Land vorwärtskommen,

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