Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 213 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«I Sefla 6 DIE NEUE WELT tft. 2i% SIEGM. KORNMEHL QROiSPLBISCHHAUIttÜ Zentrale; IX., Berggaiae 19, T«l. A-l7-3»99 u. A-16-9-34 Lief uaa i tUr Heilanstalten AbtQllungenJHa^ anter Aufsieht d«s Ehrwürdigen Rabbinats der lar. K*l* tusgemeind« Wien AutezuBteiiung koetenlae IX., Barggagse IS ✓ XVIII., Wahrlngantr. 07 j ......1....... -------------------------■---—-- ■ ■■......- ■ ittiHuwt*ittmwnn«miwiifc schenOstundWest, diese große jüdische Gemeinde, wäre in erster Reihe berufen, in ihrer Anstalt für diese Geriete jüdische Lenrer und Führer heranzubilden. Und wenn man mit diesem Programm an die großen jüdischen Organisationen der Welt heranträte, so würde man sicherlich das erforderliche Geld erlangen. Israelitische Theologische Lehranstalt. Diese Be» nennung riecht nach Moder. Sie ist das Ebenbild der guten alten liberalen Zeit, die die Anstalt ins Leben rief. „Israelitisch" durfte dabei natürlich nicht fehlen, und statt sie, wie es in Berlin der Fall war, eine Lehranstalt für die Wissenschaft des. Judentums zu be» nennen, ging man zu den anderen, zu den Nichtjuden, um sich bei ihnen einen vornehmen, wenig anstößigen Na< men zu leihen. Und so kam man auf die Theologie. Als ob das Wissen und die Kultur unseres Volkes mit dem Worte „Theologie" abgetan werden könnten. Es ist, wie wenn man einen großen, starken Mann in ein viel zu enges Wams zwängen wollte. Diese unglückselige Be* nennung war auch zum Teil schuld daran, daß die junge Generation die Anstalt als etwas Fremdes empfand. Aber das nur nebenbei. Fest steht jedenfalls die Tatsache, daß diese Anstalt, die im Jahre 1893 begründet wurde, im Laufe ihres Bestandes unter der Leitung von berühmten Lehrern eine große Schar von Rabbinen, Ge* lehrten und Führern dem Österreichischen Judentum und der Judenheit der ganzen Welt schenkte, Männer, die dem Judentum und seiner Kultur gewiß zur . Ehre gereichen und für seihe Erhaltung arbeiten. Unser unvergeßlicher Chajes ge« hörte zu ihren Hörern, und wo wir nur in der jüdischen Welt umherblicken, sehen wir jüdische Gelehrte und Führer, die ihren Ausgang aus der Wiener hohen Schule nahmen. Ich erwähne nur aufs Geratewohl — ohne der Wiener zu gedenken — die Großrabbiner von Süd* afrika Dr. Landau und von Jugoslawien Dr. Alcalay, die Gelehrten Prof. Torczyner in Berlin, Dr Brawer in Erez Jisrael und Dr. Baron in Amerika. Wer zählt die Namen all der Hörer, die im Laufe von achtunddreißig Jahren in der Tempelgasse ihren jüdischen Studien oblagen. Achtunddreißig Jahre sind aber eine große Spanne Zeit, die gebieterisch eine Reform der Lehransta lt fordert. Nicht Reformen religiöser Art, sondern eine Aus* gestaltüng des Studienplanes in dem Sinne, daß die Hörer zu jüdischen Führern herangebildet werden. Sie sollen nicht nur Männer des Buches werden, sondern auch des Lebens, Männer, die mit den jüdischen Massen in ständiger Berührung stehen, die die jüdische Jugend für ihr Volk zu erhalten verstehen, Männer, die auch unter schweren politischen und wirtschaftlichen Verhält« nissen gewillt und befähigt sind, überall und zu jeder Zeit für ihr Volk einzustehen. Dazu gehört eine weitblickende, den Wert der jüdischen Kultur vofl erfassende G e* meindepolitik. Die Zeiten sin<f schlecht. Dies darf aber nicht der Grund sein, die Wiener jüdische Gemeinde lediglich und ausschließlich auf dem Gebiete des AI« mosens, so wichtig es auch ist, wirken zu lassen und den Kulturinhalt, der einzig und allein den weiteren Bestand der Gemeinde zu gewährleisten vermag, allmäh* lieh abzubauen. Von der Kultusgemeinde muß daher verlangt wer« i den, daß sie nichts unversucht lasse, die für die Erhaltung der Lehranstalt erforderlichen Mittel aufzubringen. Es wäre eine Kulturschande, wenn diese einzige Stätte jüdischen Wissens in Wien ihre Pforten schließen müßte! Züricher jüdische Statistik — über 40 Prozent Mischehen . Das Jahr 1930 hat in der jüdischen Bevölkerungs« bewegung der Stadt Zürich mancherlei interessante Veränderungen gebracht. Es leben hier (die Vororte des Bezirkes inbegriffen) 5897 Juden, im Jahre 1920 waren es (in der Stadt allein) 6662. Kamen also vor zehn Jahren hier auf 1000 Nichtjuden 3,2 Juden, so kommen jetzt nur noch 2 jüdische Bewohner auf 1000 nichtjüdische. D i e Stadt Zürich ist gewachsen, die jüdische Bevölkerung zurückgegangen; die Differenz, umgerechnet auf die Verhältniszahl 1000, beträgt zu* Ungunsten der Juden ein volles Drittel. Die Statistik über die j ü d, i s, c h C; n H e i r a t e n und Scheidungen bringt dieses Jahr bemerkenswerte Zahlen, Es stellt sich heraus, daß von jüdischen Männern 30 jüdische, 3 katholische und 10 protestantische Frauen geheiratet worden sind. Jüdische Frauen wurden geheiratet von 30 Juden, 4 Protestanten und 4 unbekannter Reli* gion. 30 jüdischen Heiraten stehen also 21 gemischte Ehen gegenüberl Ausdrücklich hervorzuheben ist, daß im Jahre 1930 unter den 390 un* eheüchen Geburten der Züricher Bevölkerung sich keine einzige außereheliche Geburt einer jüdischen Mutter be* findet; sämtliche 64 jüdischen Geburten sind als eheliche eingetragen. Friedhofssdhandung Nr. 107 Berlin, 8. Oktober. (J. T. A.) Auf dem jüdischen Waldfriedhof in Westercappeln in Westfalen wur* den vier Grabsteine gewaltsam beschädigt und der Ver* such gemacht, weitere Grabsteine umzuwerfen. Auf die Ergreifung der Täter hat die jüdische Gemeinde Westercappeln eine Belohnung von ioo Mark ausgesetzt. Die Lfste der Friedhofssch&ndungen in Deutschland 1923 bis 1931, über deren Herausgabe durch den Zentralverein wir berichteten, ist soeben in zweiter Auflage erschienen. Die Liste mußte innerhalb von vier Wochen um vier weitere Fälle von Friedhöfs* Schändungen vermehrt werden 1 Sie enthält jetzt das Material über 106 Schändungen jüdischer Friedhöfe. Auswanderung nach Kuba Wie die jüdische Wanderungsgesellschaft „Hicem" berichtet, werden jetzt zur Einwanderung nach Kuba olle Personen zugelassen, welche den Besitz von 200 Dollar nachweisen können. Bei Familien hat nur das Oberhaupt den Besitz von 200 Dollar nachzuweisen. Für angeforderte Verwandte müssen 100 Dollar als Kaution für da6 erste Jahr (hinterlegt werden. Trotzdem die politische Lage in Kuba ruhig ist, rät „Hicem" den Juden ab, nach Kuba zu gehen, da die wirtschaftliche Lage sehr gedrückt ist. Zunahme der Zahl der unterstützungsbedürftigen jüdischen Familien in Amerika um 44 Prozent New York, 8. Oktober. (J. T. A.) Wie von dem Büro für jüdische soziale Forschung mitge* teilt wird, hat die Zahl derjenigen jüdischen Familien in den Vereinigten Staaten, die sich infolge der Wirtschafts* depression gezwungen sahen, von jüdischen .Wohlfahrts» institutionen Unterstützung zu verlangen, sehr stark zu* genommen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1931 haben jüdische Wohlfahrtsinstitutionen 1,432.897 Dollar gegen 1,028.894 Dollar in der gleichen Periode des Jahres 1930 für Unterstützungen ausgegeben. Die Summe der Unterstützungen hat sich also um 39,3 Prozent erhöht, während die Zahl der unterstützten Familien um 43,8 Pro* zent zugenommen hat. Auch die Zahl der von jüdi« sehen Institutionen betreuten Kinder mittelloser Eltern nimmt fortwährend zu. Allgemeine Versicherungs - Gesellschafft »Phönix« ff Zusammenschluß von II Gegründet 1860 ff und * — * Qegründet 1898 „Wiener Gegründet 1881 «0 ff Direktion und Qcneralrepräseutanz: Wien IX. Otto-Wagner-Platz 5 / AlserpOatz 3 Telephon: B-43-5-80 Serie Uebernahme sämtlicher Schadenversicherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien Aus Ungarn Verein für „Freundschaft mit Israel4* Das Priesterkolleg des Budapester erzbischöflichen Generalvikariats hielt jüngst unter dem Vorsitz des Abtes Stephan Madarasz im Zentrai'Priesterseminar seine Konferenz ab. Bei dieser Gelegenheit lenkte der päpst* liehe Kämmerer Pfarrer Emil Ritter v. Kriegs-Au die. Aufmerksamkeit der Konferenzmitglieder auf die Tätig* keit des unter dem Patronat des Papstes stehenden Vereins zur Förderung der Judenbekehrung. Der Redner betonte, daß die Priesterschaft sich vom Antisemitismus fernhalten müsse. Die Priester müßten die günstige "Atmosphäre schaffen, die den Juden den Uebertritt zum katholischen Glauben ermögliche. Man dürfe nicht verall* gemeinern; man müsse bemerken, daß diejenigen Juden, die im kommunistischen Regime eine Rolle spielten, den religiösen Glauben aufgegeben hätten. Zu bemerken ist, daß hier zum erstenmal eine päpstliche autorisierte Persönlichkeit offen zugegeben hat, daß der vor einigen Jahren unter dem Patronat des Papstes gegründete Verein für Freundschaft mit Israel eigentlich ein „Verein zur Förderung der Judenbekehrung" ist. Zur Zeit der Gründung des Vereins wurde aus vatikanischen Kreisen erklärt, der Verein verfolge keinerlei Judenbekehrungstendenzen. Die Auswirkungen des Numerus clausus Dr. Desider Laky, Professor an der Budapester Technischen Hochschule, hat soeben ein Buch veröffent» licht, das die demographischen und sozialen Verhältnisse der ungarischen Studentenschaft statistisch behandelt. Er stellt eine Uebervölkerung der ungarischen Hochschulen sowie eine Ueberflutung der akademischen Berufe fest und führt in bezug auf die Auswirkungen des Numerus« Kuranstalt tili, Lammgasse 10, Tel. B-48-Z07 \\ Chefarzt: Facharzt Dp. H. filuokei* Vollständig neu eingerichtet, größter Komfort, mäßige Preise Höhensonne, Diathermie, sollux, Vilalux, Oalva^satlon,' Faradisation, Kohlensäure, Sauerstoff, Schwefel, Jod, Pichtennadel- und Radlumbäder. Heißluft. Pistvaner Schlammpackungen. Entfettungskuren. Halbbäder, Packungen, Duschen und Heilmassagen. Behandelt .werden: Rheuma, Gicht Ischias, Lähmungen, Oe- Ienkserkrankungen, Neurasthenie, Nervenentzündungen, Neuralgien, erhöhter Blutdruck, Gefäßverkalkung, Herzschwäche usw. Erkrankung der ►\tmungsorgane, d. Magen-u. Darmtraktts, Menstruationsstörungen, Sterilität und andere Frauenkrankn eilen Verfraejsanstatt aSmtl. Krankenkassen clauSus»Gesetzes auf die jüdische Studentenschaft aus: In seiner ursprünglichen Fassung bewirkte das Gesetz einen starken Rückgang des jüdischen Elements fast bis zur Grenze der Verhältniszahl der jüdischen Bevölkerung (1919/20 5,9 Prozent); später wurde in dieser Hinsicht eine Lockerung bemerkbar, so daß die Anzahl der jüdischen Studentenschaft sich um 10 Prozent der Gesamthörerschaft herum bewegte. Zu dieser Feststellung bemerkt der „Pester Lloyd', daß die Beteiligung der intelligenten Mittel* schicht, aus der auch die meisten jüdischen Studenten kommen, an den akademischen Berufen immer stark über ihre Verhältniszahl zur Gesamtbevölkerung hinausging; deshalb kann man darin, daß jüdische Studenten einen höheren Prozentsatz der Studierenden ausmachen als die Verhältniszahl der Juden zur Gesamtbevölkerung, kein« „Majorisierungstendenz" erblicken. * Eine wichtige Entscheidung Der Oberste Gerichtshof in Budapest hat jetzt eine Entscheidung getroffen, welche für die jüdia sehen Opfer des Numerus clausus von großer und g ü rt* s t i g e r Bedeutung ist. Ein ungarisch*jüdischer Mediziner Dr. Martin Kupferstein machte das medizinische Doktorat an der Wiener Universität, wurde aber in Ungarn weder zur Nostrifizierung noch zur Ausübung seines Berufes als Arzt zugelassen. Er klagte den ungarischen Staat auf Schadenersatz wegen Behinderung an der Ausübung seines Berufes an und wurde von allen unteren Instanzen kostenpflichtig abgewiesen. Dieser Tage entschied nun der Oberste Ge* richtshof, daß die Klage Dr. Kupfersteins rechtens zu verhandeln ist, da Ungarn verpflichtet sei, die Nostrifizierung zu gewähren und dem Kläger die Ausübung seines medizinischen Berufes zu ermöglichen. Diese oberstgerichtliche Entscheidung schafft ein Prä* jüdiz für alle ähnlichen. Fälle. _ Aus Rußland Mißerfolg der antireligiösen Kampagne Die Moskauer jiddisch-kommunistische Tageszeitung JE m e s s" stellt im Leitartikel fest, daß die im jüdischen Rayon „Freidorf" (Krim) im Zusaimnenihaing mit den hohen jüdischen Feiertagen geführte antireligiöse Kampagne eine „schmähliche Niederlage" erlitten hat. In allen laadwurtsdha&Hciheri Kollektiven veranstalteten die Kolonisten gemeinsame Feiertagsgebete mit Vorbetern. Einige Kollektiven verfügten sogar über zwei bis drei Gebetstuben. Nur ein Teil der Jugend ging zur Arbeit auf die Felder, die gesamte übrige Einwohnerschaft verbrachte die Tage in den Betsiuben, Vorsitzende von Dorfsowjets und Kollektiven, sogar Mitglieder der „Korns omolz" (Kommunistischer Jugendverband) blieben an den Feiertagen der Feldarbeit fern. Die Elemente, die die antireligiöse Kampagne geführt hatten, stießen auf starken Widerstand der religiös gesinnten Landwirte. Im Dorfe „Smidowitsch" wurden die „Apikorsrim" (Gottlosen) daran gehindert, am Abend des Jörn Kippur eine antireligiöse Kundgebung zu veranstalten. .JEmess" verlangt, daß die antireligiöse Arbeit nidht nur vor und während der Federtage, sondern wahrend des ganzen Jahres geführt und daß in den jüdischen Rayons eine Vereinigung streitbarer „Apikorsim" gebildet werde. Die jüdische Sektion der Wissenschaft" liehen Akademie Weißrußlands bereitet jetzt ein Sammelbuch über den „jüdischen Klerikaliem us" vor, das die folgenden Themen behandeln wird: „Klerikalismus und Faschismus"; .JOeriikalismua und ausländische Intervention"; „Sozaatfasehismus und Klerikalismus** n. a. m. Juden als Kämpfer gegen das Sowjetsystem? Die kommunistische Presse Weißrußlands meldet die Aufdeckung einer Verschwörung gegen die Sowjetmacht in Weißrußland. Eine Geheiniorganisation, die sich „Nationaldemokratische Partei Weißrußlands" nennt, arbeitete auf die Lostrennung Weißrußlands von der Sowjetunion hin. Die Zeitungen stellen fest, daß „jüdische N a t i on a 1 i s t e n" mit den Verschwörern Hand in Hand arbeiteten; auf der vorgefundenen Liste der als Minister der geplanten ..Nationaldemokratischen Regierung Weißrußlands" in Aussicht genommenen Personen figurieren drei Juden: Kaplan als Minister für Industrie und Handel. Scheinin als Artbeitsminister und Dr. Die cht er als Hüfsarbeitsminister. . Die Sowjotzeitungen berichten, daß Kaplan gestan4«n