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Die neue Welt · 1931-10-16 · Heft 213 (16.10.1931) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 213 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 215 DIE N EU E WELT Seite 5 Nerven leidenden nnd Gemütskranken schafft da« überaus mildc? natürliche „Franz-Joscf-Bitterwasser regelmäßigen Stuhlgang, gute Verdauung, erhöhte Eßlust. dakteur C a r I c h a c h vom ..Hamburger isr. Familienblatt" die Lage der Juden in der Türkei wie folgt: ,,Diese Händler, die ich da besuche, sind sämtlich bankrott. Die Banken sieben .luden keinen Kredit mehr. Diese Juden, die „Zion" sagen und dabei die Luft küssen — sind türkische Nationalisten. Ucbcrdies ist die zionistische Organisation in der Türkei verboten. Die Thorakronen im Basar sind aus Bethäusern g e* stöhlen. Denn man hat vierzig von hundert Synagogen geschlossen und vor ihrer öffentlichen Versteigerung die Wertgegenstände herausgeholt. Einen Gct vollzieht man nicht mehr. Kemal l'ascha hat es verboten. Die Rabbiner, dürfen dem Standesamt keine Konkurrenz machen. Die Leute, denen die Augen glänzen, wenn sie „Jeruschalajim" sagen, haben Kinder, die kein Hebräisch lesen können. Denn die jüdischen Schulen sind geschlossen. Die Jungens, die da herumlaufen und jeden Juden — Bruder nennen, leben in M i s c h e h e. Wie denn über* haupt Konstantinopcl den größten Prozentsatz an Misch« chen aller jüdischen Gemeinden hat: nämlich siebzig von hundert. Aber davon spricht der Basar nicht. Erstens ist das keine Neuigkeit und zweitens darf man es nicht. Keinal Pascha hat Spitzel. Auch unter den Juden. Kemal Pascha hängt jeden auf, der ihm flucht. Kemal Pascha zivilisiert die Türkei..." Polizeipräsident Grzesinski für jüdischen Selbstschulz Berlin, 8. Oktober. Unter der Uoberschrift ..Gi'/jetiinß.ki empfiehlt Selbsthilfe" bringt die „Berliner Jüdische Zeifcuujr" eine Unterredomg mit dem Berliner Polizeipräsidenten, in deren Verlawf Pefeeipräsident Grzesjnski die von der ./Liga für Menschenrechte" aufgestellte Beiha'iiipinng, daß <lie Polizei bei Uebertf'äll'en anf Juden die notwendige Tatkraft vermissen ila-sse, energisch- /.uniicWeist. Der Polizeipräsident meirvte weiter, e.s sei tumnögikh, Xkülnubmen zur Verdrindei-uing einer Wiederholung <1cj.\ Kurlurstendannn-Uebcrfälle zu troffen: ain G eg en teil mü sse d u r cha\i s dajui't ge reedi nct wcrdeji, duli bei weiterer Verschärfung der politischen Lage Ereigui^e dieser Art wieder e i ii t r c I'.- n k ü vi ji t c ii. Dde lriige, ob nicht a-uch die Juden 7.w. ihrem Teil daran .mitwirken, kümiteii,,, die, Welle des A.nciciein:iitHuiiis y,u brechen,-' bejahte der PolizejpntäJdeni durdm.ii».- Kr begrüßte die Tatsadic, daß die ,f 'üdds ch c J .u ge n d euisch'losiscu «ei, jeden Angriff mit einer entsprechenden, Parade zdi beantworten... Idi fahre, f.mlir er fort, tägilkh im Griine.\vraikl au de.ro, jüdischen S p o r t p 1 a tz vorüber und. fröne mich, sehr, daß die Juden auch auf ihre .sportliche .Eitüchtjgumig bedacht .sind. Eine tatkräftige Alhwehr ivst das beste 'Mittel, Lausejungen zur Ordnung zu rufen. Verschärfung des Numerus clausus in Polen — Antisemitische Haltungdes Tschechoslowakischen Generalkonsulats in Warschau Warschau, 11. Oktober. Dar in Polen awar nicht legal aber in de r Prax i.s bestehende N u <m e r u S clausus gegen jüdisdie Studieinwillige 'lw.urde zu Beginn des neuen Univerisitätsoemostere erheblich verschärft. Die medizinische Fakultät der Wäii-schaii er Universität hat van 500' Ce&achen jiidißdier Studenten.- um Immatrikulation im ganzen 15 be rü ckßi cht igt; an der Fakultät für Zahnih eilk umd c wurden auf . 100 Gjiristen aiur sieiben Juden aufgenommen; an c^cr Landiwirfediaftlidien Hochschwle hat mti-n aHe jüdischen Beiwej-Iber abgewiesen.. Dieses Ergebnis hat unter der jüdischen Studentensdiaft Warschaus ungeheuer depiumierend gewirkt. Aus den Provinauniversitäten laufen Meldungen ein, die nidit weniger trostlos lauten. Allee an allem wurden in diesem. Jahre an den palnisdien Universitäten «und Hodisdnulen kaum halb soviel jüdische Studenten wie im Vorjahre aufgenonwnen. Diese einediräoikenden Maßnahmen gegen jüdische Studenten an den polnischen Hochschulen wiegen um so schwerer, als der Generalkonsiudder Tschechoslowakischen Republik in Polen aus offenbar antisemitischen Motiven keinem jüdischen Studienwilligen aus Polen ein Visum zum Zwecke der Fortsetzung der Studien an einer Hochschule der Tschechoslowakei gewähren will. Das Zentralkomitee der jüdischen Akademikern beschdoß, hei den (üuetäudigen Stellen energisch dahin zu wirken, daß die veraiweHelte Lage der jüdischen studierenden Jugend gebessert wende. Die Beschießung des Warschauer jädräehen Friedhofs Vor mehr als elnean Jahre, in der Zeit vor dem jüdischen Neujahrsfest, afe aiuf dem Warsdiauer jüdischen Friedhof im Stadtbezirk Gensza zaihireiche Jud^n zum Besuch der Gräber ihrer Angehörigen weilten, wurde der Friedhof plötzlich beschossen. Öer Stboeäd^rineiatar . Jonkel Lewindki und Dr. Sara II o'tlh 6 t e i oi eribielten schwere Schößvertetauiigen und blieben zwischen den Grabsteinen liegen. Audi zahlroidie Grabsteine wunden beschädigt. Die Untemuchu-ng sfcsllie fest, daß der plötzliche Kugel regen mis einem Maschinengewehr st«-lnmtc\ das bei einer Militü-rübimg unweit de« Friedhofs in Aktion gesetzt worden war. Oberst Jugusz Zibulski als der Kommandant des- 'Schiellplatzes hatte eich jetzt wegen mangelnder Vorsicht zu verantworten. Kr erklärte, dal? die Kugeln infolge Lockerung der Montage des Maschinengewehrs höher fielen als beabsichtigt, wodurch das Unglück .hervorgerufen wiurdc. Oberst Zibulski wurde f r e igesprochen. . . , Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher (auch antiquarische) für Eure Kinder in der lUdisctten Buchhandlung Herrn. Tuchner Wien II, Qr. Sfadtgulg. 7 (Ecke Titwslr. 52) Leihbibliothek Alle Neuerscheinungen erhültlich. 10 Groschen täglich, keine weiteren Gebühren! 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Und es ist jetzt die ViAgey 'öb* .-• sie den-- Larnhe^iertgen^-'überhaupt noch > ihre Pforten erschließen soll.i^egrüncluitg: Die wirtschaftliche .Notttdec/.Zeit.: ,.<-.v-Die; Lehranstalti hät' einmal über ein ansehnliches1 Kapital i verfügt;.'■ Bei^'-deni 1893' 'erfolgten Gründung ver* 'süuhiten . es^diov.Stifter: nicht-, den Bestand.dcr Hochschule materiell sieher«ustolleri; aber nach dem. Krieg schmolz, das rStilttmgskapital wie -Schnee dahin, so daß sie eines schönen'.Tages ohne, einen Groschen dastand. Da griff .Q>b e r r a b b imce r-i-G:h aä e s, dem das Weiterbestehen der . Anstalt -sehr ^m HeExen lag, ein, brachte in unermüd? lichem Eifer ausländisch«. Gelder für die Sicherung des Lehrbetricbes.\<auf und veravrlaßte auch die Wiener Kultus* gemeinde durch Verkauf „von wertvollen Manuskripten aus dqn Beständen der Ansta-lt, die hohe Schule zu erhalten. Durch die Vermittlung>. eines in den Vereinigten Staaten wirkenden jüdischen Gelehrten, der selbst aus der Lehr* anstatt hervorgegangen is.t, gelang es übrigens in den letzten Jahren wieder, ^weitere Beträge, aus Amerika für sie zu erhalten, [Beträge, die j e t z t n o c h f 1 ü s.s i g gemacht werden^ -^.j- . Aber die Wiener Kultusgemeinde beschloß schon vor einigen Monaten, den ersten Jahrgang zu schließen. Es ist klar, daß von dem Weiterbestehen einer Lehranstalt, deren erster Jahrgang geschlossen wird, nicht mehr gesprochen werden kann. Das Bezeichnende an die* sem Beschluß war aber seine Geheimhaltung, denn in einer Anwandlung vormärzlicher Mentalität enthielt der Vorstand diesen Beschluß der jüdischen O e f f e n t* I i chk'e i t vor. , Selbst in der Blütezeit der früheren liberalen Aera hätte es der damalige, gewiß despotisch veranlagte Prä* In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, pht es nichts Besseres als ständige Körperpflege. 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Jetzt ist die Angelegenheit in ein weiteres Stadium, getreten. Die. Anstalt soll überhaupt nicht m e h,r eröffnet werden. Allerdings ist dem Vorstand vor, seiner Gottähnlichkeit doch bange geworden und er sucht . nun — nach mehrmonatigem Schsycigen— den Weg zur Oeffentlichkeit.. Er sieht nun ein, die Verantwortung für die Schließung einer jüdischen Hochschule nicht allein tragen zu können. Er wird wahrscheinlich auf die uns günstige Lage der Gemeinde hinweisen. Die Wirtschaft* liehe Not kann aber schon aus dem Grunde nicht als alleinige Entschuldigung und Begründung gelten, da die Wiener Kultusgemeinde auch zu einer Zeit, wo sienoch über reiche Mittel verfügte, für die j ü d i s c h e S c h u 1 e herzlich wenig übrig hatte. Sie ist die einzige große jüdische Gemeinde der Welt, die kein eigenes Schul werk unterhält. E;n solches erschien ihr immer als ein Wahrzeichen des „Ghetto". Dem Chajes* Realgymnasium und der Talmud»Thora#Schule bietet sie nicht gerade mit Begeisterung die hilfreiche Hand. Be* zeichnend für den Geist in der jüdischen Gemeinde, ist der Umstand, daß der Führer der Union in der Kultus« gemeinde, Dr. Josef . Ticho, bei einer Versammlung vor drei Jahren eine Schmährede gegen die jüdische Schule halten und erklären konnte, daß aus der jüdischen Schule nur weltfremde und lebensuntüchtige Eleniente hervor« gehen. Dieser Mann ist heute Q b m a n n d e r. U n te.r» richtskommission der Wiener" Kultusgemeinde! Immerhin bedeutet es schon einen Fortschritt, daß die Kultusgemeinde'sich endlich entschlossen hat, in der Saehe der Lehranstalt an die jüdische Oeffentlichkeit heranzutreten. Und da wäre vor allem zu sagen: Die Gemeinde müßte ihr Budget nochmals revi* dieren und sich fragen, ob sie nicht anderswo eher Er* sparungen aufweisen könnte. Ferner: In dieser großen jüdischen Gemeinde gibt es immer noch wohlhabende jüdische Kreise, die dafür Interesse haben, daß das jüdische Wissen aus dieser Stadt nicht verschwinde. Und es gibt viele, deren Interesse — trotz der schweren Zeit — dafür gewonnen werden könnte. Die Nachfolgestaaten der ehemaligen Monarchie — und das trifft namentlich ^auf die Tschechoslowakei zu — haben zum großen Teil ihre Rabbinen aus der Wiener Lehranstalt bezogen, und dies wird auch in absehbarer Zeit der Fall sein, da diese Länder heute nicht in der Lage sind, eigene Lehrstätten für Rabbiner und Lehrer zu errichten. An die Gemeinden und Verbände dieser Staaten wäre daher ebenfalls heranzutreten. Dasselbe gilt von allen ß a 1 k u n s t u a t e n, für die übrigens Wien von seinem alten Glänze noch wenig verloren hat. : Große jüdische Massen, von der Not getrieben, be* finden sich auf der Wanderschaft. Neue jüdische Sied; lungen entstehen von heute auf morgen in der Welt: Südamerika und Westindien beherbergen jetzt schon große jüdische Gemeinden, denen es allesamt an jüdischen geistigen Fahrern mangelt. .Wien, an der Grenze zwi*

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