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Die neue Welt · 1931-10-16 · Heft 213 (16.10.1931) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 213 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Dafür oben auf der Universität ein neuer, teurer Lehrstuhl — Herr Bentwich bekommt sicherlich das Vielfache des Gehaltes eines VolkBschulleTirers oder einer Kindergärtnerin—und in diesem Lehrstuhl sitzt breit gespreiat ein Mann und verschleißt eine Wissenschaft, die keine ist. Warte-nur ein Weilchen und er kriegt noch £Wei Assistenten bei* gesellt. Weil das'aum akademischen „Betrieb" gehört. General Shr John Monanh geworben. * Melbourne, 8. Oktober. (J. T. A.) Am 8. Oktober Ftarfe in Melbourne General Sir John Monash.im Alter von 66 Jahren. Sir John Monash, der im Weltkriege die au st r« Iis che n Truppe« kommandiert^utä'-'isiciigioBenRhhm erwarb, wer der Stolz des australischen Judentums. In den Länder« des British Empire wurde er der ..größte Australier" genannt. Er war der erste, der in der aikrtraliaehen Armee den Rang eines Generals erhielt. General Sir John Monash wurde am 27. Juni 1865 als Stfhn von Louis Monash in Melbourne geboren Er war ein Neffe des Historikers des jüdischen Volkes, Hein rieh Graetz, auf welche Verwandtschaft er mit besonderem Stolz hinwies. Än der Universität Melbourne studierte er Maschinenbau, wurde ZiivilingenieUr im Eisenbahn-, Straßenbau-, Brücken- und Wasserleittthgerwefeen und wurde später Präsident des Victorian Institute a( Engitieere. Im Alter von 22 Jahren trat er als Leutnant in die äustralieahe Bürgerwehr ein, würde 1892 Captain, 1900 Major. 1912 Cdlbnel, 1916 Generalmajor, 1916 Generalleutnant aiwä' 1929 General. Als Generalleutnant kommandierte ' e* da* australische Armeekorps in Frankreich »toi wurde im Kriegs* bericht achtmal als Sieger erwähnt. Der Ort M o na si - T a l b e i A tf z a c >fot> riaek ihim benannt. < In einem: Interview, das Sir John Monaeh vor zwei Jahren dem J. T; A.-Vertretet in Melbourne gab, rühmte er die TapfeTkeit der ^uerralisohen Juden' im Kriege. Dabei erzählte er, daß er sich geweigert habe, einem prominenten Klub in Melbourne beizutreten, der andere Juden als ihn nicht aufhe&then wollte. Sir John Monaeh war einer der Begründer der Liga der b r i tis c h e n J u d e n in Australien, die den Zionismus bekämpft, er war auch einer der zwölf Juden, die den bekannten a n t iz i o n i ß H s c h e n offenen -Brief, der seinerzeit in den „Times" erschien, unterzeichneten. MttunteTzeielmer waren Dr. Claude G. Montefiore, D. L. Alexander, Lucien Wolf u. a. m. Später aiber hat Sir John Monash dem Zionismus starkes Interesse entgegengebracht uhd wurde Ehrenpräsident de r Z i ri n iß t is cb e n V e r« einig h ng t 0 n Australien. N*eh den Palästina* Unruhen im Angnet 1929 leitete er eine rn der Stadt' halle zu Melbourne nbgettaUene Ptotestvetsaromhing und erklarte in einer Arwpradbe. er könne das Gefühl der Bitterkeit der Palästina-Juden Ter stehen, die gfattbten, unter der achiHzendea Hand England« zu stehen und die nun eine solche Katestrophe erleben müssen. Aber, so fuhr er fort, wir blicken dennoch vertrauensvoll in die Zukunft der Juden in Palästina. Die englwohe Regierung hat versprochen, ihre Pflichten ate Mandatar zu erfüllen. Das JUdier he Nationalheim wird aufgebaut werden. Hakenkreuz in Amerika. " Die den Namen „Teutonia" tragende Organ i« sation der deutschen Nationalsozialisten in Amerika hielt in diesen Tagen in Chicago - ihre e r s t e .1 # h r e s* Versammlung ab. Üeber 200 Hitler*D«Ugierte ans allen Teilen der Vereinigten Staaten und Kanada» nahmen an derselben teil. Hauptredner war der zur Konferenz aus Wien eingetroffene Professor Eduard Leonhardt Während der Beratungen gab ein Redner mit Bedauern davon Kenntnis, daß der Kämpft der'Chicagoer Zweig« Organisation der „Teutonia" gegen die Wshl des be* kannten jüdischen Advokaten ijnd Sportlers Leopold P a 11 i e I zum Präsidenten der C h i c a g ö e r deutschen Sportorganisation ein vergeblicher war; Paltiel wurde «um Präsidenten gewählt. De* Papst zeichnet zwei Rabbiuer aus Rom. 9. Oktober. Der Papat hat-zwei Rabbinern in T unis die erste Klasse des hohen päpstlichen Ordens Piu6 IX. verliehen*, ujid , z^j. : dem <5roflrabbiner < von Tunis Rabbi Jousaef Gnez und dem Rabbiner der Livorneskehen Gemeinde in Tunis Rabbi Jacob Boccara, Beide Rabbiner habfsn anläßlich desgroßen, euchariötieclieitt Kongresses, o>i^ de> Weitkathori^siMiu« in Karthago vel&wtaltet hatje, die Judenschaft vo» Tunis zu besonderer''Gal^re^inÄhalt*-'--gegenilber den vielen ans der ganzen Welt att^me^r^ond«!?. katbolachen Teilnehmern des K?i^ejs*e** verfließt., WIM I, *tm***T9 I ta, .fadasasa INwtpürt Zion^mu« Miid Ant»emiti»BHM a«f ile«'%multfr9A#k VatikankongT«fi ^.-.^«t- <..-'> Rom, 9. Oktober. Der in kiu^eean m ro^fflidchen Papst« taat siattif kidende „Wirts diaflsrat" genaamte katholische K 0 n g r e fi wird sich at*cH mit Fßagen des Zioniejnus und d<e« An^ettwtismite befassen. Der jletete Kon«reß dieser Art war 18f?0t al>g^h«lteu worden,, seither hat infolge des Konfliktes zwischen Vatikan und Qüiriü4il ein solcher Kon^refl nicht mehr atatt^e^nden. Auf der Tagesordnung des Kongrenees vea 1S& tsaiid u. a. auch die Erörterung der J«deh!re^e, Z^ei ptominente katholische Priester, deren *?wer <fc>* «um Ka*h«4izisa»ue bekehrte Jude Lehman war, uart«rbreiteten damals dem Kongreß etoe Reaaiutioo, » weWwr der A n t i s e m i t i e tn n s vom katholiacheii Stands>wnkt gebrandmarkt ward. Die Resolution g^a»«gte nicht «wr AJ>- stiinuniiin'g, we.il. der inzwischen a*wgebröchene Kr&ög zwischen Deutschland und Fronkrekh ein« piküzlidhe Vertagung des Ko>ng<res6es wtt- Folge imWe. Es iheiÄt nw»» daß der demnächst in Rom stattfindende Kuagrefi die doena^e Resalution Frieder atrfneJijnen /und zixm Cegett* stand ekler Auespradie machen ward. A«ch <U« Frage den Pa lästioiame ndates wird zur Erörterimtg gelangen. Einflußreich« vatikanische Kreise halten es fiür untragbar, daß Palästina, das Land, in dem die Grabeskirche ist, unter dem Mandat des Staates der anglikanischen Kirche stehen solle. Es ist zu erwarten, rmfl amf dem Konigrefi die UebertraigaHi-g des Ma.ndates a<n ein katholisches Land gefordert werden wird. Ifieribei wird audi die Balfour-Dokferation in ttie D^kujssion gewogen werden. Professor Weizmann in Berlin Zum ersten Male seit dem letzten Zionistenkongrefi in Basel und seitdem er die Aerater eines Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation niedergelegt hat. ist Dr. Chaim Weizmann jetzt Vor die Oeffentlichkeit getreten. Es geschah dies in zwei Versammlungen in Berlin, in einer öffentlichen Versammlung im Bachsaal am Abend des 10. Oktober, einberufen von der Z. V. f. D. und der B. Z. V., und bei eirier ihm zu Ehren gegebenen Veranstaltung der Jewish Agency am 11. Oktober bei Kroll. Mit diesen beiden Veranstaltungen wurde die Winterarbeit des Keren Hajessod in Deutschland eingeleitet. An beiden Abenden wurde Dr. Weizmann, der, wie bei verschiedenen früheren Gelegenheiten, auch diesmal zum Ausdruck gebracht hat, wie gerne er mitten unter den deutschen Zionisten und Pnlästina-Freunden weilt, sehr gefeiert. An beiden Abenden ging Weizmann jeder Erörterung der politischen Lage des Zionismus geflissentlich aus dem Wege, seine Ansprachen waren Werbereden für den Zionismus und für die tätige Mitarbeit an dem Aufbau des jüdischen Palästina, die die Zuhörerschaft zu begeistertem Beifall hinrissen. Die spanische Republik und die Juden Madrid, 9. Oktober Während der Debatte über die Trennung von Kirche undStaat üüihirte der Ju$ti«mim,iet©r der spanischen Republik, Dom Fer* nando, de Los Raas, in der Kammer mnter BeifaR aus, die spanische Republik wünscht, historisches Um recht wieder gutaumachen. Die katholischen Abgeordneten mögen sich an die Geschichte der Gjpaauschen Kirche und ihre Judenverfolgungen erinnern, Verfolgten« gen, die in der JindenaOBtreiilbung aws Spanien im Jahcr* 1*98 ^fdten. Au« der Türkei Die Lage der Juden in der Turkd verschlectitexC sieh von 'Tag sa Tag. Naehdem anter größten Schwierig* keilen di» Schließung det' judischen Schulen wa deren1 Erhaltung die Regierung nichts beitragt —^ verhindert wurde, ist jetrt ein. Regienmgserlaß erschienen, welches! den Wert der jüdischen Schulen stark herabmindert. Von nun ab können absolvierte jüdische Schuler, obzwar die Absolventen tadellos Türkisch sprechen, nicht mehr ohneweiters die Universitätea besuchen. Sie müssen eine eigene Prüfung ablegen. Das heißt der größte Teil wird bei diesen Prüfungen durchfallen, denn der Regien rungserlaß wurde über Drängen der nationalistischen Presse erlassen, welche darüber klagt, daß «u viele Höres aus Kreisen de? nationalen Minoritäten (Juden und Griechen) die Hoohschulen besuchen. Charakteristisch iat< daß die Verordnung nach Abschluß der Efoacnre&ungeq vtM^enoinmcn ward«, so daß heue* überhaupt keine} Juden »«m UnrversitSt««todSum sagafaMsen ^ordeo, <** in sohwtt JtoAsdtitÜAüOi? ^bttvn\ivtftAett r&ati K)6> Ü umschaute, gewahrte er, daß das Volk so weit zurückgeblieben war, daß es ihn nicht mehr hören,, nicht mehr verstehen konnte. Das jüdische Volk ist von seinen Musikern, seiner Musik, durch eine tiefe Kluft getrennt. Die wenigen Berührungspunkte bestehen npch iihmer fast ausschließlich im primitiven Wesen der Volksmusik. Auf dem Wege zur Kunstinusik jedoch werden große Teile des Volkes abgesprengt. Und so müesen *rir — merkwürdig genug — immer und immer wieder für die jüdische Musik eintreten, den Zweifelnden und Ablehnenden etwas zu beweisen suchen, wa« eines Beweises eigentlich kaum bedurf; daß das jüdische Volk, welches im ursprünglichsten Sinne de« Wortes musikalisch tief veranlagt ist und seit Urzeiten in intensivster Beziehung zur Musik stand und steht, daß auch das jüdische Volk eigene Kompositionen, aiue eigene Musik — Tempelmusik, Volksmusik, Kunstin usik —- besitzt. Wahrend also die jüdische Musik sich innerlich bereits in einer gefestigten Position befindet, hat sie äußerlich noch sehr hart zu kämpfen. Daß die große Masse unseres Volkes der Kuustmuttik manchmal verständnislos gegenübersteht, ist aus der Eigenartigkeit unseres Schicksals heraus faßbar. Erst die Epoche der Renaissance, dte im Juden ein neues Ideal geprägt, ihn au« seiner Zwiespältigkeit herausgerissen und iu eiue neue Wirklichkeit gestellt hat, konnte auch die Kräfte für eine eigene Musikäußerun^ von manchen Heaunüngeu and Einflüssen befreien. Joel Kogel hat als erster die Möglichkeit einer jüdischen Kuttfitmusik erwogen und vor 3$ Jahren die Vorbedingungen angedeutet, das Euteteben manches Werkes aaferegt und die g«u«e Bewegung ia FlaÖ gebracht. Em Bttok **i die inmwischea Mrikfcjefogte Entwicklung lehrt, in welch ü^erraachendaai Tohupo sich die jüdische Müsiik in Form und Inhalt bis *ar Selbständigkeit emporgearbeitet hat, . Wir überblicken bereits drei Etappen: Sammlung der Volksmusik, deren Verwertung und Ausnutzung und da« freie, seMtUnddge Schaffen. Eingeleitet wnrde die Bewegung dttreh die „Gesellschaft für jüdische Tolksmasik" io Petereburg (gegr. 1908), die unter Führung von S. Ro s 0 w s k y, Engel — dem Vorkämpfer dieser Idee, der er sein ganze« Leben Untergeordnet hat^a. a. eine gewaltige Pionierarbeit leistete. Das Nächstliegende war^tlas Samjmeto and Bearbeiten ton Volks- und syjiagogale*i Melodien, neuen Stoff 2u finden, das Bewußtsein für ilvh im jüdischen Musiker zu wecken, seine Phant?«ie au bei ehe« lind ihr einen neuen, starken Impuls aur jüdischen Musik und ihrer Eigenart zu geben. In diesem Zusammenhange muß eine sehr bemei-keftswerte Tatsache hervor^eiiafcen wer» den: daß die jüdischen Volksweisen in Werken vonnielitjüdisehen,- vorwiegend russischen Komponisten ihre Auferstehung erlebten, 'noch bevor sich det jüdische Musiker dieses:Sbhatees bemächtigte. So haben Glinka, Balakirew, Rimeky-Kbrsakow und besondere Mussofgsky m ihren Werken wiederholt indische Melodien behütet. 1 { . Ein kleiner Kreis begabter jüdriseber Musiker, veipr feurigen Glauben an die Zukunft einer jadischen Musik erfttilti ward damals versammelt. Des Wissen u» > das Sjebidf^al de« eigenen Volke* gab ihnea die Gecttciascha^Uiohkeit der Empfindungen. Von inuea her werden sie. zum eigenen, arsprüngliohet» und lebeiskräfüfea Schalfeit gedrängt. Aus dem «elbewuätea Witten «Heasr1 Musiker hat sich die jüdische Muaik entwickelt. VSeie Werke ea^taudea, <«• ia» jtiriiMfce« Geist, ist jß&- eoben Ekupfönden v*rwu»elt ebad utnd dkxdi |0dlscbesl Melos und Rhythums getragen werden. Es ist nScht das ersteamal kn Veriauf det MasiSk . ge.^caaohte, daß aus bescheidenes* Anfängen, ans dean Weaen der Voiksanusit im Laufe von Jahrhait, derien eine aeibatandiga KnjustmusaSc «ich eartwickeln; konnte. Anch In der „Jüdischen Mösik" dokninentäeri sich von nettem die Gesetzmäßigkeit einer solchem wicklang. Die Tatsache jedoch, daß die jüdischen Musiker die folktofis^scbe Periode so rasch hinter sich hatten, ferner die Tatsache, daß wir bereite tto viele 1 KotnpoetÜonea etgens^öpferfcciheir Potem yoti hohes: musikalischer Natur besitzen — die Mrasö: eines jeden Volke« bedurfte im Anfang«stadäum der befrachtendes* Einwirkung fremder Werke -~ beweist die MSgliohkefl; eines jüdischen St&s in der Mus£k zxu Genüge. Wir dürfen die letzten MusiikechöpfTuigeta (unsere« besten heute lebenden Komponistesn eis Prodirkt reinsten : Kunstempfindens wrten. Bs ist kein Phantom, das uns anlockte, um uns nach, kurzer Zeit wieder abzustoßen. Was die jüdischen Musiker in drei Jahrzehnten vofl* brachten, ist mehr, als man anfangs erwarten durfte and konnte. Allen Zweiflern gegenüber weisen wir darauf hin, daß die jüdische Musik, unaufhaltsam fast alle Bezirke miraikalischer Formen gestaltend, sich immer mehr Baiin bricht und heute nicht mehr wegzuleugnen ist Die Träger dieser Entwicklung sind neben de« Obengenannten: Aehron, Gnessia, Erneet Bloch, Kr ein, Lewis, Miliner, Sandberg, Weprik, utn aar die wichtigsten «u nennen. Die neue jüdische Musik ist heute durch die Werke dieser Musiker hm- IfngKeh legitimiert und nur böswöläge Absloht kann hier leugnen, was bereits da Tatsache ist. fScfcfefl ftofe*

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