Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 212 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711831--2763-2716082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE NEUE WELT »r m Palästina und Round Table «Konferenz Palästina als SAadiemhjekt — Gandhis »geistiger« Zionismus — Wie die Nali'onal'IoKler «rfvkffdi denken — Geht der Großmuftit kl London tagt zur Zeit eine Konferenz zwischen den britischen Regierungsvertretern und den Vertretern Indiens zwecks Bereinigung des britisch-indischen Konflikts. Es geht darum, daß die britische Regierung sich bemüht, mit den tun. ihre nationale Freiheit ringenden Indern einen Modus vivendi zu schaffen, das heißt, durch gewisse Konzessionen an die indische Nationalpartei , der A u f s i a n d s b e w e g u n g , ein Ende zu machen. Alle Welt weiß, daß an der seit fast einem Jahr in Funktion befindlichen Konferenz alle anderen, nur nicht die echten Vertreter der indischen Nationalbcwegung, teilnehmen. Auch^d-er Umstand, daß Mahatma Gandhi an den Besprechungen in London teilnimmt, ändert nachte daran: Tatsächlich führt die kleine islamitische Minorität das große Wort an der sogenannten Round-Table-Konferenz, während die große indische Nationalbcw.egu.ng von dieser Konferenz so ziemlich nichts wissen wül. So ist es auch erklärlich, daß es mit der Round- Table-Konferenz nicht reclit vorwärts will. Die. Verhandlungen sind wieder einmal ins Stocken geraten und man versucht, zu einem neuen Auskunftsmittel zu greifen. Sowohl von Seiten des bekannten islamitischen Führers und Hetzers Schaukat A li, , der an der Konferenz teilnimmt, als auch von gewissen britischen1. Kreisen wird der Vorsuch , gemacht,. das indische Problem mit anderen zu vermengen, die in gar keiner Realition zu ihm stehen. Unter der Initiative Schaukat Alis und einiger englischer Politiker beschäftigt man sich mit der Möglichkeit» den Indern außerhalb Indiens Konzessionen zu machen. Außerhalb Indiens — das ist - in Palästina; Mit anderen Worten: Indische Forderun- - gen sollen auf Kosten Palästinas und des Zionismus befriedigt werden. Palästina ist . das Schacherobjekt im Verhandlungskampf zwischen den britischen Re- : gierungsvertretern und den mohammedanischen Indern,,die Schmerzen der Inder sollen mit palästinensischem Pflaster geheilt werden. Diesbezüglich liegt folgende Meldung der J. T. A. über die gegenwärtig tagende Round-Table-Konferenz' vor: ■ '■•■•'•>,• :• ••..« .; in politischen Kreisen ist es kein Geheimnis, daß: die gegenwärtig in London 'stattfindendeTridische Round- Table-Konferenz wegen der Zuspitzung der Differenzen nicht recht weiterkommt und'daß man von englischer Serie bemüht ist, durch Konzessionen auf abseitigen Gebieten die verhandelnden Parteien zu eircer Aufgabe des starren Standpunktes zu bewögen. Scharf unnachgiebig zeigte sich bisher die Vertretung der m o s 1 emitischen Minderheit an. Indien gegenüber ger wissen Vorschlägen von seiten der Inder. Nunmehr will es scheinen, al« ob sich die Vertreter der indischen Moslems gegenüber Kompromißvorschlägen von der Seite der Engländer, die ihnen Konzessionen in anderen moslemitisohen Ländern, Palästina eingeschlossen, anbieten, um ihre Geneigtheit zur Schließung » eines* Kompromisses mit den Indern zu erkaufeai, zugänglicher zeigen. Schaukat Ali ist runter den Führern der indischen Moslems derjenige, der solche Konzessionen außerhalb Indiens sogar zu einer der Grundlagen der Verhandlungen gemacht sehen will; hat er doch vor seiner Abreise aus Palästina zur Londoner Konferenz erklärt: .(Friede mit den Engländern bedeutet nicht nur Regelung der indischen Frage/ sondern auch Lösung der Fragen des Jazirats, Ularabs und anderer moslemitischer und arabischer Länder." Ein anderer Führer der indischen Moslems, Aga Khan, verhält sich solchen Konzessionen gegenüber etwas reserviert, die große Majorität der moslemitischen .Delegierten auf der Konferenz steht aber hinter Schaukat Ali. Diese Machiniatianen haben in'der politischen Welt" reichliches Aufsehen erregt, so daß die ziemlich durchsichtige Taktik des Dementierens angewendet wird; indem ein anderer Vertreter der indischen Moslems zu entgegengesetzter Stellungnahme ausgesandt wird. Die J. T. A. berichtet Weiters: Der einzige indische Moslemführer, der den Intentionen Schaukat Alis offenen Widerstand entgegensetzt, ist Sira 1 i Imm'an, der Sprecher der indisch-nationalen Moslems auf det Konferenz. Sirali Imman erhebt' schärfsten Einspruch dagegen, daß die indischen Moslems auf der Konferenz irgend etwas anderes als uur innere Angelegenheiten Indiens erörtern. Die hauptsächlich . für A m e r ik a. bestimmte Rede, die Aga Khan im Rund Tunk hielt, zeigte das Bestreben, allzu große Befürchtungen hinsichtlich einer Einbeziehung von .Fragen , anderer mosl emitisch er Länder in den Rahmen der, Konferenz zu zerstreuen; sie bewies aber nur, daß solche Befürchtungen, insbesondere von zionistischen Kreisen, nicht ohne Grund seien. Aga Khan führte in,- seiner .Rundfunkrede . iin- ■ gefähr aus: »War sind angeklagt, worden, in . unseren: Bestrebungen über unsere , indischen Grenzen . hinausgegangen zu sein und nicht, .unseren .ganzen politischen; Patriotismus auf Indien konzentriert zu haben. Diese Anklage ist nicht begründet. Wir Moslems sind eine welt uins pann ehd€ B r üd evr schä f t, wir teilen Freud und Leid mit den Moslems in der ganzen Welt, politischjedoch haben wir kein anderes Land als Indien und keinen anderen Patriotismus als den indis efh'ö-'h."' ''•"•r" '': ::"' ' '• f. . .. .., .:','■.'?.".;••. .) ,.'"*" "■'.' ■■ Auch Mahatma GaritihY bewegt Vieh jetzt in; London auf der Linie der' gute1«! Ratschläge an d i e J ü d e n, auf' ihren „ni a t e rTe 11 e h" Zionismus zu., vernichten, und. sich auf , einem. „g e is t igen" zu betätigen. Politiscli bedeutet dieser Ratschlag so viel: als den Verzicht auf Palästina. Einem arbeiter des Londoner „J iah C h r o n i c 1 e" ' . M ' Gandhi ein Interview, ,in*d£ssen Verlauf er sich den Zionismus folgen dermaßen äußerte; v ■ ,,Dejf-Zio^ismijS; in ^nem geistigeö^Sinu ^t evh-ajbe/ie^. Aspjralioh, ttb^;*J$er, ^Zionismus, #er W i e.dje i.b; e s(.ß \ z u> n g P ay ä $t'i n «'S», 'V r c,'ii 4 di e J u d ö ö zum Ziele hat, übf auf mich keine Anziehung' aus. Ich verstehe, fügte Gandhi hinzu, die Sehnsucht des Juden nach Rückkehr in das Land seiher ,. Väter j ex kann und 'soll das tun,^ soweit .sich diese Rückkehr ohne Hilfeenglischer oder jüdischer. Bajonette voll- Mitgab über eine ..die, zieht. Denn iu einem solchen Falle würde der Jude, der nach Palästina gebt, iin voltkommenem Frieden irod ki Freundschaft mit den Arabern leben. Der wirkliche Zionismus, der in den Herzen der Juden ruht, Ist ein Ziel, nach welchem man streben und für das man sein Leben hingeben soll Ein solcher Zionismus ist die Wohnung Gottes. Das wirkliche Jerusalem ist ein geistiges Jerusalem. Und diesen geistigen Zionismus kann der Jude in jedem Teil der Welt verwirklichen.** Was die indische Nationalbewegiung aber in Wirklichkeit über den Zionismus denkt, weiß die zionistische Welt Als vor einem Jahr das berüchtigte Weißbuch Passfields erschien, richtete der indische Nationalkongreß durch seinen Sekretär alt die jüdische Welt aufmunternde Worte und verkündete offen die Bereitschaft, dem jüdischen Volk in seiher gerechten Forderung auf Palästina beizustehen. Ein Vertreter des indischen Nationalkongresses, der sich damals in Amerika aufhielt, fand nicht genug scharfe Worte des Protests gegen Englands antijüdische Palästinapolitik. Schauikat Alis Vorstoß in London ist heute um so aktueller, als die Möglichkeit besteht, daß sein Freund, der Großanufti von Jerusalem, das Amt, das ursprünglich mit neun Jahren limitiert war, aufgeben muß. Was sich diesbezüglich hinter den Kulissen abspielt, ist noch nicht ganz ersichtlich. Immerhin weiß die J. T. A. bereits folgendes zu melden: Aus den Kreisen des Großmufti von Jerusalem ist dem Kolonialamt in London der Vorschlag unterbreitet worden, die demnächst ablaufende neunjährige Amtsdauer des Großmufti von Jerusalem als Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates automatisch, ohne daß eine Neuwahl ausgeschrieben wird, zu erneuern, was faktisch bedeuten würde, daß die Verordnung des einstigen High Commissioner Sir Herbert Samuel, wonach der Großmufti lebenslänglich Vorsitzender des Rates bleibt, bestätigt wird. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Kolonialamt diesem Vorschlag die Billigung versagt. •Es, .jvird erwartet, daß der Wettstreit um das Amt eines Präsidenten des Moslemitischen Obersten Rates, in das l-932,tSir Herbert Samuel den Mufti eingesetzt hat. entbrennen wird. . .Auf eine Anfrage der Londoner Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Kolonialamt über die Möglichkeit, einer Neubesetzung des Postens eines Präsidenten dps Obersten Moslemitischen Rates wurde eine^ .n u r seh r ,11 n bestimmte A n.t wort gegeben,, Ans Kreisen des, Kqlonialamtes wurde darauf hingewiesen, (iaß^Si.r Herbert Samuel in seiner Verordnu.ng vom iahre 1921 den 'jtfufti'' zum da u e r nd e'n Präsidenten', des "Rates ernannt hat. Gleichzeitig. aber wurde 'die Möglichkeit eines Wechsels in dieseln Amte zugegeben, da Sir Herbert Samuels Verfügung von seinem Nachfolger Lord PI um er als ungeeignet befunden wurde. Lord Plumer hat eine Kommission zur Revidierung dieser Verfügung eingesetzt, insbesondere in Zusammenhang damit, daß die 1926 siattgefundenen Wahlen zum Obersten Moslemitischen Rat durch das Oberste Gericht deshalb annulliert wurden, weil der Mufti'die Wahlen in einer1 Weise leitete, daß sie nur seihen eigenen Zwecken dienten. Infolge der Uneinigkeif in den arabischen Lagern und des Verhaltens des Mufti konnte die Kommission erst 1927 ihre Arbeit beenden. Damals war es die Absicht der Regienung, die Vorschläge der Kömmission zu veröffentlichen, um der moslemitischen Bevölkerung Gelegenheit zu geben. Wien VI, Amerlingsti>aBe I Qualllälsware. beste Austührung GEGRÜNDET 1873 HER R.JE « - Hl ft 88 - ATE LIER Wir kaufen Kassa ein und verkaufen nur gegen Barzahlung. Demzufolge billige Preise? In fremden Tofenbleidern Von Jona Rosenfeld. . . Vater-Mutter pflegten eich off unmittelbar ' vor Sabbat oder Feiertagen zu überwerfen und das nicht so sehr, weil man nicht auf Sabbat oder Feiertag hatte, sondern mehr wegen unseres reichen Verwandten Reb Dovidl" Weinschenkerl der im ganzen Städtchen Ruf genoß ob seiner Wohltätigkeit und deV'schönen Almosen, die er gab, und darob, daß er den' Verwandten gut war, wovon gar nicht mehr zureden ist. Mein Vater aber wollte diesen Reb Dövldl nicht kennen. Es paßte ihm nicht, meinem Vater, von dein etwas zu empfangen; Und es mag 6ein, daß et, würde jener seine Sache still machen, dann und wann seinen Stolz beiseite ließ und einen Zettel mit einer Bitte nach einem Rubel für den Sabbat und paar Rubel für Feiertage schickte, Aber dessen gewiß, daß das sofort das ganze Städtchen erführe, war es. ihm lieber, Brot uud.Hering am Sabbat »u essen, um den Leuten ruhig in die Äugen sehen zu kff&nen, . , , , . ':; Meine Mutter *b?r, eben eine |>au, konnte det Vaters Eigentümlichkeit nicht begreifen. , %%. sagt« zwar niohyt, daß er gehe oder echicke, um einen Rubel für Sabbat zu bekommen,, sie deutete nur so an, daß der eine Verwandte, raanchmai auch der,andere, dies und j«oe# Wft Reb Dovkil bekomme« h«ta, und der Vatar . ••"*<:» •* ) .• erwiderte regelmäßig: „Na, und was willst du?" Mutter antwortete niclit, er aber verstand, was sie wolle. So schrie , er laut, nicht zur Mutter, nur so in die Welt hinein: „Gotteswillen, ein unappetitliches Schwein ist er, höret du, Frau, was ich dir sage? Warum darf man an einem Schwein keine Freude haben? Warum? Ha? Weil es "trefe ist. Und dieser Jude ist noch mehr trefe als ein Schwein. Hörst du? Nicht erleben wird er . es, nicht erharren wird er es, der grobe Flegel." Und bei solchen Gelegenheiten bewies er ihr, daß alles Gute, das dieser Reb Dovidl erweist, nicht aus dem Herzen komme, sondern damit die Leute von ihm sprechen. Und alles, was nicht mit ganzem Herzen getan werde, wird „dort" nicht eingerechnet» denn <,dort" weißt matt alles. Und die Hauptsache, das was er damit gesagt haben wollte, tat das: ,Jch versichere dir, daß er als armer Teufel nach jener Welt kommen wird." Allem Anschein nach fand mein armer Vater Trost dwin, daß sein Schwein von einem Verwandten arm hinübergehen, wird.:; . . . . - Na, ob er, dieser Reb.•Weinschenkw, als Reicher oder als Armer Wnüb^rgekwaen ist, weiß mein. Vater nun beasar «1s ich. Und wann man dort in der Welt der Ewigkeit auch nur soviel weiß wie wirhier, so wird es für ihn, meinem gottseligen Vater, gewiß eine Ueber* Miohnng «ein. wenn ich ihm berichten,./werde; (beim Besuch seines..Grabes.), daß die Hälfte,sojner Rrophezeiimg bereite hier m£ dieser Welt ei»getraf£e© ißt. Er ist hier noch zu Lebzeiten arm geworden, in fremden Totenkleidern begraben worden. Das hat mir vor kurzem einer meiner Landsleute erzählt, von dem ich übrigens auch erfuhr, daß Reb Dovidl nicht mehr ist. Gerade mit diesen Worten hat er es mir erzählt. Nun ist auch Reb Dovidl nicht mehr. Das "war auch der Grund, daß ich mich an die Geschichte erinnerte und beschloß, sie niederzuschreiben, um solcherart meinen Vater und den vor kurzem Verstorbenen unter einem Gedenkstein zu verewigen, wiewohl mein Vater, wüßte ex es, das gewiß nicht leiden würde Na, ich werde, wenn ich sein Grab besuche, ihn um Verzeihung bitten. Aber bis ich dazu komme, sein Grab zu besuchen» möchte ich doch gerne, d^ß et mir im Traum erscheine und erzähle, welchen Empfang er, dieser Reb Dovidl, dort auf jener Welt hatte. Und um der- Wahrheit willen muß ich sagen, selbst gegen meinen eigenen Vater, daß ich im. Zweifel bin, ob man meinem Vater dort die Tore des Paradieses geöffnet hat, sogleich ajs er ankam. Denn wenn jenem, dem verstorbenen Reichen, wie der Vater versicherte, die Wohltätigkeit nicht eingerechnet würde, da er sie nicht nm ihrer selber willen übte, bin ich im Zweifel, ob mein Vater dorthin als Reicherer anlangte wde der soeben verstorbene Reb Dovidl Soweit ich weiß, ost meines Vateors geistig«. Ii tum, den er mit den geistig Armen v^u teilen pfleg u-, aitch nicht um seiner selber willen tm&*&M wqj&ki, .ewKfcg». im die Qb^ertechaf*